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zur�ck zur �bersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-W�rttemberg
Stuttgart (Baden-W�rttemberg)
Bets�le/Synagogen bis 1938/41
Hinweis auf weitere Seiten
mit Texten zur j�dischen Geschichte Stuttgarts im 19./20. Jahrhundert
(Texte aus j�dischen Periodika):
- Allgemeine Berichte sowie Berichte aus dem j�dischen Gemeinde- und
Vereinsleben (interner Link)
- Berichte zu den Rabbinern,
Lehrern und Kultusbeamten der Gemeinde (Hauptgemeinde) (interner
Link)
- Berichte zur orthodoxen
"Israelitischen Religionsgesellschaft" (interner
Link)
- Berichte zu einzelnen Personen aus
der j�dischen Gemeinde (interner Link)
Zur Geschichte der j�dischen Gemeinden in Stuttgart und ihrer Bets�le/Synagogen
�bersicht:
I. Mittelalter
II. 16. Jahrhundert
III. 18. Jahrhundert
IV. 19./20. Jahrhundert
Die Hauptsynagogen
mit Fotos
Die Synagogen der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft
mit Fotos
Der Betsaal des ostj�dischen Vereins
"Linath Hazedek" mit Fotos
Der Betsaal des ostj�dischen Vereins "Esras Achim"
mit Fotos
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
I.
Mittelalter
In Stuttgart bestand eine kleine j�dische Gemeinde zun�chst im
Mittelalter.
1343 wird der Jude Loew genannt, der unter Graf Ulrich III. eine bedeutende
Stellung einnahm. Die Judenverfolgung w�hrend der Pestzeit vernichtete im
November 1348 die kleine Gemeinde. Einige Jahrzehnte sp�ter (seit 1393) werden
wieder Juden in der Stadt genannt, die nun in der St.-Leonhards-Vorstadt ans�ssig
waren. 1488/98 wurden die Stuttgarter Juden ausgewiesen.
Synagogen im Mittelalter. Die j�dischen Familien wohnten zun�chst im
Bereich der Dorotheenstrasse, wo sie auch eine "Judenschule" (Synagoge;
vermutlich auf dem Gel�nde des heutigen Innenministeriums Dorotheenstrasse 6)
hatten. Seit Ende des 14. Jahrhunderts war die j�dische Ansiedlung in der
heutigen Brennerstrasse, die bis zum 19. Jahrhundert "Judengasse" hie�. Auch
hier konnte wieder eine Synagoge eingerichtet werden. Zusammen mit einem
rituellen Bad befand sie sich auf dem Anwesen Brennerstrasse 12. Es sind keine
Spuren dieser mittelalterlichen Gemeinde mehr erhalten.
Darstellung von Juden an
der
Stiftskirche in Stuttgart
(Fotos: Hahn, 24. Juli 2007) |
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Darstellung von
Juden an der Stiftskirche in Stuttgart |
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Die �lteste j�dische
Ansiedlung war
im Bereich der Dorotheenstra�e |
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Stra�enschild
"Dorotheenstra�e" |
Blick in die Dorotheenstra�e
- an das
Mittelalter erinnert hier nichts mehr |
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Die Brennerstrasse in Stuttgart,
fr�here
"Judengasse"
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Stra�enschild mit Erinnerung
an
die fr�here "Judengasse" |
Blick in der Brennerstra�e
von der Esslinger Stra�e |
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Blick in die
Brennerstra�e Richtung Stadtmitte |
II.
16. Jahrhundert
Unter Herzog Friedrich I. wurden 1598 j�dische Kaufleute der Firma Gabrieli
& Co. in Stuttgart aufgenommen, deren Gr�nder Maggino Gabrielli eine
hervorragende Pers�nlichkeit war. Trotz des Einspruches der Landst�nde und des
Hofpredigers wurden Gabrieli und sieben Genossen in Stuttgart aufgenommen. Als
sie in dem ihnen angewiesenen "Armbrustsch�tzenhause" am Marktplatz einen
Betsaal einrichteten, entstand jedoch eine gro�e Erregung, sodass sich der
Herzog entschloss, Gabrieli den Kammerschreiberei-Ort Neidlingen bei Kirchheim
unter Teck als Wohnort zuzuweisen. Dort freilich war das Unternehmen nicht
lebensf�hig, Gabrieli und Genossen zogen nach drei Monaten wieder ab und lie�en
sich mit besserem Erfolg in Lothringen nieder.
 | Literatur: Daniel J�tte: Abramo Colorni, j�discher
Hofalchemist Herzog Friedrichs I. und die hebr�ische Handelskompagnie des
Maggino Gabrielli in W�rttemberg am Ende des 16. Jahrhunderts. In:
Aschkenas. Zeitschrift f�r Geschichte und Kultur der Juden 15/2005 Heft 2
S. 435-498.
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III.
18. Jahrhundert
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde Stuttgart geht in die Zeit Anfang
des 18. Jahrhunderts zur�ck. Wie an fast allen F�rstenh�fen Europas hatten
auch in Stuttgart sogenannte Hofjuden und Hoffaktoren eine Anstellung gefunden.
1710 wird ein erster Hofjude genannt, 1712 vier weitere. 1721 waren es sieben
Hofjuden, unter denen sich David Uhlmann besondere Verdiente erwarb. Bis zu
seinem Tod 1782 stand er 55 Jahre im Dienst des Herzogs. Weitere unter dem pers�nlichen
Schutz des Herzogs stehenden Juden waren bis um 1800 zugezogen, darunter
Hofbankier Jakob Kaulla aus Hechingen. Von der Familie Kaulla wurde 1802 die W�rttembergische
Hofbank gegr�ndet.
Betsaal im 18. Jahrhundert. Die Niederlassung der Hofjudenfamilien
wurde in Stuttgart insbesondere von den Kirchenvertretern misstrauisch
beobachtet. Konsistorialdirektor Johannes Osiander empfahl beim Synodus des
Jahres 1715, darauf Acht zu geben, ob die Juden beabsichtigten, eine Synagoge zu
errichten. Anfang 1717 kamen dem Konsistorium Ger�chte zu Ohren, dass die
Juden, die in Stuttgart beim Hirschwirt wohnten, dort Gottesdienste abhielten.
Die Untersuchung der Angelegenheit brachte jedoch kein Ergebnis. Da es sich
offenbar im Laufe der Jahre nicht verhindern lie�, dass die Juden in
bescheidenem, privatem Rahmen ihre Gottesdienste feierten, wurde von der Kirche
alsbald nur noch darauf geachtet, dass deren Religionsaus�bung m�glichst
unauff�llig vonstatten ging. So wurde 1748 erst reagiert, als die Lautst�rke
des j�dischen Gottesdienstes zur Folge hatte, dass die Menschen auf der Strasse
vor einem j�dischen Haus stehen blieben und zuh�rten. Einzelne w�rttembergische
Theologen konnten dem j�dischen Gottesdienst damals sogar positive Aspekte
abgewinnen. Konsistorialrat Christian Friedrich Faber berichtete 1737 in einer
Predigt �ber einen j�dischen Gottesdienst: "Wie and�chtig sind sie bei ihrem
Gottesdienst. Keiner unter ihnen verl�sst die Versammlung mutwilliger Weise.
Sie beten mit gro�er Andacht und lassen sich durch nichts irre machen. Es mag
in ihre Synagogen kommen, wer da will, sie sehen sich nicht einmal um..."
Erinnerung an die Zeit der
Hoffaktoren des
18. Jahrhunderts in Stuttgart: der
"Joseph-S��-Oppenheimer-Platz" l�sst an
den Justizmord an Joseph S�� Oppenheimer
denken (1738)* |
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*Zu
Joseph S�� Oppenheimer siehe den Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_S��_Oppenheimer
Literatur: u.a. Hellmut G. Haasis: Joseph S�� Oppenheimer - Finanzier,
Freidenker, Justizopfer. Rowohlt Reinbek 1998.
ders.: Totengedenkbuch f�r Joseph S�� Oppenheimer. Kultur- und
Veranstaltungs GmbH. Worms 2012.
vgl. auch http://haasis-wortgeburten.anares.org/
(zum Thema "Judenhass")
Jud S�� Oppenheimer hielt sich im Rahmen seiner gesch�ftlichen
Aktivit�ten f�r Herzog Carl Alexander, dessen Geheimer Finanzrat er seit
1733 war, zun�chst vor allem in Ludwigsburg auf, wo er ein bis heute
erhaltenes Haus in der Hinteren Schlo�stra�e erhalten hatte (heute
M�mpelgardstra�e 18). 1736 erwarb Oppenheimer ein gro�es
Herrschaftshaus in Stuttgart (das ehemalige Katharinenstift). Oppenheimer
konnte mit Zustimmung des Herzogs noch weiteren j�dische Familien den
Zuzug nach Stuttgart und Ludwigsburg verschaffen. Der �berraschende Tod
des Herzogs Carl Alexander am 12. M�rz 1737 bedeutete die Katastrophe
f�r Oppenheimer. Er wurde verhaftet und aus allen Funktionen und �mtern
verlassen. Nach einem zweifelhaften Gerichtsverfahren, in dem man ihm
freilich keine Rechtsbr�che schl�ssig nachweisen konnte, wurde er am 4.
Februar 1738 in Stuttgart hingerichtet. Der Herzog-Administrator Karl
Rudolf unterschrieb das Todesurteil mit der Bemerkung: "Das ist ein
seltenes Ereignu�, da� ein Jud f�r einen Christenschelmen die Zeche
bezahlt".
Der baden-w�rttembergische Landtag und die Israelitische
Religionsgemeinschaft in W�rttemberg verleihen seit 2015 in Stuttgart die
Joseph-Ben-Issachar-S��kind-Oppenheimer-Medaille
Zur Preisverleihung 2017 an den Rabbiner Tovia Ben-Chorin und den
muslimischen Psychologen Ahmad Mansour vgl. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29738 |
IV.
19./20. Jahrhundert
1832 konnte eine neue Gemeinde gegr�ndet werden, die im Laufe der folgenden
Jahrzehnte eine st�rmische Entwicklung nahm. Von gerade 126 Gemeindegliedern im
Jahr 1833 stieg deren Zahl bis zum Jahr 1875 auf 2.291 an. Die starke Zunahme
war bedingt durch einen nicht aufzuhaltenden Zuzug der Juden aus zahlreichen j�dischen
Landgemeinden. Bis 1925/33 sollte die Zahl der j�dischen Einwohner Stuttgarts
auf ca. 4.500 Personen anwachsen, um danach zun�chst langsam und infolge der
1933 erfolgten Macht�bernahme durch die Nationalsozialisten immer schneller zur�ckzugehen.
Nach den Deportationen kamen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Stuttgart etwa
4.500 j�dischen Einwohnern mindestens 1.200 ums Leben.
Die Stuttgardia - Modell
f�r sie stand
1905 als "typisches Stuttgarter M�dchen"
die
j�dische Stuttgarterin Else Weil
(Fotos: Hahn, 24.7.2007) |
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Stuttgardia mit
Hinweistafel: "Plastik von Heinz Fritz (1905) f�r den Turm des 1944
zerst�rten Rathauses, erneut angebracht 1968. Modell f�r die
'Stuttgardia' war Else Weil,
geboren in Stuttgart, in der NS-Zeit als
J�din in die USA gefl�chtet, beerdigt auf dem
Pragfriedhof; Hinweis:
mehr zu Familie Weil aus Aufhausen: weitere
Informationen. |
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Gedenken am ehemaligen "Hospitalhof"
(inzwischen abgebrochen) in Stuttgart,
ehemals Standort des
Polizeigef�ngnisses
(Fotos: Hahn, 24.7.2007) |
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Inschrift:
"Im Geb�ude des Stuttgarter Dominikanerklosters und sp�teren
st�dtischen Hospitals
war seit 1895 das Polizeigef�ngnis untergebracht.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden
hier viele Menschen gequ�lt
und gedem�tigt. Zum Gedenken an die Sinti und Roma,
Mitb�rgerinnen und
B�rger, die dem nationalsozialistischen V�lkermord zum Opfer fielen.
Dem
Gedenken an die j�dischern Mitb�rgergerinnen und Mitb�rger, die entrechtet,
deportiert und ermordet wurden. Zum Gedenken an alle, die aus politischen
und
religi�sen Gr�nden verfolgt wurden. |
Bets�le/Synagogen im 19./20. Jahrhundert
Die
Hauptssynagogen
Im 19. Jahrhundert
wurden die Gottesdienste
zun�chst in Privath�usern abgehalten, vor allem in der H�usern des Hoffaktors
Seligmann in der Kronprinzstrasse und der Familie Kaulla (Schmale Strasse 11
bzw. K�nigstrasse 35; alle Geb�ude bestehen nicht mehr).
1808
wurde ein Betsaal
im "Alten Waldhorn" gemietet. Nachdem Ende 1832
eine neue Gemeinde in Stuttgart
offiziell gegr�ndet worden war (am 11. Dezember 1832 wurde erstmals ein
Vorsteheramt gew�hlt), bem�hte sie sich um die Einrichtung eines Betsaales.
Ein Baukomitee wurde gegr�ndet, das zun�chst nach einem geeigneten Grundst�ck
suchte. Im April 1837
konnte man ein geeignetes Geb�ude kaufen und in dessen
Hintergeb�ude in der Langen Gasse 16
einen Betsaal beziehungsweise eine erste Synagoge einrichten. Im September
1837
wurde der Betsaal feierlich eingeweiht. Damals betrug die Zahl der j�dischen
Familien erst 15. Bei der
Einweihung des Betsaales wirkten neben Vors�nger Eichberg im musikalischen Teil
auch Mitglieder der Hofkapelle mit.
Die Einweihung der Synagoge (1837)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 21. Oktober 1837: "Stuttgart, 27. September (1837).
