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Reiseapotheke

Reisethema
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Die Reiseapotheke umfasst im weiteren Sinne die zur Reisevorbereitung gehörenden Prophylaxen und im engeren Sinne die bei der Reise mitgeführten Arzneimittel und medizinischen Hilfsmittel. Eine Reiseapotheke als Bestandteil des Reisegepäcks ist sinnvoll in medizinisch schlecht versorgten Ländern oder Ländern mit geringen Hygiene-Standards.

Schale der Hygieia
Schale der Hygieia

Aus der Reisevorbereitung für eine Auslandsreise muss sich ergeben, welche Klima-, Hygiene- und medizinischen Bedingungen am Reiseziel herrschen. Umfragen unter Reisenden und auch eingeschleppte Krankheiten nach Auslandsreisen zeigen, dass viele Touristen über die Risiken nicht ausreichend informiert sind und sich nicht angemessen auf ihre Reise vorbereiten.[1] Eine gezielte Reisevorbereitung und richtiges Verhalten während der Reise können die meisten Risiken minimieren oder gar verhindern.

Prophylaxen sind medizinische und pflegerische Maßnahmen, die Krankheiten vorbeugen, deren Entstehung verhindern oder ein Fortschreiten frühzeitig stoppen sollen. Eine Zusammenstellung verschiedener Medikamente soll dazu beitragen, unerwartet während der Reise auftretende reisebedingte Krankheiten zu behandeln. Der Inhalt der Reiseapotheke kann sich je nach Reiseziel ändern.

Reisevorbereitung: Schutzimpfungen

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Die Erfahrung zeigt, dass Hausärzte im Hinblick auf die Themen „Reisemedizin“ und „Reiseapotheke“ nicht immer kompetent sind, so dass vielmehr reisemedizinisch versierte Ärzte zu Rate gezogen werden müssen.

Den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes kann man landesspezifische Gesundheitshinweise entnehmen, auch zu Schutzimpfungen. Sie können vom Hausarzt, vom spezialisierten Tropenarzt oder z.B.  in einem Impfzentrum einer Klinik erfolgen. Die Kosten sind in allen Fällen vergleichbar, der Tropenarzt oder die Impfzentren haben aber den Vorteil, dass der Impfstoff vorrätig ist, beim Hausarzt muss man gelegentlich den Impfstoff auf Rezept in einer Apotheke erwerben bzw. mit einem Tag Vorlauf bestellen. Einige Krankenkassen übernehmen freiwillig die Kosten für Reiseimpfungen.

