Eugen-Richter-Institut



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Das Eugen-Richter-Institut arbeitet f�r eine fortschrittliche und freisinnige Politik.

Vor allem m�chten wir das Leben und Werk von Eugen Richter (1838-1906) wieder bekannt machen.




Eugen Richter: Reden gegen das Sozialistengesetz

Im Mai 1878 ver�bt Max H�del ein Attentat auf den deutschen Kaiser. Bismarck nutzt das sofort, um ein "Sozialistengesetz" in den Reichstag einzubringen, auch wenn H�del nur sehr lose mit den Sozialdemokraten zu tun hatte. Allerdings lehnt der Reichstag den Gesetzesvorschlag ab. Als im Juni ein zweites Attentat durch Eduard Nobiling ver�bt wird, bei dem der Kaiser schwer verletzt wird, l��t sich Bismarck das nicht entgehen. Nobiling hat zwar nichts mit den Sozialdemokraten zu ...tun, dennoch fordert der Kanzler wieder ein "Sozialistengesetz" und l��t den Reichstag aufl�sen. Bei den Wahlen im Juli 1878 werden die Nationalliberalen massiv unter Druck gesetzt, die bisher gegen ein Ausnahmegesetz waren. Im Oktober fallen sie dann um, und das "Gesetz gegen die gemeingef�hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" wird angenommen, das bis 1890 gilt.

Im vorliegenden Buch, das soeben bei Libera Media, erschienen ist, werden die beiden Reichstagsreden von Eugen Richter (1838-1906) wiedergegeben, der wie seine Partei, die Deutsche Fortschrittspartei, im Mai und im Oktober gegen das "Sozialistengesetz" eintritt. Mit einer ausf�hrlichen Einleitung, zus�tzlichen Materialien aus der Zeit sowie zahlreichen Fu�noten mit Erl�uterungen wird der Zugang f�r den heutigen Leser erleichtert. Das Buch ist �ber Amazon erh�ltlich (einfach auf das Bild klicken):

Reden gegen das
                                  Sozialistengesetz





Franz von Holtzendorff: Richard Cobden


Bei Libera Media ist soeben das Buch "Richard Cobden" von Franz von Holtzendorff aus dem Jahre 1866 als kommentierte Neuausgabe erschienen. Urspr�nglich handelte sich um eine Rede vor dem Berliner Handwerkerverein, die Franz von Holtzendorff, einer der f�hrenden Juristen seiner Zeit, zu Ehren des gro�en Freih�ndlers gehalten hatte. Franz von Holtzendorff hatte Richard Cobden bei einem Aufenthalt in England selbst kennengelernt.

Die Neuausgabe enth�lt eine ausf�hrliche Einleitung zu Franz von Holtzendorff und Richard Cobden sowie zahlreiche Fu�noten, die den Hintergrund, Personen und ungew�hnliche Worte erl�utern. Das Buch ist �ber Amazon erh�ltlich (einfach auf das Bild klicken):

Richard Cobden


Weitere B�cher von Franz von Holtzendorff bei Libera Media:



Die Freiheit des Schankgewerbes


Seit letztem Jahr bringt der neue Verlag Libera Media B�cher rund um den klassischen Liberalismus neu heraus. Zu allen Werken gibt es eine Einf�hrung in den Hintergrund und zahlreiche Fu�noten, die Zusammenh�nge, Personen und ungew�hnliche W�rter erl�utern.

Von Eugen Richter gibt es schon "Die Freiheit des Schankgewerbes". Das Buch ist �ber Amazon erh�ltlich sowohl als Buch als auch als Ebook:

Die Freiheit des Schankgewerbes

In dieser fr�hen Schrift aus dem Jahre 1862 besch�ftigt sich Eugen Richter mit der kleinlichen Regulierung des Schankgewerbes in Preu�en. Mal wird die Macht der Polizei zur Schikane f�r die Opposition benutzt, dann wieder sollen vermeintlich moralische Zwecke verfolgt werden: Sein Fazit lautet letztlich:

"So lange in unserem Staate die Polizeiverwaltung eine solche gesetzgebende, richterliche und vollziehende Gewalt in sich vereinigt, verdient Preu�en noch nicht den Namen eines Rechtsstaates."

Weitere B�cher von Eugen Richter werden folgen ...



Die "Sozialdemokratischen Zukunftsbilder" als Video und Musik


Eugen Richters "Sozialdemokratische Zukunftsbilder" von 1891 werden vom individualistischen K�nsterkollektiv "Kapitalistenschweinen" als Video und Musik interpretiert.

In seinem vision�ren Roman malt Richter aus, was nach dem Sieg des Sozialismus geschehen wird. Und w�hrend die Sozialisten mit ihrem Prognosen andauernd danebenliegen, trifft er dabei voll ins Schwarze, bzw. Rote:

  • Verfall der Wirtschaft und Armut
  • protestierende B�rger mit dem Ruf "Wir sind das Volk!"
  • Einf�hrung des Schie�befehls an der Grenze
  • Spitzel, Polizei und Milit�r ohne Ende

Hier die ersten vier Kapitel via YouTube:

Und das Titelst�ck (mit kleinem Fehler am Anfang durch YouTube):




Freisinnige Zeitung - der Blog des Eugen-Richter-Instituts



Am 9. April haben wir den Blog "Freisinnige Zeitung" gestartet mit einer Mischung aus aktuellen und historischen, freiwillig und unfreiwillig komischen Artikeln:

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Der Name erinnert hierbei an die von Eugen Richter begr�ndete Tageszeitung gleichen Namens. Auf den Blog ist auch der Artikel "Gut gezielt, liebe Schweizer!" umgezogen.






Neue B�cher von Eugen Richter


�ber den Digitalisierungdienst EOD books2books haben wir verschiedene schwer erh�ltliche Werke von Eugen Richter digitalisieren lassen. Diese sind nun auch �ber Amazon erh�ltlich. Als erstes sind erschienen:

Und nun auch wieder erh�ltlich:

Weitere B�cher werden folgen.

Au�erdem sind soeben auch die "Sozialdemokratischen Zukunftsbilder" in einer neuen �bersetzung in die niederl�ndische Sprache erschienen als "Sociaaldemokratische Toekomstbeelden. Vrij naar Bebel".



Die Sozialdemokraten, was sie wollen und wie sie wirken



Dieses Buch Eugen Richters aus dem Jahre 1878 ist soeben neu von EOD aufgelegt worden und zum Preis von 7,90 �ber Amazon erh�ltlich. Es enth�lt die folgenden sieben Kapitel:

I. Die Entstehung der sozialdemokratischen Partei in Deutschland (1863 � 1871)
II. Die Sozialdemokratie und die Gesch�ftskrisis (1871 � 1874)
III . Das Programm der Sozialdemokraten von 1875
IV. Die sozialdemokratische Partei in den Jahren 1875 � 1878
V. Bl�thenlese aus der Schrift: "L�sung der sozialen Frage" von Most (dem Reichstagsabgeordneten, Geschichtsforscher und F�hrer der Berliner Sozialisten)
VI. Das Programm der Sozialisten f�r die Kleinbauern und Landarbeiter
VII. Die Post, angeblich eine sozialdemokratische Musteranstalt

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Allein f�r die Zitate aus dem Buch von Johann Most lohnt sich das Buch. So zitiert Eugen Richter Mosts Forderung nach einem sozialistischen Theater:

Ferner mu� die Eintheilung des Zuschauerraums im sozialistischen Theater eine ganz gleichm��ige sein. Extrapl�tze f�r reiche Tagediebe und elende H�hnersteigen f�r das arbeitende Volk darf es in einem sozial-demokratischen Theater nicht geben, oder vielmehr, es kann keine solche Eintheilung daselbst vorkommen, weil die erstgenannte Menschenkategorie unter der Herrschaft des Sozialismus nicht denkbar ist.***)

Und f�gt sp�ttisch in der Fu�note hinzu:

***) Es w�rde doch zweckm��ig sein, einer neuen Auflage der Most'schen Schrift den Grundri� eines Theaters mit vollst�ndig gleichwerthigen Pl�tzen beizuf�gen.