Heute wurde die neueingerichtete j�dische Synagoge eingeweiht. Das
N�here dar�ber soll sp�ter erfolgen". |
1845 machte man den Betsaal heizbar. Durch
das schnelle Anwachsen der Gemeinde war nach wenigen Jahren und vor allem an den
Feiertagen zun�chst ein Mangel
an Frauenpl�tzen in diesem Betsaal entstanden, da dieser im ganzen nur 220 bis
230 Sitzpl�tze hatte. Bereits 1850
musste man an den Neubau einer Synagoge
denken und w�hlte hierzu Baukommission in der Gemeinde. Eine Erweiterung der
bisherigen Synagoge wurde in einer Gemeindeversammlung im Oktober 1852 abgelehnt.
�ber das
gottesdienstliche Leben in der
1837 eingeweihten Synagoge liegen einige Berichte vor, aus denen zu entnehmen
ist, dass der Gottesdienst in der traditionellen Weise abgehalten wurde. Das
Vorsteheramt lehnte noch um 1850 die Einf�hrung von Reformen (deutscher
Gottesdienst, mit Chorgesang und Orgelbegleitung) ab. Nach Meinung von
Reformgesinnten war dies der Grund, warum in der Synagoge kaum religi�ses Leben
stattfand und die Gottesdienste - vor allem zu Schabbat - so schlecht besucht
waren. Charakteristisch f�r die Einstellung der Reformgesinnten war die Meinung
von Adolph Levi, die im Bericht vom Oktober 1851 mitgeteilt wird. Aus dem
Bericht von 1852 erf�hrt man, dass vor allem die Predigten von Rabbiner Dr.
Maier auf ein gro�es Interesse in der Gemeinde stie�en.
�ber das gottesdienstliche Leben in Stuttgart
(1851)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli
1851: "Stuttgart, im Juli (1851). Ordnung und Anstand beim
Gottesdienste ist das erste Bed�rfnis, um and�chtig vor Gott stehen zu
k�nnen. Leider wird h�ufig weder Ordnung noch Anstand in den
israelitischen Gebeth�usern gefunden. Man sollte glauben, dass in einer
Gemeinde wie Stuttgart, dem Sitze der k�niglichen israelitischen
Oberkirchenbeh�rde, jenes erste Bed�rfnis befriedigt w�rde. Doch weit
davon entfernt, wird selten eine Synagoge getroffen werden, in welcher es
- leider muss ich das scharfe Wort gebrauchen - so skandal�s beim
Gottesdienste hergeht, wie eben hier. W�hrend der Vors�nger and�chtig
die Gebete verrichtet, sehen Sie Gruppen von M�nnern, welche sich ganz
gem�tlich miteinander unterhalten, Sie h�ren ein Summen, gerade als ob
Sie auf dem Marktplatze stehen w�rden. Das 'erkenne vor wem Du stehst'
kommt da gar nicht in Betracht. Es ist hier blo� von dem Gottesdienste an
den Festtagen die Rede, denn am Schabbat ist Gruppierung und
Gesumme unm�glich, da - in einer Gemeinde von �ber 70 Familien - beinahe
kein Minjan (10 religionsm�ndige M�nner) in der Synagoge zu treffen
ist.
'Woher kommt unsere Hilfe?' Von der Oberkirchenbeh�rde oder von dem
Kirchenvorsteheramte haben wir wenig zu erwarten; denn, wenn beide
Korporationen schon so lange Nichts f�r unser Bestes getan, was werden
sie jetzt, so sp�t noch ihre Kr�fte f�r uns anstrengen? Hat ja die
Oberkirchenbeh�rde Nichts f�r uns geschaffen, so lange sie besteht, als
die 'Synagogenordnung', aber - keine Ordnung in der Synagoge. Stemmt sich
doch das Kirchenvorsteheramt und besonders das geistliche Mitglied
desselben mit allen Kr�ften gegen deutschen Gottesdienst, mit Gesang und
Orgelbegleitung, w�hrend andererseits die Knaben, um die Bracha am
Konfirmationstage sagen zu k�nnen, sich dieselben mit lateinischen
Lettern aufschreiben lassen. Das ist ein Gebet mit Andacht! Ich
k�nnte Ihnen noch manche h�bsche Anekdote erz�hlen, welche Ihnen
geh�rig die Lage der religi�sen Angelegenheiten Stuttgarts ins Licht
setzen w�rden, aber vorderhand will ich noch schweigen!
Ich erwarte, wie ich schon oben bemerkte, nicht viel von der
autokratischen Verwaltung des geistlichen Mitgliedes der
Oberkirchenbeh�rde. Hoffen wir, dass dieses die hier gesagten wenigen
Worte beherzigen, damit uns viele erspart seien! Hoffen wir, dass man mit Ernst
zur Reform der Verh�ltnisse in und au�er der Synagoge schreite! Hoffen
wir, dass die Oberkirchenbeh�rde der Mahnung unserer alten Weisen Geh�r
gebe: 'Sage wenig und tue viel!' Jemand, der sich nennen will."
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Oktober
1851: "... Eine sehr interessante Pers�nlichkeit ist der junge Literat
Adolph Levi, Schwager des Professors Dr. Gustav Weil in
Heidelberg. Ein Mann, der fast alle europ�ischen Sprachen wie die
Muttersprache handhabt. Aber eine zum Stolz gewordene Bescheidenheit
fesselt ihn in der Studierstube und als ich ihm dar�ber Vorw�rfe machte,
und seinen Ausfl�chten entgegenhielt, wenn er unter minder g�nstigen
Verh�ltnissen geboren, f�r seinen Erwerb sorgen m�sste, er gezwungen
w�re, seine Studien der Mitwelt zu Nutze zu machen, erwiderte er mir:
lieber w�rde er dann Steine klopfen, als gegen seine Neigung den
literarischen Markt betreten. Derselbe junge Mann ist es, der f�r die
Einf�hrung der Orgel beim j�dischen Gottesdienst mit Eifer k�mpft; aber
der Indifferentismus der Gebildeten l�sst dieses Streben nicht aufkommen.
Stuttgart, das jetzt vielleicht 80 bis 90 israelitische Familien z�hlt,
hat gar kein j�disch-kirchliches Leben- Nur bei den Klubs in der
Gark�che findet man historisches Judentum. Da fallen mit Heine's Verse
bei:
In Frankfurt kam ich am Schabbes an Und a� dort Schalet und K�se -
Ihr habe doch die beste Religion - Ich a�0 auch gern
G�nsegekr�se..." |
�ber den Gottesdienstbesuch und Rabbiner Dr.
Maiers "meisterhafte Vortr�ge" (1852)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 22. November 1852 (nur auszugsweise zitiert): "Aus
W�rttemberg, im November (1852). .... Stuttgart z�hlt jetzt
nahezu an 100 j�dische Familien, aber die R�ume des Gotteshauses
stehen meistens leer, die wenigen Besucher sind Fremde, die der religi�se
Dran hintreibt und Maiers meisterhafte Vortr�ge anziehen. An den hohen
Festtagen 'sieht man zuweilen den Alten gerne', dann ist der Betsaal
�berf�llt und fasst nicht die Gemeinde. Aus dem Grunde w�nscht die
Minorit�t der Gemeinde den Bau einer neuen w�rdigen Synagoge und hofft
von ihr die Regeneration des kirchlichen Lebens, aber der nervus rerum
gerendarum gibt den Ausschlag, und wir haben keinen Rothschild, der
70.000 Gulden zu einem Synagogenbau zeichnet; freilich halten die Gegner
des Synagogenbaus mit Recht das entgegen, dass das religi�se Element
�berhaupt brach liege, denn der Religionsunterricht liege im Argen. Wenn
auch Kirchenrat Maier die vorgeschriebenen Unterrichtsstunden erteilt, das
reicht nicht hin. F�r's Land ist ein Reglement zur Erteilung des
j�dischen Unterrichts erschienen, da sollen die Sch�ler die heilige
Ursprache der Schrift und der Gebete verstehen, aber in der Residenz sei
der religi�se Indifferentismus patentisert. Das eifert auch der Stuttgarter
Geistliche in seinen Predigten, das hat er besonders am Vers�hnungsfeste
gepredigt, und wurde deshalb von den Blasierten
angegriffen...." |
�ber die alte Synagoge, die eindrucksvollen Predigten
von Dr. Maier und den Vors�nger Herrn Eichberg
(1857)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. August 1857 (nur
auszugsweise zitiert): "Reiseskizzen aus W�rttemberg (Schluss). Gehen wir
nun von diesem einfachen Provinzialst�dtchen zur Residenz �ber und
beschauen uns das j�dische Wesen, so weit es in unsern Anschauungskreis
gekommen. Die israelitische Gemeinde in Stuttgart ist erst in ihrer
Entwicklung, weil seit der 1848ger Periode dieselbe im stetigen Wachsen
ist. Die bisherigen Institutionen der alten, aber kleinen Gemeinde sind in
bester Ordnung, f�r die vergr��erte Gemeinde bed�rften sie der
Erweisung, und diese ist haupts�chlich dadurch angebahnt, dass der
Synagogenbau beschlossen. Die bisherige Synagoge ist ein kleines (f�r die
fr�here Gemeinde ger�umig genug, aber elegant eingerichtete Betlokal, in
welchem Herr Kirchenrat Dr. Maier bekanntlich seine eindrucksvollen
Predigten h�lt. Im �brigen hat auch in dieser Synagoge keinerlei Reform
Platz genommen, als die Auslassung der Piutim; der dreij�hrige Zyklus (sc.
der Toralesungen) ist nicht eingef�hrt. Wohl aber herrscht darin Ordnung
und Anstand, wie es von gebildeten Leuten zu erwarten ist. Der Vors�nger,
Herr Eichberg, tr�gt die Gebete auf w�rdige Weise vor, scheint
�berhaupt seinem Fache gewachsen zu sein, indem er auch Kenntnisse der
hebr�ischen Sprache besitzt..." |
1856 stand das der
Witwe des Legationsrates Reu� geh�rige Haus Hospitalstrasse
36 samt
dem dazugeh�rigen Garten zum Verkauf frei. In diesem Haus hatte von 1851 bis
1855 der Dichter Eduard M�rike gelebt. Der j�dische Weinh�ndler Heinrich
Hirsch wollte zun�chst das Anwesen erwerben. Als er vom Wunsch der j�dischen
Gemeinde h�rte, auf diesem Grundst�ck gegebenenfalls eine Synagoge zu bauen,
trat er von dem Kauf zugunsten der Gemeinde zur�ck. Die j�dische Gemeinde
kaufte das Anwesen mit Kaufvertrag vom 9. Mai 1856 und beschloss, auf dem
Grundst�ck eine neue Synagoge zu bauen.
F�r den Bau der Synagoge waren auf die Ausschreibung der j�dischen Gemeinde
vier Baupl�ne eingegangen. Unter
ihnen wurde derjenige des Baurates Gustav Breymann ausgew�hlt. Am 26. Mai
1859
konnte der Grundstein zur neuen Synagoge in der Hospitalstrasse gelegt werden.
Nach dem fr�hen Tod von Architekt Breymann im August 1859 setzte sein Sch�ler
Adolf Wolff den Bau fort. Neuislamische Elemente pr�gten das �u�ere und
Innere der Synagoge. Die zur Hospitalstrasse gerichtete Ostfassade war von
maurischen Zinnen gekr�nt. Diese fanden sich auch auf den kleinen Pavillons,
durch die der Weg zu den Eing�ngen f�hrte. Im mittleren Teil der Fassade
zeigte eine Apsis den Standort des Toraschreines an; dar�ber erhob sich ein mit
islamischen Pflanzenornamenten reich geschm�ckter Rundbogen. Im Inneren waren
die S�ulen und B�gen nach dem Vorbild der Alhambra im spanischen Granada
gestaltet. Vor allem fielen die Kapitelle mit den gezackten B�gen und den
Pflanzenornamenten auf, die Stilelemente des L�wenhofs der Alhambra imitierten.
Der maurische Stil war in Stuttgart schon von einem anderen Bauwerk her bekannt:
1842-1845 hatte K�nig Wilhelm I. das Schloss Wilhelma in Cannstatt in
maurischem Stil nach dem Vorbild der Alhambra in Granada erbaut.
Synagogenarchitekt Adolf Wolff besuchte h�ufig die Wilhelma, um deren Form und
Zeichnung zu studieren. Auch die in Mannheim und Frankfurt am Main erbauten
Synagoge besuchte er, um Anregungen zur Ausf�hrung der Stuttgarter Synagoge zu
bekommen.
Auf dem Hintergrund dieses Synagogenbaus ist die j�dische Gemeinde in
Stuttgart zu sehen, die �berwiegend den Willen nach einer v�lligen Integration
hatte und ihr Judentum eher als Konfession auffasste, doch beim Wissen um
eine Akzeptanz und Gleichberechtigung in der Umwelt auch ihren eigenen Charakter
zu betonen wusste. Stuttgart war f�r die j�dische Gemeinde Heimat beworden. An
einer Stelle der vorderen Synagogenkuppel war Psalm 132,14 zitiert: "Das
ist f�r immer der Ort meiner Ruhe; hier will ich wohnen, ich habe ihn mir
erkoren".
Bei der Synagogeneinweihung am 3. Mai 1861 endete das
Schlussgebet der Einweihungspredigt des Rabbiners Dr. Maier mit den Worten:
"Ja, dir, geliebtes Stuttgart, unserem Jerusalem, w�nschen wir Heil!".
Rabbiner Dr. Maier schuf f�r den neuen Gottesdienst auch eine neues Gebetbuch.
