Fiona Doetsch
Fiona Doetsch ist eine kanadische Zell- und Neurobiologin. Sie ist Professorin am Biozentrum der Universität Basel und arbeitet zu adulten Stammzellen, Neurogenese und der molekularen Regulation von Zellschicksalen.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fiona Doetsch ist die Tochter einer Lehrerin für klassische Sprachen und eines Ingenieurs. An der McGill University in Montreal studierte sie Biochemie und daneben auch Philosophie und Wissenschaftsgeschichte, was sie nach eigener Aussage gelehrt hat, „das große ganze im Blick zu behalten.“[1] 1993 erwarb sie einen Bachelorabschluss in Biochemie[2] und promovierte anschließend im Fach Neurobiologie an der Rockefeller University in New York. Sie war Junior Fellow der Society of Fellows an der Harvard University und Fellow am Radcliffe Institute for Advanced Study,[3] bevor sie 2003 als Dozentin an die Columbia University in New York wechselte. 2014 nahm sie eine Professur für molekulare Stammzellbiologie am Biozentrum der Universität Basel an und übersiedelte in die Schweiz.[1]
Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Über ein Jahrhundert lang ging man in der Hirnforschung davon aus, dass Säugetiere schon kurz nach der Geburt keine neuen Nervenzellen mehr bilden. Fiona Doetsch trug entscheidend dazu bei, diese Vorstellung zu revidieren. Sie identifizierte neuronale Stammzellen im erwachsenen Gehirn und untersuchte, wie diese gesteuert werden.
Die meisten dieser Stammzellen befinden sich normalerweise in einem Ruhezustand. Fiona Doetsch und ihr Team haben Signalnetzwerke aufgedeckt, die diese Stammzellen präzise steuern, um ihren Ruhezustand aufrechtzuerhalten oder sie aber zur Teilung und Differenzierung zu aktivieren.[4] Die Signale können aus den Stammzellen selbst, aus benachbarten Blutgefäßen, aus der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit oder von Nervenzellen in anderen Hirnregionen kommen. Die verschiedenen Stammzellgruppen reagieren dabei auf unterschiedliche Signale und bilden jeweils bestimmte Arten von Nervenzellen oder Gliazellen.
Eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Aktivierung von Stammzellen spielt der körperliche Zustand. Sie können beispielsweise durch Hunger, Sättigung, Schwangerschaft oder Verletzungen aktiviert werden. So werden bei Säugetieren während der Tragezeit Stammzellen angeregt, die Nervenzellen für den Geruchssinn bilden. Diese Nervenzellen können der Mutter helfen, ihre Jungen nach der Geburt am Geruch zu erkennen. Für den Menschen ist ein solcher Zusammenhang bisher nicht nachgewiesen. Bekannt ist jedoch, dass sich der Geruchssinn bei schwangeren Frauen verändern kann.[5] Auch Verletzungen und Erkrankungen des Gehirns können Stammzellen aktivieren. Dies wurde unter anderem nach Schlaganfällen und bei Krankheiten wie Multipler Sklerose beobachtet, bei denen die schützende Myelinschicht der Nervenzellen geschädigt wird. Die aktivierten Stammzellen können in die betroffenen Hirnregionen wandern.[5]
Die Entdeckungen von Doetsch haben grundlegend das Verständnis über die Plastizität des adulten Gehirns verändert und eröffnen neue Perspektiven für die Biologie und Medizin, einschließlich Auswirkungen auf die Reparatur und Regeneration des Gehirns.[6][7]
Publikationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Liste ihrer Publikationen findet sich auf der Internetpräsenz ihrer Forschungsgruppe am Biozentrum der Universität Basel.[8]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2010: Dr. Harold and Golden Lamport Research Award[9]
- 2020: Wahl zum Mitglied von EMBO[10]
- 2026: Louis-Jeantet-Prize for Medicine[7]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Forschungsgruppe Doetsch „Stammzellen im Gehirn erwachsener Säugetiere“ am Biozentrum der Universität Basel
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 A stem cell researcher to the core. In: Jubiläumsbroschüre. Biozentrum Basel, 2021, S. 38, abgerufen am 8. August 2026 (englisch).
- ↑ McGillNews - Alumnotes - Science. In: mcgillnews-archives.mcgill.ca. Abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
- ↑ Fiona Doetsch. In: radcliffe.harvard.edu. Harvard Radcliff Institute, abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
- ↑ Fiona DOETSCH Winner of the 2026 Louis-Jeantet Prize for Medicine. In: jeantet.ch. Foundation Louis Jeantet, abgerufen am 21. August 2026 (englisch).
- 1 2 Irène Dietschi: Hirnforscherin Fiona Doetsch gewinnt Louis-Jeantet-Preis 2026. In: srf.ch. 16. Januar 2026, abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Livio Stöckli: Fiona Doetsch erhält den Louis-Jeantet-Preis für Medizin. In: unibas.ch. Universität Basel, 15. Januar 2026, abgerufen am 21. August 2026.
- 1 2 Fiona Doetsch receives the 2026 Louis-Jeantet Prize for Medicine. In: biozentrum.unibas.ch. 15. Januar 2026, abgerufen am 8. August 2026 (englisch).
- ↑ Forschungsgruppe Fiona Doetsch - Publications. In: biozentrum.unibas.ch. Abgerufen am 21. August 2026.
- ↑ Honors and Awards. In: vagelos.columbia.edu. Columbia University, 6. Juli 2017, abgerufen am 17. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Fiona Doetsch zum neuen EMBO-Mitglied gewählt. In: biozentrum.unibas.ch. 7. Juli 2020, abgerufen am 21. August 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Doetsch, Fiona |
| KURZBESCHREIBUNG | kanadische Neurobiologin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |
| GEBURTSORT | Kanada |