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Prynce Hopkins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Portrait eines jungen Manns in Anzug und Krawatte mit dunklen Haaren und Mittelscheitel.
Hopkins im Jahrbuch der Hill School (1903)

Prynce Hopkins (auch Pryns; geboren als Prince Charles Hopkins am 5. März 1885 in Oakland, Kalifornien; gest. am 15. August 1970 in Santa Barbara, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Psychologe, Aktivist und Mäzen.

Jugend und Bildung

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Das Haus der Familie Hopkins

Hopkins wurde 1885 in Oakland geboren. Seine Familie führte ihre Wurzeln bis zu den Ankömmlingen auf der Mayflower zurück. Sein Vater, Charles Hopkins, war der Witwer von Ruth Singer, der Tochter von Isaac Merritt Singer, deren Nachlass eine beträchtliche Anzahl an Singer-Aktien umfasst hatte.[1.1][2.1] Er hatte auch durch günstige Aktiengeschäfte weiteres Vermögen angehäuft, sodass Prince, der Sohn von Hopkins und Mary Isabelle Booth, einer Angestellten der United States Mint in San Francisco, in wohlhabenden Verhältnissen aufwuchs. Nach einer Erkrankung seines Vaters verbrachte Prince viel Zeit bei Freunden des Vaters. Er verreiste außerdem mit Verwandten, u. a. nach Österreich, wo er eine Schule besuchte, um Deutsch zu lernen. Insgesamt verbrachte er so etwa zweieinhalb Jahre reisend.[2.2] Anschließend besuchte er die Thacher School, ein Internat in Ojai. Im Herbst 1899 nahmen seine Eltern ihn von der Schule, um erneut mit ihm durch Europa zu reisen. Im Anschluss an diese für ihn glückliche Zeit begann er einen College-Vorbereitungskurs an der Hill School in Pennsylvania, bevor er die Sheffield Scientific School der Yale University besuchte. 1906 erhielt er dort seinen Bachelor-Abschluss und schrieb sich am Massachusetts Institute of Technology für einen Ingenieurs-Master ein. Aufgrund des kalten Winterwetters wechselte er nach Stanford, aber seine Leistungen ließen nach, weil er sich lieber mit Luftfahrt als den Studieninhalten beschäftigte. Nach einigen Jahren erreichte Hopkins jedoch am Teachers' College der Columbia University, wo er auch Kurse bei John Dewey besucht hatte, einen Abschluss in pädagogischer Psychologie. Mit dem Neurologen und Hypnotiseur Siegfried Block eröffnete er eine hypnotische Praxis in New York.[2.3]

Schwarz-weiß-Foto von drei arbeitenden Männern vor einer hüfthohen Mauer.
Letzte Arbeiten am Pazifik. Aufnahme aus dem Popular Science Monthly-Artikel „Around the World in a Minute“.

In New York kam Hopkins in Kontakt mit anarchistischen Kreisen um Emma Goldman und Alexander Berkmann. Inspiriert von Goldman und ihren Vorträgen begann er, anarchistische Literatur zu lesen, die, so schrieb er später, seinen Blick aufs Leben zutiefst verändert habe.[1.1] Er erkrankte 1911 an Tuberkulose und musste sich über längere Zeit in einem Sanatorium aufhalten, wo er aus Langeweile mit der Veröffentlichung einer Zeitschrift begann, die er nach der Entlassung für eine Weile unter dem Titel The Dawn fortführte. Um ihn aufzumuntern, versprach sein Vater, er würde ihm nach seiner Genesung ein Stück Land kaufen, damit Prynce darauf eine Schule für Jungen gründen könnte. Er hielt dieses Versprechen und kaufte Land in Santa Barbara für Prynce, kurz bevor er 1913 verstarb. Die Schule war erfolgreich und von seinem Erbe kaufte Hopkins schnell mehr Land für eine größere Schule. Die Schule Boyland (bzw. auch Boyland II) eröffnete am 1. Oktober 1917.[2.4]

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Boyland II nach dem Umbau zum Hotel; die ovale Weltkarte blieb nicht erhalten.