Einzelne Reisekrankheiten

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  • Cholera: Eine Darminfektion, die in Ländern mit ungenügender Trinkwasserqualität (das sind fast alle außerhalb von Europa, Nordamerika und Australien) auftaucht und auch durch Speisen übertragen wird, die mit diesem Trinkwasser behandelt wurden (etwa Salate). Hier sollte Leitungswasser oder gar Wasser aus öffentlichen Brunnen und Fließgewässern nicht – auch nicht in Form von Eiswürfeln oder Speiseeis – konsumiert werden. Besser ist der Konsum von in Flaschen abgepacktem Wasser, ggf. die Dekontaminierung mittels Filter oder Wasserbehandlungstabletten. Bezüglich der Speisen gilt der Reise-Grundsatz „kochen, braten/abkochen, schälen oder vergessen“ (englisch: Cook it, boil it, peel it - or forget it) weiterhin.
  • Denguefieber ist eine durch Aedes-Mücken übertragene Virusinfektion in tropischen/subtropischen Regionen, die oft als hohes Fieber mit starken Kopf- und Gliederschmerzen verläuft. Die meist milde Krankheit heilt oft von selbst, kann aber selten (bei Zweitinfektion) schwer mit Blutungen verlaufen. Empfohlen wird Qdenga® für Reisende, die bereits eine bestätigte Dengue-Infektion hatten, als Reiseimpfung in Endemie-Gebiete. Es handelt sich um zwei Impfdosen im Abstand von drei Monaten, die vor schweren Verläufen schützen. Die Impfung ist besonders für Langzeitreisende von Bedeutung.
  • Diphterie: eine schwer verlaufende bakterielle Atemwegsinfektion, die nach dem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Ländern der früheren Sowjetunion sowie in Indien vorkommt. Der Impfstoff wird praktisch immer zusammen mit der Starrkrampfimpfung verabreicht (dT) und besteht bei korrekter Durchführung der Schutzimpfungen nach Routineimpfplan immer. Die Kosten für die Impfung tragen die Krankenkassen.
  • FSME-Impfung: Gerade bei Urlauben in Regionen, in denen das FSME-Virus durch Zecken übertragen wird (Große Teile von Bayern, Baden-Württemberg, Nordostschweiz, Österreich) sollte man gegen diesen Virus geimpft werden, wenn man sich gern im Freien aufhält (Wanderer, Jogger, Hundebesitzer). Einige Tage nach einem Zeckenbiss treten Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Zeichen einer Hirnhautentzündung auf. Es sind drei Impfungen für den Grundschutz und dann Auffrischimpfungen alle zehn Jahre notwendig.
  • Gelbfieber: Das Gelbfieber ist eine fieberhafte Erkrankung, welche zu einer Gelbsucht führen kann, ist im zentralen Afrika verbreitet und tritt auch in Südamerika auf. Bei Reisen in die entsprechenden Staaten muss eine Gelbfieberimpfung durchgeführt werden, manche Staaten verlangen die Impfung auch nach vorgängigem Aufenthalt in einem Endemie-Gebiet, außer wenn es sich nur um einen Transit gehandelt hat. Zur Durchführung der Gelbfieberimpfung ist immer noch eine Gelbfieberimpfbewilligung der WHO[2] notwendig, weshalb diese Schutzimpfung nur durch Tropenmediziner und spezielle Impfzentren verabreicht werden kann.
  • Grippe-Impfung: Ist vor allem bei älteren Personen mit Vorerkrankungen und anderen Risikogruppen zu empfehlen. Die jährlich nach aktualisierten Empfehlungen der WHO durchzuführende Impfung enthält Wirkstoffe gegen die zu erwartenden Grippe-Virusstämme, diese verändern sich meist von Jahr zu Jahr. Wirkstoffe gegen die aus Asien stammende sogenannte Schweinegrippe (H1N1) sind in den aktuellen Grippeimpfstoffen enthalten. Es ist zu betonen, dass vor allem während Flugreisen das Ansteckungsrisiko sehr hoch ist, die Infektion wird als Tröpfcheninfektion übertragen, d.h. ein Kranker, der hustet und prustet, nebelt die ganze Umgebung damit ein.
  • Hepatitis A: Die Virushepatitis ist fäkal-oral (d.h. über mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser) übertragbar und äußert sich mit Bauchbeschwerden und einer Gelbsucht. Die Schutzimpfung ist generell zu empfehlen, wenn es in Länder und Regionen mit mangelhaften Sanitär-Einrichtungen und Trinkwasseraufbereitung geht. Einzig Westeuropa, USA, Kanada, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland gelten als sicher. Die Hepatitis A gilt als eine der häufigsten Reisekrankheiten, zwei Impfungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten vermitteln einen Langzeitschutz.
  • Hepatitis B: Diese hoch ansteckende Virushepatitis wird über Blutkontakte und ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Es werden drei Impfungen für die Grundschutz benötigt, die innerhalb eines Jahres verabreicht werden. Die ersten beiden Impfungen erfolgen innerhalb von 4 Wochen, die dritte nach einem halben Jahr. Eine Hepatitis B - Impfung ist für alle, die im Gesundheitsbereich arbeiten (auch humanitäre Einsätze in Schwellen- oder Entwicklungsländern) zwingend notwendig.