Die Verlesung der Tora wurde auf drei Jahre verteilt; traditionell wird die Tora
in einem Jahr gelesen. Das Prophetenwort (Haftara) sollte deutsch vorgetragen
werden. Eine Orgel und ein Synagogenchor geh�rten alsbald zur Versch�nerung
der Gottesdienste dazu. Die Baukosten der Synagoge betrugen �ber 110.000
Gulden, die �berwiegend von den Gemeindegliedern erbracht wurden. Von
staatlicher Seite wurde eine Unterst�tzung von 2.500 Gulden bewilligt.
Presseartikel zur Geschichte der Synagoge
Bei einer Architektenversammlung in Stuttgart werden
die Pl�ne f�r die neue Synagoge pr�sentiert (1859)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Januar
1859: "Bei der Architektenversammlung in Stuttgart waren auch die
Risse der neu zu erbauenden Synagoge in Stuttgart von Professor Breymann
entworfen, ausgestellt, und zogen die Aufmerksamkeit der K�nstler auf
sich. wir werden sp�ter Gelegenheit bekommen, diese Angelegenheit
ausf�hrlicher zu besprechen". |
Grundsteinlegung f�r die neue Synagoge
(1859)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Juni
1859: "Stuttgart, 27.Mai (1859). (Staats-Anzeiger f�r
W�rttemberg). Gestern fand die feierlich Grundsteinlegung der hiesigen
neu zu erbauenden Synagoge statt. Neben der israelitischen
Oberkirchenbeh�rde und den Vorst�nden der hiesigen israelitischen
Gemeinde wohnten der erhebenden Feierlichkeit die Mitglieder der Gemeinde
sehr zahlreich bei. Die Staatsbeh�rde war durch Herrn Stadtdirektor
Oberregierungsrat von Mejer, die Stadt durch Herrn Stadtschulthei� von
Gutbrod vertreten. Herr Kirchenrat Maier hielt die Festrede, in welcher er
mit ergreifenden Worten auf den Geist religi�ser Duldsamkeit hinwies, der
unter unseres verehrten K�nigs segensreicher Regierung W�rttemberg
begl�ckt. Vor und nach der Rede wurde durch Mitglieder der Gardemusik ein
Choral abgeblasen. In dem Grundsteine wurden neben dem Risse und den sonst
�blichen Dokumenten �hren und Wein vom letzten Herbste und s�mtlich neu
geschlagene w�rttembergische M�nzen niedergelegt. M�chte der Geist
religi�ser Duldsamkeit, welchem dieses Gotteshaus sein Entstehen verdankt,
stets mehr und mehr in allen Herzen Wurzel schlagen!" |
Die Synagoge geht ihrer Vollendung entgegen
(1860) S
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Dezember
1860: "(Stuttgart). Die Synagoge geht rasch ihrer Vollendung entgegen, sie
ist in reinem maurischen Stil ausgef�hrt und wird eine architektonische
Zierde der schw�bischen Residenzstadt bilden. Man hofft, dass sie bis zum
Wochenfeste dem frommen Zwecke der �ffentlichen Gottesverehrung kann
�bergeben werden." |
Besuch des K�nigs in der (fast fertigen) Synagoge und Bericht �ber die neue
Gebetordnung (1861)
Anmerkung: es handelt sich um einen Besuch des K�nigs Wilhelm I. in der
Synagoge (lebte von 1781 bis 1864, war von 1816 bis 1864 K�nig von
W�rttemberg)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Mai
1861: "...In derselben Woche noch war es dem Herrn Dr. Levi
geg�nnt, in Gemeinschaft mit den Mitgliedern des israelitischen
Kirchenvorsteheramtes in Stuttgart, Seine Majest�t den K�nig in
den R�umen der neuen Synagoge zu empfangen und den achtzigj�hrigen
geistesfrischen, r�stigen Greis durch die frommen Hallen des Tempels zu
f�hren. Es ist dieses schon der zweite Besuch des K�nigs, der sich sehr
befriedigt und erfreut �ber die solide und geschmackvolle Bauart
aussprach. Er erkundigte sich huldvoll �ber die Gemeindeverh�ltnisse und
Kultangelegenheiten, freute sich �ber die Einf�hrung der Orgel und des
S�ngerchors. Dr. Levi, der den Bautechniker bei der Leitung des
Baugesch�ftes assistierte, konnte Seiner Majest�t mit eingehender
Sachkenntnis die ganze Architektur erl�utern. Auf die �u�erung des
Dankes sagte Seine Majest�t, dass er wohl wisse, dass die Israeliten des
Landes ihm immer anh�nglich gewesen.
Die Stuttgarter Synagoge ist im maurischen Stil ausgef�hrt. Der Entwurf
f�r den Bau hat den verstorbenen Professor Baurat Breymann zum Verfasser,
die ganze Ausf�hrung der Risse wie des Baues selbst hat dessen
talentvoller Sch�ler Architekt A. Wolff �bernommen und mit seltener
Meisterschaft vollendet. Das Innere wird von nahe 200 Gasflammen
erleuchtet.
Die Synagoge kostet gegen 100.000 Gulden, ohne manche Gegenst�nde inneren
Schmuckes, die frommer Sinn gestiftet hat. In der lithographischen Anstalt
von B. Levi in Stuttgart in eine Abbildung der Synagoge in Farbendruch
erschienen, die Kunstfreunden zu empfehlen und durch jede Kunst- und
Buchhandlung zu 1 1/5 Thaler zu beziehen ist.
F�r die neue Synagoge ist ein neues Gebetbuch erschienen:
|
Seder
Tefillah - Israelitische Gebetordnung f�r Synagoge und Schule,
wie zur h�uslichen Gottesverehrung. Bearbeitet und im Auftrag des
K�niglichen W�rttembergischen Ober-Kirchenbeh�rde herausgegeben von Dr.
Joseph Maier, Kirchrat und Rabbiner zu Stuttgart. In zwei B�nden.
Erster Band: Gottesdienst f�r Werktage, Sabbate und drei Feste. Stuttgart
- Metzler. Nur Esehu mekomon und bame madlikin sind neben dem Pijut dem
Untergang geweiht; sonst wird jeder gute Israelite seinen alten Sidur
wiederfinden und wenn das Halbhundert eingeflochtene deutsche Chor�le
nicht st�rt und die Kl�nge der Orgel frommen Ohren kein Gr�uel sind, so
w�rden auch die Orthodoxesten rufen: 'Hier gut W�rttemberg allewege!'.
Doch der dreij�hrige Zyklus des Sabbat-Vorlesungen, das ist der
leibhaftige 'Magnitsagen' nur eine Konzession zur Verk�rzung des
Gottesdienstes und f�r die Lungen des Vorbeters, aber dem j�dischen
Kalender dadurch angepasst, dass jede Sidra dreigeteilt ist und das
Kirchenjahr mit Bereschis beginnt und mit Vesos habrocho schlie�t. Der
lange wehu ketum ist kurz geworden. Ver�nderungen, die das Dogma ber�hren
und Umgestaltungen der Agende sind nach der Vorrede von vornherein
ausgeschlossen. Ob die extremen Parteien von rechts und links sich mit
dieser Liturgie befreunden, muss die Folge lehren, jedenfalls legt sie das
Zeugnis von dem Streben des gelehrten Herrn Verfassers ab, das Gef�hl
keiner Partei zu verletzen.
Seit einigen Jahren sind vier au�erw�rttembergische Rabbiner bei uns
nationalisiert und in unsern Staats- und Kirchendienst getreten und noch
zwei weitere Rabbinate sind erledigt. Am j�ngsten Feste des Auszugs aus
�gypten vom Sklavendienst zur Freiheit ist der Rabbiner Dr. Michael
G�ldenstein in Buchau vom
Knechtesdienste des irdischen Lebens zur Freiheit des ewigen Leben
eingegangen. Es werde ihm die Erde leicht, auf der er 45 kurze Jahre
gewandelt und seiner Gemeinde ein treuer Hirte, seinen Sch�lern ein
emsiger Lehrer, seiner Familie ein teueres Glied und seinen Freunden ein
lieber Genosse gewesen ist. Fahre hin zum Frieden!!
Ich will die Worte des Friedens und das Fahrewohl, das ich mit
blutendem Herzen einem teuren Freunde nachgerufen, nicht durch einen
Misston entweihen und von einer unerquicklichen Polemik berichten, die
Herr Rechtskonsulent Alexander Bacher bei Gelegenheit der Wahl einiger
Kirchenvorsteher in Stuttgart, in die Gemeinde geschleudert. Die frivole
Heine'sche Schreibweise und die bei�ende Satire, mit der er seine
Glaubensgenossen und ihre Religion herabsetzt, kann selbst dadurch nicht
entschuldigt werden, dass er f�r einen werten Verwandten in die Schranken
tritt. Wer sich selbst als religi�s indifferent bezeichnet, der sollte im
Schm�hen auch nicht fanatisch werden.
Am 3. Mai wird die Stuttgarter Synagoge eingeweiht. Mein N�chstes
wird, so Gott will, dar�ber berichten. -
Es bilden sich bei uns allenthalben israelitische Almosenvereine zum
Zwecke der Verabreichung von Gaben an arme, notleidende, reisende
Israeliten; wodurch der Bettel in den H�usern v�llig abgeschafft wird.
Die Rabbiner sind gew�hnlich sehr bereitwillig in der Legalisierung von
Bettelbriefen, und durch diesen Missbrauch wird den Zeugnissen mancher
dieser Herren gar kein Wert beigelegt. Dadurch, dass einer ein Lamden und
ein Pole ist und obgleich er auf zarat habat (?) reist, gewinnt er
kein Anrecht, den versch�mten, heimischen Armen vorgezogen zu werden. Die
Bescheidenheit braucht keinen autorisierten Bettelbrief, sie empfiehlt
sich durch sich selbst. -
Die Stuttgarter B�rgerzeitung berichtet Folgendes: Der Verkauf der
Synagogenst�nde in der neuen Synagoge hat 53.000 Gulden abgeworfen
und es bleiben noch so viele St�nde zu verkaufen, dass damit die Kosten
des wunderbar sch�nen Neubaus gedeckt werden k�nnen. Einzelne der St�nde
wurden zu 500-600 Gulden ersteigert, da die patriotische Beteiligung der
Gemeindemitglieder sich opferfreudig aufs Gl�nzendste
bew�hrte..." |
Die Einweihung der Synagoge (1861)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Mai
1861: "Stuttgart, 4. Mai (1861). Die feierliche Einweihung der
neuen israelitischen Synagoge ging gestern Abend um 6 Uhr unter
allgemeiner Teilnahme vor sich. Der K�nigliche Hof wurde durch den
Oberstallmeister Grafen von Taubenheim vertreten, der Geheime Rat durch
dessen Pr�sidenten Staatsminister Freiherrn von Neurath, das Ministerium
durch den Herrn Minister Freiherr von Linden und den Kult-Departementschef
Staatsrat von Golther. Au�erdem waren die Bezirks- und Gemeindebeh�rden,
die evangelische und katholische Geistlichkeit, der Turnverein und der
Liederkranz vertreten, und auch viele christliche Bewohner Stuttgarts
hatten sich eingefunden, den herrlichen Tempel, der ein Meisterwerk der
Baukunst ist, zu beschauen und der sch�nen Feier anzuwohnen. Um 6 Uhr
folgte der feierliche Einzug mit den Torarollen, voran der Oberrabbiner
Kirchenrat Dr. Maier mit dem Vors�nger Eichberg und hinter ihm die
Rabbiner von Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Frankfurt, Mainz, ferner von
Freudental, Mergentheim, M�hringen, Laupheim und Jebenhausen. Die
Festrede hielt Kirchenrat Maier, nachdem die Torarollen in die Bundeslade
im Allerheiligsten gebracht worden waren. Die Beleuchtung war feenhaft.
Nachher fand der gew�hnliche Abendgottesdienst
statt." |
| |
| Der nachfolgende Bericht aus der
konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" enth�lt in
den ersten Zeilen Kritik am Stuttgarter
"Reformjudentum" |
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14.
Mai 1861: "Stuttgart, 7. Mai (1861). Am Samstag, den 4. Mai
wurde hier der prachtvolle Reformtempel eingeweiht; von weit und breit
hatten sich die Reformrabbiner zum 'Feste' eingefunden, das man auf den
Sabbat der Thochacha (Bechoktai) anberaumt hatte. Nachmittags wurde
tapfer gezecht und der W�rttembergische Staats-Anzeiger (Nr. 107)
berichtet von der mit allgemeinem Beifalle aufgenommenen Aufforderung des
Herrn Kirchenrats Maier, 'ein volles Glas zu leeren.'
(Wir wissen nicht, was unsern Korrespondenten zu dieser letzten bitteren
Bemerkung veranlasst; der Trinkspruch des Herrn Maier ist vollkommen
harmlos. Wir stellen den betreffenden Artikel des W�rttembergischen
Staats-Anzeigers hierher: Stuttgart, 5. Mai (1861). Gestern feierte die israelitische
Gemeinde die Einweihung ihres prachtvollen Tempels nachtr�glich mit einem
Festmahle, das sehr zahlreich besucht war. Kirchenrat Dr. Maier brachte
bei demselben folgenden mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Trinkspruch
auf Seine Majest�t den K�nig aus: Von Augustus r�hmt die Geschichte,
dass er das h�lzerne Rom, welches er angetreten, seinem Nachfolger als
ein steinerner hinterlassen habe. Ein �hnliches kann sich unser K�nig
r�hmen. Aus Stuttgart, das, als er zum Throne gelangte, eine kleine Stadt
mit meist h�lzernen H�usern war, ist unter seiner Regierung eine gro�e
Stadt mit monumentalen Geb�uden geworden, die mit den sch�nsten und
gr��ten anderer St�dte wetteifern k�nnen. Unter den Baudenkmalen,
welche unter der Herrschaft dieses K�nigs entstanden sind, wird das Haus,
dessen Weihefest uns hier beim heitern Mahle vereinigt, zu allen Zeiten
eine hervorragende Stelle einnehmen. Nun ist zwar unsere Synagoge nicht
auf Gehei� des K�nigs, sondern auf Befehl des K�nigs aller K�nige
entstanden; allein so ganz ohne Einfluss ist unser geliebter K�nig doch
nicht darauf geblieben. Zur Entstehung einer solchen Synagoge war vor
allen Dingen unbeschr�nkte Gewissensfreiheit n�tig, d.h. das Recht,
nicht nur die Religion ungehindert auszu�ben, sondern auch alle Anstalten
errichten zu d�rfen, welche die Pflege und die Ehre derselben erfordert.
