Germaine Peyroles

Germaine Peyroles (geboren als Germaine Merlot am 22. März 1902 in Montaigu; gestorben am 26. Oktober 1979 in Paris) war eine französische Rechtsanwältin und Politikerin während der Vierten Republik und Résistante.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfänge und Résistance
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Germaine Merlot stammte aus einer bürgerlichen Familie, studierte Rechtswissenschaften und wurde Anwältin. Sie war mit dem Rechtsanwalt Georges Peyroles (1900–1973) verheiratet. Das Paar hatte vier Kinder, darunter der Autor Gilles Perrault.[1]
Sie engagierte sich politisch in einer christdemokratischen Partei, der Parti Démocrate Populaire (Volksdemokratische Partei), deren Frauenverband sie als Generalsekretärin leitete.[1] Peyrolles war eine Verfechterin des Frauenwahlrechts; eine Position, die ihre Partei teilte.[2]
Während der Besatzungszeit schloss sie sich nach dem Waffenstillstand von 1940 der Résistance an. Das Ehepaar nahm britische Flieger auf, deren Flugzeuge über Frankreich abgeschossen worden waren, und half ihnen, nach Spanien zu gelangen. Sie wurden insbesondere von der Special Operations Executive für Sabotageaktionen angeheuert; ihr Ehemann war eine Zeit lang inhaftiert.[1] Ihrem Sohn Gilles Perrault zufolge soll es ihr im Sommer 1943 gelungen sein, seine Freilassung zu erwirken, indem sie sich zum Pariser Hauptquartier der Gestapo begab und einen deutschen SS-Offizier von seiner Unschuld überzeugte.[3]
L’Aube[4], eine christdemokratische Tageszeitung, stellte sie 1945 während des Wahlkampfs für die Verfassungswahlen im Oktober 1945 als Vizepräsidentin der französischen Vereinigung der Opfer des Nationalsozialismus vor, neben zwei kommunistischen Frauen, als Leiterin eines Geheimdienstnetzwerks, das Fallschirmjägergruppen organisierte und die Verbreitung der Zeitung Résistance sicherstellte, und betonte, dass sie im Oktober 1943 verhaftet, inhaftiert und gefoltert wurde.[5] Armeeminister Edmond Michelet würdigte sie 1946 im Armeekorpsbefehl:
« Germaine Peyroles von den Französischen Inlandsstreitkräften, eine Französin mit großem Herzen, schloss sich in den ersten Stunden des Februars 1941 der Résistance an. Als Mutter von vier Kindern zögerte sie nicht, bis zur Befreiung mit glühendem Eifer und unerschütterlichem Mut zu kämpfen. Inhaftiert, freigelassen, setzte sie ihren Einsatz mit derselben Hingabe fort. »
Dafür wurde ihr das Croix de guerre mit Vermeil-Stern verliehen.[6]
Nach dem Krieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frankreich führte das Frauenwahlrecht 1945 ein und Germaine Peyroles wurde in die erste und zweite Verfassungsgebende Versammlung gewählt. Sie war nun Mitglied des christdemokratischen Mouvement républicain populaire (MRP) und zog 1946 für das Département Seine-et-Oise auch in die Nationalversammlung der Vierten Republik ein.[1] Mehrfach wurde sie zur Vizepräsidentin der Versammlung gewählt.[1][7] Sie war neben Madeleine Braun die erste Frau, die dieses Amt innehatte. Im Mai 1948 gehörte sie zu den Teilnehmern des Haager Europa-Kongresses, der ersten großen Veranstaltung für ein geeintes Europa.[8]

1951 verlor sie ihren Parlamentssitz, da die MRP Stimmen an Charles de Gaulles Rassemblement du peuple français verlor. Sie gewann ihn 1954 gegen den Kommunisten André Stil in einer Nachwahl zurück.[1] Diese Wahl wurde als Kampf gegen den Kommunismus stilisiert, was ein internationales Echo hervorrief.[9] Den Erinnerungen ihres Sohnes Gilles Perrault zufolge inspirierte diese Wahl Jean-Paul Sartre dazu, sie in seinem Stück Nekrassov in der Person der Madame Bounouni zu verspotten.[10] Bei der folgenden regulären Wahl sowie 1958 bei der ersten Wahl zur Fünften Republik wurde sie jeweils geschlagen.[1]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 21. Oktober 2025 fand in der Nationalversammlung eine Gedenkfeier zu Ehren der ersten weiblichen Abgeordneten statt. Bei dieser Gelegenheit enthüllte die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, Gedenktafeln zu Ehren von Mathilde Gabriel-Péri, Germaine Poinso-Chapuis und Germaine Peyroles.[11]
Sie war Trägerin des Croix de guerre 1939–1945 und der Médaille de la Résistance[12] und sie wurde als Großoffizier des marokkanischen Ordens Ouissam Alaouite sowie als Ritter der Ehrenlegion[13] ausgezeichnet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Germaine Peyroles im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Germaine Peyroles. In: Assemblée nationale. (französisch).
- Camille Lestienne: Assemblée nationale : comment les 33 premières femmes députées ont été accueillies en 1945. In: Le Figaro. 20. Juni 2017 (französisch).
- Marion Chastain: Il y a 70 ans, les premières Françaises élues députées. In: TV5 Monde. 24. Dezember 2021 (französisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Siehe Biographie de la IVe République im Weblink der Assemblée nationale
- ↑ La Française vom 24. November 1934; auf Gallica
- ↑ Le MRP vous parle ! (hier: Seite 19). (PDF) In: Amicale MRP. 1999, abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ Angaben zu L’Aube in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ L’Aube vom 13. Oktober 1945, Robert Bichet poursuit le dur combat en Seine-et-Oise. In: Retronews. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- 1 2 L’Aube vom 9. November 1946, Germaine Peyroles citée à l'ordre du corps d'armée. In: Retronews. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ L’Aube vom 4. Dezember 1946. In: Retronews. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ Les délégations nationales. In: CVCE. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ WOMAN BESTS RED IN FRENCH RUN-OFF; Advocate of European Union Victor in Assembly Race -- Leftist Unity Bid Fails. In: Ney York Times. 15. März 1954, abgerufen am 3. September 2026 (englisch).
- ↑ Gilles Perrault: Go ! Fayard, 2002, ISBN 978-2-213-64471-4 (google.de).
- ↑ 80ème anniversaire de l’élection des premières femmes députées. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ Les femmes et les hommes médaillés de la Résistance française. In: L’Ordre de la Libération. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
- ↑ La Croix vom 5. Juni 1952; Dépêches Hors-Sac. In: Retronews. Abgerufen am 3. September 2026 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Peyroles, Germaine |
| ALTERNATIVNAMEN | Merlot, Germaine (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Politikerin und Résistante |
| GEBURTSDATUM | 22. März 1902 |
| GEBURTSORT | Montaigu (Jura), Frankreich |
| STERBEDATUM | 26. Oktober 1979 |
| STERBEORT | Paris, Frankreich |