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Sablon (Brüssel)

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Place du Grand Sablon (1900)
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Jacques Cabarain (1834–1933): Place du Grand Sablon/Grote Zavel (Aquarell)

Der Sablon (niederländisch: Zavel) ist ein Stadtviertel in Brüssel, der Hauptstadt Belgiens. Die beiden Plätze Place du Grand Sablon und Square du Petit Sablon bilden das historische Zentrum des Viertels in der Oberstadt von Brüssel. Sie liegen zwischen dem Königspalast (Palais Royal) und dem Justizpalast (Palais de Justice).[1] Der Name leitet sich vom französischen Wort sable für Sand ab und erinnert an die ursprüngliche Beschaffenheit des Geländes. Die Kirche Notre-Dame du Sablon begrenzt den Place du Grand Sablon zur Rue de la Régence hin. Der Square du Petit Sablon liegt der Kirche gegenüber. Heute gilt das Sablon-Viertel als einer der wohlhabendsten und elegantesten Stadtteile Brüssels. Es ist geprägt von Antiquitätenhändlern, Kunstgalerien, Chocolatiers und gehobener Gastronomie.[1][2]

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Anthonis (Antoon) Sallaert (ca. 1594–1650): Prozession der Jungfrauen (oder Mägde) am Sablon in Brüssel

Das heutige Brüsseler Stadtviertel Sablon war im 13. Jahrhundert eine große, sandige Fläche außerhalb der ersten Stadtbefestigung. Sie wurde als Begräbnisplatz genutzt. Das St.-Johannes-Spital nutzte das Gelände bis ins 13. Jahrhundert. Im Jahr 1304 errichtete die Gilde der Armbrustschützen (Arbaletriers de Bruxelles)[2] auf dem Gelände eine Kapelle. Diese bildete den Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung des Viertels. Laut einer Legende hatte eine fromme Brüsselerin namens Beatrijs Soetkens im Jahr 1348 eine Vision, in der ihr die Jungfrau Maria erschien und ihr auftrug, eine wundertätige Marienstatue aus einer Antwerpener Kirche zu stehlen und in die Kapelle der Armbrustschützen in Brüssel zu bringen.[3] Durch die Aufstellung der Statue wurde die Kapelle zu einem Anziehungspunkt für Gläubige, die ihr großzügige Spenden zukommen ließen. Dies legte den Grundstein für den Bau einer größeren Kirche.

Der Sablon war von 1320 bis 1754 Standort eines Pferdemarkts. Ab 1800 fanden dort Märkte für Milchprodukte und Gemüse statt. Der sogenannte „Zavelpoel“, ein Sumpfgebiet im Zentrum des Platzes, wurde 1615 verfüllt. 1661 wurde ein erster Brunnen errichtet, der 1751 durch die heutige Minerva-Statue ersetzt wurde.[1]

Im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich der Sablon, einschließlich der Rue aux Laines, zu einem der vornehmsten aristokratischen Viertel Brüssels in unmittelbarer Nähe zum Coudenberg. Hier ließen sich bedeutende Adelsfamilien wie Egmont, Culemborg, Brederode, Mansfeld, Tour und Taxis sowie Solre nieder. Der Platz war Schauplatz von Prozessionen und Festveranstaltungen wie dem Ommegang und dem sogenannten Papageienschießen (Tir au perroquet). Zahlreiche Maler und Kupferstecher hielten diese Ereignisse bildlich fest.[1]

Ursprünglich war der Grand Sablon ein geschlossener Platz, der an allen vier Seiten bebaut war. Die Verbindung zum Petit Sablon im Osten erfolgte über die heutigen Straßen Rue des Sablons und Rue Bodenbroek, die Verbindung zur Unterstadt im Westen über die Rue de Rollebeek. Im 19. Jahrhundert wurden diese Verbindungen durch die in zwei Bauphasen angelegte Rue de la Régence (1827/1872) unterbrochen. In der Folge kam es zu umfassenden Umgestaltungen.

  • Abbruch der Häuserblöcke im Osten im Zusammenhang mit der Verlängerung und Verbreiterung der Rue des Minimes (1884–1888),
  • Anlage der Rue Lebeau (1891) und der Rue Joseph Stevens (1894).

