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RE:Iphitos 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sohn des Eurytos von Oichalia
Band IX,2 (1916) Sp. 2026–2027
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Wilhelm Kroll: Iphitos 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band IX,2 (1916), Sp. 2026–2027, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Iphitos_1

Iphitos (βφιτος auf dem altkorinthischen Krater Mon. d. Inst. VI 33). 1) Sohn des Eury-tos von Oichalia. Alle Sagen gehen entweder von Hom. Od. XXI oder von der alten Οἰχαλίας 5λωσίῖ aus, über die Gercke N. Jahrb. 1905, 400 handelt Gruppe Gr. Myth. 489 will ihn wie seinen Vater nach Südthessalien und Lokris setzen, was zwar an sich möglich ist, sich aber aus den Namen nicht erweisen läßt. Alle Berichte stimmen darin überein, daß I. durch Herakles seinen Tod findet; dafür werden zwei verschiedene Ursachen angegeben. Nach Hom. Od. XXI 14ff. (wo eine ältere Tradition benutzt ist) sind dem I. Rosse entwendet (offenbar von Herakles selbst); auf der Suche kommt er in Herakles’ Haus, in dessen Stall die Rosse stehen; der tötet ihn wider alles Gastrecht (Daß er kurz vorher in Messene mit Odysseus zusammengetroffen war und diesem seinen Bogen geschenkt hatte, ist eine - nicht sonderlich geschickte - Erfindung des Odysseedichters). Nach Schol. z. d. St. hatte Autolykos die Rosse gestohlen und dem Herakles verkauft; das kann freilich aus den Worten μεγάλων ἐπώπορα ἔργων herausgesponnen sein. Auf der späten Bilderchronik CIG 5384 - IG 14, 1293 sind nur die Worte Ἴφιτος und ΤΙρυνθά erhalten. Furtwängler a. O. 2234 will eine Darstellung dieser Version auf der rotfig. Vase strengen Stiles im Louvre nr. 972 (abgeb. Pottier Monum. Piot II 1895, 53 Fig. 3, vgl. S. 43) erkennen, auf der Herakles einen Mann von einer Kline herabwirft. Nach der anderen Version kommt I. mit Eurytos und seinen Brüdern um, weil sie dem Herakles die Iole (s. d.) vorenthaltcn. Hauptzeuge dafür ist das schwarzfig. attische Vasenbild auf einer Amphora aus Vulci, das im J. 1851 von Minervini publiziert und darnach von Furtwängler in Roschers Myth. Ler. I 2206 beschrieben ist. Es ist neuerdings beschrieben von Bethe Arch. Anz. VIII (1893) 6. G. Leroux Vases grecs du Musée de Madrid (Paris 1912) 39 (mit pl. IX), abgebildet von Bieńkowski Österr. Jahresn. 1900, 62. Es vereinigt zwei Szenen zu einer: den Bogenwettkampf um Iole (ἼΟΛθΑΣ) und Herakles’ Rache an Eurytos (ἜΥΡΥΤΟΣ) und seinen Söhnen, von denen ἌΝΤΦΟΛΟ (etwa Antiphonos) noch hinter dem Vater steht, während zwei verwundet am Boden liegen; auf den scheinbar unbezeichneten bezieht sich wohl die । Inschrift 1ΦΙΤΟΣ (er trägt als Bogenschütze skythische Mütze), während auf den anderen die Buchstaben TIONO zu beziehen sind, die Minervini vielleicht richtig als Deionos deutete. Jedenfalls hat der Maler seine Vorlage unverständig kopiert. - Andere Vasenbilder in Palermo (Hartwig Journ. hell. Stud.XII 335 mit Pl.XIX) und Athen (Winter Arch. Jahrb. II 1887, 230), deren Beziehung auf die Tötung des I. aber zweifelhaft ist. - In den meisten uns vorliegenden Erzählungen sind beide Berichte miteinander ausgeglichen oder willkürliche Änderungen vorgenommen. Nach der Erzählung, die Soph. Trach. 240ff. voraussetzt, aber für seinen Zweck abändert, wird Herakles nach dem Bogenkampf um Iole trunken gemacht und vor die Tür gesetzt; aus Rache stürzt er den L, als dieser auf der Suche nach seinen Rossen nach Tiryns kommt, von der Burg herunter (und zerstört dünn Oichalia). Hier ist die [2027] vergebliche Werbung um Iole und die Erzählung der Odyssee miteinander ausgeglichen. War diese Erzählung die der ΟἰχαΜας 8ίλωσις, so mußte diese bereits mit jener Odysseestelle rechnen (Friedländer Herakles 73); anders Gercke a. O. Radermacher Einl. zu Soph. Trach. 3. Abhängig von dieser Version ist wohl der alt-korinthische Krater Mon. d. Inst. VI 33, der Herakles beim Gelage mit Eurytos und seinen Söhnen zeigt und auf dem I. inschriftlich be-1 zeichnet ist (s. o.). Das andere von Radermacher (zu Trach. 268) hierher gezogene Vasenbild (Benndorf Vasenb. 44) ist, wie mir scheint, fernzuhalten. Alle anderen Berichte sind aus diesen beiden Versionen herausgesponnen. (Wie der Mythos in Ions von Chios Εὐρντίθα behandelt war, wissen wir nicht). So die Erzählung bei Apollod. II 128, nach der I. seinem Vater zuredet, dem Herakles die Iole zu geben. Pherekyd. frg. 34 läßt ihn allein von 2 den Söhnen des Eurytos nach Euboia entfliehen (falls dieser Satz noch dem Pherek. gehört) und gibt unwesentliche Einzelheiten über die Ermordung in Tiryns. Nach Diod. IV 31, 2 entwendet I. die Rosse wegen des ihm von Eurytos angetanen Schimpfes und tötet dann den sie suchenden L - ein Versuch des Dionysios Skytobrachion, die beiden Hauptversionen zu kontaminieren. Lysi-mach. frg. 8 (FHG III 327) berichtete, daß die Forderung einer Buße von 30 Talenten für die 3¹ Ermordung des I. den Anlaß zur Zerstörung von Oichalia gebildet habe. Vgl. auch Herodoros FHG II 36.

Aus dem Nebel dieser Überlieferung scheint sich ein alter Bogenheld I. zu ergeben, der dem Herakles erlag; die Verbindung mit Eurytos, der nach Odyss. XXÎ 32 sterbend dem I. seinen Bogen übergibt, braucht nicht ursprünglich zu sein. Dagegen ist Identität mit Nr. 2 (Ed. Meyer GdA II 287) durchaus möglich. Vgl. Gruppe 4( Gr. Myth. 481. Die Verknüpfung des Dienstes bei Omphale mit dem Morde des I. kann ich nicht mit Friedländer 75 für alt halten. Weniger in Roschers Myth. Lex. II 310.

[Kroll. ]