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Schwenkflügel

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General Dynamics F-111 mit verschiedenen Flügelstellungen

Schwenkflügel sind Tragflächen eines Flugzeugs, deren Pfeilung und damit aerodynamisch wirksame Flügelfläche durch einen Schwenkmechanismus verändert werden kann.

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Schwenkmechanismus einer MiG-23
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Achse des Schwenkmechanismus eines Tornado
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Oblique-Wing-Forschungsflugzeug NASA AD-1

Am 4. Juni 1942 wurde dem deutschen Aerodynamiker Albert Betz ein geheimgehaltenes Zusatzpatent (799/42) mit der Bezeichnung „Flugzeug mit Einrichtung zur Änderung der Flügelpfeilung“ erteilt, was als Geburtsstunde des Schwenkflügelkonzepts betrachtet werden darf.[1] Als erstes Schwenkflügelflugzeug gilt heute der Prototyp der Messerschmitt P.1101, dessen Flügel am Boden in einem Bereich von 35°–45° verstellbar waren. Nachdem das Flugzeug gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Kriegsbeute in amerikanische Hände gefallen war, wurde auf dessen Basis die Bell X-5 entwickelt, die im Flug verstellbare Schwenkflügel besaß.

Je nach Ausführung der Schwenkflügel werden entweder die gesamten Tragflächen oder nur Teile der Tragflächen geschwenkt. Der Luftwiderstand und der Auftrieb des Tragwerks können so an die jeweilige Fluggeschwindigkeit und Einsatzbedingungen angepasst werden. Bei Start und Landung oder niedriger Geschwindigkeit werden die Flächen auf geringe Pfeilung gestellt, wodurch trotz der geringen Geschwindigkeit ein hoher Auftrieb erzeugt wird. Start- und Landegeschwindigkeit können so verringert werden und auch die Manövrierfähigkeit im Langsamflug wird verbessert. Beim schnellen Flug wird die Pfeilung erhöht, was den Luftwiderstand des Flugzeugs reduziert und somit eine höhere Geschwindigkeit und – wegen des geringeren Treibstoffverbrauchs – größere Reichweite ermöglicht.

Die Pfeilung ist dabei nur der offensichtlichste Teil. Besonders wichtig ist aus aerodynamischer Sicht, dass sich durch das Schwenken der Tragflächen auch die Flügelstreckung und die Profiltiefe verändern lassen. Letzteres ergibt sich daraus, dass sich, bei gleichbleibender Dicke des Flügels, durch das Zurückschwenken die Profilsehne in Strömungsrichtung gesehen verlängert.

Eine besondere Form des Schwenkflügels stellt das sogenannte Schiebeflügel-Konzept (engl. „oblique wing“), das ebenfalls auf deutsche Entwürfe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zurückgeht, dar, bei dem eine durchgehende Tragfläche um einen zentralen Drehpunkt geschwenkt wird.

Schwenkrotor-Flugzeuge, die statt der Rotorgondeln die ganze Tragfläche nach oben schwenken können (z. B. die Hiller X-18), werden ebenfalls oft als Schwenkflügelflugzeuge bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung hierfür ist aber Kippflügelflugzeug. Ebenfalls nicht zu verwechseln ist der Schwenkflügler mit dem Knickflügel („Möwenflügel“) sowie den faltbaren Tragflächen von Trägerflugzeugen, die deren platzsparende Unterbringung auf den Decks von Flugzeugträgern ermöglichen.

Vor- und Nachteile

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Schwenkflügel bieten Vorteile, wenn hohe Anforderungen an Langsamflugverhalten, Startbahnlänge, Nutzlastkapazität sowie gleichzeitig an den Flug mit sehr hohen Geschwindigkeiten (Überschallfähigkeit, z. B. beim Eindringen in den gegnerischen Luftraum oder bei Abfangmanövern) in einer Flugzeugzelle vereint werden sollen. Nachteile entstehen gegenüber Festflügel-Konstruktionen durch erhöhtes Leergewicht und die Komplexität des Schwenkmechanismus.

Das Aufkommen von Relaxed-Stability-Kontrollsystemen in den 1970er Jahren merzte viele Nachteile von Festflügelsystemen aus. Seit der Tupolew Tu-160 (Erstflug 1981) wurde kein neues Schwenkflügelflugzeug mehr entwickelt. Allerdings ist bemerkenswert, dass das Nachfolgemodell des US-amerikanischen Marinekampfflugzeugs Grumman F-14 – die Boeing F/A-18E/F – wegen kleinerer Festflügel eine geringere Nutzlast bzw. Reichweite aufweist.[2]

Alternative Lösungen

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Bei der North American XB-70 wurden die Flügel – genau genommen: die Flügelenden – nicht horizontal, sondern vertikal geschwenkt. Ab ca. Mach 1,8 wurden beide Flügelenden bis maximal 65° nach unten geklappt.

