
��������� WIE DER BAYERISCHE SEPPL ENTSTAND
��������� DUDEN �
Wie sagt man in �sterreich?
��������� Bairisch und die Europ�ische
Charta
der Regional- und Minderheitensprachen
��������� Das Bayerische W�rterbuch
��������� Die mundartlichen Verh�ltnisse in
der Region M�nchen
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Reinhard
Wittmann
WIE
DER BAYERISCHE SEPPL ENTSTAND
Ein
Klischee und seine Hintergr�nde
��������������� Gut
zw�lfhundert Jahre alt sind die fr�hesten schriftlichen Belege f�r das gestandene
Selbstbewu�tsein der Altbayern. Freisings Bischof Arbeo hatte um 760 seine
Stammesgenossen gelobt als "hochgewachsen und stark, auf N�chstenliebe und
Sitte gegr�ndet". Und wenig sp�ter notierte ein M�nch das erste "Mir
san mir"-Manifest: "Stulti sunt Romani, sapienti sunt Paioari"
(Dumm sind die Welschen, gescheit die Bajuwaren).
��������������� Noch
betagter allerdings als diese "Autostereotypen" sind die Vorurteile
gegen die Bayern. Ihr Kern hat sich seit der Sp�tantike kaum gewandelt. Als um
das Jahr 570 der fromme Venantius Fortunatus seine Wallfahrt von Ravenna nach
Tours schilderte, tauchen darin schon die Bajuwaren als wegelagernde Grobiane
am Alpenrand auf. Dieses "Heterostereotyp" zieht sich durch die
Zeiten: ein knappes Jahrtausend sp�ter klassifiziert der Schwabe Sebastian
Franck 1534 in seinem "Weltbuch" die Bayern als "ein wenig grob
le�t" und "nit seer ein h�flich volck /sunder grober sitten vnd
sprach." Von ihm wiederum schreibt hundert Jahre sp�ter ein Ludwig
Gottfried ab, dessen "Newe Archontologia Cosmica" diese Nation
"etwas unh�fliger als die anderen Teutschen" findet, vor allem
"unfreundlich gegen die frembde". An Hamburgs Harvestehuder Weg
pinselt "MERIAN" noch heute an solchem Zerrbild �ber die ebenso
urigen wie ulkigen Gebirgler. Bei Bedarf bedienen sich auch weitere
hanseatische Gazetten gerne aus demselben Farbtopf.
��������������� Doch
das schiefe Bild der Bayern ist nicht nur auf gutm�tigen Spott, ahnungslose
Herablassung und Gedankenlosigkeit gegr�ndet, hinter denen sich oft genug
irritierte Faszination und unterdr�ckter Neid verbergen. Das Sepplklischee der
Neuzeit hat kaum bekannte, aber desto hartn�ckigere ideologische Hintergr�nde.
Schon vor mehr als zweihundert Jahren mischte sich in die Landesbeschreibungen
ein schriller Grundton, der in einer national gesinnten, borussophilen
Geschichtsschreibung nahezu bis in die Gegenwart �berdauerte. Bayern wurde zum
Feindbild erkl�rt, zu einer Schande f�r das aufgekl�rte S�kulum. W�hrend im
protestantischen Norden das Licht der Geistesfreiheit und Gesittung schon glei�end
strahlte, schmachteten "die eifrigsten Katholiken Europas" (so eine
Stimme von 1771) in krasser Unwissenheit und finsterstem Aberglauben. Noch 1896
behauptete die ehrw�rdige "Allgemeine Deutschen Biographie", die
Bayern seien damals "unter den �brigen V�lkerschaften, nicht blo�
Deutschlands, geistig am meisten zur�ckgeblieben". Ohne da� er je einen
Fu� in dieses Land gesetzt hatte, verk�ndete Preu�ens Friedrich seine
hochfahrende Sottise: "La Bavi�re est le pays de l'Allemagne le plus fertile,
et o� il y a le moins d'esprit: c'est le paradis terrestre habit� par des
b�tes." (Bayern ist das fruchtbarste Land Deutschlands, und zugleich das
geistloseste: es ist das irdische Paradies, bewohnt von Tieren).
��������������� Was
waren die Ursachen f�r solche durchaus b�swilligen Tiraden? L�ngst haben
Historiker nachgewiesen, da� Kurbayern im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts
einen intensiven und spannungsreichen Proze� der politischen, �konomischen,
religi�sen und kulturellen Modernisierung durchlief. Unter Max III. Joseph
hatte das Kurf�rstentum den m�hsamen und langwierigen Weg zu einem
neuzeitlichen s�kularen Staat begonnen, hatte die erdr�ckende Wirtschaftsmacht
der Kirche und das Bildungsmonopol der Jesuiten beschnitten. Die traditionelle
Orientierung an der "alten, gro�en und weiten katholisch-romanischen
Welt" (Max Spindler) wurde preisgegeben. Die 1759 gegr�ndete Akademie der
Wissenschaften betrieb die geistige �ffnung des Landes, soda� 1773 der
schw�bische Dichter Schubart �berrascht konstatierte: "Man wird selten in
einem Lande eine allgemeinere hei�hungrigere Lehrbegierde antreffen als in
Bayern." Vom Regierungswechsel zum kunstsinnigen Pf�lzer Karl Theodor 1778
erhoffte man sich eine Beschleunigung des kulturellen "Tauwetters";
die enthusiastische Aufbruchsstimmung bescherte M�nchen ein ungemein
fruchtbares literarisches Leben �hnlich jenem im josefinischen Wien.
Stattdessen k�hlte das geistige Klima Kurbayerns j�h wieder ab, weil der Regent
seinen Thron unterminiert sah. Der radikale aufkl�rerische Geheimbund der
Illuminaten, gegr�ndet an der Ingolst�dter Landesuniversit�t, hatte die
geistige Elite (einschlie�lich der Zensoren) und die F�hrungsschichten
konspirativ politisierend durchsetzt, ja mit seinem Programm einer heimlichen
Macht�bernahme weit �ber Bayern hinaus Sympathisanten gefunden. Als er sich gar
in die hohe Politik einzumischen begann, dr�ngten die geistlichen Ratgeber den
Kurf�rsten zum entschiedenen Handeln gegen diese Bedrohung von Thron und Altar.
Nicht nur wurde der Bund der Menschheitsbegl�cker aufgel�st, beteiligte Beamte
(wie Graf Montgelas) und Professoren entlassen, sondern auch fortschrittliche
Publizisten verwarnt und ausgewiesen, eine kecke Satirezeitschrift wie
"Der Zuschauer in Baiern" verboten.
��������������� �berall
in Deutschland und dar�ber hinaus verfolgten die progressiv gesinnten
Intellektuellen diese Auseinandersetzung mit Faszination und Anteilnahme. Mehr
noch: sie ergriffen vehement Partei. Das gro�e Projekt Aufkl�rung schien in
Bayern erstmals von einer schmerzhaften Niederlage bedroht, deren Signalwirkung
auf andere L�nder �bergreifen, ja gar zu einem Triumph der Fortschrittsfeinde
f�hren konnte. Nun begann ein gro�angelegter publizistischer Federkrieg mit
Pamphleten gegen Karl Theodor, seine Hofschranzen, Maitressen, Pfaffen und
Dunkelm�nner. Dank heimlicher Informanten in M�nchen waren ausw�rtige Journale
�ber politische Aff�ren und h�fische Interna Bayerns genauestens im Bilde. Kein
Geringerer als Adolph von Knigge, regster Illuminat des Nordens, sah im
r�ckst�ndigen Bayern eine finstere Verschw�rung der Exjesuiten gegen
Geistesfreiheit und B�rgerrechte am Werke. Dies stachelte den Appetit des
lesenden Publikums immer mehr an, aus dem Reich der Finsternis am Alpensaum
neue Skandale und Schauerm�ren zu erfahren. Anonyme Schl�sselromane aufm�pfiger
bayerischer Jungliteraten wie Milbiller, Pezzl und Wolf erschienen, zugleich
durchstreiften reisende Aufkl�rer beherzt das Kurf�rstentum, um ihre Vorurteile
best�tigt zu finden. Um der guten Sache der Aufkl�rung willen heiligte der
Zweck die Mittel. Wie verrottet und korrupt die Regierung, wie geistesschwach
und primitiv die Untertanen waren, konnte gar nicht schonungslos genug enth�llt
werden.
