Steffen Dobbert

Steffen Dobbert (* 1982 in Wismar) ist ein deutscher Journalist und Autor.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Steffen Dobbert studierte Wirtschaftswissenschaften in Lübeck und Vaasa sowie Europawissenschaften in Berlin. In seiner Masterarbeit analysierte er Russlands hybride Kriegsführung im Georgien- und im Ukraine-Krieg.[1] Für ZEIT ONLINE arbeitete Dobbert von 2008 bis 2014 als Ressortleiter Sport. Danach wechselte er in die Hamburg-Redaktion der ZEIT und in das Politikressort von ZEIT ONLINE.[2] Die Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, Philipp Lahm, Arne Friedrich und René Adler waren Gesprächspartner in einer Kolumnen-Serie, die die Themen Homophobie, Rassismus und Kapitalisierung des Sports besprach.[3] Für das Magazin Rund recherchierte Dobbert über die Hooligan-Gruppierung HooNaRa. Der Gründer der Nazi-Gruppierung sei zugleich Leiter einer Security-Firma gewesen, deren Mitarbeiter als Ordnungskräfte im Stadion des Chemnitzer FC tätig gewesen seien.[4]
Dobbert recherchierte über mysteriöse Morde an Journalisten, die mit der Georgierin Wera Putina und Wladimir Putin in Zusammenhang stehen. Putina behauptet, Putins verleugnete Mutter zu sein.[5][6]
2017 führte Dobbert ein Interview mit dem britischen Politiker Nigel Farage. In dem Streitgespräch, das mit dem Deutschen Reporter:innenpreis ausgezeichnet wurde,[7] äußerte sich Farage widersprüchlich über seine Verbindungen zum Wikileaks-Gründer Julian Assange und der Sinnhaftigkeit der Brexit-Kampagne. Farage brach das Interview mit Dobbert auf Geheiß seines Pressesprechers ab.[8]
Dobberts 2020 im Hinstorff-Verlag erschienenes Reportage-Buch „Heimatsuche“ wurde wenige Wochen nach Erscheinen vom Verlag zurückgerufen und in drei Passagen geschwärzt. Grund war eine Klage des Bürgermeisters der Gemeinde Born auf dem Darß, Gerd Scharmberg. Der Bürgermeister, selbst Mitglied der FDP, wollte seine eigenen Aussagen über die AfD nicht mehr im Buch verbreitet sehen, woraufhin der Verlag ohne Dobberts Einverständnis und ohne Gerichtsurteil nach einer außergerichtlichen Einigung mit dem Bürgermeister das Buch schwärzen ließ.[9] Da Dobbert die geschwärzten Passagen danach während einer Lesereise mehrfach öffentlich vortrug, wurde auch er vom Bürgermeister Scharmberg angezeigt. Das Gerichtsverfahren endete in Stralsund mit einem Freispruch für den Autor.[10]
In seinem 2025 erschienenen Buch „Nord Stream“ stellt Dobbert dar, wie Politiker aus Deutschland, etwa Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Erwin Sellering, Manuela Schwesig und Angela Merkel das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 gegen Warnungen und Kritik durchgesetzt haben, unterstützt von russischen Netzwerken, Lobbyismus und zweifelhaften Stiftungen. Behörden seien unter Druck gesetzt, Sicherheitsstandards gesenkt und politische Nähe zum Kreml priorisiert worden. Erst mit der Eskalation des Kriegs in der Ukraine im Jahr 2022 sei die Wende gekommen. Ein Untersuchungsausschuss im Landtag Mecklenburg-Vorpommern befasst sich weiterhin mit den politischen und institutionellen Verstrickungen.[11] Das Buch erreichte Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste.[12]
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Steffen Dobbert trat bei der Landtagswahl 2021 in Mecklenburg-Vorpommern auf der Liste von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN auf Platz 16 und als deren Direktkandidat im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte V an.[13]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2006: Dritter Preis des Medienmagazins Berliner Journalisten für Generation Karstadt[14][15]
- 2017: Deutscher Reporterpreis in der Kategorie bestes Interview für ein Interview mit Nigel Farage, Sie werden mich für immer hassen
Bücher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Monographien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Euromaidan: Protest und Zivilcourage in der Ukraine. Epubli/Zeit Online, 2014, ISBN 978-3-8442-8601-4
- #Heimatsuche: In 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern. Hinstorff, 2020, ISBN 978-3-356-02284-1.
- Ukraine verstehen: Geschichte, Politik und Freiheitskampf. Klett-Cotta, 2022, ISBN 978-3-608-96599-5.
- mit Ulrich Thiele: Nord Stream: Wie Deutschland Putins Krieg bezahlt. Klett-Cotta, 2025, ISBN 978-3-608-12371-5.
Buchbeiträge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ukraine 2014. In: Patrick Oelze (Hrsg.): Revolutionen: Ein historisches Lesebuch. Ch. Links, 2014, ISBN 978-3-86153-796-0.
- Land zum Leben – Menschen in Mecklenburg-Vorpommern: 25 Porträts. Hinstorff Verlag, 2015, ISBN 978-3-356-01892-9.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Matthias Thiele: Putins neue Kriege. In: Tagesspiegel. 21. Februar 2017, abgerufen am 1. September 2026.
- ↑ Steffen Dobbert: Über mich. In: www.steffendobbert.de. 30. August 2012, abgerufen am 1. September 2026.
- ↑ Steffen Dobbert, Oliver Fritsch, Christian Spiller: Alles außer Fußball. In: Zeit Online. 9. Januar 2014, abgerufen am 12. Dezember 2017.
- ↑ Steffen Dobbert: Nur das Hakenkreuz fehlt. In: Jungle World. Nr. 18, 30. April 2008 (jungle.world).
- ↑ Steffen Dobbert: Vera Putinas lost Son. In: Die Zeit. 7. Mai 2015, abgerufen am 30. März 2024 (englisch).
- ↑ Steffen Dobbert: Vera Putinas verlorener Sohn, Zeit-Magazin vom 7. Mai 2015.
- ↑ Reporterpreis 2017: Das sind die Preisträger. In: Der Spiegel. 12. Dezember 2017, abgerufen am 1. September 2026.
- ↑ Steffen Dobbert: Sie werden mich für immer hassen. In: Zeit Online. 9. Mai 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017.
- ↑ Mattias Baerens: Hinstorff-Verlag veröffentlicht jetzt einen „Schwarzdruck“. In: Schweriner Volkszeitung. 29. März 2021, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. Februar 2023.
- ↑ Timo Richter: Bürgermeister von Born verliert Gerichtsverfahren gegen Journalist. In: Ostseezeitung. 8. Juni 2022, abgerufen am 14. Februar 2023.
- ↑ Nicolas Freund: Der Nord-Stream-Skandal-Strudel. In: SZ. 23. Februar 2025, abgerufen am 28. Mai 2025.
- ↑ Spiegel Bestseller: Sachbuch / Paperback (Nr. 11/2025). In: Lehmanns.de. Abgerufen am 24. Juli 2025.
- ↑ Mecklenburg-Vorpommern: LTW21 Landesliste. Abgerufen am 19. November 2020.
- ↑ Steffen Dobbert: Generation Karstadt. In: Hinz&Kunzt, Juni 2006.
- ↑ Medienpreis für Journalisten Wall AG und Berliner Journalisten verleihen gemeinsam ersten Nachwuchspreis. In: Presseportal.de, 10. November 2006 (Archivlink vom 7. Januar 2018).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dobbert, Steffen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 1982 |
| GEBURTSORT | Wismar |