  • Hepatitis C: Das Hepatitis C-Virus wurde erst 1989 mit Hilfe gentechnischer Methoden (Nachweis des Erbmaterials) erstmals identifiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer chronischen Krankheit führt, liegt bei 80%. Es kann zu schweren Leberschädigungen wie der Leberzirrhose und dem Leberzellkarzinom führen. Die Übertragung erfolgt unter Umgehung des Darmes über Blut. Ein Impfstoff ist bisher nicht vorhanden.
  • Hepatitis D: Kommt nur bei bereits vorliegender Hepatitis-B-Infektion vor. Der Erreger, das Hepatitis-D-Virus, kann sich nur mit Hilfe eines vom Hepatitis-B-Virus stammenden Oberflächenproteins vermehren. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt gleichzeitig gegen Hepatitis D.
  • Hepatitis E: In Europa ist unzureichend gegartes Schweinefleisch die Ursache, bei Überschwemmungen in Südostasien während der Monsunzeit kann sich Hepatitis E zu einer Epidemie entwickeln, weil sie durch Wasser übertragen wird und auch im Zusammenhang mit Tieren als Reservoir des Erregers steht. Seit 2012 ist ein Impfstoff in China zugelassen.
  • Japanische Enzephalitis: Aus Japan stammende Tropenerkrankung, die durch Viren ausgelöst wird und in Ost- und Südostasien vorkommt. Zwei Impfungen sind innerhalb von 30 Tagen notwendig. Der heute verwendete Impfstoff ist erst seit April 2009 freigegeben.
  • Masern: im Routineimpfplan ist ein Masernimpfschutz gegen die Maserninfektion, welche sich mit Fieber, Halsschmerzen, einem Hautausschlag und leider auch einer potentiell schwer verlaufenden Hirnhautentzündung äußern kann, enthalten. Probleme haben sich in der Schweiz durch eine zunehmende Impfgegnerschaft ergeben, durch ungenügende Durchimpfung der Bevölkerung kam es zu Masernausbrüchen, was Reisewarnungen außereuropäischer Staaten vor Reisen in die Schweiz zur Folge hatte.
  • Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit, ausgelöst durch Erreger, welche sich im Erdreich, Dornen, etc. befinden oder welche auch durch Tierbisse übertragen werden können. In Westeuropa werden die meisten Einwohner durch Impfungen im Routineimpfplan ab dem 2. Lebensmonat geschützt. Es sind mindestens drei Impfungen notwendig, um ein Schutz zu erlangen. Nach 10 Jahren ist für einen Erwachsenen eine Auffrischung notwendig.
  • Polio / Kinderlähmung: Früher wurde mittels Schluckimpfung gegen Kinderlähmung geimpft, heute muss der Impfstoff gespritzt werden (geringeres Risiko der sehr seltenen Impfnebenwirkungen). Die Ansteckungsgefahr ist in der Mitte Afrikas und in Asien (Länder rund um Indien) am größten. Bei einer Tetanus- (Starrkrampf)-Auffrischungsimpfung, welche notwendig ist, kann auf Wunsch bei geplanter Auslandsreise in ein Schwellenland, der auch gegen Polio wirksame Kombinationsimpfstoff verabreicht werden.
  • Tollwut: Es sind drei Impfungen im Abstand von 1 Woche bzw. 2 Wochen nach der 2. Impfung notwendig, so dass man 3 Wochen für eine vollständige Impfung benötigt. Für den genauen Impfplan kommt es aber auf das Präparat an. Die Kosten liegen bei ca. 180€ für drei Impfungen. Auch nach der Impfung benötigt man am Tag einer möglichen Infektion sowie drei Tage später eine Nachimpfung. Falls man nicht geimpft ist, benötigt man sofort eine Aktivimpfung an 6 verschiedenen Tagen sowie Tollwut-Immunglobulin als Passivimpfung (d.h. man erhält Abwehrkörper gespritzt). Empfohlen ist die Impfung bei längeren Aufenthalten in Schwellenländern und humanitären Einsätzen, da Infektionen durch Kontakt mit Tollwut - erkrankten Straßenhunden und -katzen übertragen werden können. Auf keinen Fall sollte man sich einem krank wirkenden oder sich eigenartig verhaltenden Straßentier nähern oder es gar berühren (kein falsches Mitleid mit dem im Sterben liegenden Kätzchen). Auch in Städte eindringende Wildtiere (etwa Wölfe) können bei Bissen Tollwut übertragen.
  • Typhus: Wird durch Bakterien (Salmonellen) im Essen verursacht. Der Impfschutz der Schluckimpfung tritt etwa 7 Tage nach der Impfung ein und ist nicht hundertprozentig. Empfohlen bei längeren Aufenthalten in Schwellenländern und bei humanitären Einsätzen, wenn der klassische Reise-Grundsatz „kochen, braten/abkochen, schälen oder vergessen“ (englisch: Cook it, boil it, peel it or forget it) nicht eingehalten werden kann.