��������������� Am
wirkungsvollsten gelang dies dem Berliner Verleger Friedrich Nicolai,
weitber�hmt als Herausgeber des ma�geblichen Rezensionsorgans, als �tzender
Satiriker und unfehlbarer Literaturpapst der Berliner Aufkl�rung (wenngleich
von Goethe und Schiller weidlich verspottet). Zw�lf dicke B�nde umfa�t seine
"Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Jahre
1781", die vielbeachtet von 1783 bis 1796 erschien. Auf den ersten Blick
nur eine pedantische Faktenhuberei, ist sie in Wahrheit eine schonungslose
Abrechnung mit dem so r�ckst�ndigen und beschr�nkten katholischen S�den.
�berzeugt, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein, klammert der eifernde
Aufkl�rer in selektiver Wahrnehmung alles aus, was seine Vorurteile irritieren
k�nnte. Weit schonungsloser noch als �ber �sterreich f�llt sein Urteil �ber
Bayern, vor allem die Hauptstadt M�nchen aus, fast nichts findet Gnade vor
seinen Augen. Die Rokokopracht von Schlo� und G�rten Nymphenburgs ? Hier
sollten besser gro�e Viehherden weiden. Die Mariens�ule? Ein "Denkmal
stumpfer Bigotterie". In den Gesichtern der M�nche sind "Dummheit,
Gefr��igkeit, Hartherzigkeit und Niedertr�chtigkeit schreyend abgebildet".
Unerh�rt ist die nutzlose Zeitverschwendung durch abergl�ubische Br�uche,
endlose Messen, l�cherliche Prozessionen, zahllose Feiertage. Obwohl die
t�ckischen Pfaffen das Volk unter der Knute halten, sind Diebstahl, Stra�enraub
und Mord viel h�ufiger als anderw�rts, die Arbeitsmoral ersch�tternd gering.
Genu�sucht, V�llerei und Sittenlosigkeit regieren allerorten, die hohe Zahl
unehelicher Kinder ist skandal�s. Wer genauer hinschaut, bemerkt hinter Nicolais
h�hnisch-erbitterter Polemik durchaus paranoide Z�ge. Denn von eben diesen
l�cherlichen Papisten ist das aufgekl�rte, bessere, protestantische Deutschland
aufs h�chste bedroht, die verschw�rerischen Exjesuiten spinnen ihre Netze, in
denen der Norden hilflos zappeln soll. Ein Vorgeschmack des Bismarckschen
Kulturkampfes liegt in der Luft.
��������������� Nat�rlich
ist auch die Charakteristik der Einwohner wenig schmeichelhaft. Jene
"stumpfe Bigotterie, die in Bayern seit hundert und mehr Jahren
herrscht", hat "unausl�schliche Z�ge von stierem, und gedankenlosem
Wesen �ber alle Gesichter verbreitet". Der "Naturbursche" tr�gt
ulkige Tracht, ist plump, faul, l�rmend rauflustig, grob, dem Suff ergeben,
unglaublich dumm, phlegmatisch, undsofort. H�chstens wird barmherzig einger�umt:
"Die Baiern sind rohe Kinder der Natur, unverw�hnt, voll Trieb, voll
Kr�fte, die nur recht geleitet zu werden bed�rfen."
Nicht mehr als f�nf Tage Aufenthalt haben
Nicolai f�r sein unumst��liches Urteil �ber Land und Leute gen�gt. Den
L�wenanteil seiner Informationen erhielt der reisende Aufkl�rer allerdings
streng vertraulich von M�nchner Gew�hrsleuten wie Strobl und Zaupser, die als
aufrechte Patrioten naiv glaubten, in diesem intoleranten Eiferer den besten
Bundesgenossen f�r ihre Reformideen zu besitzen. Ihre Schwarzmalerei in
aufkl�rerischer Absicht diente stattdessen umgehend als scharfe Munition gegen
ihre Heimat.
��������������� Dabei
war Nicolais bezopfte Selbstgerechtigkeit noch vergleichsweise ma�voll,
verglichen mit den unter Decknamen publizierten Reisesatiren von Journalisten
der j�ngeren Generation. Radikal republikanisch oder gar jakobinisch gesinnt,
mu�ten sie sich auf dem freien Literaturmarkt durchsetzen. Deshalb malten sie
nicht nur den politischen, sozialen und kulturellen Zustand Bayerns in den grellsten
Farben, sondern go�en die �tzende Lauge ihres Spottes auch auf seine
Bev�lkerung aus. Schon 1778 l�sterte der W�rttemberger Wekhrlin: "Das
Temperament der Baiern ist bei weitem nicht so menschlich wie der �sterreicher,
ihrer Nachbarn. Der Baier ist falsch, grausam, abergl�ubisch und verwegen.
Nirgendwo trifft man mehr R�der, Galgen und Schergen an als in Bayern."
Kaspar Riesbeck, der sich als "reisender Franzose" ausgab,
sekundierte 1783: "Das Landvolk ist �u�erst schmutzig. Liederlichkeit ist
der Hauptzug des Baiern, vom Hofe an gerechnet bis in die kleinste H�tte. Mit
dieser gro�en Liederlichkeit kontrastiert ein ebenso hoher Grad von Bigotterie
auf eine seltsame Art." Carl Ignaz Geiger wiederum, maskiert als
Engl�nder, wu�te 1789: "�berhaupt ist Religionsdummheit und Aberglaube ein
herrschender Zug in dem Bilde von M�nchen und ganz Bayern... Das Volk ist hier
mehr als irgendwo ein Lastthier, dem von F�rsten, von Pfaffen und Weibern
B�rden aufgehalst werden, worunter es fast erliegt. Ihre nat�rliche Tr�gheit
ist gl�cklicherweise Ursache, da� sie diese B�rden nicht abwerfen... Nirgends
ist vielleicht die z�gelloseste Ausgelassenheit in dem Punkte so weit
eingerissen als hier. Schwerlich ist ein Drittel der Inwohner sowohl m�nnlich
als weiblichen Geschlechts, das nicht von der Lustseuche angesteckt w�re... Die
Konsumtion des Bieres �bersteigt allen Glauben" Und mit derlei
Albernheiten geht es viele Seiten weiter.
��������������� Eines
mu� man den reisenden Bayernver�chtern allerdings zugestehen: Ihr Urteil �ber
die Weiblichkeit f�llt einstimmig aus. Enthusiastisch formuliert etwa Kaspar
Riesbeck: "Die Weiberleuthe geh�ren im Durchschnitt gewi� zu den sch�nsten
der Welt. Sie fallen zwar auch gerne etwas dick ins Fleisch, aber dieses
Fleisch �bertrifft alles, was je ein Maler im Inkarnat geleistet hat. Das
reinste Lilienwei� ist am geh�rigen Ort wie von den Grazien mit Purpur sanft
angehaucht. Ich sah Bauernm�dchen, so zart von Farbe und Fleisch, als wenn die
Sonne durchschiene." Desto l�cherlicher erscheint nicht nur bei Riesbeck
der m�nnliche Ureinwohner: "Das Eigne eines Baiern ist ein sehr runder
Kopf, nur das Kinn ein wenig zugespitzt, ein dicker Bauch, und eine bleiche
Gesichtsfarbe. Es giebt mitunter die drolligsten Figuren der Welt, mit
aufgedunsenen W�nsten, kurzen Stampff�ssen und schmalen Schultern, worauf ein
dicker runder Kopf mit einem kurzen Hals sehr seltsam sitzt." Damit ist
das unsterbliche Klischee schon ziemlich perfekt, das f�rderhin ein tumber
Schreiberling vom anderen abkupferte und das bis ins 20. Jahrhundert hinein
auch von den Karikaturen im "Simplicissimus" und Juxpostkarten in
alle Welt getragen wurde.