Im Jahr 1948 wurde die Ostseite des Grand Sablon (Hausnummern 22–31) abgerissen. Dadurch entstand die heutige Sichtachse auf die Kirche Notre-Dame du Sablon, und der Platz wurde deutlich vergrößert. Ab den 1960er-Jahren veränderte sich der Charakter abermals, als sich zunehmend Antiquitätenhändler rund um den Platz ansiedelten.[1]

Architekturgeschichtliche Entwicklung

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Bildquellen aus dem 16. und 17. Jahrhundert dokumentieren die architektonische Entwicklung des Platzes. Neben den repräsentativen Patrizierhäusern, die Merkmale der Spätgotik, der Renaissance und später des Barock aufweisen, gab es Gebäude mit hölzernen Giebelfassaden und vorkragenden Obergeschossen. Diese wurden im Laufe der Zeit durch Neubauten aus Stein ersetzt. Bei der Bombardierung von Brüssel im Jahr 1695 blieben die Gebäude des Sablon vermutlich größtenteils verschont. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurden einzelne Fassaden im Stil Ludwigs XIV. umgestaltet oder neu errichtet. Gegen Ende des 18. und in der Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten klassizistische und neoklassizistische Fassaden, insbesondere nach der Parzellierung größerer Adelssitze.[1]

Die heutige Randbebauung des Grand Sablon spiegelt diese historische Entwicklung wider. Der zentrale, baumbestandene Platzbereich wird heute überwiegend als Parkplatz genutzt. Die seitlichen Verkehrsachsen übernehmen eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen Ober- und Unterstadt. Die Erdgeschosszonen der umliegenden Gebäude werden überwiegend gastronomisch und kommerziell genutzt (Cafés, Restaurants, Boutiquen, Antiquitätengeschäfte).[1]

Place du Grand Sablon

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Der Place du Grand Sablon (niederländisch Grote Zavel) bildet das Herzstück des Sablon-Viertels. Der langgezogene, dreieckige Platz wird von Stadtpalais aus dem 16. bis 19. Jahrhundert sowie von Antiquitätengeschäften, Boutiquen, Restaurants ( i) und Geschäften von renommierten belgischen Chocolatiers (Wittamer, Pierre Marcolini) umrahmt. Im Mittelpunkt des Platzes steht die Fontaine de Minerve (Minerva-Brunnen) von Jacques Bergé (1693–1756). Der Brunnen wurde 1754 vom britischen Adeligen Thomas Bruce, dem zweiten Earl of Ailesbury, als Dank für die Gastfreundschaft der Brüsseler Bevölkerung gestiftet. Jedes Wochenende, samstags und sonntags, findet auf dem Place du Grand Sablon Belgiens bekanntester Antiquitäten- und Büchermarkt statt. Er geht auf das Jahr 1958 zurück, als der Antiquitätenhändler Georges Van de Weghe, der ein Geschäft in der Nähe des Platzes betrieb, die Organisation einer regelmäßig stattfindenden Marktveranstaltung initiierte. Im Dezember findet auf dem Platz zudem ein Weihnachtsmarkt statt.[1][4]

Notre-Dame du Sablon

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Anthonis (Antoon) Sallaert (ca. 1594–1650): Der Ommegang von Brüssel am 31. Mai 1615

Die Kirche Notre Notre-Dame des Victoires au Sablon (niederländisch Onze-Lieve-Vrouw ter Zege op de Zavelkerk) ist eine gotische Kirche am Place du Grand Sablon in Brüssel. Der Komplex befindet sich an der Rue de la Régence, auf halbem Weg zwischen dem Place Royale und dem Justizpalast, unweit der Königlichen Museen der Schönen Künste. Die Kirche ist der Schutzpatronin Notre-Dame du Sablon geweiht. Die Kirche stammt in ihrer heutigen Baugestalt im Wesentlichen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie gilt als herausragendes Beispiel der brabantischen Gotik, einer lokalen Ausprägung der Spätgotik. Charakteristisch für diesen Stil sind Wimperge und Fialen an der Fassade.[5]

Die Kirche ist 65 Meter lang und 57 Meter breit. Sehenswert sind die beiden barocken Kapellenanbauten in den Querschiffarmen, die von den Fürsten von Thurn und Taxis errichtet wurden. Deren Palais stand einst der Südseite der Sablon-Kirche gegenüber. In der nördlichen Kapelle befindet sich die eigentliche Grabkapelle der Familie Thurn und Taxis. Sie wurde 1651 vom Architekten und Bildhauer Lucas Faydherbe erbaut, der ein Schüler von Rubens war. Im Jahr 1678 schuf der Bildhauer Mathieu van Beveren das Grabmal für Lamoral von Thurn und Taxis in ihr. Es zeigt allegorische Gestalten, die die triumphierende Tugend über die Zeit sowie die den Verstorbenen verherrlichende Ruhmesgöttin darstellen. Beide Kapellen sind aufwendig mit weißem und schwarzem Marmor verkleidet.[5]