Diese Gewissensfreiheit verdanken wir aber unserm hochverehrten K�nige,
welcher der Erste unter Deutschlands F�rsten die israelitische Kirche zum
Rande einer Staatskirche erhob und ihr alle Rechte und Befugnisse der
�brigen im Staate bestehenden Krchen einr�umte. Aber nicht nur die
Gewissensfreiheit war n�tig, wenn eine solche Synagoge entstehen sollte,
sondern auch die Gewerbefreiheit, das Recht, jeden ordentlichen Beruf und
jedes redliche Gewerbe an jedem Orte des Landes treiben zu d�rfen. Diesem
Rechte verdankte die hiesige Gemeinde die numerische Gr��e und dne
Wohlstand, der es ihr m�glich machte, ein solches Gotteshaus erbauen zu
lassen. Bei den gewerblichen Beschr�nkungen, wie sie fr�her bestanden,
w�re ihr ein solcher Aufwand unm�glich gewesen. Ist es aber nicht unser K�rnig,
der auch diese Freiheit uns gew�hrte? Sie sehen, meine verehrten Festgenossen,
dass unser K�nig ein volles Recht sich erworben und wir die volle Pflicht
haben, dass wir heute Seiner in Liebe und Verehrung gedenken und auf
h�chstdessen eben und Gesundheit ein volles Glas leeren. Seine Majest�t,
der K�nig, lebe hoch!)." |
Schreiben der b�rgerlichen Kollegien (Gemeinderat und
B�rgerausschuss) an Rabbiner Dr. Maier zur Synagogeneinweihung
(1861)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Juni
1861: "Stuttgart, im Mai (1861). Nachstehendes Schreiben,
welches in Folge der Einweihung der neuen Synagoge dahier von den b�rgerlichen
Kollegien der Stadt an den Geistlichen der israelitischen Gemeinde, Kirchenrat
Dr. Maier, gerichtet wurde, verdient als ein sch�nes Zeichen der Zeit
allgemeine Beachtung, weswegen wir es hiermit der �ffentlichkeit
�bergeben: 'Es haben Euer Hochw�rden it Ihren israelitischen
Glaubensverwandten in den ersten Tagen dieses Monats eine Freude und eine
Befriedigung genossen, welche, wie sie selten in der Geschichte unseres
Vaterlandes vorkommt, so auch eine ungew�hnliche Wichtigkeit und
Bedeutung an sich tr�gt. Das erste Verdienst f�r die Erbauung der neuen
Synagoge in unserer STadt geb�hrt wohl der hiesigen israelitischen
Gemeinde, welche mit gro�er, durch den hohen Zweck gesteigerter
religi�ser Begeisterung die sehr betr�chtlichen Mittel hingegeben und
beschaffen hat, die zur Herstellung des Prachtbaues n�tig waren, der
nicht nur f�r die Gegenwart, sondern auch f�r die k�nftigen
Jahrhunderte eine Zierde der K�niglichen Haupt- und Residenzstadt sein
wir, wie solcher ein ehrendes Denkmal der Fr�mmigkeit ihrer
israelitischen Bewohner und unserer Zeit ist. Gleichwie aber der Segen von
oben kommt, so hat bei der feierlichen Einweihung des neuen Gotteshauses
die Gemeinde mit Recht den ersten Dank dem allm�chtigen Gott dargebracht,
der die menschlichen Dinge leitet und ordnet. Nach diesem Danke geb�hrt
unstreitig den M�nnern, welche die Vollstrecker des g�ttlichen Willens
gewesen, f�r ihre treue Pflichterf�llung, f�r ihren unerm�deten Eifer
und f�r ihre patriotische Aufopferung das dankbare Anerkenntnis ihrer
Nebenmenschen. Die Gemeindekollegien unserer Stadt, deren Mitglieder in
gro�er Anzahl zu der Ehre berufen wurden, an dem Einweihungsfeste Teil zu
nehmen, sehen sich nun besonders verpflichtet, diesem Danke Worte zu
verleihen. Es liegt klar vor Augen, dass Euer Hochw�rden bei den
Vorbereitungen wie bei der Feststellung des Planes und bei der Ausf�hrung
des sch�nen Werkes einen Mittelpunkt gebildet, und dass Hochdieselben in
Verbindung mit den sehr verehrlichen Mitgliedern des israelitischen
Kirchenvorsteheramtes die h�chste Anerkennung verdient haben. Genehmigen
nun Euer Hochw�rden unsere aufrichtigen Dankes�u�erungen, welche wir
hiermit Hochdenselben und Ihren verehrten Kollegen im Kirchenvorsteheramte
gegen�ber aussprechen f�r das wohl gelungene Werk, empfangen Sie unsere
herzlichsten Gl�ckw�nsche zu dem erstrebten Besitz des neuen pr�chtigen
Tempels, bei dessen Erbauung Sie von einem ausgezeichneten Architekten
unterst�tzt wurden, und seien Sie unserer aufrichtigen Teilnahme und
Freude versichert an dem wichtigen Ereignis, durch welches das religi�se
Bed�rfnis Ihrer Gemeinde so sch�n und w�rdig befriedigt wurde. M�ge
der Segen Gottes, welcher in diesem Tempel zun�chst von Euer Hochw�rden
in einer erhebenden Weise angerufen und gesprochen wird, reichlich
ausstr�men in die Gemeinde und in dieser viele und gute Fr�chte tragen,
m�ge dieser Segen in derselben auch in den kommenden Zeiten seine
erfreulichen Wirkungen �u�ern, m�ge in solcher Eintracht und Friede,
die Grundlage des Wohlstandes, auch f�r die Zukunft erhalten werden. Wir
beharren etc. Stuttgart, den 13. Mai. Gemeinderat und
B�rgerausschuss.'". |
N�heres �ber das Publikum bei den Festlichkeiten zur
Einweihung der Synagoge sowie weitere Informationen (1861)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 25. Juni 1861: "W�rttembergische Briefe von Alexander
Els��er.
II. Der Monat Mai 1861 ist f�r die Israeliten W�rttembergs
epochemachend, durch die Einweihung der neuen Synagoge in Stuttgart, nicht
durch den herrlichen Bau, noch durch die Festlichkeiten, die im Gefolge
der Einweihung begangen wurden, sondern durch die Teilnahme, die das
gebildete B�rgertum der Residenz ihren israelitischen Mitb�rgern bei der
Konsolidierung ihrer neuen Kultuszust�nde kundgab. Wir wollen darum auch
nicht �ber die Festlichkeit selbst uns ins Breite auslassen, denn der
Festzug, die Einweihung selbst und das Zweckessen, sie werden sich von
anderen derartigen Veranlassungen durch ihre Solennit�t, wie sie ein
Residenzpublikum mit sich bringt, ausgezeichnet haben, aber im Ganzen
werden sie |
anderen
derartigen Festlichkeiten �hnlich gewesen sein. Dass der K�nigliche Hof
durch den Generaladjutanten Grafen von Taubenheim, die K�nigliche
Regierung durch mehrere Minister, die Bezirks- und st�dtischen,
weltlichen und geistlichen Beh�rden vertreten waren, war unter den
bestehenden Verh�ltnissen in unserer schw�bischen Hauptstadt nicht
anders zu erwarten. Wenn Seine Majest�t der K�nig dem Geistlichen der israelitischen
Gemeinde, dem Kirchenrat Dr. Maier und dem Kirchenvorsteher Dr.
Adolph Levi durch den Herrn Grafen von Taubenheim seinen Dank
und seine Anerkennung ausdr�cken lie�, so ist dieses ein Akt der
Courtoisie, der wohl anderw�rts Bewunderung erregen kann, bei uns aber
bei dem greisen Ritter ohne Furcht und Tadel so nat�rlich gefunden
wird, dass wir es f�glich unterlassen, es als etwas Au�erordentliches
darzustellen. Was die Israeliten W�rttembergs ihrem K�nige zu verdanken
haben, das dr�ckt ein Toast des Kirchenrats Dr. Maier beim
Synagogeneinweihungsfestmahle in sehr beredten Worten aus. wir lassen den
Trinkspruch hier folgen:
Von Augustus r�hmt die Geschichte, dass er das h�lzerne Rom, welches er
angetreten, seinem Nachfolger als ein steinernes hinterlassen habe.
Ein �hnliches kann sich unser K�nig r�hmen. Aus Stuttgart, das, als er
zum Throne gelangte, eine kleine Stadt mit meist h�lzernen H�usern war,
ist unter seiner Regierung eine gro�e Stadt mit monumentalen Geb�uden
geworden, die mit den sch�nsten und gr��ten anderer St�dte wetteifern
k�nnen. Unter den Baudenkmalen, welche unter der Herrschaft dieses
K�nigs entstanden sind, wird das Haus, dessen Weihefest uns hier beim
heiteren Mahle vereinigt, zu allen Zeiten eine hervorragende Stelle
einnehmen. Nun ist zwar unsere Synagoge nicht auf Gehei� des K�nigs,
sondern auf Befehl des K�nigs aller K�nige entstanden; allein so ganz
ohne Einfluss ist unser geliebter K�nig doch nicht darauf geblieben. Zur
Entstehung einer solchen Synagoge war vor allen Dingen unbeschr�nkte
Gewissensfreiheit n�tig, d.h. das Recht, nicht nur die Religion
ungehindert auszu�ben, sondern auch alle Anstalten errichten zu d�rfen,
welche die Pflege und die Ehre derselben erfordert. Diese
Gewissensfreiheit verdanken wir aber unserm hochverehrten K�nige, welcher
der Erste unter Deutschlands F�rsten die israelitische Kirche zum Range
einer Staatskirche erhob und ihr alle Rechte und Befugnisse der �brigen
im Staate bestehenden Kirchen einr�umte. Aber nicht nur die
Gewissensfreiheit war n�tig, wenn eine solche Synagoge entstehen sollte,
sondern auch die Gewerbefreiheit, das Recht, jeden ordentlichen Berufe und
jedes redliche Gewerbe, an jedem Orte des Landes treiben zu d�rfen.
Diesem Rechte verdankte die hiesige Gemeinde die numerische Gr��e und
den Wohlstand, der es ihr m�glich machte, ein solches Gotteshaus erbauen
zu lassen. Bei den gewerblichen Beschr�nkungen, wie sie fr�her
bestanden, w�re ihr ein solcher Aufwand unm�glich gewesen. Ist es aber
nicht unser K�nig, der auch diese Freiheit uns gew�hrte? Sie sehen,
meine verehrten Festgenossen, dass unser K�nig ein volles Recht sich
erworben und wir die volle Pflicht haben, dass wir heute Seiner in Liebe
und Verehrung gedenken und auf H�chstdessen Leben und Gesundheit ein
volles Glas leeren. Seine Majest�t, der K�nig, lebe hoch!
Wenn der Redner den Aufschwung der Stuttgarter israelitischen Gemeinde
nicht allein der Gewissens-, sondern der Gewerbefreiheit und dem Freiz�gigkeitsrechte
zuschreibt, so hat er vollst�ndig Recht, denn am Ausgang des vorigen
Jahrhunderts hatte noch kein Israelit das Niederlassungsrecht in Stuttgart
und wenn Einer auch die Aufenthaltserlaubnis bekam, so durfte doch kein
j�disch-religi�ser Kausalfall, wie Trauungen, Beschneidungen etc.
dort vorgenommen werden. Der kaiserlich k�nigliche Rath Jakob Kaulla mit
Familie war der Erste der vom K�nig Friedrich das Stuttgarter
B�rgerrecht im Gnadenwege erhielt. Anders haben sich die Verh�ltnisse
mit dem Regierungsantritte des K�nigs Wilhelm gestaltet. Die numerische
Gr��e und ihren Wohlstand hat die Stuttgarter israelitische Gemeinde nur
der weisen Gesetzgebung ihres Landesherrn zu danken; den Zunftzopf und
Spie�b�rgertum str�ubten sich stets gegen die Gleichstellung der Juden.
Die guten St�dte - die St�dter erster Klasse werden nach
altschw�bischem Brauch gute St�dte genannt - machten prinzipiell
gegen jede Aufnahme ausw�rtiger Juden Opposition und dieselbe musste
stets auf dem Rekurswege durch das K�nigliche Oberamt, oder die
K�nigliche Regierung erzwungen werden. Es liefert das den Beweis, dass,
wenn auch das Gesetz f�r die Juden sprach, so war das B�rgertum doch
gegen sie. Anders hat jetzt die Sache sich gestaltet. Die Stuttgarter
b�rgerlichen Kollegien, ausgezeichnet durch die Intelligenz und den
Besitzstand ihrer Chargierten, haben eine so freudige Teilnahme bei der
Synagogeneinweihung bewiesen und ihre b�rgerfreundlichen Gesinnungen
gegen ihre israelitischen Gemeindegenossen in einem Schreiben an den
Kirchenrat Maier, als Vorsitzenden des israelitischen
Kirchenvorsteheramtes, niedergelegt, welche Sie bereits in No. 23 dieses
Blattes mitteilten. |
Dass
zu diesen sch�nen Anerkennungen, die dem j�dischen Kultus und seinen
Bekennern zuteil geworden, die Predigten des Rabbinen und die neue
Gebetordnung wesentlich beigetragen haben, darf nicht verkannt werden. Die
drei Reden, die zum Abschiede aus der alten und zur Einweihung der
neuen Synagoge in Stuttgart von Kirchenrat Rabbiner Dr.