��������������� Der
kl�gste Kopf unter den unerbittlichen Kritikastern freilich war ein Altbayer:
Johann Pezzl, Sohn des Klosterb�ck aus Mallersdorf und entlaufener
Benediktinernovize. Auch er nahm kein Blatt vor den Mund, aber tadelte in
seiner "Reise durch den Baierschen Kreis" (1784), da� "sichs
einige der neuern Reisebeschreiber sehr haben angelegen seyn lassen, die
baierischen St�dte als h�chst elende Pl�ze zu verschreyen." Dagegen
stellte er nachdr�cklich fest, "da� die Baiern keine so finstere K�pfe
seyen, wie einige Nachbarn derselben auszuposaunen belieben. Es geht dieser
Nation wie der Spanischen; sie ist nicht dumm und verdorben; aber es hat zuweilen
an der Regierung gefehlt, und an dieser liegt gemeiniglich das meiste."
��������������� Zwar
hat sich l�ngst der Staub der Geschichte �ber die Fehden zwischen Aufkl�rern
und Reaktion�ren, Illuminaten und Patrioten gelegt. Doch das einst mit s�ffiger
H�me gestanzte Zerrbild des dumpf-bigotten Gaudiburschen war kaum mehr aus den
K�pfen zu vertreiben, sondern wurde je nach politischer und ideologischer
Opportunit�t immer wieder gen��lich hervorgeholt. Es best�rkte schon jene am
Beginn des 19. Jahrhunderts an den M�nchner Hof berufenen Nordlichter in ihrem
Kolonisatorend�nkel, hier als gottgesandte Missionare unter Wilden in geistiger
Finsternis die Fackel des Fortschritts anz�nden zu m�ssen. Es wurde in der
Wilhelminischen �ra ebenso bei Bedarf wieder hervorgeholt wie in den Zwanzigerjahren,
und noch in der Bundesrepublik waren sich manche Mandatstr�ger, Kulturschn�sel
und gar Professoren nicht zu schade f�r einschl�giges Gewitzel. Bei den immer
wieder so Gescholtenen selbst jedoch bef�rderte dieses Stereotyp jene
merkw�rdige Mischung aus grimmigen Minderwertigkeitskomplexen und vorbeugendem
Auftrumpfen, die das Selbstbild der Bayern bis heute kennzeichnet.
��������������� Freilich
sind dem Negativklischee seitdem einige positive hinzugef�gt worden, deren
Wirkung alllerdings kaum erfreulicher ist. Im 19. Jahrhundert wurde Bayern von
Romantikern und Reaktion�ren als heile Welt der Gegenmoderne entdeckt,
verschont von S�kularisierung, Modernisierung und Trivialisierung aller
Lebensbereiche, und bewohnt von r�hrend einf�ltig-unverdorbenem Landvolk mit
pittoreskem Brauchtum. Schon 1817 sah ein gewisser Christian M�ller beim
Oberlandler "den Prototyp der Deutschheit unter allen St�mmen am reinsten
bewahret." Die Erfindung und hemmungslose Vermarktung Bayerns als alpines
Oberbayern zum Zwecke des Fremdenverkehrs deutete die Stammesklischees ins
Positive um: in �bersch�umende Lebenslust und archaische Fr�mmigkeit, herzige
Nat�rlichkeit, kracherte Genu�freude und almerische Erotik.
Und die �lpler selbst, die unschuldigen
Naturkinder? Schon sehr bald setzt bei ihnen jenes merkw�rdige Verhalten
gegen�ber den Touristen ein, das Heinrich Heine bereits 1828 pr�zise
charakterisiert hat: sie tragen n�mlich "eine Sorte von l�chelndem
humoristischem Servilismus" zur Schau und geben mit dieser putzig-herzlichen,
dick aufgetragenen Unbefangenheit dem Fremden jenes wohlige
�berlegenheitsgef�hl, wie es eben Missionare und Kolonisatoren bekommen, wenn
die Eroberten ihre geistige und kulturelle Dominanz dem�tig anerkennen.
��������������� Um
die Mitte des 19. Jahrhunderts rief K�nig Maximilian II. die
"Nordlichter", womit er seine privaten Unzul�nglichkeitsneurosen
staatspolitisch �berdimensionierte. Die einheimischen Autoren setzten sich auf
ihre Weise zur Wehr: mit der systematischen Vermarktung des
Oberbayernklischees, mit Hunderten von Volksst�cken und Familienromanen. Die
zugezogenen Kolonialherren und auch die Durchreisenden aus dem Norden
betrachteten Bayerns traditionsges�ttigte Lebensart zwar als intellektuell
minderwertig. Abr sie vermochten sich doch der emotionaler Faszination nicht zu
entziehen, die eine beh�big seit mehr als einem Jahrtausend in sich ruhende
Kultur ausstrahlte. Und was taten die Bayern mit dieser Kultur ? Sie
vermarkteten sie als Exportartikel: Ab 1880 touren Jodler und
Schuhplattlertruppen durch den Norden, ja bis Amerika, was schon Heine zu Recht
empfand als "schamlose Verschacherung des Versch�mtesten". Zugleich
verbreiteten Autoren wie Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, millionenfach
ihren Bayernkitsch, wobei dieser Stammvater der bayerischen Tourismusindustrie
nach dem Motto schrieb: "Bayern mu� das von Fremden meist besuchte Land
werden" (wohlgemerkt: besuchte, nicht bewohnte!).
��������������� Die
preu�ische Machtpolitik, die sich in ihrem Streben nach europ�ischer
Vorherrschaft um jeden Preis von Bayern bel�stigt sah, h�tte dieses Land
ebenfalls am liebsten auf seine Rolle als unterworfenes Eingeborenenreservat
beschr�nkt. Ich zitiere das Urteil des preu�ischen Hofhistorikers Heinrich von
Treitschke �ber einen Staat, der rund tausend Jahre vor Preu�en die Geschichte
Mitteleuropas zu formen begann: "Bayern ist eine lebensunf�hige politische
Mi�bildung, recht eigentlich ein Zwerg mit einem Wasserkopf, und Preu�ens
Aufgabe besteht darin, Bayern zu zerschlagen". Die Seppln merkten diese
steten Bem�hungen, Bayern �ber Jahrzehnte hinweg politisch zu destabilisieren
und zu unterminieren, �brigens sehr deutlich, und die tiefsitzende Abneigung
gegen Preu�en als geistige Lebensform hat auch hier ihre handfesten, legitimen
Wurzeln.
��������������� So
wurde aus unterschiedlichen Motiven, aber mit demselben Ergebnis, Bayern teils
offen, teils verdeckt, mit ebenso oberfl�chlicher Bewunderung wie Verachtung,
als der Prototyp der Gegenmoderne, als noch unentfremdete Welt inszeniert. Hier
schien all das bewahrt, was in einem laut-agressiven, seinen "Platz an der
Sonne" fordernden, pickelhaubigen Kaiserreich rapide verschwand:
Geradlinigkeit und Freimut bis zur Grobheit als Gegenteil des borussischen
Kadavergehorsam, demokratische Liberalit�t im Gesellschaftsleben, anarchische
Rauflust und lockere Sexualit�t, behagliche V�llerei im Essen und Trinken,
ungeb�rdige Spielfreude und Musikalit�t, dagegen m��ige Arbeitslust, insgesamt
ein scheinbar unersch�tterlich z�her Widerstand gegen die Moderne mit ihren
Zumutungen, gegen die totalit�re "Sozialdisziplinierung" der Neuzeit,
eine gloriose Einheit von Br�uhaus, Bordell und Fronleichnamsprozession.