Die Schule, die der Montessoripädagogik folgte und lose von der Modern School in New York inspiriert war,[1.2][3.1] war exzellent ausgestattet. Sie verfügte über ein Schwimmbad, eine voll ausgestattete Turnhalle und eine professionelle Bühne sowie eine benzinbetriebene Miniatureisenbahn. In pädagogischen Kreisen weit beachtet war außerdem der künstliche See, in dem eine Weltkarte zu finden war. Auf der etwa 120 mal 60 Meter großen Fläche konnten die Schüler mit kleinen Booten die verschiedenen Kontinente besuchen und durch das Anzünden von Feuern sogar die vorhandenen Vulkane rauchen lassen.[1.2] Joseph Freeman, ein kommunistischer Schriftsteller, der einen Vortrag Hopkins’ gehört hatte, berichtete:

“The children were free; nobody bullied or beat them; they had their own workshops in which they built furniture, their own small trains which they operated themselves and in which they went places; and they studied geography not from dull textbooks but from a huge relief map of the world built on a lake. Around this world they traveled in small boats which they learned to run, and listened to 'guides' tell them about various countries.”

„Die Kinder waren frei; niemand schikanierte oder schlug sie; sie hatten ihre eigenen Werkstätten, in denen sie Möbel bauten, ihre eigenen kleinen Züge, die sie selbst betrieben und mit denen sie Fahrten unternahmen; und sie lernten Geografie nicht aus langweiligen Lehrbüchern, sondern anhand einer riesigen Reliefkarte der Welt, die in einem See gebaut war. Auf dieser reisten sie in kleinen Booten, deren Steuerung sie gelernt hatten, und lauschten den ‚Reiseführern‘, die ihnen von verschiedenen Ländern erzählten.“

Joseph Freeman[1.2]

Hopkins’ pazifistische Haltung gegen den Kriegseintritt der USA führte 1917 nicht nur zu Angriffen auf ihn, sondern auch auf die Schule, sodass sie 1918 polizeilich durchsucht wurde und kurz darauf schließen musste. Während der Influenza-Pandemie von 1918 bot Hopkins das Schulgebäude als Notfall-Krankenhaus an.[3.2] 1920 wurde in den Gebäuden ein mäßig erfolgreiches Hotel eröffnet, das in Anlehnung an die persisch inspirierte Architektur den Namen Samarkand trug. Im Anschluss wurde das Gebäude mehrfach weiterverkauft und umgenutzt.[2.5] Heute steht keines der ursprünglichen Schulgebäude mehr.[3.2] Zwei Lehrerinnen der Schule wechselten auf Empfehlung Hopkins’ an die anarchistische Modern School Stelton.[1.2]

Zwischen den Kriegen

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Vier Männer in Anzügen blicken in die Kamera.
Hopkins (3. v.l.) mit Upton Sinclair, Hunter Kimbrough und Hugh Hardyman nach ihrer Festnahme 1923.

Sobald Hopkins nach dem Ende des Ersten Weltkriegs einen Pass erhalten hatte, reiste er längere Zeit durch Europa. In Wien sah er Sigmund Freud, eine eigene Psychoanalyse bei Freud kam aber wegen dessen Sommerurlaub nicht zustande. Stattdessen machte er für fünf Monate eine Jung'sche Analyse bei Maurice Nicoll, der ihn mit ans Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen in Frankreich nahm, und beschäftigte sich mit den Lehren P. D. Ouspenskys. In Frankreich lernte er seine erste Frau Eileen Thomas kennen, die er am 12. Januar 1921 heiratete. Sie wurde ungewollt schwanger und vollzog aus medizinischen Gründen in Rom einen Schwangerschaftsabbruch. Im Mai 1921 zog das Paar nach Greenwich in Connecticut. Hopkins pendelte nach New York, wo er das Magazin Labor Age gründete und mit dem sozialistischen Präsidentschaftskandidat Norman Thomas befreundet war. Gegen den Willen seiner Frau zog der rastlose Hopkins mit ihr bald wieder nach Pasadena, Kalifornien. Dort wurde er am 15. Mai 1923 gemeinsam mit u. a. Upton Sinclair festgenommen, nachdem sie eine Rede bei einer Versammlung streikender Hafenarbeiter gehalten hatten.[2.6] Zu dieser Zeit begann Hopkins, die Schreibweise seines Vornamens zu variieren, um nicht für einen Adligen gehalten zu werden.[4]

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Im Château Saint-André de Bures in Frankreich betrieb Hopkins eine amerikanisch-französische Schule. Auch diese Schule verfügte über einen künstlichen See mit einer Karte Europas.