Eine weitere Attraktion ist das Gemälde des Antwerpener Malers Abraham Janssens, der ein Zeitgenosse und Konkurrent von Rubens war. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind und Johannes dem Täufer. Das Gemälde war ein Geschenk der Familie Arenberg, die einen Palast gegenüber der Kirche besaß, an ihre Haushälterin Jane Gilet. Erwähnenswert sind außerdem die hölzerne Kanzel aus dem Jahr 1697 und ein Wandteppich aus dem Jahr 1518, der die Geschichte der Madonnenstatue Notre-Dame du Sablon erzählt. Die Kirchengemeinde von Notre-Dame du Sablon hält noch heute die Tradition der Ommeganck/Ommegang-Prozession aufrecht, jener mittelalterlichen Palmsonntagsprozession, die einst zu den lebendigsten Volksfesten Brüssels zählte.[5]

Square du Petit Sablon

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Square du Petit Sablon (Postkarte, 1905)

Das Gelände des heutigen Petit Sablon diente von 1289 bis 1706 als Friedhof des St.-Johannes-Spitals. Heute ist es ein kleiner, rechteckiger Garten, gestaltet im Stil der Neorenaissance. Er wurde in den 1880er-Jahren auf Initiative des damaligen Brüsseler Bürgermeisters Charles Buls angelegt, um das Viertel zu verschönern und attraktiver zu gestalten. Entworfen wurde der Garten von dem Architekten Henri Beyaert (1823–1894), eingeweiht wurde er im Jahr 1890.[6]

Der symmetrisch angelegte Garten ist von einem schmiedeeisernen Geländer umgeben, das von 48 Säulen im romanischen Stil gegliedert wird. Auf diesen Säulen sind bronzene Statuetten des Architekten Paul Hankar angebracht. Diese 48 Figuren stellen die mittelalterlichen Handwerkszünfte Brüssels dar, darunter Bäcker, Schuster, Weber und Vergolder. Die neun Buschformationen im Inneren des Gartens symbolisieren die neun belgischen Provinzen jener Zeit. Im hinteren Teil des Gartens, hinter einem Wasserbecken, befinden sich zehn Statuen aus Carrara-Marmor. Sie stellen bedeutende Persönlichkeiten des Belgien des 16. Jahrhunderts dar, darunter der Kartograph Gerhard Mercator, der Botaniker Rembert Dodoens und der Geograph Abraham Ortelius.[6]

Den Mittelpunkt des Gartens bildet die Brunnenanlage mit dem Denkmal der Grafen Egmont und Hoorn. Die 1864 vom Bildhauer Charles Auguste Fraikin geschaffene Bronzegruppe wurde zunächst am Grand Place vor dem Broodhuys (Maison du Roi) aufgestellt, dem Ort, an dem die beiden Grafen hingerichtet worden waren. Anlässlich der Fertigstellung des Petit Sablon wurde sie im Jahr 1879 an ihren heutigen Standort versetzt. Die Bronzegruppe zeigt die beiden flandrischen Adligen Lamoral von Egmont und Philippe de Montmorency, Graf von Hoorn, die sich gegen die spanische Tyrannei unter König Philipp II. zur Wehr gesetzt hatten und am 5. Juni 1568 auf dem Grand Place von Brüssel auf Befehl des Herzogs von Alba hingerichtet wurden. Hinter dem Denkmal führen Stufen zum Palais d’Egmont hinauf, dem ehemaligen Stadtpalais der Grafen von Egmont.[6]

  • Fr. Boelens-Sintsoff und A.-S. Walazyc (Hrsg.): De Onze-Lieve-Vrouw ten Zavelkerk. Ministerie van het Brussels Hoofdstedelijk Gewest, Brüssel 2004 (Collectie Geschiedenis & restauraties, 1).
  • Jacques Mignon: Deux églises de Bruxelles: Notre-Dame du Sablon et Notre-Dame de la Chapelle. Fédération Touristique du Brabant, Brüssel 1971.
  • Paul Hymans: Brüssel. Projekt Gutenberg, Kapitel 11 (Der Sablon). Online verfügbar.
Commons: Sablon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Place du Grand Sablon – Inventaire du patrimoine architectural. Abgerufen am 20. Februar 2026 (französisch).
  2. 1 2 Accueil. Abgerufen am 17. Februar 2026 (französisch).
  3. ↑ STATUE OF THE VIRGIN MARY. In: Eglise du Sablon. Abgerufen am 17. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Antiquitätenmarkt auf dem Place du Grand Sablon. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  5. 1 2 3 Onze-Lieve-Vrouw ter Zege op de Zavelkerk – Inventaris van het bouwkundig erfgoed. Abgerufen am 20. Februar 2026 (niederländisch).
  6. 1 2 3 Square du Petit Sablon – Inventaire du patrimoine architectural. Abgerufen am 20. Februar 2026 (französisch).

Koordinaten: 50° 50′ 24″ N, 4° 21′ 22″ O