Die Irrlehren der Sozialdemokratie



Sehr erfreulich: "Die Irrlehren der Sozialdemokratie" von Eugen Richter sind in einem Nachdruck einer Ausgabe von 1893 (Original: 1890) wieder verf�gbar. In diesem Buch stellte Eugen Richter seine Argumente gegen den Sozialismus zusammen. Es bildet die theoretische Grundlage f�r seine ein Jahr sp�ter erschienenen "Sozialdemokratischen Zukunftsbilder".
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Hier unsere Rezension auf Amazon:

Eugen Richters "Irrlehren der Sozialdemokratie" erschienen erstmals im November 1890, kurz nach Auslaufen des Sozialistengesetzes, und erreichten schnell eine Auflage von mehr als 80.000 Exemplaren. Die Kapitel waren zuvor als eine Serie von Artikeln in der "Freisinnigen Zeitung" erschienen. Wie Eugen Richter s�ffisant bemerkt: "Die sozialdemokratische Presse hat diese Skizzen zuerst geglaubt, ver�chtlich �bersehen zu k�nnen. Dann aber, als sie das Interesse gewahr wurde, welches diese Skizzen in weiten Kreisen erregten, versuchte sie durch allerlei Wortklaubereien die Richtigkeit der Wiedergabe der sozialdemokratischen Ziele zu bem�ngeln; als dies auch nicht verfing, wurde dem Verfasser eine Flut von Schimpfworten in dem anerkannten Hauptorgan der sozialdemokratischen Partei, im "Berliner Volksblatt", und anderen sozialdemokratischen Bl�ttern zu teil. "Narren", "krasse Ignoranten", "dogmatische Dickk�pfe", "Idioten", "Petrefakten", "Museum f�r Antiquit�ten", "Altweiberm�rchen", "b�hmische D�rfer", "hinter's Ohr schreiben", "Falstaff", "phrasengeschwollener Molch", waren die Ausdr�cke, in denen die sozialdemokratische Presse ihrer Wut und ihrem Aerger �ber diese Ausf�hrungen Ausdruck gab. Alles dies verst�rkt nur den Eindruck einer jammervollen Hilflosigkeit der Sozialdemokratie, sobald sie sich einer Kritik ihres eigentlichen Programms gegen�ber befindet. Gern ist deshalb dem mehrfach ge�u�erten Wunsch entsprochen worden, eine Kritik der sozialdemokratischen Irrlehren auch in Form einer Brosch�re wie der vorliegenden zu verbreiten."

Und dann geht Eugen Richter ans Werk. Zuerst sch�lt er aus den Phrasen das eigentliche Programm der Sozialdemokraten heraus, das diese vor ihren W�hlern nur ungern er�rtern ("Das sozialdemokratische Versteckenspiel"): "Verstaatlichung alles Kapitals und Verstaatlichung jeder Produktion, Regelung auch der Konsumtion durch den Staat, gleicher Arbeitslohn f�r alle." Scharfsinnig folgert Eugen Richter, was dieses Programm zur Folge haben mu�. Zuerst einmal mu� alles Privatverm�gen verstaatlicht werden, und damit auch - ein f�r die Sozialdemokraten empfindlicher Punkt - die Ersparnisse der Arbeiter. Die Ertr�ge der Staatswirtschaft sollen dann gleich an die Untertanen verteilt werden. Dazu rechnet Richter einfach nach, was das bedeuten w�rde. Industriearbeiter, die Zielgruppe der Sozialdemokraten, w�rden weniger bekommen als unter dem "Ausbeutungssystem", weil es nur wenige Reiche und sehr viele Arme, zumeist auf dem Land, gibt. Im Mittel w�rden sich Arbeiter von 640 Mark pro Jahr auf etwa 840 Mark verbessern (eine Mark hatte eine Kaufkraft von etwa 10 Euro). Allerdings mu� der Staat nun Kapital bilden, weil Private das nicht mehr �bernehmen k�nnen, was diese Verbesserung zum gr��ten Teil wieder zunichte machen w�rde.

Aber damit nicht genug. Die Sozialdemokraten erwarten nicht nur, da� die Produktivit�t gleich hoch bleibt, sondern sogar noch phantastisch steigen wird. Eugen Richter erkl�rt ihnen, da� der Gro�betrieb nicht per se vorteilhafter als der Kleinbetrieb ist, und da� der Staatsbetrieb am schlechtesten wirtschaftet. Die Kombination, der staatliche Gro�betrieb, werde dies noch verschlimmern. Die Aufhebung der Konkurrenz beseitigt die Anreize f�r Verbesserungen der Produktion und den Erhalt des Kapitals. Der Ha� auf den Handel ist unberechtigt, weil der sozialistische Staat die entsprechenden Aufgaben weit schlechter verrichten werde. Und gleicher Lohn unabh�ngig von der Leistung erzeugt Unf�higkeit und Unlust f�r die Arbeit. Der Einzelne wird zum R�dchen in der Maschinerie, zum Sklaven des Staates: "Und nun vergegenw�rtige man sich die furchtbare Macht einer Beh�rde, welche souver�n dar�ber entscheidet, was der Einzelne zu arbeiten hat und welche dar�ber auch unbedingt entscheiden mu�, weil ja sonst ihr ganzer Produktionsplan zerst�rt werden w�rde und die von Bebel verabscheute "blinde Produktion" ja eben die Folge der freien Berufswahl sein m��te. Der Arbeiter befindet sich der sozialdemokratischen Beh�rde gegen�ber genau in der Lage eines zu lebensl�nglicher Haft verurteilten Zuchth�uslers. Auch im Zuchthause besteht gleiche Arbeitspflicht, gleiche Arbeitszeit, gleicher Unterhalt und dazu verschiedenartige Besch�ftigung nach Entscheidung des Direktors."

Da der Staat alles Kapital besitzt, wird es keine freie Presse und keine unabh�ngige Kunst und Wissenschaft geben. Wahlen werden zu einer Farce werden, weil der Staat alles kontrollieren wird. Das h�usliche Leben wird zerst�rt. Der sozialistische Staat wird notwendig despotisch sein: "Wenn �berhaupt eine Organisation der Produktion und der Konsumtion ausf�hrbar w�re, wie sie das sozialdemokratische Programm vorzeichnet, so w�rden die Staatsleiter, welche an der Spitze stehen, mit einer so despotischen Gewalt bekleidet werden m�ssen, wie sie in dieser Ausdehnung niemals auch nur im Orient bestanden hat." Und ohne Personenkult um den obersten F�hrer wird es kaum gehen: "Selbst die Phantasie reicht nicht aus, einen idealen Menschen auch nur zu tr�umen, welcher bef�higt w�re, eine solche Stelle einzunehmen, auch wenn an dieser obersten Stelle mehr als der vierst�ndige Arbeitstag verlangt und derselben ausnahmsweise ein h�herer Lohn gew�hrt werden sollte. Hier m�ssen schon �berirdische Vorstellungen von einem zur Erde herabgestiegenen g�ttlichen Wesen dazu kommen, um die M�glichkeit einer irdischen Vorsehung zu denken, wie sie der sozialdemokratische Staat voraussetzt."

Sogar die Bev�lkerung soll die Staatsleitung planen und Millionen beispielsweise nach Sibirien dirigieren oder per Di�t ihre Vermehrung steuern: "In diesem gro�en Zukunstsgedanken, welcher der sozialdemokratischen Staatsleitung zu guterletzt auch noch die Aufgabe zuweist, eine Menschenz�chtung durch bestimmte Ern�hrungsmethoden beliebig zu regulieren, hat die Bebel'sche Weltordnung ihren Schlu�stein gefunden. Bebel findet nunmehr, da� die Regulierung der Bev�lkerungszahl "ihre L�sung in der einfachsten Weise finden wird." Er schwingt sich stolz zu der Schlu�phrase auf: Der Sozialismus ist die mit klarem Bewu�tsein und voller Erkenntnis auf alle Gebiete menschlicher Th�tigkeit angewandte Wissenschaft. Wir aber schlie�en unsere Betrachtungen mit dem Ausspruch, da� der Sozialismus nur eine auf unklares Bewu�tsein und unzureichende Erkenntnis der Natur und des Wesens der Menschen und der Dinge begr�ndete Irreleitung der Arbeiter darstellt."

Insgesamt: eine brilliante und vision�re Kritik des Sozialismus, und das schon 1890.


Das gro�e Projekt des Eugen-Richter-Instituts:

Ausgew�hlte Artikel aus der 9. Ausgabe des Politischen ABC-Buchs von Eugen Richter finden sich im Eugen-Richter-Archiv.