��������������� Bald
war der Siegeszug des bajuwarischen Folklorismus schier unaufhaltsam: das
Schlierseer Bauerntheater beispielsweise verbreitete die Sepplklischees um 1900
auf seinen Tourneen in Deutschland, Europa und Amerika fl�chendeckend in vielen
tausend Vorstellungen, zu Kaiser Wilhelms schenkelklatschendem Entz�cken.,
Entlarvenderweise wurde ihr Gastspiel angek�ndigt als "V�lkerschau aus
Bayern" - also genauso wie die Zirkusattraktionen von nacktbusigen
Hottentotten, aufgeputzten Indianern und sonstigen "Abnormit�ten".
��������������� Je
mehr der S�dbayern-Tourismus zunahm und nach den Oberschichten auch der
b�rgerliche Mittelstand Bayern als Sommerfrischen-Idyll entdeckte, desto heftiger
prallten die Stereotype aufeinander. Eben das, was die Fremden in Bayern
suchten, n�mlich eine heile vormoderne Welt, empfanden die Einheimischen auf
dem Lande selbst als peinlichen Makel: offensichtlich waren ihnen die N�rdler
voraus, waren kl�ger und fortschrittlicher. Doch die devoten
Minderwertigkeitsgef�hle waren auch vermischt mit einer heimlichen Verachtung
f�r die neureichen Wichtigtuer, die Kuh und Stier nicht unterscheiden konnten.
So beharrte man trotzig auf seiner Andersartigkeit. Immer heftiger schaukelten
sich die Auto- und Heterostereotype gegenseitig auf und m�ndeten gro�teils in
einen allumfassenden Folklorismus, der eine lebfrische Volkskultur r�de
kommerzialisierte, trivialisierte und auf Abruf verf�gbar machte. Gerade die
"animalisch gefalls�chtigen" (O. M. Graf) Oberbayern verfielen einer
kollektiven Schizophrenie, indem sie an all dem flei�ig verdienten, was sie
eigentlich anwiderte: die Prostitution als servil-burschikoser Gaudibursch etwa
bei den Trachtenabenden, der eintr�gliche Ausverkauf der sauersten Wiesen als
teure Grundst�cke mit Seeblick an die Zugereisten (mit anschlie�endem Gejammer
�ber die �berfremdung). Sie inszenierten, wie Oskar Maria Graf es glossiert,
"ein herzerfrischendes Hinterw�ldlertum auf Bauernart, eine mit dem dicken
Zuckergu� sentimentaler Verlogenheit reizend garnierte Gebirgsjodler-Idylle,
ein schlichtinniges, bierkatholisches Analphabetentum als Volkscharakter".
Das feiert bis heute fr�hliche Urst�nd, auch
wenn es nach dem radikalen demographischen Wandel seit 1945 v�llig l�cherlich
geworden ist. Angesichts des unabl�ssigen millionenfachen Zuzugs von Norden nur
noch l�cherlich ist jene innerdeutsche Rassentheorie, der zufolge 'die Bayern'
nun einmal so sind wie sie sind. Bayern hat lange Zeit all das heimatlich
aufgenommen und einverleibt, was aus Osten und Norden vertrieben wurde, hier
neue Heimat fand, und dem Land wichtige kulturelle und soziale Impulse gegeben
hat. Doch diese Bereitschaft, sich einzugliedern, sich der angestammten
Mentalit�t des Gastlandes lernend unterzuordnen, um wirklich einheimisch zu
werden, sich nicht zuletzt auch seiner Sprache anzupassen - diese Bereitschaft
ist spurlos verschwunden und an ihre Stelle tritt eine hochfahrende Arroganz,
eine aufgeblasene Verst�ndnislosigkeit f�r die faszinierende Eigenart dieses
anderthalb Jahrtausende alten Kulturstaates, tritt der feste Wille, Holzkirchen
und We�ling Norderstedt und Visselh�vede so �hnlich wie m�glich zu machen.
��������������� So
geht hierzulande unwiderruflich verloren, was einst Bayerns Eigenart ausmachte:
dieses so stetige, beharrlich bodenst�ndige Land hat Geschichte �ber die
Jahrhunderte hinweg als eine Geschichte der verpa�ten M�glichkeiten, des
Verratenwerdens, der �bervorteilung und Aggression kennengelernt und gegen
dieses Verh�ngnis ein "letzten Ende pr�historisches Grundgef�hl von der
Stetigkeit der Welt, die uns umgibt" (Amery) entwickelt, das den Weltlauf
als irrational erkennt und skeptisch gegen alles Weltverbesserertum ist.
"Na mach' ma halt a Revolution, da� endlich wieda a Ruah' is!" dieser
Spruch eines M�nchner Arbeiters von 1918 gibt dieses letztlich anarchische,
�berzeitliche Lebensgef�hl genau wieder. Doch dieses Bayern wurde, so hat Carl
Amery es formuliert, "von au�en mit einem neuen Lebensstil, einer neuen
Art der Existenz �berzogen, dies f�hrte, so oder so, zu seiner Sprachlosigkeit,
zu seiner Fremdbestimmung".
��������������� Und
da die demographischen Prognosen vorhersagen, da� in den kommenden 15 Jahren
aus den norddeutschen Bundesl�ndern rund 2 Millionen hierher einwandern wollen,
wird sich bald erweisen, ob das Land seine Identit�t gegen solche Bedrohung
bewahren kann. Zu bef�rchten ist allerdings, da� sich die prophetische Warnung
Johann Christoph von Aretins aus dem Jahre 1810 bewahrheiten wird:
"Die Nordteutschen (mit wenigen Ausnahmen)
verachten und hassen die S�dteutschen, glauben sich weit vor ihnen voraus und
werden nie den herzlichen, unbefangenen Sinn derselben zu fassen, oder zu
sch�tzen wissen. Wenn es ihnen gelingt (wovor Gott sey) unsere �ppige
Lebensf�lle mit ihrer n�rdlichen K�lte und Steifheit zu ersticken, so ist unser
Vaterland unwiederbringlich zu Grunde gerichtet."
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DUDEN
� Wie sagt man in �sterreich?
W�rterbuch
des �sterreichischen Deutsch.
3.,
vollst�ndig �berarbeitete Auflage von Jakob Ebner.
Mannheim
- Leipzig - Wien - Z�rich, Dudenverlag 1998
(Duden-Taschenb�cher
Band 8) ISBN 3-411-04983-9
Jakob Ebners "Wie sagt man in
�sterreich" ist vor 30 Jahren (1969) erstmals erschienen. Der damals
sehr junge Verfasser war mit seinem ersten Versuch, die �sterreichische
Variet�t der deutschen Standardsprache darzustellen, sehr erfolgreich und
schrieb damit �sterreichische Sprachgeschichte, indem er germanistisches
Neuland betreten hat, denn ein solches Thema war in der damaligen Germanistik
nur ein Randthema, lag doch das Hauptaugenmerk auf der Erforschung der
Dialekte. Au�er dem �sterreichischen W�rterbuch, das als Schulw�rterbuch eine
andere, spezielle Zielsetzung hatte, gab es vor Ebner kein Nachschlagwerk, wenn
man von Paul Kretschmers Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache (G�ttingen
1918, �1969) und allgemeinen Darstellungen wie Hildegard Rizzo-Baur, Die
Besonderheiten der deutschen Schriftsprache in �sterreich und S�dtirol (Mannheim,
Duden-Beitr�ge Nr. 5, 1962) oder vom bescheidenen B�chlein Carl Friedrich
Hrauda Die Sprache des �sterreichers (Salzburg 1948) absieht. Erst nach
Ebners Erstling erschien Wilfried Seibicke Wie sagt man anderswo? (Mannheim,
Duden-Taschenbuch Nr. 15, 1972, �1983), wo die landschaftlichen Unterschiede im
gesamtdeutschen Sprachraum skizziert werden.