Maier gehalten worden, sind soeben unter dem Titel: 'Die Synagoge'
im Metzler'schen Verlage erschienen. Diese homiletische Kundgebung ist
eine sch�ne Trilogie. Die erste Rede, am Sabbat Achre den 20. April 1861
beim Abschied aus der alten Synagoge gehalten, ist ein sch�nes 'Lebewohl'
an das alte Gotteshaus, und die Textesworte 2. Mose 20: 'An jeglichem
Orte, wo man meines Namens gedenken wir, will ich zu Dir kommen und Dich
segnen', legen dar, dass nicht der Ort den Menschen, sondern der Mensch
den Ort heiligt. Haus, Werk- und Berufsst�tte, Vergn�gungsplatz und
Tempel werden durch des Menschen Wandel geheiligt, und dann wird Gott an
jeglichem Orte, wo wir seines Namens gedenken, uns segnen. - Die zweite
Rede bei der Einweihung der neuen Synagoge am Vorabende des Sabbats Behar
den 3. Mai 1861 hat zum Texte Haggai 2,9: 'Gr��er wird sein die Ehre
dieses zweiten Hauses als die des ersten etc.' Der Text wird zuerst in
seiner geschichtlichen Bedeutung behandelt und eine Parallele zwischen Einst
und Jetzt gezogen und die Freiheit des Kultus gegen den fr�heren
Druck dankend ger�hmt. Die Bestimmung des Hauses, ein Bethaus, in dem das
ganze Leben im Lichte der Religion verkl�rt wird. Ein Friedenshaus,
Friede dem Herzen, in der S�ndennot, in der Drangsal des Lebens; Friede
dem Hause, wenn Zwietracht drinnen waltet; es bringt Friede unter
Nachbarn und B�rgern, Friede dem Nebenmenschen, Friede mit Gott. -
Die dritte Rede beim Fr�hgottesdienst desselben Sabbats spricht von der rechten
Liebe zum Gotteshaus, Text Psalm 26,8. Der neue Kultus mit deutschen
Gesang und zeitgem��en �nderungen in der Gebetordnung wird
gerechtfertig; Heiligung des Sabbats und Liebe zum Gotteshaus m�ssen Hand
in Hand gehen, dann wird das Haus Gottes Sitz f�r die Dauer der Zeiten.
Gotteshaus und Lehrhaus erg�nzen sich gegenseitig, die Schule ist der
Vorhof der Synagoge, doch nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern die
Tat. - Wir haben hier nur abrupte Gedanken gegeben, und
verst�mmeln dadurch das herrliche rhetorische Meisterwerk, das von echt
j�dischem Geist beseelt, Bibel und j�dische Sentenzen fromm und sinnig
unterlegt und paraphrasiert. Den rechten Eindruck wird man aus der Schrift
selbst gewinnen. -
Herr Kirchenrat Maier, das theologische Mitglied unserer israelitischen Oberkirchenbeh�rde,
sagt ebenso sch�n als wahr: die Schule sei der Vorhof zur Synagoge: warum
fehlt aber in W�rttemberg jede Gelegenheit zur Vorbildung f�r das
rabbinische Wissen? Sollte in Stuttgart nicht von Amtswegen daf�r gesorgt
werden, dass Gymnasiasten, die mosaische Theologie studieren wollen, auch
j�disches Wissen sich aneignen k�nnen? - Dem vielbesch�ftigten Rabbinen
Stuttgarts wird es nicht m�glich sein, solchen Unterricht zu erteilen,
aber doch k�nnte eine passende Pers�nlichkeit dazu gefunden werden, die
aus Mitteln der K�niglichen Zentralkirchenkasse bezahlt, amtlich
verpflichtet w�rde, t�glich jungen Rabbinatskandidaten Unterricht im
rabbinischen Wissen zu erteilen. Wir kennen mehrere F�lle, in welchen
jungen Theologie-Kandidaten das Studium aus Mangel an Unterricht in
rabbinischem Wissen entleidet wurde und sie es verlie�en. Ob was damit
gedient ist, wenn die Oberkirchenbeh�rde ihre Rabbinen fertig aus dem
Auslande rekrutiert, wird die Folge lehren. - Ein weiteres 'ceterum censeo'
ist es, dass f�r unsere israelitischen Volksschulen f�r gleichm��ige
j�dische Schulb�cher gesorgt werde. Was hebr�ische Bibeln betrifft, so
wird die hebr�ische Bibel aus der von Philippson gegr�ndeten
Bibelanstalt abzuwarten sein und w�re nur eine gr��ere Beteiligung von
Seiten unserer Stuttgarter Gemeinde bei der Anstalt*) zu w�nschen. Wenn
die Bibelanstalt einmal ins Leben getreten ist, w�re vielleicht f�r die
unentgeltliche Verabreichung von Bibeln an arme Sch�ler eine j�hrliche
Subvention von Seiten der K�niglichen Zentralkirchenkasse zu erzielen.
Aber eine Kalamit�t ist es mit den Gebetb�chern; da nun die K�nigliche
Oberkirchenbeh�rde das Maier'sche Gebetbuch approbiert und in Stuttgart
eingef�hrt hat, so ist dasselbe das Gebetbuch der Zukunft f�r ganz
W�rttemberg. In richtiger Konsequenz sollte es nun in den Schulen
eingef�hrt werden, besonders da es zugleich Gesangbuch ist..."
|
Kritische Artikel zur Stuttgarter Synagoge und dem von Rabbiner Dr. Maier
gepr�gten liberalen Judentum
"Stuttgart und Jerusalem"
(1862)
Anmerkung: der Beitrag ist von Eliahu Raphael Rosenbaum aus Zell
am Main, einem der einflussreichsten Vertreter der W�rzburger /
unterfr�nkischen j�dischen Orthodoxie geschrieben. Vgl. den Bericht
zu seinem Tod 1886. Rosenbaum war einer der Hauptinitiatoren, dass sich in
W�rttemberg die Orthodoxie zu organisieren begann und schlie�lich auch in
Stuttgart eine orthodoxe israelitische Religionsgesellschaft entstand. Zitat aus
dem Artikel zu seinem Tod von 1886: Rosenbaum "hatte vielleicht damit den Impuls gegeben f�r die im Dezember des
Jahres 1869 stattgefundene Delegiertenversammlung zu Stuttgart, durch
welche, wenn auch nicht gerade Abhilfe geschaffen, wenigstens diese Zust�nde
durch geeignete Organe der k�niglichen Regierung zu Kenntnis gebracht
wurden und das echte Judentum in beredten Worten (durch den Delegierten f�r
Mergentheim, Ludwig Stern) seine Vertretung fand. Es hat sich seitdem auch
in dem von dem ehemaligen Oberkirchenamt bezeichneten �modernen
Jerusalem� eine orthodoxe Gemeinde in Stuttgart gebildet."
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10.
Dezember 1862: "Stuttgart und Jerusalem.
W�rzburg, den 3. Dezember. Sie werden sich, geehrtester Herr
Redakteur, gleich den gesch�tzten Lesern dieses Blattes, �ber diese
Aufschrift wundern, staunen aber werden Sie, wenn Sie die Veranlassung derselben
erfahren. Der Oberkirchenrat, Herr Dr. Maier, sprach am Schlusse seiner
Einweihungsrede in der Stuttgarter Synagoge, die denkw�rdigen
Worte:
'Stuttgart unser Jerusalem.'
In Nr. 29 dieser Bl�tter wurde von der Tauber berichtet wie es in ganz
W�rttemberg mit der Schechita aussehe, und wie es in Stuttgart bei
Strafe verboten sei, Talit und Tephillin beim Gebete anzulegen, sodass die
wenigen, f�r welche die hohe Wichtigkeit dieser Mizwot besteht, gezwungen
sind, die Synagoge zu meiden. Ebenso ist in Stuttgart nicht einmal eine
Mikwah vorhanden. Von Seite der Redaktion wurde hierzu bemerkt: Ist ein
solches Haus, wo Tephillin verboten sind, noch eine Synagoge? Sind
diejenigen, welche solche Verordnungen erlassen, noch Juden? |
Wo,
geehrtester Herr Redakteur, kommt nun Ihre erste Frage hin? Ist Stuttgart
Jerusalem, so muss doch der dortige Tempel mehr als eine Synagoge sein, er
muss auch die Stelle des Beth Hamidrasch (Tempel) vertreten.
Umsonst wandertest du drei Tage, Stammvater Abraham, bis du zu dem von
Gott erw�hlten Heiligtume, bis du zu dem Berge Morijah gelangtest;
umsonst besiegeltest du, Erzvater Jizchak, durch deine
Opferbereitwilligkeit die erhabene Heiligkeit dieser Stelle; umsonst Vater
Jakob, zwangen dich heilige Schauer, diese St�tte zu verlassen, umsonst
lehrte dich diese heilige Scheu sprechen: 'Diese Stelle ist nichts anderes
als das Gotteshaus, und hier ist das Tor des Himmels; alles umsonst, denn
Stuttgart ist ja unser Jerusalem!
Es d�rfen nicht mehr erklingen die traurigen T�ne der Leier des
Psalmisten �ber den Verlust Jerusalems und des heiligen Tempels;
verstimmen muss unserer Klage Lied 'An den B�chen Babels sa�en wir und
weinten ob der Herrlichkeit, die wir verloren'; denn in Stuttgarts Tempel
�bert�nt alle Samstag der Orgel Gebrause die einfache Leier und �bt
eine solche Kraft aus, dass die And�chtigen erst nach ihrer Andacht, fast
alle, ihre L�den �ffnen.
Arme Glaubensgenossen W�rttembergs! Wohin soll dies f�hren, wenn ein
Mann alle religi�sen Anordnungen in H�nden hat, welcher sich nicht
scheut, �ffentlich die erwartete Ankunft des Erl�sers zu leugnen, dessen
Trachten mehr als das aller Mission�re, dahin geht, systematisch die
Grundpfeiler des Judentums zu ersch�ttern, zu zerst�ren? Ein Mann,
welcher durch Gestattung des Wannenbades auch im ganzen Lande daf�r sorgen
will, dass alle Kinder Benei ... (?) seien! Bei solch traurigen
Vorkommnissen glaube ich, dass es endlich doch Zeit sei, den
Glaubensbr�dern in W�rttemberg zu zeigen, welcher Autorit�t sie solche
das Judentum vernichtenden Anordnungen zu danken haben. Sie erlie�en bei
der bekannten ..-Angelegenheit von Amerika einen Aufruf an die
Hochw�rdigen Herren Rabbiner und protestierten feierlichst gegen einen beabsichtigten
Eingriff in die heilige Religion, und mehr als hundert Herren Rabbiner
haben bereitwillig ihre Beistimmung dazu gegeben. W�re eine �hnliche
Protestation nicht auch hier geboten? Freilich h�re ich Sie antworten,
dass wenn man damit anfangen wollte, so k�nnte man das ganze Jahr und
allenthalben protestieren; allein dem ist nicht ganz so; hier handelt es
sich nicht um eine Gemeinde, sondern um ein ganzes Land.
Die hohe K�nigliche Regierung W�rttemberg ist vom besten Geiste beseelt,
sie war von jeher bestrebt, nur Gutes f�r die israelitischen B�rger zu
stiften, und glaubt sicher, dass die religi�sen Verh�ltnisse in die
beste Hand gegeben seien. W�rde nun aber ein solcher |
Protest
zustande kommen, so d�rfte sowohl die hohe k�nigliche Regierung als auch
das j�dische Publikum endlich einmal �ber die wahre Sachlage belehrt und
jedenfalls ab�ndernde Verh�ltnisse angebahnt werden. Doch nicht
verwitwet ist Israel (Jeremia 51,5), es bedarf nur einer kr�ftigen
Unterst�tzung und die irregef�hrten Glaubensbr�der in W�rttemberg
werden zur�ckkehren und sich scharen um das Banner der heiligen Religion
unserer V�ter, die wir mit unserem Herzblute in fast 1800-j�hrigem Exile
bis auf den heutigen Tage bewahrten; sie werden sich nicht vom Judentum
lostrennen wollen und Stuttgart als ihre Zukunft, als ihr Jerusalem sich
oktroyieren lassen; sie werden wohl patriotische W�rttemberger sein, ohne
ihre Nationalit�t sich rauben zu lassen, sowie der Grieche guter B�rger
seines Niederlassungsortes sein, und doch feurig an der Realisierung
seiner Nationalit�t h�ngen kann.
Ich bin mir wohl der schwierigen Aufgabe bewusst und sage auch nicht nehmt
meine Meinung an, blo� die Sache anzuregen f�hle ich mich
verpflichtet, damit solche allgemein in ernste Erw�gung gezogen werde. E.
R. Rosenbaum". |
Leserbrief: in der Stuttgarter Synagoge kann das
Tephillin-Gebot nicht mehr eingehalten werden
(1863)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
17. Juni 1863: |
Einbruch in der Synagoge (1869)
Anmerkung: auch die einfache Meldung des Einbruchs in die Synagoge in
Stuttgart wird in der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der
Israelit" mit einer scharfen Polemik gegen die liberale Stuttgarter
Gemeinde erg�nzt.
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4.