Aktuelle Artikel:

Das Wort hat der Abgeordnete Richter:


Aus den Berliner Wespen,
                  8. Juni 1881

Aus: Berliner Wespen, 14. Jahrgang, Nr. 22, 8. Juni 1881



Die Verurtheilung der antisemitischen Bewegung
durch die Wahlm�nner von Berlin



Versammlung der Wahlm�nner aus den vier Berliner Landtags-Wahlkreisen
im oberen Saal der Reichshallen, 12. Januar 1881




Das Schlu�wort erhielt der Abg. Eugen Richter:

Meine Herren! Alles was von den sogenannten Antisemiten jetzt erstrebt wird, das Ziel all ihrer k�hnsten W�nsche, ist noch vor zehn Jahren in einem kleinen Theile Deutschlands geltendes Recht gewesen: der Ausschlu� der Juden von �ffentlichen Aemtern, Nichtbef�higung zum Erwerb von Grundeigenthum, Ausschlu� von gewissen St�dten und Gesch�ften � Alles das galt in einem Theile Deutschlands, aber dieser Theil hie� � Mecklenburg!

(Gro�e Heiterkeit.)

Mecklenburg war von jeher das Ideal des Junkerthums, aber Mecklenburg hatte auch die Eigenth�mlichkeit, da� es die meisten Auswanderer und die meisten unehelichen Kinder auswies.

(Beifall und gro�e Heiterkeit.)

Ich erinnere Sie an die mit zahlreichen Namen bedeckte Petition von Einwohnern Mecklenburgs aller Konfessionen, die 1867 an den Reichstag kam, um auch in diesem Staate dem sonst �berall l�ngst geltenden gleichen b�rgerlichen Recht Geltung zu verschaffen. Jener Anregung verdanken wir das Gesetz, welches der Reichstag im Jahre 1869 beschlo� und welches auch von Reichswegen die Gleichstellung aller Konfessionen dekretirte. Damals wagten selbst die Mecklenburger Junker nicht, gegen dieses Gesetz Front zu machen, damals galt es als selbstverst�ndlich, da� selbst in Mecklenburg die b�rgerliche Gleichberechtigung gelten sollte und wer aus irgend einem Zweifel an der Kompetenz des Reiches zur Einmischung in die Religionsgesetzgebung Einwendungen zu machen hatte, wie der Abg. Windthorst, der betonte zugleich ausdr�cklich, da� es unzul�ssig sei, fernerhin aus religi�sen Bekenntnissen Unterschiede in den Rechten der  Staatsb�rger herzuleiten.

So sprach man damals. Was liegt nun zwischen 1869 und heute? Es liegt zuerst dazwischen der gro�e nationale Krieg.  Ist in ihm der Grund zu suchen zu dem jetzigen Umschwung der Ansichten?

(Rufe: Nein!)

Gewi�: Nein! Wenn die Juden vordem, was ich bestreite, uns andern Deutschen fremd waren, so sind sie damals durch Blut und Eisen unl�slich mit uns zusammengekettet worden!

(St�rmischer Beifall.)

Standen sie nicht mit allen in einer Linie vor dem Feinde, Jeder an seinem Platze? Hat man im Kugelregen gefragt: Wer ist Jude und wer ist Christ und ist nicht Jeder nach seinen Kr�ften eingetreten f�r das Wohl des Vaterlandes?

(Lebhafter Beifall.)

K�nnen. wir etwa aus jener Zeit Vorw�rfe gegen die Juden erheben, schm�ckt nicht auch sie in gro�er Zahl das Eiserne Kreuz, das gemeinsame Zeichen des Patriotismus?

(Lebhafter Beifall.)

Unter den j�dischen Aerzten Berlins sind 32 mit dem Eisernen Kreuz geziert, eine Verh�ltni�zahl, die jedenfalls nicht kleiner ist, als bei den christlichen Aerzten. Und wenn es einiger Miniaturbilder bedarf, so kann ich Ihnen sagen, da� von zweien unserer j�dischen parlamentarischen Genossen der eine sich im Kugelregen des Schlachtfeldes das Eiserne Kreuz und den Rothen Adlerorden mit Schwertern erk�mpft und der andere seinen Sohn als freiwilligen Husaren vor dem Feinde verloren hat.

Und was sehen wir jetzt f�r eine unerh�rte Erscheinung? Junge Leute, welche die gro�e Zeit noch gar nicht mit politischem Bewu�tsein durchlebt haben wie wir � denn sie dr�ckten damals die Schulbank in Quarta und Quinta

(Heiterkeit)

� junge Leute, die noch gar nicht bewiesen haben, was sie werth sind, die dr�ngen sich vor und wagen es, diesen j�dischen Rittern des Eisernen Kreuzes und den V�tern, die f�r Deutschland ihre S�hne dahingegeben, entgegenzuschleudern, da� sie nicht zur deutschen Nation geh�ren?!!

(Lang andauernder, st�rmischer Beifall. Rufe: Pfui!)

Wo Menschen so klein werden, ziemt es sich, an jene gro�e Zeit zu erinnern. Damals wurde die deutsche Nation nichts blos als die tapferste, sondern auch sittlichste, gebildetste und geschickteste gefeiert. Heute erkl�rt man das Gegentheil. Weil sie wirthschaftlich nicht konkurriren k�nne, errichtet man hohe Z�lle. Die Wechself�higkeit will man ihr absprechen, damit sie nicht, wie kleine Kinder mit dem Messer, sich durch Ungeschick oder Leichtsinn besch�dige. Als ob in Liederlichkeit die Nation verkommen, eifert man gegen die Wirthsh�user, beschr�nkt die Volkstheater, k�rzt die Polizeistunde und bringt sogar ein Gesetz gegen die Trunksucht ein. Freilich scheint mir dies weniger gegen die Juden, als gegen die christlichen Vollgermanen gerichtet.

(Gro�e Heiterkeit.)

1870 schlugen sich die Deutschen tapfer gegen den Feind, heute glaubt man ein tapferer Deutscher zu sein, wenn man erst die Juden hinaushaut und dann unter sich in Versammlungen allerlei Klatschgeschichten �ber sie erz�hlt, die nicht nur keines deutschen Mannes, sondern �berhaupt keines erwachsenen Mannes w�rdig sind!

(Allseitiger Beifall.)

Heute sieht man es als eine Heldenthat an, wenn man mehr trinkt, wie die Juden, und tadelt es als gebildete Nation, da� die Juden so viel Kinder auf h�here Schulen schicken, und wenn man dann alle diese wackeren Thaten verrichtet hat � dann singt man: ,,Deutschland, Deutschland �ber Alles!"

(St�rmische Heiterkeit.)

Wahrlich: Unseren Freund Hoffmann von Fallersleben hat ein g�tiges Geschick davor bewahrt, diesen Mi�brauch seines prachtvollen Liedes mit erleben zu m�ssen, denn, das gestehe ich offen: wenn das deutsch, wenn das christlich sein soll, dann m�chte ich lieber �berall in der Welt sein, als im christlichen Deutschland!

(Lebhafter Beifall.)

Wenn die Deutschen wirklich nicht sollten ertragen k�nnen, da� immer der 84. unter ihnen ein Jude ist und sie sich f�rchten, da� gerade dieser eine die �brigen 83 �berfl�gelt, dann hei�t das doch wirklich, das Deutschthum zur Unehre des deutschen Namens herabdr�cken.

(Sehr wahr!)

� Es wird dermaleinst nicht das kleinste Lorbeerblatt im Ruhmeskranze unseres Kronprinzen sein, da� er schon beim ersten Beginn dieser Bewegung, was unser verstorbener Kollege Wulffshein mit eigenen Ohren geh�rt hat und auch andererseits glaubw�rdig best�tigt ist, � dem Vorsitzenden der j�dischen Korporation von Berlin gegen�ber erkl�rte, da� diese Bewegung eine Schmach f�r die deutsche Nation sei!

(St�rmischer, langandauernder Beifall.)

Wer ein aufrichtiger Verehrer  unseres greisen Heldenkaisers ist, den mu� es mit einer wahren Betr�bni� erf�llen, da� gerade die Zeit seiner ruhmreichen Regierung befleckt wird durch Erscheinungen, wie die sozialdemokratischen Ausschreitungen und die noch viel h��lichere Antisemitenbewegung.

(Lebhafte Zustimmung.)

Beide Bewegungen erkl�ren sich allerdings zu einem Theil aus den wirthschaftlichen Verh�ltnissen. Man sieht das Daniederliegen der Erwerbsverh�ltnisse nicht "in allgemeinen Gr�nden", sondern legt es dem Staate zur Last. Man erkl�rt es nicht aus der drei�igj�hrigen Kriegsperiode, in der sich jetzt Europa befindet und aus dem bewaffneten Frieden, der am Mark der V�lker zehrt, sondern aus einzelnen Gesetzesparagraphen, und legt die Schuld zuletzt gewissen Personen zur Last.