Ebners Buch erhob nie den Anspruch, ein
normatives Lexikon zu sein, sondern er war (und ist) bestrebt, den Wortschatz
des "�sterreichischen Deutsch", also den "gesamten f�r
�sterreich spezifischen Sprachgebrauch" zu erfassen. Seine Interpretation
des Begriffes Austriazismen ist klar nachvollziehbar (S. 8) und sagt
alles:
Gegenstand des
Buches sind nat�rlich Austriazismen. Dieses Prinzip st��t auf die
Schwierigkeit, �sterreichischen Sprachgebrauch von den Nachbarl�ndern
abzugrenzen. Der Nutzen eines Buches, in dem nur die reinen Austriazismen, d.h.
die auf �sterreich beschr�nkten Spracheigent�mlichkeiten, behandelt werden,
w�re gering. Will man die �sterreichische Standardsprache in allen ihren
Erscheinungen erfassen, muss man jene W�rter mit einbeziehen, die auch in einer
benachbarten Sprachlandschaft vorkommen. Ebenso werden die W�rter behandelt,
die nur in einem Teil �sterreichs vorkommen. Statt Austriazismenw�rterbuch ist
die Bezeichnung W�rterbuch des �sterreichischen Deutsch zutreffender, sie
dr�ckt aus, dass der gesamte f�r �sterreich spezifische Sprachgebrauch
behandelt wird, gleich ob W�rter auch in Nachbarlandschaften oder nicht in ganz
�sterreich verbreitet sind. Die regionale Verbreitung wird jeweils angegeben
(z.B. auch bayr., auch s�ddt., auch schweiz., auch ostmitteldt. usw.) bzw. die
beschr�nkte Verbreitung innerhalb �sterreichs.
Das W�rterbuch ist in erster Linie der
Standardsprache in �sterreich gewidmet, enth�lt aber auch viele
umgangssprachliche und dialektnahe W�rter, soferne sie geschrieben vorkommen
(in der Literatur, in fachsprachlichen Texten [z.B. K�chensprache], aber unter
Ausschluss der eigentlichen Dialektliteratur). Wir haben also kein
Dialektw�rterbuch (im engeren Sinne) vor uns, die Konzeption ist eine andere
als z.B. Ludwig Zehetners Bairisches Deutsch (s. Rundbrief Nr. 23f., S.
1ff. sowie Nr. 24, S. 9ff.), der die altbayrischen Mundarten mit einschlie�t,
doch ganz kann sich aber auch Ebner nicht den in �sterreich gesprochenen
Mundarten entziehen. Als Beispiel diene die Vorsilbe der- (entspricht im
gro�en und ganzen standarddt. er-), die von Ebner zutreffend als
"mundartnah, auch bayr[isch]" (S. 81) bezeichnet wird. Er zitiert
daher nur die beiden umgangssprachlich allgemein �blichen sich derfangen "sich
erholen, wieder finden" (nach �sterreichischem W�rterbuch auch
"sich erfangen") und derschlagen "erschlagen" ohne Belege,
hingegen werden derpacken "bew�ltigen", dertreten
"zertreten", derwischen "erwischen" und derwuzeln
"zerreiben, �berrollen" mit den entsprechenden Zitaten aus
Literatur und Presse belegt; insgesamt sind dies also 6 Eintr�ge. Bei Zehetner
(S. 84ff.) finden sich �ber 70 Eintr�ge (versehen mit den Hinweisen
"umgangssprachlich" oder "mundartlich"), was deutlich die
grunds�tzlich verschiedenen Konzeptionen zeigt. Zehetner bezieht auch die
bayerische Mundartliteratur mit ein, w�hrend Ebner nur die in standardnahes
"Hochdeutsch" eingebetteten Dialektausdr�cke ber�cksichtigt, z.B. eini
"hinein" (S. 92f.), aba (oba) "herab" (S. 19).,
da sie einerseits in der Literatur vorkommen (z.B. bei Helmut Qualtinger und
Karl Kraus), sie andererseits (wie in Bayern ja auch) im Sprachdenken fest
verankert sind. Daher sind beide B�cher nicht direkt miteinander vergleichbar,
doch jedes f�r sich ist auf seine Art als ein sehr gut gelungenes
Werk zu betrachten.
Das Buch wendet sich an alle, die sich mit
den sprachlichen Gegebenheiten in �sterreich vertraut machen wollen,
einschlie�lich den Lehrern f�r Deutsch als Fremdsprache und den
�sterreichern selbst, die �sterreichisches Sprachgut nicht immer befriedigend
dargestellt in den allgemeinen deutschen W�rterb�chern finden. Im Mittelpunkt
steht der Gebrauchswortschatz, der wie in einem einsprachigen
Bedeutungsw�rterbuch �blich dargestellt wird, wobei den Unterschieden zum
allgemeinen Standard in Deutschland und der Schweiz besondere Beachtung zukommt
(S. 9, Beispiele z.T. von mir):
F�r
Unterschiede in der Wortbedeutung wird ein eigener Weg gegangen. Es kann
sich dabei um folgende F�lle handeln:
� ein Wort hat
in �sterreich eine zus�tzliche Bedeutung (1),
� eine
Bedeutung fehlt in �sterreich (2),
� die Bedeutung
ist von Grund auf anders (3),
� eine
gemeinsame Bedeutung wird in anderen Nuancen angewandt (4).
Beispiele: (1) im Jahre Schnee "in
l�ngstvergangener Zeit"; Klampfe auch "Bauklammer
(Eisenklammer f�r Bauger�ste)", die Bedeutung "Gitarre" ist
gemeindeutsch; Vorrang als Begriff der Stra�enverkehrsordnung (in
Deutschland "Vorfahrt", in der Schweiz "Vortritt"); (2) der
Junge (fehlt, es gibt nur das Junge "Jungtier; Eingeweide und
abgeschnittene Fleischreste zum Suppenkochen (in Deutschland meist -klein,
z.B. H�hnerklein"), daf�r meist "Bub, Bursch(e)", �hnlich
in Bayern; Br�tchen in �sterreich nur "belegtes Brot", nie
"Semmel"; (3) �bergenuss "�berzahlung, irrt�mlich zu hoch
ausbezahlter Gehalt", Laibchen (Laiberl, Laberl)
"ein bestimmtes Geb�ck (auch Bayern), Fleischspeise in Form eines kleinen
Laibes (in Bayern Fleischpflanzel, in Berlin Buletten, in anderen
Gegenden Deutschlands Frikadellen, international Hamburger)";
(4) der Gehalt meist statt das Gehalt; Mutant (wie auch in
Bayern) nicht nur Science-Fiction- Figur, sondern "Jugendlicher im
Stimmbruch".
