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VSEPR-Modell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das VSEPR-Modell (Abkürzung für englisch valence shell electron pair repulsion, deutsch Valenzschalen-Elektronenpaar-Abstoßung), auch EPA-Modell (Elektronenpaarabstoßungs-Modell) oder ursprünglich VEPR-Theorie (englisch valence electron pair repulsion theory), führt die räumliche Gestalt eines Moleküls auf die abstoßenden Kräfte zwischen den Elektronenpaaren der Valenzschale zurück.

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VSEPR-Modelle
für zwei und drei Elektronenpaare
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Fünf gleich geladene Partikel bewegen sich (auf der neutralen Sphäre) von verschiedenen Startpositionen zu den optimalen Positionen mit maximalem Abstand voneinander.

Das Modell wird nach seinen Entwicklern auch Gillespie-Nyholm-Theorie genannt.

Die abgeleiteten Regeln

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Aus dem VSEPR-Modell ergeben sich folgende Regeln für Moleküle des Typs AXn:[1]

  • Die Elektronenpaare der Valenzschale des Zentralatoms (A), d. h. des Atoms im Zentrum des Moleküls, ordnen sich so an, dass der Abstand zwischen ihnen möglichst groß wird.
  • Die freien Elektronenpaare (hier mit E symbolisiert) in einem Molekül vom Typ AXnEm beanspruchen mehr Raum als die bindenden Elektronenpaare und führen somit zu einer Vergrößerung der Winkel X-A-E und einer Verkleinerung der Winkel X-A-X.
  • Einzelne freie Elektronen in Radikalen nehmen weniger Raum ein als freie Elektronenpaare.
  • Größere Elektronegativitäts­differenzen zwischen A und X vermindern damit den Raumbedarf der entsprechenden Bindung.
  • Mehrfachbindungen beanspruchen mehr Raum als Einfachbindungen, wobei der Platzbedarf mit der Bindungsordnung steigt.
Für die Bestimmung der groben Molekülstruktur werden jedoch nur die Sigma-Bindungen herangezogen, d. h., Mehrfachbindungen werden hier wie Einfachbindungen behandelt.
  • Kleinere Zentralatome bzw. größere negativ polarisierte Liganden bewirken eine starke sterische und elektronische Abstoßungskraft, die die eines freien Elektronenpaars übertreffen kann.

Vorhersagen bei freien Elektronenpaaren am Zentralatom

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Wenn keine freien Elektronenpaare am Zentralatom vorhanden sind, können Molekülstrukturen recht einfach durch Abzählen der „Reste“ vorhergesagt werden.

Dennoch lässt sich auch die Betrachtung von Verbindungen mit einem oder mehreren stereochemisch aktiven, freien Elektronenpaaren näherungsweise schematisieren. Dazu werden diese – ähnlich wie Bindungspartner – als Pseudoliganden behandelt und mit dem griechischen Buchstaben „ψ“ (Psi) gekennzeichnet. So gelangt man zur Pseudostruktur des jeweiligen Moleküls.

Beispiel: Das Sauerstoffatom des Wassermoleküls, an welches zwei Wasserstoffatome kovalent gebunden sind (X = 2), weist zwei freie Elektronenpaare auf (E = 2). Daraus ergibt sich eine Anzahl von # = 2 + 2 = 4 Pseudoliganden und somit eine tetraedrische Pseudostruktur (Strukturtyp), die als ψ2-Tetraeder beschrieben werden kann. Indem nun die freien Elektronenpaare „weggedacht“ werden, bleibt die in diesem Fall gewinkelte Realstruktur (Molekülstruktur) zurück, die nur durch die Atomkerne beschrieben wird.

Ein Beispiel für ein ψ1-Tetraeder, d. h. mit nur einem freien Elektronenpaar, ist das Ammoniak-Molekül NH3.

# Molekültypen a Beispiel Ψ – Struktur / Pseudostruktur b Realstruktur c Winkel d
1Image
AX1
H2Image
linear
Image
linear
2Image
AX2
BeCl2
CO2
Image
linear
Image
linear
180°
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AX1E1
COImage
linear
Image
linear
3Image
AX3
BF3
NO3−
CO32−
Image
trigonal planar
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trigonal planar
120°
Image
AX2E
SO2
O3
NO2−
Image
trigonal planar
Image
gewinkelt
ca. 115°
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AX1E2
Image
trigonal planar
Image
linear
4Image
AX4
CH4
SO42− PO43−
ClO4−
Image
tetraedrisch
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tetraedrisch
109,5°
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AX3E
NH3
PCl3
Image
tetraedrisch
Image
trigonal-pyramidal
ca. 107°
Image
AX2E2
H2OImage
tetraedrisch
Image
gewinkelt
ca. 104°
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AX1E3
HClImage
tetraedrisch
Image
linear
5Image
AX5
PCl5Image
trigonal-bipyramidal
Image
trigonal-bipyramidal
120° / 90°
Image
AX4E
SF4, SCl4Image
trigonal-bipyramidal
Image
"Wippe", bisphenoidal
ca. 175° / 110°
Image
AX3E2
ClF3Image
trigonal-bipyramidal
Image
T-förmig
ca. 87,5°
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AX2E3
XeF2Image
trigonal-bipyramidal
Image
linear
180°
6Image
AX6
SF6Image
oktaedrisch (=quadratisch-bipyramidal,
trigonal-antiprismatisch)
Image
oktaedrisch (=quadratisch-bipyramidal,
trigonal-antiprismatisch)
90°
Image
AX5E
ClF5Image
oktaedrisch (=quadratisch-bipyramidal,
trigonal-antiprismatisch)
Image
quadratisch-pyramidal
ca. 85°
Image
AX4E2
XeF4Image
oktaedrisch (=quadratisch-bipyramidal,
trigonal-antiprismatisch)
Image
quadratisch-planar
90°
7Image
AX7
IF7Image
pentagonal-bipyramidal
Image
pentagonal-bipyramidal
90° / 72°
Image
AX6E
[XeOF5]−Image
pentagonal-bipyramidal
Image
pentagonal-pyramidal
ca. 90° / ca. 72°
Image
AX5E2
XeF5−Image
pentagonal-bipyramidal
Image
pentagonal-planar
72°
8AX8IF8−Image

tetragonal-antiprismatisch

Image

tetragonal-antiprismatisch

78° / 73°

Anmerkungen:

a 
Keilstrichformel mit Zentralatom: A, Liganden: X und Elektronenpaar: E
b 
nicht gebundene Elektronenpaare (blass gelb) als gedachte Bindungspartner
c 
reale räumliche Anordnung der Atome
d 
Winkel zwischen Liganden und Zentralatom X–A–X


Grenzen der Anwendbarkeit

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Das VSEPR-Modell lässt sich auf Moleküle anwenden, bei denen die an das Zentralatom gebundenen Reste (Atome oder Atomgruppen) nicht allzu groß werden und keine spezifischen Wechselwirkungen aufeinander ausüben.

Nicht oder nur eingeschränkt anwendbar ist sie auf Übergangsmetall­verbindungen. Vielfach stimmen jedoch auch bei einfachen Molekülen die Bindungswinkel nicht mit dem Modell überein. Für Verbindungen mit delokalisierten Elektronen kann die Anwendung des Modells ebenfalls mit Schwierigkeiten verbunden sein, hier ist die Hinzuziehung der Molekülorbitaltheorie notwendig.

Einzelnachweise

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  1. ↑ A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 136.