Vor drei Jahren sollten es die Freih�ndler sein, welche als Mitglieder des Cobdenclubs Deutschland an England verkauft hatten. Nun ist es trotz aller neuen Z�lle auch noch so. Jetzt sind die Juden schuld, welche, wenn im Mittelalter eine Seuche ausbrach, jedesmal die Brunnen vergiftet und die Kirchst�hle mit ansteckenden Stoffen gesalbt haben sollten. In der Gr�ndungszeit wetteiferten im Geldmachen Juden und Christen und unter letzteren sehr vornehme Personen. Was die Juden dabei unterschied, war h�chstens, da� sie wenigstens ihren Gr�ndungen nicht den Deckmantel des Patriotismus umzuh�ngen versuchten.

(Beifall.)

Ein Jude aber war es, Lasker, der zur Zeit, als der Krach noch nicht erfolgt war � nachher war es sehr bequem, auf die Gr�nder zu schelten � die Gr�nder auch hinter den Regierungsb�nken angriff und blo�stellte. Mancher Gesch�ftsmann n�hrt sich jetzt k�mmerlich. Geht es flott, so hei�t es: leben und leben lassen. Man kann es Keinem verargen, wenn er jetzt schief auf seinen Konkurrenten blickt. Aber solche Verwirrung und Befangenheit, durch die Zeitverh�ltnisse erzeugt, macht man nicht zur Grundlage der Gesetzgebung und stempelt sie nicht zum Ausdruck des christlich-germanischen Bewu�tseins. Den deutschen Handwerkern, Arbeitern und Gesch�ftleuten gereicht es zur Ehre, da� diese Bewegung, angeblich in ihrem Interesse gef�hrt, doch nicht aus ihren Kreisen entstanden ist

(Lebhafter Beifall),

so wenig wie die Kornzollagitation aus den Kreisen der Landwirthe hervorging. Sie ist ausgegangen von jungen Leuten, die �berhaupt noch nichts verdienen, sondern aus den Taschen ihrer Eltern leben, sodann von Leuten, die in amtlicher Vertrauensstellung aus �ffentlichen Kassen ihre Geh�lter beziehen und oft keine Vorstellung haben k�nnen, wie einem um sein t�gliches Brod und Aufbringung der n�thigen Steuern k�mpfenden Gewerbetreibenden manchmal zu Muthe ist!

(St�rmischer, allseitiger Beifall.)

Solche Leute, die sich �gebildet� nennen, sind es, welche die Judenhetze inszenirt haben; freilich zeigt sich auch hier wieder, da� die gr��ere geistige Bildung, wenn sie nicht gepaart ist mit der Bildung des Herzens und wahrer Religiosit�t � nicht jener Religiosit�t, die zwar Gott auf den Lippen, aber den Teufel im Herzen hat � oft zu nichts weiter f�hrt, als zur Rohheit in raffinirterer Form!

(Beifall.)

Ich bin gewi� stets ein energischer Gegner der Sozialdemokratie gewesen, aber das mu� ich doch sagen: der letzte Sozialist ist f�r mich ein edler Charakter im Vergleich zu den F�hrern dieser neuesten Bewegung

(Beifall),

und ich kann es mir wohl denken, da� die F�hrer der Sozialdemokratie mit Verachtung auf diese Bewegung blicken. Die Sozialdemokratie predigte ja Ha� und Neid, entfesselte die Leidenschaften, aber doch nur gegen gewisse wirthschaftliche und �u�ere Verh�ltnisse; aber diese Bewegung verlangt ein Ausnahmerecht gegen den Menschen als solchen, gegen seine Abstammung, ja gegen seine K�rperbeschaffenheit.

Nicht Ausnahmegesetze wollten sie, sondern Gleichheit in ihrem Sinne. Wo soll die Bewegung hinf�hren? Als s. Z. in Altona die Parole ausgegeben wurde: �Wir kaufen nur bei einem Sozialdemokraten�, da trat Bebel im Reichstage auf und desavouirte ein solches Hineintragen politischer Gegens�tze in den gesch�ftlichen und gesellschaftlichen Verkehr.

Diese Antisemiten aber fordern in Berlin auf, bei Juden nicht mehr zu kaufen. Wenn die Leutchen noch Logik h�tten und auch proklamiren wollten: Verkauft an keinen Juden! La�t nicht die Produkte Eures christlich-germanischen Flei�es an Juden ab!�

(Gro�e Heiterkeit und Beifall.)

Oder wollen sie trotz ihres christlichen Germanenthums in diesem Falle den Profit mitnehmen?

(Heiterkeit),

sie d�rften doch, auch in ihrem Sinne die Produkte christlich-germanischer Arbeiten den Juden nicht abtreten. � Ja, ich sage, wenn ich als Gymnasiallehrer in meinem Gewissen mich gedrungen f�hlte, gegen die Gleichberechtichtigung der Juden aufzutreten, so w�rde mir dasselbe Gewissen es zur Ehrenpflicht machen, eine Stellung vorher niederzulegen, die ich an einer Schule einnehme, welche auf der Gleichberechtigung der Konfessionen beruht; ich w�rde kein Gehalt nehmen aus j�dischem Schulgelde, wenn ich mich gegen die Erziehung auf Grundlage der Gleichberechtigung auflehne.

(Lebhafte Zustimmung.)

Mehr als der Disciplinarrichter sollte jeder sein eigenes Gewissen in dieser Beziehung sich zum Richter machen. Freilich, in dieser Bewegung gilt, was einmal Moltke von den Socialisten sagte: Die Besseren werden von den Schlechteren �bertroffen und weitergef�hrt. Treitschke ist von seinen Studenten �berholt, St�cker von Henrici

(lebhafte Zustimmung)

und Henrici wird wieder von einem Anderen �berholt.

(Zwischenruf: von Ruppel)

Den kann ich nicht f�r schlechter als Henrici ansehen.

(Gro�e Heiterkeit.)

St�cker r�stet jetzt ab; er sei der Mildeste in der Bewegung gewesen, so sagte er dieser Tage in Kassel. Ein Kind, kein Engel ist so rein � sagte schon Zelle.

(Heiterkeit.)

Wenn St�cker in der Judenhetze abr�stet, was bleibt dann aber an dem Manne �berhaupt noch Merkw�rdiges �brig? Keine Ausnahmegesetze, so sagt er jetzt, will er mehr, nur im Verwaltungswege Beschr�nkung in der Bef�rderung zum Richter, in der Annahme von Lehrern und dergleichen.

Also das Gesetz und die beschworene Verfassung soll zwar aufrecht erhalten werden, aber hinterr�cks umgangen werden auf dem Verwaltungswege und ebenso die staatsb�rgerliche Gleichberechtigung. Man bef�rdert die Juden nicht, wagt es aber nicht zu sagen, da� es deshalb geschehe, weil es Juden sind. Das ist gerade jenes kleinliche elende System, das schon in den f�nfziger Jahren in Preu�en gegolten, mit dem Antritt der Regierung des jetzigen Kaisers aber beseitigt worden ist.

(Zustimmung.)

Wird dadurch denn etwas gebessert? Man sagt, die Juden sollten nicht blos Handel treiben. Nun sie sich um �ffentliche Ehren�mter bewerben, die kein Geld einbringen, ist es wiederum nicht recht und sie sollen ausgeschlossen werden. In jedem Falle wird der Jude verbrannt.

(Gro�e Heiterkeit.)

Als die Socialistenbewegung im Schwunge war, hie� es, die Gesch�fte in Berlin w�rden sich bessern, wenn erst durch den kleinen Belagerungszustand der Agitation ein Ende gemacht sei. Nun haben wir den kleinen Belagerungszustand gegen die Socialisten. Ist aber die jetzige Bewegung ein Mittel die Gesch�fte zu bessern?

(Nein.)

Ist etwa das diesmalige Weihnachtsgesch�ft g�nstiger gewesen?

(Verneinende Zurufe.)

Mir haben Gesch�ftsleute bekundet, da� gerade diese Agitationen in gewisser Richtung die Gesch�fte noch mehr verschlechtern.

(Zustimmung.)