Spezifisch �sterreichische Stichw�rter (z.B. Schm�h
"Trick; Unwahrheit; Scherz, flotter Spruch usw." oder Faschiertes
"Hackfleisch") und �sterreichische Abweichnungen von
gemeindeutschen Ausdr�cken werden entsprechend vorgestellt, mit grammatischen
Angaben und mit Zitaten, die den genauen Gebrauch des Wortes f�r den Benutzer
nachvollziehbar machen (mit gr��tenteils neuen Belegen aus Presse und
Literatur, was unterstreicht, dass es sich hier um eine Neubearbeitung im
engeren Sinne handelt). Auf Gemeinsamkeiten mit anderen Regionen wird immer
hingewiesen (z.B. Kir(ch)tag auch s�ddt. "Kirchweihfest" mit
Redewendung auf vielen Kirchtagen tanzen "�berall dabei sein,
(binnendt.:) auf vielen Hochzeiten tanzen", Topfen auch bayr.
"Quark", heuer auch s�ddt., schweiz. "in diesem
Jahr"). Wertvoll sind auch die Angaben zu abweichender �sterreichischer
Aussprache (z.B. Betonung Mathem�tik statt Mathemat�k [heute auch
Bayern], Plat�n [auch Bayern] statt Pl�tin, Aussprache Portier
etwa [port�r], nicht [portj�], Chirurg, Chemie mit
[k-], nicht [ch-]). Auch inner�sterreichische Besonderheiten werden erl�utert
(z.B. in Tirol Fleisch- statt Leberk�se, Tschurtschen bes.
Tirol u. K�rnten "Nadelbaumzapfen", ost�sterreichisch Bockerl,
haupts�chlich von F�hren, usw.).
Insgesamt sind in der neuen Ausgabe rund 8000
Stichw�rter enthalten, nach dem Vorwort (S. 6) "nahezu verdoppelt".
Dies sei hier anhand des Buchstaben N gezeigt: nachdem (kausal,
auch bayr.), Nachkauf "Erwerb von Pensionszeiten durch Nachzahlung"
(Amtssprache), Nachkir(ch)tag "Ausklang des Kirchtags", N�chmittag
(Betonung, auch bayr.), Nachmittagsplauscherl, Nachpr�fung
"Wiederholungspr�fung" (in der Schule), Nachrang, Nachsaison,
Nachschlagwerk (neben Nachschlagewerk mit Fugen-e), nachschupfen,
nachsetzen, n�chst (als Pr�position, auch bayr.), Nacht (auch
"nachts", Wendungen wie auf die Nacht, auch bayr.), Nachtahnl
"sagenhafte Frauengestalt", Nachtragspr�fung, nachwassern
"nochmals kontrollieren", Nachzipf "Nach(trags)pr�fung",
Nackerpatzl (auch bayr., geschrieben -b�tzi o.�.), Nadelstreif,
Nagelwurzen, Nagerl "Nelke" (auch bayr.), Nahkontakt,
national (traditionell in �sterreich meist im Sinne von
"deutschnational"), Naunscherl "Backerbse", Nebbochant,
Nebelrei�en (auch bayr.), Nebengeb�hren (Amtssprache), n�gativ
(Betonung), Negerant "wer kein Geld hat" (scherzhaft zu neger
"ohne Geld, abgebrannt"), Neidgenossenschaft (scherzhafte
Selbsteinsch�tzung �sterreichs), Neigerl (auch bayr.), neu adaptiert,
Neubaugaronni�re, neuerdings, Neuner "Zahl Neun, die
Neun" (auch bayr.), neunern (west�sterr.) "das zweite
Fr�hst�ck (in Wien: Gabelfr�hst�ck) einnehmen" (in Bayern ein
Kartenspiel), nieder "niedrig", niederfahren, Niederflurgarnitur
(Fachsprache), niederf�hren, Nigel/Nigele (z.T. auch bayr.), nigelnagelneu
(auch bayr.), Nikolausausfahrt, nix (auch bayr.), no (auch
bayr.), Nobelball, Nockerlsieb, Normverbrauchsabgabe (Amtssprache),
Not�r, notifizieren (Amtssprache) "in einer diplomatischen
Note mitteilen", Notstandshilfe (Amtssprache), Nudelsuppe (wohl
auch bayr., doch die Redewendung nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen
sein in Bayern �blicherweise mit Brennsuppe wie in West�sterreich), Nuller
"die Null" (auch bayr.), Nullkommajosef "0,0 (null
Komma null)", nunmehrig (Amtssprache), Nursch "Futtertrog"
(auch bayr.), Nusspalatschinken/-potitze/-schnitte, Nutzgrund, Nylonsack.
Daneben nehmen sich die Abstriche gegen�ber
der vorigen Auflage als unbedeutend aus (ebenfalls Buchstabe N: im
nachhinein, Neurologie "Abteilung in einem Krankenhaus f�r
N.", Notariatskanzlei, nu na nicht (no na net)
"selbstverst�ndlich", Nunziatur alte Schreibung f�r
"Nuntiatur"). Leider wurde auf ein W�rterverzeichnis
"Binnen-/Nord-/Bundesdeutsch � �sterreichisches Deutsch" verzichtet �
die vorige Auflage hatte ein solches (�brigens auch Zehetner). Trotzdem wird
das vorliegende B�chlein gute Dienste leisten und � wie ich hoffe � auch ein
wenig zur Festigung des �sterreichischen Sprachbewusstseins beitragen, um das
es ja nicht zum Besten steht (doch dar�ber im n�chsten "Rundbrief").
Heinz
Dieter POHL
Man mu� das Wahre immer wiederholen, weil
auch der Irrtum um uns immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht nur von
einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklop�dien, auf Schulen
und Universit�ten.
Johann Wolfgang von Goethe
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Bairisch
und die Europ�ische Charta
der
Regional- und Minderheitensprachen
von
Anthony Rowley
Deutschland hat am 7. Mai 1998 die
europ�ische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarats
ratifiziert. In einem Ma�nahmenkatalog best�tigen die Teilnehmerstaaten Schutz-
und Unterst�tzungsma�nahmen f�r ihre Sprachminderheiten. Auf Druck von
niederdeutschen Arbeitskreisen hat eine Konferenz der norddeutschen L�nder dem
Bund neben den Minderheitensprachen D�nisch und Friesisch auch Niederdeutsch
als "Regionalsprache" zur Anmeldung f�r die Charta empfohlen. Und
neben den "echten" Minderheitensprachen hat die Bundesregierung
tats�chlich auch das Niederdeutsche als Regionalsprache deklariert und daf�r
eine Reihe von Schutz- und F�rderungsma�nahmen kodifiziert.
F�r die Anerkennung des Niederdeutschen als
Regionalsprache gibt es bereits ein Vorbild. Als die Niederlande die Charta
ratifizierten, deklarierten sie "Nieders�chsich" als
Minderheitensprache. "Nieders�chsisch" sind die im Osten der
Niederlande gesprochenen Dialekte, die eher Gemeinsamkeiten mit den
plattdeutschen Mundarten Niedersachsens aufweisen als mit den sonstigen
"fr�nkischen" Dialekten der Niederlande. Das Plattdeutsche ist also
in den Niederlanden Minderheitensprache. Daraus ergebe sich zwangsl�ufig - so
k�nnte man argumentieren -, da� es auch in Deutschland als Sprache anerkannt
werden m�sse.
Gute Argumente sprechen daf�r, auch das
Bairische als Regionalsprache zu sch�tzen. Entspricht Bairisch �berhaupt den
Bedingungen der Charta? Gesch�tzt sind nach Teil 1, Art. 1(a) der Charta
Sprachen, die "in einem bestimmten Gebiet eines Staates von Angeh�rigen
dieses Staates gebraucht werden, die eine Gruppe bilden, deren Zahl kleiner ist
als die der �brigen Bev�lkerung des Staates", ferner Sprachen, "die
sich von der Amtssprache dieses Staates unterscheiden", drittens Sprachen,
die "weder Dialekte der Amtssprache des Staates / Staatssprache noch die
Sprachen von Zuwanderern" umfassen.
