Lucie Rico

Lucie Rico (* 1988 in Perpignan) ist eine französische Schriftstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lucie Rico verbrachte ihre Kindheit in Céret in den Pyrénées-Orientales. Ihre Mutter ist Lehrerin und ihr Vater Plattenhändler.
Sie erwarb einen Bachelor in Filmwissenschaft und Literaturwissenschaft, anschließend einen Master in Medien und Transmedia an der École des hautes études en sciences de l’information et de la communication (CELSA).
Von 2016 bis 2018 nahm sie ihr Studium wieder auf und absolvierte ein Masterstudium in Kreativem Schreiben an der Universität Paris-VIII.
Sie war von 2011 bis 2015 im Verlagswesen tätig. Heute unterrichtet sie kreatives Schreiben an der Universität Clermont-Auvergne.
Werk und Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sie drehte mehrere Dokumentarfilme in Argentinien und Taiwan. 2016 drehte sie Plein noir, einen Kurzfilm, der in Zusammenarbeit mit Marine Louvet entstand. Der im Jahr 2018 erschienene Film erzählt die Geschichte dreier Freunde, die nach dem Verschwinden der Sonne plötzlich mit völliger Dunkelheit konfrontiert sind.
Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2020 veröffentlichte sie Le Chant du poulet sous vide (dt. Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen). Der Roman erzählt die Geschichte einer Vegetarierin, die nach dem Tod ihrer Mutter vorübergehend den Bauernhof ihrer Familie leiten muss. Für diesen Roman gewann Lucie Rico mehrere Preise, u. a. den Prix du roman d'écologie 2021. Mit ihrem Roman möchte die Autorin nach eigenen Angaben die kognitive Dissonanz all jener hinterfragen, die sich mit dem System arrangieren, von dem sie abhängig sind.[1] Télérama beschreibt ihn als „verrückten, witzigen und tiefgründigen Debütroman“.[2]
GPS
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2022 erschien ihr zweiter Roman GPS. Der sich dem Thrillergenre annähernde Roman ist in der seltenen Du-Form geschrieben und folgt einer arbeitslosen jungen Journalistin namens Ariane, deren Name erst spät im Roman genannt wird.[3] Zu Beginn besucht Ariane trotz Angstzuständen die Verlobungsfeier ihrer besten Freundin Sandrine, die ihren Standort mit ihr geteilt hat, damit sie den Weg findet.[3] Als Sandrine von der Feier verschwindet und als vermisst gilt, bewegt sich der rote Punkt ihres geteilten Standorts auf Arianes Handy jedoch weiter.[3] Die digitale Spur führt Ariane daraufhin zu Orten, die für die gemeinsame Vergangenheit der beiden Freundinnen bedeutsam sind.[3] Das Verfolgen dieses Punkts wird für sie zur Obsession; ihre Beziehung zu dem Feuerwehrmann Antoine und ihre Arbeitssuche geraten darüber zunehmend in den Hintergrund.[3]
Später arbeitet sie zwar wieder für ein Lokalblatt, verfasst dort aber von Bildern aus Google Street View inspirierte, frei erfundene Sensationsartikel.[3] Der Roman entfaltet sich dabei als Psychothriller, in dem Realität, Virtualität und Irrealität beständig ineinander übergehen.[3] Im Verlauf der Handlung tritt zudem ein Familiendrama um die verschwundene Sandrine hervor.[3]
Der Roman gehörte zu den Finalisten des Prix Fémina des lycéens. Der Roman wurde von der französischen Presse gut aufgenommen. Le Monde lobte Lucie Rico als talentierte Romanautorin, die uns an unsere alltäglichen Schwächen erinnert, daran, dass wir uns damit abfinden, in Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen Fleisch zu essen, und daran, dass wir uns angesichts von GPS und ständiger Geolokalisierung in GPS unserer Verantwortung entziehen.[4] Die Autorin wurde auch für ihr Verständnis, ihre Analyse und ihre Satire des Zeitgeistes gelobt.[4][5]
In Deutschland beschrieb Christoph Ohrem für WDR Westart Lucie Rico als „schlaue Autorin“ und analysierte das Werk, indem er das GPS als Ariadnefaden betrachtete, der überdies an den Namen der Heldin erinnere. Das GPS sei für Ariane somit der „Bezugspunkt“ in einer „komplett orientierungslosen Welt“.[6] Die taz hob 2026 die fesselnde Erzählweise des Romans hervor, sah in der psychischen Ausnahmesituation der Hauptfigur am Ende jedoch ein nicht vollständig aufgelöstes erzählerisches Problem.[3]
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Le Chant du poulet sous vide. Paris, P.O.L. 2020.
- Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen. Übers. Milena Adam. Berlin, Matthes & Seitz Berlin 2024, ISBN 978-3-7518-0987-0.
- GPS. Paris, P.O.L. 2022.
- GPS. Übers. Milena Adam. Berlin, Matthes & Seitz Berlin 2026, ISBN 978-3-7518-1059-3.
Kurzfilme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The Big Shake, 2014.
- Plein Noir, 2018.
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2024, Nominiert für den Prix Première der Institut français für Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen.
- 2023, Finalist für den Prix du Livre Inter für GPS.[7]
- 2022, Finalist für den Prix du Roman des étudiants France Culture-Télérama für GPS.
- 2022, Finalist für den Prix Fémina des lycéens für GPS.
- 2022, Besondere Erwähnung für den Prix Wepler für GPS.
- 2021, Prix littéraire du Cheval Blanc für Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen.[8]
- 2021, Prix du roman d'écologie für Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen.
- 2020, Prix Coup de cœur Vendanges littéraires für Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Lucie Rico im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lucie Rico bei IMDb
- Lucie Rico. Matthes & Seitz Berlin, abgerufen am 12. Januar 2026.
- Lucie Rico. In: Ateliers Médicis. Abgerufen am 12. Januar 2026 (französisch).
- Milena Adam. Interview von Sigrid Brinkmann. Milena Adam zu Lucie Rico: „Die Ballade vom vakuumverpackten Hähnchen“. In: Deutschlandfunk. (Hörfunk).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Rémi Noyon: « Je m’y connaissais assez mal en poulets » : Lucie Rico, prix du roman d’écologie. In: Le Nouvel Obs. 15. April 2021, abgerufen am 11. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Christine Ferniot: Lucie Rico, des romans grinçants vraiment tordants. In: Télérama. 4. Oktober 2022, abgerufen am 12. Januar 2026 (französisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Katharina Granzin: Neuer Roman „GPS“: Lost in Google Maps. In: die tageszeitung. 17. April 2026, abgerufen am 18. April 2026.
- 1 2 Pierre-Edouard Peillon: « GPS », de Lucie Rico : le drame du partage de localisation. In: Le Monde des livres. 1. September 2022, abgerufen am 1. März 2026 (französisch).
- ↑ Renaud Pasquier: Despentes, Nothomb, Sabolo, Adimi, Rico, Rinkel : six reines de la rentrée littéraire. In: La Croix. 21. September 2022, abgerufen am 1. März 2026 (französisch).
- ↑ Christoph Ohrem: "GPS" von Lucie Rico. In: WDR Westart. 27. Februar 2026, abgerufen am 1. März 2026.
- ↑ Prix du livre Inter 2023 // Annonce des 10 livres en compétition et la composition du jury. In: radiofrance.com. France Inter, 15. Dezember 2025, abgerufen am 12. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Lille : le Prix littéraire du Cheval Blanc attribué à Lucie Rico pour "Le chant du poulet sous vide". In: Lille actu. 9. November 2021, abgerufen am 12. Januar 2026 (französisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rico, Lucie |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Schriftstellerin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin |
| GEBURTSDATUM | 1988 |
| GEBURTSORT | Perpignan |