Sind für eine Reise mehrere Schutzimpfungen erforderlich, so sollten diese von einem einzigen, reisemedizinisch versierten Arzt vorgenommen werden. Dieser wird einen individuellen Impfplan erstellen, der auch mögliche Kontraindikationen (etwa Typhus-Impfung und manche Malaria-Präparate neutralisieren sich gegenseitig) berücksichtigen kann.

Medikamente während der Reise

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Die Reisekrankheit (Kinetose) ist ein häufiges Phänomen, bei dem durch ungewohnte Bewegungen (in Auto/Bus, Flugzeug oder Schiff) Übelkeit, Schwindel und Erbrechen ausgelöst werden. Sie entsteht durch widersprüchliche Signale an das Gehirn, wenn Augen und Gleichgewichtsorgan unterschiedliche Bewegungen wahrnehmen.[3]

Medikamente für chronisch Kranke

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Die Reiseapotheke muss alle Medikamente enthalten, die ohnehin regelmäßig eingenommen werden müssen.[4] Chronisch Kranke (wie etwa Diabetes-Erkrankte) müssen die Menge der mitzuführenden Medikamente an der Reisedauer orientieren.

Allgemeine Medikamente

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  • Allergie/Juckreiz: Der Wirkstoff Dimetinden ist ein Antihistaminikum der 1. Generation, das primär gegen Juckreiz, Allergien (wie Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien) sowie Insektenstiche eingesetzt wird.
  • Antibiotika: Diese können bei Reisen in Länder mit niedrigem Standard der Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen hilfreich sein, wenn innerhalb von 12 Stunden kein Arzt oder Krankenhaus aufgesucht werden kann. Vorher sollte aber den Hausarzt konsultiert werden und mit ihm die Wahl des Präparats und den Einsatz besprochen werden. Wirkstoff: Doxycyclin®.
  • Augentropfen: "künstliche Tränen" zur Behandlung von Austrocknungserscheinungen, welche durch Klimaanlagen und niedrige Luftfeuchtigkeit hervorgerufen werden können. Angebrochene Fläschchen von Augentropfen halten höchstens vier Wochen, alternativ Einzeldosen in Plastikampullen mitnehmen (Berberil®).
  • Desinfektionsmittel: Gegen Hautverletzungen wirkt eine PVP-Jodlösung, Desinfektionsspray oder Mercuchrom®.
  • Durchfall: In Ländern mit unzureichenden hygienischen Bedingungen und schlechter Wasseraufbereitung werden viele Reisende von Infektionen des Darmbereichs betroffen, bekannte Regionen hierfür sind Mittelamerika oder der Nahe Osten. Mit genügender Flüssigkeits- und Salzzufuhr und eventuell einem Präparat zur Unterstützung der Erholung der Magen-Darmflora sind die meisten Durchfallerkrankungen nach 2-3 Tagen durchgestanden. Loperamid (Imodium ®) - obwohl häufig als Mittel der ersten Wahl abgegeben - sollte nur in "Notfallsituationen" (Flug oder langer Bustransfer ohne Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen) eingesetzt werden. Gewisse gravierende bakterielle Infektionen zeigen darunter einen unangenehmeren (Auftreten von Bauchkrämpfen) und längeren Verlauf. In Entwicklungs- und Schwellenländern werden dem Reisenden oftmals ein oder gar mehrere Antibiotika mit nur fraglichem Nutzen verkauft.
  • Erbrechen/Übelkeit: zur Einnahme von Lingualtabletten, welche auf der Zunge zergehen, ist kein sauberes Trinkwasser notwendig (Metoclopramid®).
  • Fieber: Falls es nicht eine Malaria-Symptom darstellt, kann Aspirin® eingenommen werden.
  • Gegen Insektenstiche helfen so genannte Repellentien. Es lohnt sich, eine Packung mitzunehmen und sich vor Ort nach einem optimal wirksamen Mittel zu erkundigen. Die in Mitteleuropa erhältlichen Präparate sind sicher ungefährlicher (Einsatz bei Kindern), teils aber auch deutlich weniger wirksam. Empfohlen wird häufig Fenistil®.
  • Magenverstimmung: äußert sich durch Übelkeit, Magenschmerzen, Völlegefühl oder Durchfall und wird oft ausgelöst durch Speisen und Getränke, deren Zutaten oder Zubereitung für den Reisenden nicht gewöhnlich sind, Stress oder Viren. Behandlung: Iberogast®.
  • Malariaprophylaxe:
    • Vor allem in Ost- und Westafrika und Südostasien ist die Malaria stark verbreitet. In Kenia, Tansania und einigen Gegenden Südostasiens (so z.B. Kambodscha) existieren gegen die gängige Prophylaxe resistente Erreger. Aktualisierte Empfehlungen für eine Prophylaxe oder die Mitnahme entsprechender Medikamente können auf spezialisierten reisemedizinischen Webseiten der Gesundheitsbehörden oder tropenmedizinischen Institute oder beim tropenmedizinisch versierten Hausarzt, dem dieselben Informationsquellen offenstehen, eingeholt werden. Informationen über die zu bereisenden Regionen sind zur Beurteilung notwendig.
    • Gemäß Empfehlungen der tropenmedizinischen Zentren können Malariamittel zur Prophylaxe oder als Notfallmedikament mitgeführt werden. Die Malariamedikamente sind in Deutschland und der Schweiz rezeptpflichtig und müssen in der Regel vom Reisenden bezahlt werden. In jedem Fall sollte man vor der Abreise einen versierten Arzt konsultieren, um die notwendigen Vorkehrungen abzusprechen.
    • Die bereits vor Reisebeginn einzunehmenden Malaria-Tabletten müssen während der Reise regelmäßig weiter eingenommen werden. Die Mitnahme soll sich nach den aktuellen reisemedizinischen Empfehlungen richten. Für jedes Land/jede Region bestehen Empfehlungen, ob ein Präparat für die Dauer der Reise prophylaktisch eingenommen oder nur als Reserve für den Erkrankungsfall mitgenommen werden soll. Örtliche Gesundheitseinrichtungen in Ländern mit Malaria sind in der Malaria-Diagnostik meist versiert. Das Auswärtige Amt macht ebenfalls einen Vorschlag für die Haus- und Reiseapotheke in medizinisch schlecht versorgten Ländern unter Angabe der deutschen, englischen und französischen Handelsbezeichnungen der empfohlenen Mittel. Die Medikamente sollten gegen Hitze geschützt aufbewahrt werden (in Ländern mit großer Hitze keine Zäpfchen) und auf ihr Haltbarkeitsdatum überprüft werden (auf der Packung angegeben als EXP xx/20xx; übernimmt jede Apotheke kostenfrei). Reisende, welche dauernd Medikamente einnehmen müssen, sollen genügend Reservemedikamente und am besten einen Medikamentenplan (auf dem auch die generische Substanzbezeichnung aufgeführt ist) für die Dauer der Reise mitzuführen. Die Art der Prophylaxe richtet sich nach dem in der Reiseregion anzutreffenden Malaria-Erreger. Von den weltweit vorhandenen 400 verschiedenen Anopheles-Mückenarten sind etwa 60 Arten in der Lage, Malaria aktiv auf den Menschen zu übertragen.
  • Mückenschutz kann auf verschiedene Weise erreicht werden.
    • Durch langärmelige und langbeinige, helle Kleidung (also keinesfalls schwarze Kleidung),
    • durch Moskitonetze, die über dem Bett aufgehängt werden oder in guten Unterkünften bereits vorinstalliert sind. Präventiv wirken auch Mücken-Spiralen (englisch: mosquito coils), die jedoch auch für den Menschen schädliche Nervengifte enthalten. Das gilt auch für Mückensprays wie Baygon®. Vor der Nutzung von Elektroverdampfern wird gewarnt.
    • Einsprühen der Haut mit Autan®.
  • Schmerz: In tropischen Ländern sollte man auf die Einnahme von Medikamenten, die Acetylsalicylsäure (ASS) enthalten (z.B. Aspirin®), verzichten, da diese bei Tropenkrankheiten schwere Nebenwirkungen haben. Stattdessen sollte man Medikamente wie Paracetamol® oder Ibuprofen® verwenden.
  • Schnupfen: Mit dem zunehmenden Einsatz von Klimaanlagen in Hotels und Restaurants steigt auch die Gefahr, sich einen Schnupfen zuzuziehen. Daher sollte man zumindest ein abschwellendes Nasenspray oder Meersalzlösung mitnehmen, um der Austrocknung der Schleimhäute vorzubeugen. Ein abschwellendes Nasenspray gehört vor allem vor Flugreisen mit Kindern ins Gepäck, eine Druckausgleichsstörung bei einem Mittelohrkatarrh führt während des Fluges zu Ohrenschmerzen, was Kleinkinder mit anhaltendem Schreien signalisieren.
  • Sonnenschutzmittel: Als Sonnenschutzmittel wird allgemein von Hautärzten der höchstmögliche Sonnenschutzfaktor empfohlen, mindestens jedoch der Faktor 30. Zu beachten ist, dass der Sonnenschutzfaktor in vielen Ländern anders als im deutschsprachigen Raum angeben wird. Außerdem sollte man ein kühlendes Mittel gegen einen leichten Sonnenbrand mitnehmen. Der beste Sonnenschutz ist übrigens lange, dicht gewebte Kleidung an Armen und Beinen und eine ausreichende Kopfbedeckung.
  • Als Wundsalbe kann Bepanthen® verwendet werden.