August 1869: "Stuttgart, 6. Juli (1869). Samstag
nachts wurde der Opferstock in der Synagoge dahier erbrochen und
seines Inhaltes beraubt. Andererseits wird behauptet, die Diebe haben
mittelst Leimst�bchen das Geld herausgefischt. Wie man h�rt, soll man
die beiden Schwarzk�nstler bereits haben. Da �brigens dieses Gotteshaus
fast nur an Sabbat- und Festtagen und auch an ersteren nur sp�rlich
besucht wird, so kann der Inhalt des Opferstocks nur klein gewesen, oder
es muss der Fall denkbar sein, dass die Synagogenbesucher auch an Sabbat
und Festtagen Geld in die B�chse werden, dann bew�hren sich die
Prophetenworte in den Haftarot der jetzigen Nationaltrauer: 'Wie
ein Dieb besch�mt ist, wenn er betroffen wird, so ist besch�mt das Haus
Israel (Jeremia 2,26); Bringet nicht mehr Gabe der L�ge!
(Jesaja 1,13); Ihr Herren Sedoms (Jesaja 1,10), Eure Feste
hasset meine Seele (Jesaja 1,14), Dein Silber ist zu Schlacken
geworden (Jesaja 1,22), Ich l�utere wie Lauge deine Schlacken und
schaffe fort all deinen Beisatz (Jesaja 1,25), Nachher wird dir
zugerufen: treue Stadt (Jesaja 1,26)" |
Kritischer Bericht �ber einen Besuch in der Synagoge
in Stuttgart (1871)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13.
September 1871: "Aus Bad Teinach bei Calw, im August
(1871, W�rttemberg). An einem der j�ngsten Sabbate war es, - wir glauben
Paraschat Ki teze - als Schreiber dieses (Artikels) auf seiner
Durchreise durch Stuttgart die dortige Synagoge besuchte, nicht etwa, um
dort seine Andacht zu verrichten (denn dies war ihm nach seinen fr�heren
Erfahrungen in anderen Reform-'Synagogen' zum Voraus als unm�glich
erschienen), sondern um sich pers�nlich davon zu �berzeugen, ob auch in
Stuttgart der Synagogenbesuch ebenso schwach sei, wie in anderen
Reformgemeinden, oder ob vielleicht Stuttgart besser als sein Ruf; wir
fanden, was wir gef�rchtet oder erwartet hatten: eine verschwindende
Anzahl von talislosen Besuchern und auf der 'Loge' (Empore) einen Kranz
von 'sonnt�glich' - wir wollten sagen - sabbatlich geputzten Damen, die
mir der gleichg�ltigsten Miene dem Orgeltone lauschten, sich nach dem
Kommando von Maier's Gebetbuch erhoben |
und
setzten, im �brigen aber sich brav ruhig und still verhielten; da und
dort erblickten wir, gleichsam zu Erinnerung, dass wir uns in einem
j�dischen Tempel befanden, einen mit wirklicher Andacht betenden Mann,
der, unbeirrt von dem Rauschen der Orgel und dem Gleichklang des
Chorgesangs, stehend und mit jenem spezifisch j�dischen 'Sch�tteln' - alle
meine Gebeine werden sprechen: Ewiger, wer ist gleich dir? (Psalm
35,10) - seine Tephillah (Gebet) verrichtete. Nach dem Einheben und dem
Absingen eines 'Chorals' bestieg Kirchenrat Dr. Maier die Kanzel und hielt
eine Rede, in welcher er ankn�pfend an den inneren Zusammenhang der drei
ersten Abschnitte der Sidre (Wochenabschnitt der Tora) den
Ausspruch des ... als Text ben�tzte und ihn durch mannigfache Beispiele
sch�n exemplifizierte. Uns war nur leid, dass nicht die j�dische
Teinacher Badegesellschaft, die gr��tenteils aus Stuttgartern besteht,
zugegen war; sie h�tte n sich vielleicht sonst ihres Gebarens im Bade
Teinach, einem christlichen Dorfe erinnert und w�ren nachdenklich
geworden wegen des gro�en sittlichen Zerfalls, der begonnen hat mit
kleinen �bertretungen der Gebote Gottes, dann fortgeschritten ist in der
v�lligen Missachtung des j�dischen Gesetzes und bereits so sehr jedes
religi�se Gef�hl ausgemerkt hat, dass diese Stuttgarter Juden bereits
aufgeh�rt haben, ihre Glaubensgenossen als Mitmenschen zu betrachten;
denn wo in aller Welt hat man schon geh�rt, dass ein Jude, der zu einem
Sterbenden gerufen wird, sich weigert, diese Liebespflicht zu erf�llen?
Und dies ist geschehen im Bade Teinach. Diese Erfahrung musste ein
Elternpaar aus Freudental machen, deren Tochter im Bade Teinach
ihrem Leiden erlegen ist. Beim Verscheiden derselben sahen sich die
ungl�cklichen Eltern nach den im Bade anwesenden Juden um und lie�en sie
rufen, damit diese mit ihnen gemeinschaftlich die Sterbegebete
verrichteten; es waren Juden da aus Stuttgart, Frankfurt, Mannheim
etc. - aber, m�gen sie nun ihre Nerven haben schonen wollen oder aus
irgendwelchem anderen Grunde, es erschien keiner, und so waren die Eltern
allein mit ihrer sterbenden Tochter, die in einem christlichen
Hause krank gelegen hatte. Eigent�mlich ist es, dass der Vater des
verstorbenen M�dchens selbst zu den Reformjuden z�hlt; m�ge er und
alle, die sich einen Ruhm daraus machen, diesen Namen zu tragen, an diesem
Falle erkennen, wohin diese Reformsucht f�hrt - zur vollst�ndigen
Apathie gegen alles G�ttliche und Menschliche; wo die Juden bisher
zusammenwohnten, getreu dem alten Gesetz und der alten Sitte, bildeten sie
gewisserma�en eine Familie, deren Glieder Freud' und Leid
miteinander teilten und in Ungl�cksf�llen sich hilfreich gegenseitig
unterst�tzten und dies taten sie nicht aus menschlichen
Nebenr�cksichten, sondern weil Wohlt�tigkeit ein g�ttliches Gebot
ist; erst wenn diese Familienbande sich l�sen w�rden, wurden wir in
Wahrheit im Exil leben, dann erst w�rde die Diaspora unertr�glich
werden und den bestand des Judentums wesentlich in Frage stellen. Hoffen
wir, dass dieser Fall vereinzelt bleiben m�ge; denn sonst m�sste der
fromme Jude, ehe er ins Bad reist, neben den R�cksichten auf den Erfolg
der Kur, auch darauf sehen, ob er dort Glaubensgenossen trifft, die
eintretenden Falls zu Liebesdiensten bereit sind, und es g�be dann eine
neue Kategorie von B�dern, 'orthodoxe' und 'Reformb�der'; oder man
m�sste j�dische Feldbadgeistliche aufstellen, die dem allj�hrlichen
Heereszuge der badelustigen Judenheit mit in den Kampf folgen und den
Kranken und Sterbenden erforderlichenfalls zur Seite
stehen." |
25-j�hriges Jubil�um der Synagoge
(1886)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Juni
1886: "Stuttgart, 15. Mai (1886). Der 'Staatsanzeiger f�r
W�rttemberg berichtet: 'Die Feier des 25-j�hrigen Jubil�ums der
hiesigen Synagoge begann gestern mit dem Abendgottesdienste. Nach einem
einleitenden Gebete spielte Organist Fink eine Fantasie und lie�
dabei die sch�nen Klangwirkungen und die Machtf�lle des Weigle'schen
Werkes hervortreten. Die rituellen Ges�nge am Altar wurden von dem Kantor
Tannenbaum aus Karlsbad ausgef�hrt. Heute Vormittag 9 Uhr fand der
eigentliche Festgottesdienst in der mit Palmen und Lorbeerb�umen aufs
reichste dekorierten Synagoge statt, die in Hunderten von Lichtern
strahlte. Der Synagogenchor er�ffnete die Feier mit einer Festmotette von
Abenheim, die rituellen Ges�nge f�hrte Kantor Gundelfinger aus, die
Festpredigt hielt um 10 Uhr Dr. von Wassermann. Heute Abend finden
sich die Mitglieder des Kirchenvorsteheramtes bei einem gemeinsamen Mahle
im Hotel Degginger zusammen." |
Trauergottesdienst f�r den verstorbenen K�nig Karl
(1891)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
14. Oktober 1891: |
Wie schnell die Stuttgarter Gemeinde auch in der 2. H�lfte des 19.
Jahrhunderts gewachsen ist, zeigt die Tatsache, dass die Synagoge in der
Hospitalstrasse bereits 1875 nicht mehr f�r die Gemeinde ausreichte. Der
Gedanke eines Umbaus wurde erwogen und zu diesem Zweck eine Reihe Nachbargrundst�cke
erworben. Als Notbehelf wurden seit 1894 an den Hohen Festtagen (Neujahrstag und
Vers�hnungstag) Zweitgottesdienste im Festsaal des
K�nigsbaus (K�nigstra�e 28), einige Jahre sp�ter im 1910-12
erbauten Gustav-Siegle-Haus (Leonhardsplatz 28) eingerichtet. Noch im
Herbst 1938 wurden auch am letztgenannten Ort zu den Hohen Feiertagen
Gottesdienste gefeiert. Die Rabbiner der Stadt teilten sich dabei die
Gottesdienste auf. Beispielsweise predigte am 1. Neujahrstag, 10. September 1934
in der Stadtsynagoge Rabbiner Dr. Rieger, im Gustav-Siegle-Haus Rabbiner Dr.
Auerbach, am 2. Neujahrstag war es umgekehrt.
Bei den immer wieder notwendigen Renovierungen der Synagoge verursachte der
sp�tere Einbau einer Heizungsanlage gr��ere Schwierigkeiten, bis 1911 eine
technisch befriedigende L�sung gefunden wurde. Auch die Beleuchtung des Geb�udes
veranlasste mancherlei Sorgen, bis 1899 die Einrichtung der elektrischen
Beleuchtung durchgef�hrt wurde.
Feier zum 50-j�hrigen Bestehen der Synagoge (1912)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 19. Januar 1912: |
Patriotischer Kriegsgottesdienst in der Synagoge
(1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. M�rz
1917: "Aus Stuttgart, 13. Februar, berichtet der 'Schw�bische
Merkur': Ein besonderer Kriegsgottesdienst fand am Sonntagabend statt. Die
kraftvolle Predigt hielt Oberkirchenrat Dr. Kroner. Der Organist
Mammel, der die neue Orgel mit tiefem Kunstverst�ndnis meistert, schuf in
ergreifendem Vorspiel wehmutsvolle Stimmung, und der Chor brachte unter
glanzvoller Mitwirkung von Fr�ulein Elise Zwicky das von seinem
Dirigenten Kantor Tennebaum komponierte 'Es toben die V�lker' sowie das
altniederl�ndische Volkslied 'Wir treten zum Beten' ergreifend zum Vortrag.
Gebet f�r die Verstorbenen schloss den Gottesdienst. Die Spenden f�r
Kriegshilfe flossen reichlich." |
Einbruch in der Synagoge (1921)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni
1921: "Stuttgart, 12. Juni (1921). In der Nacht zum 12.
Juni ist in der Synagoge zu Stuttgart eingebrochen worden. Es wurden die
silbernen Garnituren zu den Torarollen gestohlen, bestehend aus Schild,
Zeiger und Aufsatzst�cke. Vor Ankauf der genannten Gegenst�nde werden
alle in Betracht kommenden Kreise gewarnt." |
Einweihung des Ehrenmales f�r die Gefallenen im
Ersten Weltkrieg in der Synagoge (1922)
Artikel
in der "J�disch-liberalen Zeitung" vom 4. August
1922: "Stuttgart. Enth�llungsfeier einer
Ged�chtnistafel. In der hiesigen Synagoge fand Sonntag eine
schlichte, ergreifende Feier statt. Sie galt den im Weltkriege gefallenen
92 S�hnen der Stuttgarter israelitischen Gemeinde, deren Andenken man
durch Errichtung einer Gedenktafel ehren will. Eine stattliche Versammlung
hatte sich hierzu eingefunden. Als Ehreng�ste waren erschienen: Staatspr�sident
Dr. Hieber, Generalleutnant Reinhardt, Oberb�rgermeister Dr.
Lautenschlager und viele andere hohe Beamten. Die israelitische
Oberkirchenbeh�rde und das Kirchenvorsteheramt waren nahezu vollst�ndig
vertreten. Die and�chtige Gemeinde f�llte die Synagoge bis auf den
letzten Platz. Der Ehrendienst wurde von Mitgliedern des Bundes j�discher
Frontsoldaten gestellt. Die Feier wurde mit einem weihevollen Psalm
eingeleitet. Hieran schloss sich die Enth�llung der Gedenktafel durch
Stadtrabbiner Dr. Rieger. Dieser hielt auch die Weiherede, in der er ausf�hrte:
Die Tafel an der Wand lehrt uns den doppelten Idealismus, den Glauben an
das Vaterland und an das Bekenntnis der V�ter. In den gro�en Kriegen
haben die deutschen Juden ihr Herzblut geopfert, deutsche Ehre wie ihre
eigene Ehre, deutsche Schmach wie ihre eigene Schmach empfunden, und doch
sei der L�stermund so vieler nicht verstummt. Der deutsche Jude sei
seinem Vaterlande treu mit der gleichen Treue, die er Jahrtausende seinem
Glaubensbekenntnisse wahrte. In der Stunde der gemeinsamen Not reichten
sich alle Deutsche, hoch und niedrig, arm und reich, ohne R�cksicht auf
Religion und Partei, die H�nde zur Brudergemeinschaft, nun lodert neuer Hass,
lebt neuer Zwist auf. Die Tafel an der Wand soll mahnen.: Glaubt an das
Gro�e, glaubt an den endlichen Frieden inmitten der Volksgemeinschaft.