Nun, dann ist es gerade die Pflicht der Gesch�ftsleute, der Handwerker, der Arbeiter in Berlin, diesem Unfug ein Ende zu machen, ein Unfug, den diejenigen f�hren, die �berhaupt noch nichts verdienen und keine Steuern zahlen, den diejenigen leiten, die, weil sie aus �ffentlichen Kassen ihr Gehalt beziehen, oft kein Verst�ndni� haben, wie schwer es dem Gesch�ftsmann wird, sich in dieser Zeit durchzuschlagen.

(Lebhafte Zustimmung.)

Innerlich hat die Bewegung kein Ziel, sie mu� also aus �u�eren Gr�nden veranla�t sein. Eine Versammlung hat gestern die Bewegung als Wahlman�ver bezeichnet. Ich m�chte die Vorg�nge der letzten Wochen eher als Quartalman�ver bezeichnen. F�r Wahlman�ver verschie�t man das Pulver zu fr�h. Es handelt sich darum, dunklen Bl�ttern und einem von Junkern unterhaltenen Blatte beim Quartalwechsel neue Abonnenten zu verschaffen.

Andere bewu�te Leiter freilich m�gen auch Wahlman�ver in Aussicht haben. Auch diese Judenhetze ist eine Form des Kampfes der Reaktion gegen den Liberalismus. Die St�dte sind der Hort des Liberalismus. Gelingt es, das B�rgerthum in den St�dten zu spalten, so ist der Liberalismus gebrochen. Fast scheint es, als ob diese antisemitische Bewegung im R�cken des Liberalismus die sozialistische abl�sen sollte. Mit den Anf�ngen des Sozialismus in Berlin hat auch diese Bewegung �berall Aehnlichkeit.

(Lebhafte Zustimmung.)

Auch Lassalle fand mancher im Anfang recht interessant, wie man heute das Vorgehen der Antisemiten gegen die Liberalen und die Fortschrittspartei interessant findet. Was des Pudels Kern ist, werden wir bald gewahr werden. In dieser politisch gemischten Versammlung will ich nicht n�her ausf�hren, was ich dar�ber denke. Alle Parteien m�gen sich bek�mpfen, aber, wenn sie wirklich als staatserhaltend gelten wollen, sich stets bewu�t bleiben, da� sie einem Vaterlande dienen, B�rger desselben Staates sind, und nur wetteifern sollen, wie derselbe am besten zu gestalten ist. Wer statt einen edlen Wetteifer wilde Leidenschaften entflammt, dem Gegner die nationale Zugeh�rigkeit abspricht, �berschreitet die zul�ssige Grenze des Parteikampfes, er ist gerichtet, wenn nicht vor dem Gesetz, doch vor der �ffentlichen Moral!

(Lebhafte Zustimmung.)

Weil wir glaubten, da� auch andere Parteien mit uns dieselben Grenzen anerkennen, haben wir diese Versammlung der Wahlm�nner aus allen Parteien berufen. Man nennt die Fortschrittspartei die Judengenossen. Wir sind als Partei weder Freunde noch Gegner der Juden als solche, aber wir sind Vertheidiger aller Derjenigen, die im gleichen Recht gekr�nkt werden sollen, und wenn wir uns von der Beschuldigung, Genossen der Socialisten zu sein, nicht haben abhalten lassen, die Ausnahmestellung der Socialisten zu bek�mpfen, so wird uns die Bezeichnung als Judengenossen nicht abhalten, f�r die Gleichberechtigung, der Juden einzutreten.

(Beifall.)

Wetterfest sowohl nach unten wie nach oben stehen wir auf demselben Grunde, der bis vor kurzem noch allen Parteien widerspruchslos gemeinsam war, noch heute. Noch auf dem europ�ischen Kongre� in Berlin im Sommer 1878 war es der Kanzler F�rst Bismarck, der mit den anderen leitenden Staatsm�nnern daf�r eintrat, da� die Aufnahme von halbcivilisirten Staaten wie Rum�nien und Serbien in den europ�ischen Staaten-Verband abh�ngig gemacht werde von der Anerkennung des Princips der Gleichberechtigung der Konfessionen in jenen Staaten auch den Juden gegen�ber.

Diese Bewegung h�ngt sich gleichwohl an die Rocksch��e des F�rsten Bismarck, und wenn er sie gleich ablehnt und in seiner Presse die Ueberschreitungen mitunter tadeln l��t, so f�hrt sie doch fort, sich an ihn anzuschmiegen und sich auf ihn zu berufen, gleichsam wie l�rmende Kinder ihren Vater umdr�ngen.

Gleichwohl glaube ich nicht besser schlie�en zu k�nnen, als indem ich an die Worte erinnere, welche F�rst Bismarck am 9. Februar 1876 im Reichstage sprach, als eine �hnliche Bewegung, zum Theil von denselben Personen und derselben Presse getragen, wie diese antisemitische Bewegung, � ich erinnere nur an die Artikel �ber die sogenannte Aera Bleichr�der � ihn pers�nlich verleumdete und angriff.

Er sagte: �Wir Alle k�nnen gegen Verleumdungen viel thun, so weit wir Sinn haben f�r Ehre und Anstand, f�r christliche Gesinnung und Sitte. Wir Alle, welche die christliche Gesinnung nicht blos als Aush�ngeschild f�r politische Zwecke gebrauchen, wenn wir Alle zusammenhalten in einer Liga gegen die Schlechtigkeiten und sie verfolgen jeder vor seiner Th�r und sie einm�thig in den Bann halten, so werden wir mehr erreichen, als mit dem Strafrichter.�

(Lebhafter Beifall.)

In diesem Sinne lassen Sie auch uns in einer Liga ohne Unterschied der Parteien ank�mpfen gegen die Schlechtigkeit dieser Bewegung und lassen Sie uns in dieser Resolution ankn�pfend an den Neujahrsgru� der Stadtverordneten an den Kaiser und dessen Erwiderung uns einig f�hlen in der Ueberzeugung, da� nur in dem friedlichen und eintr�chtigen Zusammenwirken aller Kr�fte des nationalen Lebens, vor dem kein Unterschied des Bekenntnisses Berechtigung hat, die Wohlfahrt des Deutschen Reiches und seiner einzelnen B�rger gedeihen kann.

(Lebhafter, anhaltender Beifall.) 



Die Wissenschaftlichkeit des Sozialismus


Eugen Richter im Reichstag, 37. Sitzung, 6. Februar 1893:


Meine Herren, nun kommen wir auf die Frage des Lohnes. Ich frug Herrn Bebel: erkennen Sie an, da� der Lohn im sozialdemokratischen Staat ein gleicher sein mu�? -- da weicht er aus, und zum zweiten Mal weicht er heute aus und bringt uns eine lange Erz�hlung �ber den Begriff des Lohnes in verschiedenen Jahrhunderten und �ber die Unwissenschaftlichkeit solcher Leute, wie ich einer bin. Was aber hat es f�r eine Bewandni� mit Ihrer Berufung auf die Wissenschaft?! Wer wirklich von Wissenschaft durchdrungen ist, der spricht nicht immer davon,

(lebhafte Zustimmung)

dem wissenschaftlich Gebildeten merkt man es an an der Klarheit seiner Darstellung, an der Folgerichtigkeit seiner Schlu�folgerungen.

(Sehr richtig!)

Aber wer -- und das passirt Autodidakten nur zu oft -- nicht �ber die Oberfl�che hinausgekommen ist, mit gutem Ged�chtni� mehr oder weniger auswendig gelernt hat und dies mit einer gewissen Volubilit�t vorzutragen versteht, der h�ngt sich gerne das M�ntelchen der Wissenschaftlichkeit um und stolzirt damit herum wie auf dem Jahrmarkt diejenigen, die die gr��ten Pfuschmittel vertreiben, sich gern mit dem Talar der Wissenschaft zu schm�cken belieben.

(Sehr gut!)

Das ist das Kennzeichen nicht des wissenschaftlichen Arztes, sondern des Pfuschers!

(Lebhaftes Bravo.)




Richard Cobden, der Manchester-Liberale

Richard
                            Cobden

Der Mann, der sp�ter der f�hrende Vertreter der �Manchester School� werden w�rde, kam urspr�nglich nicht aus dem Norden, sondern aus West Sussex im S�den Englands. Am 3. Juni 1804 geboren, wuchs er hier in bescheidenen Verh�ltnissen als viertes von elf Kindern einer Bauernfamilie auf. Mit zehn Jahren wurde er in ein Internat geschickt, in dem er, wie er sich sp�ter erinnerte, �schlecht verpflegt, schlecht behandelt und schlecht unterrichtet� wurde. 1819 begann Richard Cobden im Gesch�ft eines Onkels in London zu arbeiten. Soweit ihm die Arbeit dazu Zeit lie�, holte er w�hrend dieser Zeit nach, was ihm das Internat nicht gegeben hatte. Er brachte sich selbst etwas Franz�sisch bei und verschlang B�cher �ber Geschichte und politische �konomie.

