Dingir
Dingir, Diĝir (sumerisch DINGIR, DIĜIR,
𒀭, emesal dim-me-er; akkadisch
) ist die sumerische Singular-Bezeichnung für göttliche Wesen, göttliche Gegenstände und göttliche Mystik. Im Plural wurde Dingir gedoppelt und als Dingir-Dingir verwendet. In der Keilschrift wird das Zeichen eines einzelnen Sterns für Dingir verwendet, das sowohl als Logogramm als auch als Determinativ vorkam.
Als Logogramm wurde das Zeichen eines einzelnen Sterns in der sumerischen Sprache für die Begriffe Himmel, Himmelsgott und Gott verwendet. Welcher Begriff gemeint war, ergab sich aus dem Kontext. Logogramme waren sprachunabhängig und je nach der Sprache des Schreibers unterschiedlich zu lesen. Das Zeichen des Sterns in der Bedeutung Gott wurde in einem sumerischen Text Dingir, in einem akkadischen Text Ilu und in einem hethitischen Text als šīuš gelesen. Die sumerischen Logogramme, die von anderen Sprachen übernommen wurden, werden Sumerogramme genannt.[1] Sumerogramme waren bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch.
Als Determinativ vor den jeweiligen Begriffen wurde das Zeichen des Sterns zwar geschrieben und beim Lesen erfasst, aber nicht laut ausgesprochen. In der Umschrift von Keilschrifttexten werden Determinative wie Dingir hochgestellt oder durch einen Punkt abgegrenzt, um sie als solche zu kennzeichnen: DINGIR, D, d oder d.
Das Zeichen des Sterns wurde auch für AN verwendet, was Himmel bedeutet. Im Gegensatz zu Dingir ist AN nicht nur ein Logogramm, sondern dient auch als Phonogramm/Syllabogramm. Als Determinativ wird es in der Umschrift – da es sich um dasselbe Zeichen handelt – ebenso dargestellt wie Dingir.[2]
| Zeichen | Wert | ||
|---|---|---|---|
| logographisch (Logogramm) | phonographisch (Phonogramm, Syllabogramm) | taxonomisch (Determinativ) | |
| Dingir („Gott“), AN („Himmel“) |
AN | d. | |
Genealogie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Determinativ Dingir wurde nicht für Gottheiten verwendet, die mit AN beginnen, da AN als Logogramm allgemein für den Himmel verwendet wurde und den höchsten Gott An als Vater der Dingir-Dingir (Vater von allem Göttlichen) repräsentierte. Nach der sumerischen Mythologie war alles göttlich, was mit AN im Zusammenhang stand.
| An Gott von Allem | Me Göttliche Kräfte | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Schöpfungsgötter Söhne von An | Himmelsgötter Söhne/Töchter | Erdgötter Muttergottheiten | Gestirnsgötter zugehörig zu Unterweltgöttern | ||||||||||||||||||||||||||||||
| Getötete Götter Unterweltgötter | Gefesselte Götter Unterweltgötter | Omengötter Unterweltgötter | |||||||||||||||||||||||||||||||
| Mischwesen Unterweltgötter | Himmelsboten Unterweltgötter | Halbjahresgötter zugehörig zu Vegetationsgöttern | Saisonale Götter zugehörig zu Augenblicksgöttern | ||||||||||||||||||||||||||||||
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johannes van Dijk: Gott. A. Nach sumerischen Texten. In: Ernst Weidner, Wolfram von Soden (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 3: Fabe1-Gyges. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1971, ISBN 3-11-003705-X, S. 532–543, hier S. 532–534.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Podcast des Altorientalischen Instituts der Universität Leipzig: Folge 9, „Anfänge des Schreibens - Die meospotamische Keilschrift“, Zeitstempel ab 14:54. Abgerufen am 25. September 2026.
- 1 2 Laurent Colonna d’Istria / Walther Sallaberger (Hrsg.): Sumerisch: Eine Einführung in Sprache, Schrift und Texte. Mit 50 Texten von Gudea von Lagaš bis Lipit-Eštar von Isin, Band I, II und III, 2023, hier Band II: Sumerische Texte in Keilschrift. Zeichenlisten. S. 189. OpenAccess