Mit den rituellen Gebeten und erhebendem Schlussgesang schloss die von
tiefster Weihe erf�llte Feier. Die Gedenktafel, von Architekt Ritter von
Graf entworfen und von Bildhauermeister Josef Zeitler ausgef�hrt, tr�gt
den dem Liede Davids auf den Tod Sauls und Jonathans entnommenen Spruch:
'Wie sind die Helden gefallen.' F�rs Vaterland, 1914-1918 und auf drei
durch S�ulen geschiedene Platten die Namen der Gefallenen. Gekr�nt wird
die Tafel durch die stilisierte, von zwei L�wen flankierte Davidskrone
und Davidestern. In seiner Einfachheit macht das Ehrenmal einen w�rdigen Eindruck."
|
W�hrend �ber mehrere Jahrzehnte zu den Gottesdiensten an den hohen Feiertagen die Synagoge nicht
ausreichte, konnten die Werktagsgottesdienste in einem im Gemeindehaus
Hospitalstrasse 34 eingerichteten Betsaal abgehalten werden. 1936/38 waren in
diesem Betsaal die Gottesdienste der Israelitischen Religionsgesellschaft (siehe
unten). Nach deren Auszug im Juni 1938 konnte dieser Betsaal renoviert und
einige B�nke neu angeschafft werden. Er wurde nun wieder f�r den t�glichen
Gottesdienst der Gemeinde genutzt. Da dieser Betsaal im November 1938 nicht
zerst�rt wurde, konnten in ihm noch bis 1943 Gottesdienste stattfinden. 1944
wurde das Gemeindehaus bei einem Bombenangriff v�llig zerst�rt.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge in der Hospitalstra�e
bereits um 3 Uhr in der Fr�he des 10. November angez�ndet. Eine Stunde zuvor
war von SA-Leuten in Zivil und anderen Nationalsozialisten das Synagogentor
gewaltsam aufgebrochen worden. Im Inneren sind nach einem Augenzeugenbericht
mehrere B�nke �bereinandergeschichtet, mit Benzin �bergossen und angez�ndet
worden. Bei der Brandstiftung war die Feuerwehr bereits anwesend, m�glicherweise
waren Feuerwehrleute an der aktiven Brandstiftung beteilt. Die Feuerwehr beschr�nkte
sich auf einen Schutz der Nachbargeb�ude und konnte, nachdem die Synagoge
ausgebrannt und die Ruine gel�scht war, bereits gegen 5 Uhr unter Zur�cklassen
einer Brandwache abr�cken. Die Synagoge musste wenige Tage sp�ter abgebrochen
werden. Unter der Leitung des Architekten Ernst Guggenheimer verrichteten 15
Juden, die man aus Konzentrationslagern geholt hatte, dieses zugleich gef�hrliche
und bedr�ckende Gesch�ft. Die Abbruchsteine der Synagoge wurden an Weing�rtner
aus dem Remstal zum Bau von Weinbergmauern verkauft. Den Gelderl�s strich die
Gestapo ein. Von der Synagoge blieben nur die Gebotstafeln vom Dach des Geb�udes
und das Gefallenendenkmal erhalten, die in der 1952 erbauten Synagoge
aufgestellt wurden.
Die Ereignisse beim Novemberpogrom
1938 -
Bericht im "Stuttgarter Wochenblatt" vom 22. Oktober 2008 �ber einen
Vortrag von Stadtarchivar Dr. Roland M�ller (2008)
Was geschah in Stuttgart in der Reichskristallnacht? - Zum 70. Jahrestag ist ein Quellenheft vom Stadtarchiv herausgegeben.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Stuttgart und ganz Deutschland Synagogen von nationalsozialistischen Gewaltt�tern angez�ndet, j�dische Gesch�fte zerst�rt und an den darauf folgenden Tagen zahlreiche j�dische B�rger in Konzentrationslager verschleppt. Anl�sslich des 70. Jahrestags dieses Pogroms hat das Stadtarchiv Stuttgart in Zusammenarbeit mit Lehrern des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart eine Quellensammlung zu den Ereignissen um den 9. November 1938 in Stuttgart zusammengestellt und speziell f�r den Einsatz in der Schule aufbereitet.
Der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Roland M�ller, hat p�nktlich zum 70. Jahrestag ein neues Quellen- und Arbeitsheft �ber die "Reichskristallnacht" im November 1938 in Stuttgart vorgestellt. An dem Band mitgearbeitet haben die Geschichtslehrer Michael Hoffmann und Karin Winkler vom Eberhard-Ludwigs-Gymnasium sowie J�rgen Lotterer und Roland M�ller vom Stadtarchiv. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, wurden in Stuttgart und Bad Cannstatt die Synagogen von nationalsozialistischen Gewaltt�tern angez�ndet.
Dies geschah mit Billigung und aktiver Unterst�tzung der staatlichen und kommunalen Beh�rden. Auf die Zerst�rung und Pl�nderung zahlreicher j�discher Gesch�fte folgte die Verschleppung mehrerer hundert j�discher Stuttgarter B�rger in das Konzentrationslager Dachau. Roland M�ller hat den Verlauf der Reichskristallnacht in Stuttgart genau nachrecherchiert, das meiste mit Quellen aus dem Stadtarchiv: In Zivil gekleidete M�nner sperrten den Bereich um die Synagoge noch w�hrend einer Sitzung im Gaupropagandaamt ab. Gegen 2 Uhr drangen SA-Leute und vermummte Gestalten in das Verwaltungsgeb�ude der j�dischen Gemeinde und in die Synagoge ein.
Sie schichteten Holzb�nke �bereinander, �bergossen diese mit Benzin und legten Feuer. Den vom st�dtischen Branddirektor selbst alarmierten Feuerwehrleuten gebot ihr Chef, sich auf den Schutz der Nachbarschaft zu beschr�nken. Der gut informierte NS-Kurier wusste: "In Stuttgart war es gegen drei Uhr in der Fr�he, als sich der mondbeschienene Himmel von Flammenschein r�tete. Die Synagoge in der Hospitalstra�e brannte lichterloh.". Zur gleichen Zeit brannte die Cannstatter Synagoge, eine leicht brennbare Holzkonstruktion, nieder. Der Leiter der dortigen Feuerwache gestand vor Gericht die Brandstiftung. Gleichzeitig hatten kleine Gruppen, meist in R�uberzivil, mit der Zerst�rung von Ladengesch�ften in der Innenstadt begonnen.
Offenbar wurden f�r bestimmte Stra�enz�ge und Gesch�fte jeweils kleine Trupps gebildet, die systematisch nach einem einheitlichen Schema vorgingen. Ein Beispiel: Beim Cafe Haimann in der Seidenstra�e 6 schlugen zwei junge, halb vermummte M�nner die Scheiben ein und verw�steten die Auslagen. Am n�chsten Morgen sah man Schaufenster und Fenster des Cafes in Tr�mmern, Vorh�nge teilweise heruntergerissen, Geb�ck und Mobiliar lagen auf der Stra�e. Nach einem Bericht des US-Generalkonsuls waren vor allem die Gesch�fte in der K�nigstra�e und am Marktplatz demoliert. Zerst�rungen und Pl�nderungen hielten entgegen den Befehlen auch am folgenden Tag an. Im Morgengrauen des 10. November begann auf Grundlage der n�chtlichen Befehlen Heydrichs eine Verhaftungswelle.
Ziel der Verhaftungen war es, den Druck zur Flucht zu erh�hen. Viele �nderten unter dem Eindruck des Pogroms ihre Meinung und entschlossen sich zur Emigration. Die Reichspogromnacht war auch faktisch das Ende der j�dischen Gemeinde in Stuttgart. Soziale Verelendung durch Berufsverbote und viele Selbstmorde folgten. Dieser Pogrom ist ein Schl�sselereignis der Deutschen Geschichte und als Stoff in den Lehrpl�ne der weiterf�hrenden Schulen, im Gymnasium in den Klassenstufen 9, 10 und 12, verankert. Doch je weiter die Zeit voranschreitet, desto dringlicher stellt sich die Frage nach der geeigneten Form der Vermittlung an junge Menschen, die von der "Erlebnisgeneration" durch eine immer gr��ere zeitliche Kluft getrennt werden.
Geschichtslehrer Michael Hoffmann hat bei seinen Geschichtssch�lern die Erfahrung gemacht, dass gerade die Geschehnisse auf lokaler Ebene auf gro�es Interesse sto�en. Wenn der lokale Bezug da sei, seien ihre Sch�ler und auch Lehrer viel motivierter, sich mit den Geschehnissen auseinander zu setzen, hat auch Karin Winkler beobachtet. Authentische Zeugnisse eignen sich gut, die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung j�discher B�rger lebendig zu halten. Insbesondere Erlebnisberichte entfalten ihre ersch�tternde Wirkung von ganz allein. Daher hat das Stadtarchiv Stuttgart, zu dessen zentralen Aufgaben auch die historische Bildungsarbeit z�hlt, die Quellensammlung zur Reichskristallnacht in Stuttgart zusammengestellt, kommentiert und f�r den Einsatz in der Schule aufbereitet.
Der Quellenteil enth�lt zahlreiche Dokumente zur Vorgeschichte des Pogroms seit 1933, zur Inszenierung und propagandistischen Begleitung der Gewalttaten, zum eigentlichen Verlauf und zu den Folgen sowie einschl�giges Bildmaterial. Die im Stadtarchiv aufbewahrten Zeitzeugenberichte j�discher B�rger Stuttgarts, die der Verfolgung entkommen konnten, stellen hierbei die wichtigste Quellengruppe dar. Sie werden unter anderem durch amtliche Dokumente und zeitgen�ssische Pressetexte erg�nzt. Die einzelnen Kapitel sind mit unterrichtspraktischen Fragen und Arbeitsanleitungen versehen.
Das Heft ist prim�r als Arbeitsmaterial f�r Lehrer an den weiterf�hrenden Schulen Stuttgarts gedacht, ebenso f�r Menschen, die mit der Vermittlung des Themas besch�ftigt sind. Diesen kann es unentgeltlich durch das Stadtarchiv zur Verf�gung gestellt werden (Ansprechpartner J�rgen Lotterer, Telefon: 216-62 43). |
Fotos
der Synagoge Hospitalstra�e
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Architekturzeichnung der
Synagoge in Stuttgart |
Holzstich der
Synagoge
um 1890 |
Lithografie von R. Geissler,
Berlin;
rechts das Gemeindehaus |
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oben in hoher Aufl�sung |
Abbildung
oben in hoher Aufl�sung |
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Die Synagoge mit der
Apsis des Toraschreines
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Die Synagoge von der Hospitalstra�e
aus gesehen -
Zeichnung, vermutlich
nach der Fotografie rechts |
dass., vermutlich Fotovorlage
f�r die Zeichnung links
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Abbildung
oben in hoher Aufl�sung |
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Innenansichten
der Synagoge
(das Foto rechts ist undatiert - aus dem
Photo Archiv von Yad Vashem Jerusalem) |
Blick von der
Frauenempore
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Die ehemals auf dem First der
Synagoge befindlichen
Gebotstafeln -
heute in der neuen Synagoge
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Das Gefallenendenkmal f�r die aus
Stuttgart und Cannstatt
gefallenen
j�dischen Soldaten des 1. Weltkrieg -
heute in der neuen
Synagoge |
Die brennende Synagoge in der
Pogromnacht November 1938 |
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Zur Seite �ber die neue Synagoge in Stuttgart (1952) an derselben Stelle: hier
anklicken
Die
Synagogen der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft
Am 15. Juni 1878 wurde von einer Reihe toratreuer (orthodoxer) Juden die "Israelitische
Religionsgesellschaft" gegr�ndet. Ihnen war die Treue zu der von
Torageboten bestimmten Tradition wichtiger als die von der liberalen Gemeinde in
vielen Bereichen vollzogene Assimilation, vor allem im Bereich des
Gottesdienstes. Die Gr�nder der Religionsgesellschaft
waren zun�chst zehn M�nner, zu denen bald zwei weitere kamen. Zu ihrem
ersten Vorstand bestimmten sie Hermann Gutmann. Der erste Gottesdienst wurde am
Sabbat nach Schawuot (Wochenfest) 1878 in einem Betsaal in der Holzstrasse
abgehalten. Dieser erwies sich jedoch nach kurzer Zeit als zu klein, worauf ein
Betsaal in der Olgastrasse 68 bezogen wurde.
Einweihung einer von Hermann Gutmann gespendeten Torarolle im Betsaal der
Israelitischen Religionsgesellschaft (1890)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. April 1890: "Stuttgart, 22. April (1890). Es wird wohl
selten der Fall sein, dass der 'Israelit' aus unserer Stadt etwas
Erfreuliches zu berichten wei�, hat doch hier die Reform eine solche
Ausdehnung gefunden, wie kaum in einem anderen Orte Deutschlands. Wo solch
religi�se Zust�nde obwalten ist die Einweihung einer neuen Sefertora
(Torarolle) ein besonderes freudenvolles Ereignis, welches auch in
weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden verdient.
Herr Bankier Hermann Gutmann, ein echter Jehudi in des Wortes
weitester Bedeutung, lie� bei dem bekannten Sofer Gr�nebaum in Fulda
ein Sefer schreiben und vergangenen Samstag wurde dasselbe im Betsaal der
Religionsgesellschaft festlich eingeweiht. Unserem Prediger und Vors�nger
Herrn Abraham geb�hrt das Verdienst, den Gottesdienst zu einem besonders
erhebenden gestaltet zu haben; er hielt eine wohl durchdachte Rede, in
welcher er in gedr�ngter K�rze auf die Bedeutung unseres Festes hinwies
und im Namen der Gemeinde dem Spender Dank und Anerkennung aussprach. Nach
dem Gottesdienst vereinigten sich die Mitglieder bei Herrn Gutmann, wo bei
Becher, Gesang und Rede unsere Freude erneuten Ausdruck
fand.