Im Jahre 1828 machten sich Richard Cobden und zwei Freunde nach Manchester auf, ausgestattet mit einer kleinen Summe, die sie angespart und zusammengeliehen hatten. Haupts�chlich durch ihren guten Ruf und Cobdens Beredsamkeit gelang es ihnen, mit einem der gr��eren Unternehmen ins Gesch�ft zu kommen. Von diesem lie�en sie sich Stoffe nach eigenen Mustern bedrucken, die sie dann vertrieben. Das Gesch�ft gedieh gut, und schon nach wenigen Jahren konnten die Partner auch das Bedrukken der Stoffe �bernehmen. Begeistert schrieb Richard Cobden an seinen Bruder, man k�nne ihn nackt in Lancashire mit nichts als seiner Erfahrung als Kapital aussetzen und er w�rde es dennoch zu einem Verm�gen bringen.

Mit wachsendem Wohlstand f�r sich und seine Familie wandte Richard Cobden sich nun zunehmend politischen Fragen zu. So ver�ffentlichte er 1835 und 1836 vor dem Hintergrund einer antirussischen Hysterie seine ersten beiden Schriften, �England, Ireland and America� und �Russia�, in denen er die klassische Lehre vom �Gleichgewicht der M�chte� angriff, die England nur nutzlos in jeden Krieg auf dem Kontinent hineingezogen habe. Dem stellte Cobden die Doktrin der �Nichteinmischung in die politischen Angelegenheiten anderer Nationen� entgegen. Gro�britannien solle nicht den Weltpolizisten spielen, sondern sich lieber um die eigenen Probleme wie das Elend in Irland k�mmern. Nicht r�ckst�ndige Staaten wie Russland seien die Herausforderung der Zukunft, sondern die USA, deren B�rger nicht durch kostspielige Kriege und Steuern zu deren Finanzierung niedergedr�ckt w�rden.

1838 gr�ndete sich in Manchester eine Vereinigung, die sp�tere �Anti-Corn Law League�, deren Ziel es war, eine unmittelbare und vollst�ndige Abschaffung der Kornz�lle zu bewirken. Die Kornz�lle waren 1815 nach dem Sieg �ber Napoleon eingef�hrt worden, um die Preise f�r Getreide auf dem hohen Niveau der Kriegszeit zu halten. Sie verteuerten nicht nur das Brot, sondern f�hrten auch zu st�rkeren Schwankungen in den Preisen, als es sie ohne die Kornz�lle gegeben h�tte. Richard Cobden schloss sich sogleich der �League� an, in der er aufgrund seiner gro�en F�higkeiten als Organisator und Redner schon bald eine der f�hrenden Rollen spielen sollte.

Zu Beginn suchte die �Anti-Corn Law League� �ber die Vorteile des Freihandels mit Flugschriften, Versammlungen und einer eigenen Zeitung aufzukl�ren. Die Wirkung war allerdings begrenzt, denn im Parlament dominierten sowohl auf Seiten der Tories als auch der Whigs adlige Grundbesitzer, die zumeist ein unmittelbares Interesse an der Erhaltung der Kornz�lle hatten. Deshalb ging die �League� dazu �ber, bei den Wahlen nur ausgewiesene Freih�ndler zu unterst�tzen und soweit m�glich eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken, die den kleinen Kreis der freih�ndlerischen Radikalen im Parlament verst�rken konnten. Mit Agitationen in den l�ndlichen Regionen bem�hte man sich, die P�chter und Landarbeiter davon zu �berzeugen, dass die Korngesetze nicht in ihrem Interesse lagen. Als besonders aussichtsreich stellte sich schlie�lich eine systematische Kampagne heraus, bei der die Wahlregister auf Unregelm��igkeiten gepr�ft und neue W�hler registriert wurden.

Nicht zuletzt dies, aber auch die �berzeugenden Argumente der Freih�ndler und die schlechte wirtschaftliche Lage begannen eine Wirkung zu zeitigen. Der F�hrer der Whigs Lord John Russell bekehrte sich zum Freihandel, und auch unter einer Gruppe von Tories um den Premierminister Sir Robert Peel fand die �League� ein aufmerksames Ohr. 1842 f�hrte Peel eine erste Zollreform durch, die Einfuhrverbote abschaffte und Z�lle auf viele Rohmaterialien f�r die Produktion erheblich senkte. Allerdings fielen die Reduktionen bei Getreide und Zucker aus R�cksicht auf protektionistische Tories vergleichsweise gering aus.

Als 1846 klar wurde, dass das Land durch Missernten in eine Krise hineinsteuerte, die insbesondere in Irland wegen der Kartoffelf�ule desastr�se Ausma�e annehmen sollte, entschloss sich Sir Robert Peel, die Kornz�lle ganz abzuschaffen. Mit Unterst�tzung der Freih�ndler und weiter Teile der Whigs, aber gegen erheblichen Widerstand seiner eigenen Partei setzte er dies durch. In einer W�rdigung erkannte der Premierminister die Rolle Cobdens an: �[�] der Name, der mit dem Erfolg dieser Ma�nahmen verbunden sein sollte und sein wird, ist der Name Richard Cobden.�

�ber die Kampagne gegen die Korngesetze hatte sich Richard Cobden zu wenig um seine Gesch�fte k�mmern k�nnen, so dass er sich in einer ziemlich prek�ren finanziellen Lage befand. In Anerkennung seiner Verdienste wurde deshalb eine Sammlung veranstaltet, die die Summe von 75.000 Pfund zusammenbrachte und es Richard Cobden erm�glichte, seine Schulden abzuzahlen und sein Unternehmen aufzugeben. Auch seine Gesundheit hatte unter den Anstrengungen der letzten Jahre gelitten. So begab er sich mit seiner Frau auf eine Reise durch Europa. Mittlerweile war Richard Cobden eine internationale Ber�hmtheit. Und was eigentlich der Erholung dienen sollte, verwandelte sich in eine Kette von Audienzen, Empf�ngen und Feiern zu seinen Ehren.

In den folgenden Jahren wandte sich Richard Cobden verschiedenen Fragen zu, die f�r ihn aus dem Prinzip des Freihandels folgten. In einer Rede in Manchester anl�sslich der Abschaffung der Korngesetze hatte Richard Cobden bereits betont, dass es ihm um mehr als nur die materiellen Vorteile des Freihandels ging. �Ich sehe im Prinzip des Freihandels das, was in der moralischen Welt wie die Anziehungskraft im Universum wirken wird, was Menschen zueinander ziehen, den Gegensatz von Rasse, Glauben und Sprache beiseite sto�en und uns im Band des ewigen Friedens vereinigen wird.�

1849 nahm er am Pariser Friedenskongress teil, wo er seine Rede mit Unterst�tzung von Fr�d�ric Bastiat auf franz�sisch hielt. Hier ging es unter anderem um internationale Abr�stungsvereinbarungen und den Boykott einer russischen Anleihe, mit der die Unterdr�ckung der Ungarn finanziert werden sollte. Auf dem Frankfurter Friedenskongress 1850 in der Paulskirche pl�dierte Cobden f�r Schiedsgerichte bei Streitigkeiten zwischen den Staaten: �Ist hier einer, der den Krieg dem Schiedsgerichte vorz�ge? (Nein, nein!) Also lasst uns Gerechtigkeit suchen, statt Krieg, und wollen unsere Lenker nicht anders, so versto�en wir sie und st�rzen solche Regierung um.�

Richard Cobden war ein unerbittlicher Gegner der britischen Kolonialpolitik. In seiner Schrift �How Wars are Got Up in India� attackierte er 1853 die Politik des indischen Generalgouverneurs am Beispiel der gewaltsamen Annexionen in Burma. Im Unterhaus erg�nzte er: �[�] Ich glaube nicht, dass es irgendwie mehr im Interesse des englischen Volkes liegt als in dem der Bev�lkerung von Indien, dass wir 100 Millionen Menschen 12.000 Meilen entfernt dauerhaft regieren sollten. Ich sehe keinen Vorteil, der dem englischen Volk aus seiner Verbindung mit Indien erwachsen kann, au�er dem, welcher aus ehrlichem Handel erw�chst [�]�. Anl�sslich der gleicherma�en brutalen Meutereien indischer Truppen und deren Unterdr�ckung im Jahre 1857 fragte er in einem Brief: �Ist es m�glich, dass wir die Rolle des Despoten und Schl�chters dort spielen k�nnen, ohne unseren Charakter zuhause verdorben zu finden?�

Freihandel, Nichteinmischung, Abr�stung, und R�ckzug aus den Kolonien f�gten sich f�r Cobden in der Fiskalpolitik zusammen, denn nur so konnte die Belastung der Bev�lkerung durch Steuern vermindert und der wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortschritt vorangetrieben werden. Angesichts eines stark regressiven Steuersystems, dessen Hauptlast gerade die Armen �ber indirekte Steuern trugen, bef�rwortete Richard Cobden eine st�rkere Verlagerung der Besteuerung hin zu direkten Steuern auf Einkommen, Eigentum und Erbschaften. In erster Linie m�sse es aber um eine sparsame Staatsverwaltung gehen. Im Unterhaus f�hrte er staatliche Verschwendung am Beispiel der Waffenproduktion durch den britischen Staat vor: �Ich finde, dass man den Leitern dieser Staatsbetriebe niemals klarmachen kann, dass das Kapital, mit dem sie umzugehen haben, echtes Geld ist. Wie sollte es echtes Geld f�r sie sein? Es kostet sie nichts [�] Deshalb ist es f�r sie ein Mythos � blo� f�r die Steuerzahler ist es eine Realit�t.�

Ein anderes Anliegen, das Richard Cobden in diesen Jahren verfolgte, war eine Wahlrechtsreform. Im Prinzip bef�rwortete er dabei ein allgemeines Wahlrecht, nicht nur f�r M�nner, sondern auch f�r Frauen. Da er dies aber f�r nicht durchsetzbar hielt, konzentrierte er sich auf Reformen wie eine schrittweise Ausdehnung des Wahlrechts sowie die Einf�hrung geheimer Wahlen. Im Gegensatz zu seinem Freund und Mitstreiter John Bright war Cobden aber weniger zuversichtlich, dass eine Ausweitung des Wahlrechts zu einer besseren Politik f�hren w�rde. Voraussetzung sei eine entsprechende Bildung, ohne die Politiker nur die Vorurteile der Bev�lkerung ausnutzen k�nnten. Nicht zuletzt daraus erkl�rte sich die gro�e Bedeutung, die Richard Cobden der Bildung zuerkannte. Er unterst�tzte die Gr�ndung von Schulen und trat f�r die Abschaffung der �Steuern auf Wissen� �Zeitungsstempel sowie Steuern auf Anzeigen und Papier � ein. Allerdings bezeichnete er ein rein freiwilliges Schulsystem als eine Schim�re und bef�rwortete staatliche Eingriffe, um nach amerikanischem Vorbild ein System konfessionell neutraler und geb�hrenfreier Grundschulen einzuf�hren, die durch eine lokale Steuer finanziert werden sollten.

Wie leicht sich seine Mitb�rger von ihren Vorurteilen mitrei�en lie�en, musste Richard Cobden w�hrend des Krimkriegs erleben. Gerade einmal ein Jahr zuvor hatte er sich in seiner Schrift �1793 and 1853� gegen die Furcht vor einer franz�sischen Invasion gewandt. Nun trieb 1854 England an der Seite Frankreichs durch ungeschickte Diplomatie und den Druck der �ffentlichkeit in einen Krieg gegen Russland. Richard Cobden und John Bright wandten sich scharf gegen dieses Abenteuer, fanden sich aber in einer kleinen und verachteten Minderheit. Bei den Parlamentswahlen wurde die �Manchester School� abgestraft. Sowohl Cobden als auch Bright verloren ihre Sitze.

Richard Cobden zog sich resigniert aus dem �ffentlichen Leben zur�ck. Erst 1856 gegen Ende des Krimkriegs meldete er sich mit seiner Schrift �What next - and next?� zur�ck, in der er die verfahrene Lage analysierte. Auch wenn der Krimkrieg in Ern�chterung endete, lie� sich Gro�britannien von seiner Politik nicht abbringen. 1857 folgte die Niederschlagung der indischen Meuterei und der zweite chinesische Krieg. Zu der Frustration �ber die Unbelehrbarkeit seiner Landsleute kamen f�r Richard Cobden private Schicksalsschl�ge, ein Nervenzusammenbruch seines Freundes John Bright und der Tod seines Sohnes.

1859 kam Richard Cobden mit dem Finanzminister William Ewart Gladstone �berein, auf einer Reise nach Paris zu sondieren, ob Frankreich und Gro�britannien gleichzeitig ihre Z�lle senken k�nnten. Gemeinsam mit Michel Chevalier, einem Sch�ler Bastiats, machte er sich daran, die franz�sische Regierung und den Kaiser von den Vorteilen eines solchen Schrittes zu �berzeugen. Mit viel Geschick gelang es ihm schlie�lich, einen Handelsvertrag gegen starken Widerstand protektionistischer Kreise in Frankreich zustandezubringen. Frankreich schaffte darin alle Importverbote f�r englische Waren ab und senkte viele Z�lle. Im Gegenzug und ganz im Sinne eines wohlverstandenen Freihandels senkte Gro�britannien Z�lle auf zahlreiche Waren aus allen L�ndern und schaffte viele weitere ab. Cobdens Hoffnung, mit dem Vertrag zu einer Entspannung mit Frankreich beizutragen, wurde allerdings von einer erneuten Invasionspanik durchkreuzt, die er in seiner letzten Schrift �The Three Panics� im historischen Vergleich aufarbeitete.

Der amerikanische B�rgerkrieg traf Richard Cobden hart, denn er hatte stets auf die USA als Vorbild f�r eine kluge Politik gesetzt. Nach anf�nglichem Z�gern ergriff er anders als die meisten seiner Landsleute die Seite der Nordstaaten, weil diese f�r die Sklavenbefreiung eintraten. Gro�britannien sollte sich nach Cobdens Meinung strikt neutral verhalten, eine Haltung, die auf eine harte Probe gestellt wurde, als der Norden die H�fen der S�dstaaten blockierte und damit die Zufuhr von Baumwolle nach England abschnitt. Die folgende �Cotton Famine� f�hrte zu gro�er Arbeitslosigkeit in Nordengland. Zu deren Linderung initiierte Richard Cobden die Sammlung der unerh�rten Summe von mehr als einer Million Pfund. Das Ende des amerikanischen B�rgerkriegs sollte Cobden nicht mehr erleben. 1865 reiste er trotz gesundheitlicher Probleme nach London, um sich im Unterhaus gegen einen Plan f�r Befestigungen in Kanada zu wenden. Nach kurzer Krankheit starb er dort am 2. April

1865. Richard Cobdens Tod l�ste gro�e Trauer aus. Seine Leistungen wurden von Freunden wie Gegnern gew�rdigt. In den Worten Walter Bagehots, Herausgeber des Economist: �Sehr selten, wenn �berhaupt jemals in der Geschichte, hat ein Mann so viel erreicht mit Worten � und doch so wenig Schlechtes gesprochen wie Herr Cobden!�




Die Mauer war die logische Folge des Sozialismus



Gesine L�tzsch von der Linkspartei �berraschte die �ffentlichkeit unl�ngst mit ihrer Geschichtsrevision, da� die Mauer eine logische Folge des zweiten Weltkriegs gewesen sei. Doch sie irrt. Wie sehr die Mauer die logische Folge des Sozialismus war, kann man sehen, wenn man einmal in das Jahr 1891 zur�ckgeht.

Das 1878 erlassene Sozialistengesetz war 1890 ausgelaufen. Unter dem Gesetz durften die Sozialdemokraten zwar noch bei den Wahlen antreten, waren aber ansonsten in ihrer Propaganda stark behindert. Ihre Vertreter wurden in die innere Verbannung geschickt, ins Zuchthaus gesteckt oder mu�ten sich au�er Landes begeben, Ganz entgegen den erkl�rten Zielen des Gesetzes erschienen sie daher als M�rtyrer, was ihnen Ansehen in der Bev�lkerung verschaffte. Und was sich als sehr bequem f�r sie herausstellte: es lie� sich jede Diskussion �ber das sozialistische Programm vermeiden mit dem Hinweis, da� Sozialdemokraten ja nicht offen dar�ber sprechen konnten. Das Programm der SPD war dabei auf die vollst�ndige Verstaatlichung des Wirtschaftssystems ausgerichtet, auch wenn es angeblich weiterhin Wahlen und b�rgerliche Freiheiten geben sollte.