Medizinische Hilfsmittel

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  • Antiseptisch verpackte Einmalspritzen und –kanülen: Spritzenbesteck kann in Deutschland in jeder Apotheke verpackt erworben werden und die Gefahr einer HIV-Übertragung durch unsauberes Injektionsmaterial verhindern, falls eine Behandlung mit Injektionen während einer Reise notwendig werden sollte. Allerdings ist zu bedenken, dass Injektionsmaterial (außer mit entsprechender ärztlicher Bestätigung beispielsweise bei Diabetikern) nicht im Handgepäck mitgeführt werden darf, bei Durchleuchtungskontrollen auffallen kann und den Grenzbehörden zur falschen Vermutung Anlass geben kann, der Reisende sei ein Drogenkonsument. Auch in Schwellenländern können Reisende ungebrauchtes einwandfreies Injektionsmaterial käuflich erwerben (bei einer gravierenden Infektion ist eine Behandlung mit Infusionen über eine längere Zeit notwendig), lokale Ärzte und Apotheken werden es gern auf die Rechnung nehmen. In der Behandlung von Ausländern werden in der Regel aufgrund der zu erwartenden Bezahlung ganz andere Ressourcen ausgeschöpft, als bei Einheimischen in einem Land mit für die lokale Bevölkerung kostenloser Gesundheitsversorgung.
    • Insulinpflichtige Diabetiker müssen darauf achten, auf Flugreisen eine schriftliche Bestätigung mitzuführen, dass sie Injektionsmaterial im Handgepäck mit sich führen dürfen. Insulin gehört ins Handgepäck (Gefahr des Unterschreitens der Minimaltemperatur im Frachtraum, Gefährdung, wenn das Gepäck nicht pünktlich eintrifft oder verlorengeht).
    • Reisende mit erhöhtem Thromboserisiko können sich vor langen Flugreisen mit einer selbst durchzuführenden Thrombose-Prophylaxe-Spritze schützen. Auch hierfür ist eine schriftliche Bestätigung notwendig, wenn die Dosis für den Rückflug im Handgepäck mitgeführt wird.
  • Fieberthermometer dienen der Messung durch den betroffenden Reisenden, ob er Fieber hat.
  • Heftpflaster und Wundpflaster dienen der antiseptischen Abdichtung von kleineren Wunden aller Art. Wurden diese durch Pflanzen oder Tiere ausgelöst, ist die Gefahr der Tollwut zu bedenken.
  • Eine Pinzette dient dazu, in der Haut steckende kleinere Fremdkörper (wie Dornen oder Stacheln) zu entfernen.
  • Sicherheitsnadeln halten Mull-Binden oder ähnliches Verbandsmaterial zusammen.
  • Hinweis-Zettel in Englisch über die Blutgruppe des Reisenden, über etwaige periodisch einzunehmende Medikamente und über etwaige Unverträglichkeiten sollten sich in der Reiseapotheke befinden.