Auf den Wunsch Eileens zog das Paar dann zurück nach England, wo es einen sechs Monate alten Jungen adoptierte. Hopkins unterstütze dort finanziell weiterhin verschiedene Initiativen wie zum Beispiel den nudistischen Sun Ray Club. Im September 1925 gebar Eileen die Tochter Eileen Mary, genannt Betty May. Zeitgleich begann Hopkins erneut eine Psychoanalyse, die er jedoch nach einer Erkältung seines Analytikers unterbrach, um spontan aufs europäische Festland aufzubrechen und dort in Frankreich eine Schule zu gründen, die 1926 öffnete und bis 1935 betrieben wurde.[2.6] Die Schule verfügte erneut über eine bespielbare betonierte Europakarte und wurde 1931 auch von Emma Goldman besucht.[1.2][5]

Um 1929 trennte sich Prynce Hopkins von Eileen. 1934 heiratete er die zwanzig Jahre jüngere Fay Cartledge und unternahm mit ihr eine Weltreise, von der das Paar einen Lar Gibbon mit zurück nach London brachte. Dort arbeitete er weiterhin als Dozent am University College und kümmerte sich um die Schule in Frankreich. Er gab die Zeitschrift Science and Society heraus und gründete das Committee for the Psychological Study of International Problems, das später als Soziologie-Sektion in der British Psychological Society aufging.[2.7] Er unterstützte u. a. die kostenlose psychoanalytische Klinik in London durch laut Donald Winnicott für diese überlebenswichtige Spenden.[6] Gemeinsam mit der 1938 geborenen Tochter Jennifer und Betty May, aber ohne den in England wehrpflichtigen Adoptivsohn Peter verließ die Familie 1940 England vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und ließ sich in Pasadena nieder. Hopkins nahm eine Stelle als Lecturer an der Claremont College Graduate School an und gab, bis die Druckkosten zu hoch wurden, gemeinsam mit Fay das Magazin Freedom heraus.[2.7]

Im Jahr 1945 kandidierte Hopkins für die Demokraten für die California State Assembly, verlor aber gegen den von Anfang favorisierten Republikaner. 1946 ließ sich Fay scheiden. Nach der Scheidung reiste Hopkins viel, veröffentlichte eine große Zahl an Büchern, u. a. über die Gefahren des Tabakkonsums, und kümmerte sich um seine alternde Mutter, die 1955 starb. Er ließ ein Haus in Santa Barbara bauen, in das er 1956 einzog. In diesem Haus, das mit verschiedenen auf Reisen gesammelten Gegenständen gefüllt war, und das die Treffen vieler aktivistischer Gruppen beherbergt hatte, starb Hopkins am 15. August 1970.[2.8]

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • The Dawn (Zeitschrift). Santa Barbara, 1914–1922. Scans in der HathiTrust digital library.
  • Philosophy of helpfullness. Pioneer Printers, Minneapolis 1919 (hathitrust.org).
  • The Psychology of Social Movements: A Psycho-Analytic View of Society. Kegan Paul, Trench, Trubner, London 1938 (archive.org).
  • Gone Up in Smoke: An Analysis of Tobaccoism. The Highland Press, Culver City 1948 (archive.org).
  • Both Hands Before The Fire. Traversity Press, Penobscot 1962.
  • The Social Psychology of Religious Experience. Paine-Whitman, New York 1962 (Online in der HathiTrust digital library).

Einzelnachweise

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  1. Paul Avrich: The modern school movement: anarchism and education in the United States. Princeton University Press, Princeton, N.J 1980, ISBN 978-0-691-04669-3.
    1. 1 2 S. 246–247
    2. 1 2 3 4 5 S. 248
  2. Ronald R Koegler: A renaissance prince: Prynce Hopkins. In: Noticias: Journal of the Santa Barbara Historical Museum. Band 52, Nr. 4, 2008, S. 139–181.
    1. S. 141
    2. S. 142–144
    3. S. 144–147, S. 162
    4. S. 147–148
    5. S. 153
    6. 1 2 S. 153–156
    7. 1 2 S. 159–160
    8. S. 160–175
  3. Beth Gates Warren: Artful lives: Edward Weston, Margrethe Mather, and the Bohemians of Los Angeles. J. Paul Getty museum, Los Angeles 2011, ISBN 978-1-60606-070-4.
    1. S. 72
    2. 1 2 S. 298
  4. Martin Zanger: Politics of Confrontation: Upton Sinclair and the Launching of the ACLU in Southern California. In: Pacific Historical Review. Band 38, Nr. 4, 1. November 1969, ISSN 0030-8684, S. 383–406, doi:10.2307/3637621.
  5. Chantal Waltisperger: Château Saint-André. In: Plateforme ouverte du patrimoine. 9. Juli 2019, abgerufen am 18. Februar 2026 (französisch).
  6. Elizabeth Ann Danto: Freud's Free Clinics: Psychoanalysis & Social Justice, 1918-1938. Columbia University Press, New York 2005, ISBN 978-0-231-13181-0, S. 285–286.