Inwieweit treffen diese Kriterien auf das
Bairische zu? Die erste und zweite tun dies unbestritten. Wie steht es mit dem
dritten? Das Bairische ist wie das Niederdeutsche ein Dialekt des Deutschen -
aber kein Dialekt der neuhochdeutschen Schriftsprache, der
"Amtssprache" der Bundesrepublik Deutschland. Juristisch genau mu�
festgestellt werden, da� alle - Bairisch, Niederdeutsch und die neuhochdeutsche
Schriftsprache - historisch gesehen Dialekte sind, Dialekte des
"Deutschen". Dies ist keine rechtliche Haarspalterei, sondern die
Begr�ndung daf�r, da� das schottische Lollans, das Gallizische oder das
Venezianische als Sprachen gelten. Auch dieses Kriterium kann also auf das
Bairische angewandt werden; es kommt darauf an, wo ein "Dialekt"
aufh�rt und eine "Sprache" anf�ngt. Wissenschaftler konnten dem
Schleswig-Holsteinischen Landtag plausibel machen, da� das Niederdeutsche
objektiv "eine historische Einzelsprache ... in der Existenzform eines
(Kultur)Dialekts und mit dem Status einer Regionalsprache" sei. Wichtig
war, da� Niederdeutsch nicht aus dem Hochdeutschen ableitbar sei - anders, so
wurde hier f�lschlicherweise unterstellt, als die Varianten des deutschen S�dens.
Wichtig war, da� es einst im Mittelalter eine Schriftsprache war - wie auch das
Bairische. Auch die Bonner Parlamentarier waren bereit, sich �berzeugen zu
lassen, da� das Niederdeutsche eine Sprache ist. Subjektiv allerdings d�rften
viele Norddeutsche ihr Platt doch als Dialekt des Deutschen verstehen. In
Plattdeutsch steckt ja auch das Wort deutsch mit drin.
Oft werden W�rterbuch, Grammatik, eine
gewisse Standardisierung und Verbreitung in den Medien als Kriterien f�r eine
"Sprache" verstanden. Aber das Niederdeutsche zum Beispiel hat kein
Rechtschreibregelwerk, keine Elementarfibel, kein Schullesebuch, genausowenig
wie das Bairische. Immerhin verf�gt das Bairische �ber Grammatiken,
W�rterb�cher und eine reiche Literatur, es ist in Funk und Fernsehen vertreten,
wenn auch nicht stark genug. Prof. Dr. Robert Hinderling von der Uni Bayern
betont: "Allein schon von den grammatischen Besonderheiten her ist das
Eigengepr�ge des Bairischen gegen�ber dem Schriftdeutschen so stark, da� es
gen�gen w�rde, ihm den Status einer eigenen Sprache zu verleihen. Der Abstand
Bairisch - Hochdeutsch ist gr��er als der zwischen D�nisch und Norwegisch oder
Tschechisch und Slowakisch. Wichtige faktische Grundbedingungen einer
"Sprache" w�ren somit f�rs Bairische schon erf�llt."
Die niederdeutschen Verh�ltnisse entsprechen
in jeder Hinsicht den bayerischen. Auch das Bairische ist objektiv organisch
aus dem Westgermanischen entstanden und nicht aus der Schriftsprache ableitbar.
Es existiert in der Form eines (Kultur)- Dialekts und kann den Status einer
Regionalsprache beanspruchen. Da das Plattdeutsche unter den Regionalsprachen
mit dabei ist, so meine ich, da� auch das Bairische eine sch�tzenswerte
Regionalsprache ist und als solche f�r die Charta angemeldet werden mu�.
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A.
Rowley, M�nchen
Bairisch mit A-
Gerade erschienen (beim M�nchner Verlag Oldenbourg)
ist Heft 5 des neuen Bayerischen W�rterbuchs. Damit ist der Buchstabe A-
abgeschlossen; und das hei�t schon einiges mehr als das erste
sechsundzwanzigstel des Alphabets - W�rter mit A- machen etwa acht
Prozent des Gesamtwortschatzes aus. Neben Alltagsw�rtern, die in allen
deutschen Dialektlandschaften vorkommen (Acker, Arbeit, Arm,
Arsch und Auge seien hier als typische Beispiele genannt, oder
Verben wie achten und arbeiten) enth�lt die Strecke mit A-
auch �berm��ig viele sehr schwierige W�rter - kleine W�rtchen wie ab, an,
auf, aus, aber, als und auch, deren
Bedeutungen zwar oft schwer zu fassen sind, die aber der lebendigen Rede
niemals fehlen d�rfen. Mit A- beginnen auch einige bairische
"Kennw�rter", Wortschatzbesonderheiten, die nur in den bairischen
Dialekten Bayerns und �sterreichs vorkommen: Afel 'Wundsekret', Alte
'Furche', �nze 'Gabeldeichsel', aper 'schneefrei', Arch
'Wasserverbauung', Arl 'einfacher Pflug', Arre 'Drangeld', Ase
'Trockenstange �ber dem Herd', �ue 'Mutterschaf'. Aber die ersten Hefte
des Bayerischen W�rterbuchs enthalten auch einige W�rter, die soweit bisher
ersichtlich ausschlie�lich in den Mundarten Altbayerns vorkommen. Einige
Beispiele: das Wort Alben 'Kalktuff, Erdschicht' ist zu einem Fachwort
f�r den Erdinger Alben geworden, kommt aber au�erhalb Bayerns in dieser
Form nicht vor. Es handelt sich um ein altes germanisches Reliktwort (vgl.
schwedisch alv 'Erdschicht unter dem Humus'). Nur im Bayerischen Wald
nennt man den Fu�kn�chel �nkel mit "hellem" A-, auch
dies sicher eine uralte Bildung, die �ns 'L�ngsbalken einer Br�cke'
findet man nur im Gotischen und Altnordischen wieder. Uralt ist auch die
Bildungsweise des Adjektivs hon- (mon-, won-)achs
f�r 'schief'. Das gebirgsbairische Adjektiv angel 'genau' ist eine
altbayerische Sonderbildung genauso wie das niederbayerische Adverb anzt
'sogleich'. Weitere Beispiele sind der Fischname Amaul 'Zander', der
Pflanzenname Amelitze 'Sanddorn', die Stoffart Ankinet 'Nanking'.
Es gibt auch Nachsilben, die nur in Bayern vorkommen: die lechrainische
Pluralendung auf -ach (Katzach 'Katzen') und das f�r die
Namensbildung von Fr�hjahrsstarkbieren so beliebte "Biersuffix" -ator.
Auch das eigentlich schriftsprachlich aussehende Sto�-auto auf der
Regensburger Dult ist eine Wortbildung, die sonst bisher nirgends
verzeichnet ist.
Sammler des Bayerischen W�rterbuchs
Die Wortartikel des Bayerischen W�rterbuchs
beruhen zu einem nicht unbeachtlichen Teil auf Angaben von Gew�hrsleuten aus
ganz Altbayern. Im Orts- und Quellenverzeichnis werden die Gew�hrsleute (Stand
1993) angef�hrt. Noch heute versendet die Redaktion j�hrlich vier bis sechs
"W�rterlisten", die dem Zweck der Erg�nzung der bisherigen
W�rterbuchsammlungen dienen. Wer Interesse hat, an dieser Aktion zur
Dokumentation und Archivierung bairischer Dialektw�rter teilzunehmen, kann sich
bei der Redaktion des Bayerischen W�rterbuchs, Bayerische Akademie der
Wissenschaften, Marstallplatz 8, 80539 M�NCHEN (oder telefonisch bei Frau
Modrow, 089/23031-178) melden.