Bezüglich der Übertragung von blutübertragenen Infektionen und Geschlechtskrankheiten sind die entsprechenden Empfehlungen (kein ungeschützter Geschlechtsverkehr, keine Tattoos mit unsterilen Materialien) unbedingt einzuhalten. Viel häufiger kommt es infolge sträflichem Leichtsinn zu solchen Infektionen, als dass jemand durch eine Behandlung im Krankenhaus mit unsauberem Injektionsmaterial infiziert worden wäre.

An der Grenze bei der Einreise können die Zoll- und Einreisebestimmungen eines Staates (siehe Reisevorbereitung) die Einfuhr bestimmter Bestandteile der Reiseapotheke untersagen. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten ist zu beachten, dass diese nicht in jedes Land eingeführt werden dürfen. Dies betrifft vor allem Drogenersatzstoffe (Methadon) und gewisse Psychopharmaka (Beruhigungsmittel, evtl. Neuroleptika) usw. Die entsprechenden Konsulate und Botschaften geben vorher über die Einfuhrbestimmungen Auskunft. Es gibt für streng kontrollierte Substanzen (z. B. Opium enthaltende) eine Bescheinigung die international standardisiert ist Einzelheiten auf Englisch. Jedes Land hat weiterhin eigene Vorschriften, über die ein Reisender sich informieren muss. Innerhalb des Schengen-Raums gibt es ein ähnliches Dokument.

Im Ausland werden oftmals hierzulande rezeptpflichtige Arzneimittel von Apotheken auch ohne Rezept abgegeben. Sollte dies beispielsweise im europäischen Ausland nicht der Fall sein, kann die Apotheke vor Ort dem Hausarzt daheim ein Rezeptformular mit einem Therapievorschlag faxen, dass dieser nur noch gegenzuzeichnen und zurück zufaxen braucht. Die Quittung für die alljährlich fällige Rückerstattung durch die Krankenkasse ist aufbewahren.

Das Centrum für Reisemedizin (CRM) stellt gegen Gebühr einen individuellen „Reise-Gesundheitsbrief“ zusammen, der das geplante Reiseziel berücksichtigt.

Einzelnachweise

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  1. Dr. med. Dietlinde Burkhardt, Die kleine Reiseapotheke, Penguin-HighBridge, 2008, S. 5
  2. Weltgesundheitsorganisation, englisch: World Health Organisation
  3. Dr. med. Dietlinde Burkhardt, Die kleine Reiseapotheke, Penguin-HighBridge, 2008, S. 14 ff.
  4. Thomas Baur, Reiseführer Senegal, Gambia und Guinea-Bissau, Reise-Know-How-Verlag Rump, 2016, S. 275
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