Wie Eugen Richter schon 1878 im Reichstag in seiner Ablehnung des Sozialistengesetzes erkl�rte: er f�rchte die Sozialdemokratie mehr unter dem Gesetz als ohne es. Er sollte recht behalten, denn die Sozialdemokraten kamen gest�rkt aus dieser Phase des Verfolgung heraus, als sich 1890 keine Mehrheit mehr f�r eine Verl�ngerung des Sozialistengesetzes fand. Es w�rde sich eben nicht allein f�r Gesine L�tsch lohnen, die Geschichte zu kennen, auch der Generalsekret�r der CSU, Herr Dobrindt, k�nnte hier noch einiges lernen, wenn er die b�rgerliche Freiheit nicht an sich sch�tzen kann.

Die Sozialdemokraten kamen mit einem gro�em Bewu�tsein ihrer St�rke 1890 wieder in die Freiheit. Was sie sich nicht klarmachten: Ihre St�rke hatte darin gelegen, da� ihre Positionen lange nicht mehr kritisiert worden waren. Vollmundig prusteten sie herum, als wenn sie nun die Weisheit gepachtet h�tten. Aber sie hatten ihre Rechnung ohne Eugen Richter gemacht.


Sein erste Schlag waren die 1890 ver�ffentlichten "Irrlehren der Sozialdemokratie". Hier nahm er sich Punkt f�r Punkt das sozialdemokratische Programm vor und zeigte dessen Unsinnigkeit und Verwerflichkeit auf. Beispielsweise m�sse wegen der ungeheuren Aufgabe, eine Wirtschaft bis ins Detail zu planen, eine geradezu g�ttliche Person an der Spitze stehen, eine Stellenbeschreibung, auf die sich ein Josef Stalin bestens bewerben konnte. Da nach den Annahmen der Sozialdemokraten die Malthussche Lehre gelte und zu einem "ehernen Lohngesetz" f�hre, das im Sozialismus ja versch�rft gelten w�rde, m�sse man Leute nach Sibirien verfrachten und gleich ganz das Bev�lkerungswachstum staatlicherseits regulieren. Josef Stalin und Mao Tse Tung fanden das auch.

Und zudem k�nne man nicht die wirtschaftliche Freiheit beseitigen, ohne auch die b�rgerliche Freiheit zu einer Farce zu machen. Ein Staat der die Druckpressen der Zeitungen und Verlage besitzt, w�rde keine Pressefreiheit und Freiheit der Rede mehr haben. Und eine Opposition k�nne unter solchen Umst�nden nicht bestehen, womit Wahlen auf die Zustimmung zur Regierungspolitik hinauslaufen w�rden. Der einzige Irrtum, der Eugen Richter hier unterlief, war der, da� die Sozialisten ernsthaft an einer Erhaltung der b�rgerlichen Freiheit interessiert waren und nicht die entsprechenden Punkte schon vor der Revolution als Kommunisten �ber Bord werfen w�rden,


Waren die "Irrlehren der Sozialdemokratie" bereits eine Sensation in Deutschland, so legte Eugen Richter 1891 noch einmal nach mit den "Sozialdemokratischen Zukunftsbildern", die schnell eine sechsstellige Auflage erreichten. In der Form eines dystopischen Zukunftsromans schildert er, was nach der Revolution geschehen wird. Geschrieben ist das Buch aus der Perspektive eines wackeren Sozialdemokraten, der Tagebuch f�hren will: "Meine Aufzeichnungen sollen, so gut ich es vermag, die Auferstehung des neuen Reiches der Br�derlichkeit und der allgemeinen Menschenliebe f�r meine Kinder und Kindeskinder beschreiben."


Doch der Sozialismus entwickelt sich anders, als der Tagebuchschreiber es erwartet hatte. Die Arbeitsmoral verf�llt, die Wirtschaftsleistung sinkt drastisch, ein Heer von Spitzeln wird aufgebaut und der Staat drangsaliert die B�rger bis in die kleinsten Einzelheiten. Im Sinne der Gleichheit wird sogar �berlegt, die Tanzpartner staatlich zuzuteilen. Deutschland wird ein gro�es Zuchthaus.


Immerhin sind noch drei L�nder nicht sozialistisch: die Schweiz, Gro�britannien und die USA. Der Sohn des Tagebuchschreibers flieht wie viele andere, die an der sozialistischen Realit�t verzweifeln. Und nun sollte Frau L�tzsch einmal genau aufpassen: Was macht die sozialistische Regierung an dieser Stelle? Sie verbietet die Ausreise! Da die Welt fast ganz sozialistisch geworden ist, sind die Grenzen �berschaubar und eine regelrechte Mauer ist nicht n�tig. Wie der Erz�hler der "Sozialdemokratischen Zukunftsbilder", immer noch in seinen Illusionen befangen, ausf�hrt:


"Man kann es daher nur billigen, da� das Auswanderungsverbot mit Strenge gehandhabt wird. Dazu ist die scharfe Besetzung der Grenzen, namentlich der Seek�sten und der Landgrenzen gegen die Schweiz erforderlich. Das stehende Heer wird dazu weiterhin um viele Bataillone Infanterie und Eskadrons Kavallerie vermehrt werden. Die Grenzpatrouillen sind angewiesen, gegen Fl�chtlinge von der Schu�waffe r�cksichtslos Gebrauch zu machen. -- M�ge unser schneidiger Reichskanzler uns noch lange erhalten bleiben." (Hervorhebung f�r Gesine L�tzsch.)


Aber noch gibt es in Deutschland Menschen, die sich mit dem sozialistischen Leben nicht anfreunden k�nnen und protestieren. Sie skandieren "Wir sind das Volk!" (Ja, das wurde wirklich 1891 geschrieben!). Im Reichstag fa�t es der Abgeordnete f�r Hagen so zusammen, durch den Eugen Richter spricht, der selbst Jahrzehnte lang diesen Wahlkreis vertrat:


"W�hrend wir im alten Europa derart Dank Ihren Bestrebungen dem Untergang entgegengehen, erhebt sich jenseits des Meeres immer wohlhabender und m�chtiger ein Gemeinwesen, das auf dem Privateigentum und der freien Konkurrenz beruht und dessen B�rger sich niemals ernsthaft von den Irrlehren der Sozialdemokratie haben bestricken lassen.


Jeder Tag der Verz�gerung in der Befreiung unseres Vaterlandes von dieser unseligen Verirrung der Geister f�hrt uns dem Abgrunde n�her. Darum nieder mit dem sozialdemokratischen Zuchthausstaat, es lebe die Freiheit! (St�rmischer Beifall auf der linken Seite und auf den Trib�nen, lebhaftes Zischen und Unruhe auf der rechten Seite.)"


Die Sozialisten sitzen n�mlich einmal an der Macht auf der rechten Seite und sind die neuen Konservativen, w�hrend die Freisinnigen weiterhin links bleiben. Auch das sollte sich Frau L�tzsch noch einmal anschauen: Beim Ausma� ihrer Verdrehungen steht sie auf einer Seite mit extremen Rechten.  Und es gibt nur eine Erkl�rung, wie Eugen Richter 1891 den Schie�befehl vorhersagen konnte. Nein, er wu�te nichts vom zweiten Weltkrieg. Er hatte sich blo� das sozialistische Programm genau angeschaut, und die logische Folge davon war die Mauer.




Gary Johnson: "Toleranz ist amerikanisch"

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Er hat den Everest bestiegen. Aber jetzt hat Gary Johnson sich ein schwierigeres Ziel gesetzt: republikanischer Kandidat f�r 2012 zu werden. Auf den ersten Blick sieht das hoffnungslos aus. Au�erhalb seines Heimatstaats New Mexico ist er fast unbekannt, in den Medien wird er abgetan oder gleich ganz ignoriert. Und seine Kampagne mu� mit einem minimalen Budget zurechtkommen. Doch auf den zweiten Blick sieht es ganz danach aus, als wenn er es schaffen k�nnte, vielleicht noch nicht 2012, aber dann 2016.

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Wir freuen uns �ber die Unterst�tzung der "Berliner Wespen",
die auch als Beilage der von Eugen Richter herausgegebenen
"Freisinnigen Zeitung" erschienen:


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