Beim Oblique Wing wird ein durchgehender Flügel in Hochdecker-Konfiguration schräggestellt.

Flugzeuge mit Schwenkflügeln

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Die Bezeichnungen von Experimentalflugzeugen, nicht in Serie gebauten Prototypen und nicht realisierten Projekten sind im Folgenden kursiv gesetzt.

Flugzeugtyp Herkunftsland Erstflug Verwendungszweck Dienstzeit Stückzahl Bemerkungen Bild
Messerschmitt P.1101 Image Deutsches Reich — Experimentalflugzeug — 1 Bau April 1945 kurz vor Fertigstellung eingestellt Image
Bell X-5 Image Vereinigte Staaten 1951 Experimentalflugzeug — 2 Testprogramm 1955 beendet Image
Grumman XF10F Jaguar Image Vereinigte Staaten 1952 Trägergestütztes Jagdflugzeug — 1 Erprobung 1953 abgebrochen, Bestellung storniert Image
General Dynamics F-111 Aardvark Image Vereinigte Staaten 1964 Jagdbomber und strategischer Bomber 1967–2010 563 Image
Suchoi Su-17, Su-20, Su-22 Image Sowjetunion 1966 Jagdbomber 1971–heute 1217 / 140 / 1020 Su-20 und Su-22 Exportvarianten Image
Mikojan-Gurewitsch MiG-23 Image Sowjetunion 1967 Mehrzweckkampfflugzeug 1969–heute 5047 Varianten als Abfangjäger (M) und Jagdbomber (B) Image
Dassault Mirage G und G8 Image Frankreich 1967 Mehrzweckkampfflugzeug — 1 / 2 Entwicklung 1973 eingestellt Image
Tupolew Tu-22M Image Sowjetunion / Image Russland 1969 Mittelstreckenbomber 1976–heute 497 Image
Boeing 2707 Image Vereinigte Staaten — Überschall-Verkehrsflugzeug — — Projekt, Schwenkflügel im ursprünglichen Entwurf vorgesehen
Suchoi Su-24 Image Sowjetunion 1970 Taktischer Bomber 1975–heute ca. 1400 Image
Grumman F-14 Tomcat Image Vereinigte Staaten 1970 Trägergestützter Luftüberlegenheitsjäger 1972–2026 (?) 712 Image
Mikojan-Gurewitsch MiG-27 Image Sowjetunion 1972 Jagdbomber 1975–2023 1075 für Tiefangriffe optimierte Variante der MiG-23, Stückzahl einschl. indischer Lizenzproduktion als Bahadur Image
Panavia Tornado Image Deutschland
Image Vereinigtes Königreich
Image Italien
1974 Mehrzweckkampfflugzeug 1979–heute 992 Varianten als Jagdbomber (IDS), Abfangjäger (ADV) und elektronisches Kampfflugzeug (ECR) Image
Rockwell B-1A Image Vereinigte Staaten 1974 Strategischer Bomber — 4 zur Serienreife entwickelt, nicht beschafft Image
General Dynamics-Grumman EF-111 Raven Image Vereinigte Staaten 1977 Elektronisches Kampfflugzeug 1983–1998 42 Umbau aus F-111A Image
Tupolew Tu-160 Image Sowjetunion / Image Russland 1981 Strategischer Bomber 1987–heute 36 Image
Rockwell B-1B Lancer Image Vereinigte Staaten 1984 Strategischer Bomber 1986–heute 100 überarbeitete tiefflugtaugliche B-1 Image
Tupolew Tu-160M2 Image Russland 2022 Strategischer Bomber 2024–heute einige wenige Image
Commons: Schwenkflügel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Heiko Thiesler: Schwenkflügelflugzeuge. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-613-04504-0.
  • Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. In: Hans-Ulrich Meier (Hrsg.): Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2006, ISBN 3-7637-6130-6.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Hans-Ulrich Meier: Der Hochgeschwindigkeitsflug und seine aero- und gasdynamischen Herausforderungen. In: Hans-Ulrich Meier (Hrsg.): Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945. Bernhard & Graefe, Bonn 2006, ISBN 3-7637-6130-6, S. 147–150.
  2. ↑ Bob Kress, Paul Gilcrist: Battle of the Superfighters – F-14D Tomcat vs. F/18 E/F Super Hornet. In: Flight Journal Magazine. Februar 2002 (online (Memento vom 4. April 2009 im Internet Archive) – „[...] it has only 36 percent of the F-14's payload/range capability“).