Die W�rterlisten
Seit 1958 werden die Frageb�gen mit
"W�rterlisten" verschickt; die Anzahl der ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dankenswerterweise die M�he auf sich
nehmen, diese Listen auszuf�llen, liegt um f�nfhundert. Leider haben wir in den
letzten Jahren durch Tod nicht wenige Gew�hrsleute verloren, die seit Beginn
der Aktion dabei waren. Mit Freude nehmen wir jeden auf, der bereit ist,
mitzuarbeiten.
F�r neue Sammler sei kurz der Kopf der
W�rterliste erl�utert: Hier wird um Angabe des Sammlerorts und des
Altlandkreises gebeten. Es ist diese Angabe, und nicht Ihre Postanschrift, die
uns zur Einordnung Ihrer Mundart dient. Wenn Sie aber die Fragen der
W�rterlisten mit kompetenten Mundartsprechern besprechen und sie dann nach der
Angabe dieser Gew�hrsleute ausf�llen, dann geben Sie bitte die Heimat Ihrer
Gew�hrsleute als Sammlerort an.
Die Fragen der W�rterlisten entstehen aus
einer Durchsicht des bereits gesammelten Materials. Hier zeigen sich immer
wieder L�cken verschiedener Art.
- Manchmal ist eine Angabe unklar. So fragen
wir in W�rterliste 135, Frage 12 nach einer derlauerten H�tte, eine
Sammlermeldung aus Miesbach aus den 1930er Jahren aufgreifend. Unsere heutigen
Sammler aus dem Landkreis Miesbach konnten gleich ein Mi�verst�ndnis aufkl�ren
- wir h�tten richtig eine derlanerte H�tte lesen m�ssen (von Lahn
'Lawine').
- Oft ist es so, da� ein Wort nur selten
gemeldet worden war, da� wir aber annehmen, da� es weiter verbreitet ist. In
W�rterliste 135, Frage 2, war nach knofeln "Geld abspielen,
abpressen" gefragt worden. Ein einziges Mal war dieses Wort - aus
Niederbayern um 1914 - bezeugt. Sammler aus Ober- und Niederbayern konnten
unsere Annahme bekr�ftigen, da� das Wort noch heute bekannt und gebr�uchlich
ist.
- Meist fehlen in den �lteren
Sammlermeldungen die f�r uns sehr wichtigen Belege f�r die Verwendung des Worts
im Satzkontext. Aus diesem Grunde werden wir nie m�de, Sie immer und immer
wieder um Satzbelege zu bitten.
- Sehr wertvoll sind f�r uns auch ausf�hrliche
Sacherl�uterungen. So ist etwa in den urspr�nglichen Fragebogen aus der
Gr�nderzeit des W�rterbuchs nach beliebten Kartenspielen gefragt worden; neben
vielen anderen ist eine Einzelmeldung f�r ein Spiel Bauern aus dem Land
treiben eingegangen; ebenso auf eine Frage nach Kinderspielen eine Meldung
f�r B�ren aus dem Land treiben. In W�rterliste 122/13 und 122/14 fragten
wir nach dem Bekanntheitsgrad und nach den Spielregeln dieser beiden Spiele und
erhielten auch ersch�pfende Ausk�nfte.
- Es ist f�r uns auch wichtig zu wissen, wo
ein Wort gebraucht wird und wo nicht. Wie oft kommt es vor, da� ein
Dialektausdruck aus der Oberpfalz in Oberbayern unbekannt ist - oder umgekehrt!
Der Regensburger sagt zur 'T�te' Rogel, der Rosenheimer Stranize(l),
der Tirschenreuther Guckern, der Friedberger Gstatl. Wie weit
reichen aber insgesamt die genannten W�rter? Wo genau ist welches Wort bekannt?
In diesem und in vielen anderen F�llen sind auch die negativen Antworten in den
W�rterlisten f�r uns wichtig - die Aussage "hier nicht bekannt" ist
sehr wertvoll, auch wenn uns klar ist, da� es Ihnen keine besondere Freude
macht, ganze W�rterlisten mit dieser Angabe ausf�llen zu m�ssen.
Selbstverst�ndlich ist es f�r uns wertvoll, wenn Sie in solchen F�llen den bei Ihnen
�blichen Mundartausdruck statt des gefragten angeben.
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Die
mundartlichen Verh�ltnisse in der Region M�nchen
Im M�rz 1999 ist die Dissertation Die
mundartlichen Verh�ltnisse in der Region M�nchen von Bernhard St�r
erschienen (zwei B�nde im Schuber, 984 S., Verlag Peter Lang). Bei dieser
Arbeit handelt es sich um die Untersuchung der Dialekte im zentralen Oberbayern.
Dabei werden die �ltesten Formen der b�uerlichen Mundarten im Einzugsgebiet der
bayerischen Landeshauptstadt mit den neuesten sprachlichen Entwicklungen in
M�nchen und im st�dtischen Nahbereich in Bezug gestellt.
Die in etwa 350 Erhebungsorten zwischen
Lechrain und Isengau sowie von der Hallertau bis zum Alpensaum gesammelten
Sprachdaten sind auf rund 550 Seiten und anhand von mehr als 150 Tabellen zu
jungmundartlichen Neuerungsbewegungen eingehend erl�utert und kommentiert.
Zahlreiche auf markante mundartliche Lautformen bezogene Neckpr�che sowie die
Miteinbeziehung zahlreicher Ortsnamen in ihrer altmundartlichen Lautform
lockern den Text auf.
Die interessantesten lautlichen,
morphologischen und lexikalischen Ph�nomene sind auf 300 gro�en und 130 kleineren
Sprachkarten in ihrer r�umlichen Verteilung dargestellt (Ma�stab 1 : 400.000).
Soweit vorhanden, sind �ltere Kartierungen aus den 40er, 50er und 60er Jahren
von Bruno Schweizer, Eberhard Kranzmayer und Ingo Reiffenstein zu
Vergleichszwecken integriert, um dialektale �nderungsbewegungen der letzten
Jahrzehnte zu veranschaulichen.
Au�erdem: 9 Sonagramme zur Veranschaulichung
der mittelbair. Konsonantensch�rfung nach Kurzvokal
("Silbenstrukturregel") und eine Liste mit den mundartlichen
Lautformen von mehr als 350 Orten im zentralen Oberbayern.
Die mundartlichen Lautformen sind anhand
einer zwar wissenschaftlichen, aber doch einigerma�en verst�ndlichen, da
vereinfachten Lautschrift (Teuthonista) wiedergegeben, deren Verst�ndnis keine
gr��eren Schwierigkeiten machen d�rfte. Alle verwendeten Lautzeichen sind
erkl�rt.
Da sowohl der Textteil als auch die Legende
und Kommentare zu den Karten in wissenschaftlichem Stil gehalten sind, l��t
sich ein gewisser Anteil an "Fachchinesisch" nicht vermeiden. Auf
Wunsch kann jedoch vom Autor kostenlos sowohl eine umfassende Liste mit
Erkl�rungen der vorkommenden sprachwissenschaftl. Ausdr�cke sowie mit
zus�tzlichen Erl�uterungen zu der verwendeten Lautschrift angefordert werden,
die es auch dem interessierten Laien erm�glicht, in die "Geheimnisse"
der Dialektforschung einzudringen
Der Autor wurde 1949 in M�nchen geboren. Er
studierte an der Ludwig- Maximilians-Universit�t in M�nchen Germanistische
Sprachwissenschaft, Mittelhochdeutsch und Phonetik. Seit 1989
ist er als Mitarbeiter am Sprachatlas von Oberbayern und seit 1991 auch
an dem soziolinguistischen Erg�nzungsprojekt Sprachregion M�nchen mit
der Erforschung der Mundart in Oberbayern befa�t.
Bernhard
St�r, Bergsonstr. 91, 81245 M�nchen
Europ. Verlag d. Wissensch., Peter Lang
GmbH, Eschborner Landstr. 42-50, 60489 Frankfurt/M.
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