Noch erw�hnen m�chte ich, dass die Schwester des Spenders eigenh�ndig
ein pr�chtiges M�ntelchen (Toramantel) stickte und damit eine Arbeit
leistete, dessen sich auch ein Sticker vom Fach nicht zu sch�men
h�tte.
M�ge es Herrn Gutmann verg�nnt sein, noch viele Jahre sein Interesse
f�r das Judentum zu bet�tigen." |
Spenden zur Ausstattung des Betsaales
der Israelitischen Religionsgesellschaft (1897)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. Juni 1897: "Stuttgart, 1. Juni (1897). In dem Betsaal
der israelitischen Religionsgesellschaft hier, fand vergangenen Schabbat
Paraschat Bechukotai eine erhebende Feier statt, die uns bewiesen hat,
dass auch in kleinen Gemeinden Gro�es geleistet werden kann. Anl�sslich
der Barmizwah seines Sohnes spendete Herr S. Neumann im Verein mit Herrn
H. Gutmann einen neuen, pr�chtig ausgestatteten Aron Hakodesch,
der dann in w�rdiger Weise seiner Bestimmung �bergeben wurde. Vor einer
gro�en Zahl And�chtiger hielt der der Prediger der Gesellschaft, Herr S.
Abraham, die Festrede, in beredten, feurigen Worten die W�rdigung
eines solchen Geschenks zur Heiligung des g�ttlichen Namens hervorhebend.
Ein weiterer pr�chtiger Schmuck ist das sch�ne, in kunstvoller Stickerei
ausgef�hrte Parochet (Toraschreinvorhang), ebenfalls ein Geschenk
des Herrn Neumann. Herr D. Levy bekundete gleichfalls seinen
Sinn f�r religi�ses Wohl tun durch das Spenden eines Ner tamid (ewiges
Licht). M�ge es den Herren noch lange verg�nnt sein, segensreich f�r
die Religionsgesellschaft zu wirken; sie beweisen uns, dass es in Israel
noch M�nner gibt, die ihre h�chste Befriedigung darin finden, f�r das
Gemeindewohl zu sorgen. Ehre und Dank ihnen! J.S." |
Einweihung einer neuen Torarolle im Betsaal der Israelitischen
Religionsgesellschaft (1898)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
10. M�rz 1898: "Stuttgart, 28. Februar (1898).
Vergangenen Sabbat Paraschat Terumah fand in unserer
Religionsgesellschaft eine erhebende Feier statt, die den Tag zu einem
wahrhaft festlichen gestaltete. Es galt die Einweihung eines neuen Sefer
(Torarolle), das eines der Mitglieder, Herr David Levy schreiben lie� und
das nun seiner heiligen Bestimmung �bergeben wurde. Wenn auch die
Mitgliederzahl eine beschr�nkte, ist es doch in kurzer Zeit das dritte
Mal, dass eine solche Feier stattfand, ein Beweis, wie sehr die Mitglieder
der Gesellschaft bem�ht sind, das Festhalten an unserer heiligen Religion
auf solche Weise zu bekunden, wobei keine Opfer gescheut werden, welcher
Art sie auch seien. Mit Gebet und Gesang wurde die Feier in dem festlich
geschm�ckten Betsaale eingeleitet; dann sprach der Prediger der
Religionsgesellschaft, Herr S. Abraham, in sch�n durchdachten Worten
�ber die Bedeutung des Festes an die Worte ankn�pfend: 'Diesen Tag
hat der Ewige geschaffen, lasset uns jubeln und uns freuen an ihm'
(Psalm 118,24) und weiter ausf�hrend, dass es in Israel noch M�nner
gibt, die f�r das Judentum wirken und einstehen. Wir sprechen dabei den
Wunsch aus, dass es Herrn Levy und seiner Gemahlin noch lange verg�nnt
sein m�ge, in gleichem Sinne weiter zu wirken... Am Nachmittage folgten
alle Mitglieder, Herren und Damen, einer Einladung von Herrn und Frau Levy
in das Caf� Neumann, die auch Herr Kirchenrat Dr. Kroner mit seiner
Anwesenheit beehrte. Mit wohlgelungenen Reden von Seiten des Herrn
Kirchenrats, des Vorstehers Herrn H. Gutmann und des Herrn Abraham fand
der Tag einen sch�nen, w�rdigen Abschluss. S." |
Die
Religionsgesellschaft stellte einen eigenen Lehrer an, der f�r den Unterricht, das
Vorbeten und die Schechita (koschere Schlachtung) zust�ndig war. Jahre sp�ter
hatte man auch einen eigenen Rabbiner (Dr. Ansbacher von 1919-1935, danach Dr.
Bamberger seit 1925).
Ende der 1920er-Jahre umfasste die Religionsgesellschaft
etwa 50 Familien der Stuttgarter Gemeinde. Zu keiner Zeit kam es zu einer
Trennung von der Gesamtgemeinde; die Mitglieder der Religionsgesellschaft
blieben Mitglieder der gro�en Stuttgarter Gemeinde.
Die Bets�le scheinen bis Anfang des 20. Jahrhunderts mehrfach gewechselt zu haben, als Adressen werden auch Urbanstrasse 6 und
Alexanderstrasse 52 angegeben (Zelzer), bis 1906 ein Betsaal im Erdgeschoss des Hinterhauses der Rosenstrasse
37 eingerichtet wurde (davon haben sich keine Spuren erhalten; hier ist
heute ein kleiner Spielplatz angelegt).
Erster Gottesdienst in der neuen Synagoge der
Israelitischen Religionsgesellschaft (1906)
Anmerkung: es wird sich sicher um den Betsaal im Hinterhaus der Rosenstra�e
37 handeln. Erstmals wird dieser im "Verzeichnis ... der israelitischen
Gemeinde" vom Januar 1909 genannt.
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 3. August 1906: "Stuttgart. In unserer
Religionsgesellschaft hatten wir am Schabbos Paraschat Pinchos
einen feierlichen Gottesdienst. Diese besondere Feierlichkeit galt dem
ersten Gottesdienst in dem neu gemieteten Lokale, welches von nun an als
Synagoge dienen soll. In beredten, ergreifenden Worten gab Herr Lehrer
Sulzbacher der Freude Ausdruck, dass die Religionsgesellschaft festen
Fu� fasse, wie dies aus der Vermehrung der Mitgliederzahl in j�ngster
Zeit ersichtlich sei, und sprach den Wunsch aus, dass in nicht zu ferner
Zeit der gemietete Raum einem eigenen Haus weichen
m�ge." |
Stiftung eines Almemors und eines Chanukkaleuchters
f�r den Betsaal der Israelitischen Religionsgesellschaft (1908)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17.
Dezember 1908: "Stuttgart, 12. Dezember (1908). Sie
berichteten vor kurzem von dem 30-j�hrigen Jubil�um der
Israelitischen Religionsgesellschaft. Gewisserma�en als
nachtr�gliche Jubil�umsgabe wurde unserer Gesellschaft von den
Mitgliedern, Herrn K. Ehrlich und seinen 3 S�hnen ein neuer Almemor
gestiftet. Damit wandelte sie die primitive St�tte, von der bisher das
Gotteswort verlesen wurde, in eine wahrhafte Zierde unserer kleinen
Synagoge um. Der Almemor ist in Eichenholz ausgef�hrt und wird an den
vier Ecken von prachtvollen Kandelabern �berragt. Der Familie Ehrlich,
welcher vom Vorstande eine kunstvoll ausgef�hrte Adresse �berreicht
wurde, sei auch an dieser Stelle herzlichst gedacht. - Aus demselben
Anlasse stiftete Herr Veit Merzbacher eine gro�e Chanukka-Menauroh
(Chunukka-Leuchter). Bei dieser Gelegenheit m�chten wir nicht unerw�hnt
lassen, dass sich die Israelitische Religionsgesellschaft auch in
andersdenkenden Kreisen einer immer zunehmenden Gunst und Anerkennung
erfreut. So wurden ihr in den letzten Tagen, von den Erben der fr�her in Hechingen
wohnhaften Familie Hayum eine gr��ere Stiftung
�berreicht." |
Um 1928 reichte der Betsaal in der Rosenstra�e infolge der damals wachsenden Zahl der
Mitglieder jedoch nicht mehr aus. Man plante den Erwerb eines anderen Geb�udes
zur Einrichtung eines neuen Betsaales. Im Sommer 1930 konnte
Regierungsbaumeister Dr. Bloch in der j�dischen Abteilung der Stuttgarter
Ausstellung f�r kirchliche Kunst ein Modell einer neuen Synagoge f�r die
Israelitische Religionsgesellschaft in Stuttgart pr�sentieren. Zur Ausf�hrung
eines Synagogenneubaus kam es jedoch erst 1933, als nach dem Plan von Architekt
Rasch in der Schlosserstrasse 2 "eine einfache, aber �u�erst w�rdige
Synagoge entstand, deren Ausstattung ebenso stilvoll wie anheimelnd" war
(Beschreibung in der Gemeindezeitung vom 15.2.1934). Am 3. Februar 1934 wurde
dieser Betsaal mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Die Torarollen wurden
dabei eingebracht. Rabbiner Dr. Bamberger hielt die Festpredigt in dem ansonsten
von Vorbeter Moses Zanger gehaltenen Gottesdienst. Stadtrabbiner Dr. Rieger
hielt eine Ansprache. Ein M�nner- und Knabenchor der Religionsgesellschaft
umrahmte die Feier.
Einweihung der neuen Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft
(1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
8. M�rz 1934: "Stuttgart, 28. Februar (1934). Ein lang
gehegter Wunsch der Israelitischen Religionsgesellschaft wurde mit Gottes
Hilfe am 1. Februar 1934 erf�llt. An diesem tage wurde n�mlich die
Einweihung der neuen Synagoge festlich begangen. Man kann ruhig behaupten,
es war ein Ehren- und Freudentag f�r jedes einzelne Mitglied,
insbesondere aber f�r den allseitig verehrten Rabbiner, Herrn Dr.
SImon Bamberger. Der Einweihung voraus ging eine schlichte
Abschiedsfeier im alten Lokal in der Rosenstra�e. In zu Herzen gehenden
Worten gedachte Rabbiner Dr. Bamberger vor dem Verlassen des alten
Betsaals jener braven und gottesf�rchtigen M�nner, die an dieser St�tte
gewirkt haben. Ferner dankte Rabbiner Dr. Bamberger den Mitgliedern der
Israelitischen Religionsgesellschaft f�r das ihm in so hohem Ma�e
entgegengebrachte Vertrauen. Den anwesenden G�sten kam es bei diesen
schlichten, tief bewegten Worten so recht zum Bewusstsein, was f�r ein
inniges Verh�ltnis zwischen Gemeinde und Rabbiner besteht. Anschlie�end
daran fand die Einweihung der Synagoge in der Schlosserstra�e statt. Nach
einem von Frau Zippert einstudierten und Rechnungsrat Wi�mann
dirigierten M�nner und Knabenchor wurde nach den Umg�ngen
eingehoben (sc. die Torarollen wurden eingebracht). Alsdann begr��te der
Vorsitzende der Vorsitzende der Religionsgesellschaft, Herr Abraham
Kulb, die Erschienenen, besonders die Vertreter des Israelitischen
Oberrats und die Vertreter der Israelitischen Hauptgemeinde in Stuttgart.
Der Redner dankte Rabbiner Dr. Bamberger f�r sein bisheriges
hingebungsvolles Wirken und bat ihn, auch in Zukunft der treue F�hrer der
Religionsgesellschaft zu sein. Nun richtete Dr. Bamberger tief empfundene
Worte an die Gemeinde. Seine Ausf�hrungen gipfelten an der Feststellung 'Israel
chaj' (Israel ist lebendig) und wird auch weiterleben, wenn wir alle
am Glauben unserer V�ter treu und stark festhalten werden. Herr Stadtrabbiner
Dr. Rieger sprach dann f�r den Israelitischen Oberrat und mit
besonders herzlichen Worten Herr Oskar Rothschild f�r das
Israelitische Vorsteheramt Stuttgart. Ferner sprachen noch Herr Rabbiner
Dr. Bamberger sen. (Kissingen)
und Rabbiner Dr. Neuwirth (fr�her Ichenhausen).
F�r die Israelitische Religionsgesellschaft Heilbronn �berbrachte Herr
Lehrer Flamm in gut gew�hlten, herzlichen Worten die Gl�ckw�nsche
der Israelitischen Religionsgesellschaft Heilbronn. F�r den Verein Linath
Hazedek �bermittelte David Horowitz die Gl�ckw�nsche. Ein
feierlicher Maariw-Gottesdienst mit Chorgesang beendigte die wohl
jedem in Erinnerung bleibende eindrucksvolle und w�rdige Feier. Herr
M. Zanger hat hier wiederum in hervorragender Weise, wie seit langem
ehrenamtlich als Vorbeter fungiert. M�ge auch fernerhin Gottes Segen auf
dieser neuen Gebetsst�tte der Religionsgesellschaft und auf allen, die
sich dort zum Gebet versammeln, ruhen.
Am Abend des 4. Februar vereinten sich nochmals die Mitglieder der
Religionsgesellschaft, um die Einweihung der neuen Synagoge abschlie�end
freudig zu begehen. Ansprachen mit heiteren vortr�gen wechselten ab und
schufen bald eine Atmosph�re freundlicher Gemeinsamkeit. In freudiger
Stimmung blieben so die Anwesenden noch lange
zusammen." |
Aus nicht bekannten Gr�nden konnten die Gottesdienste der
Religionsgesellschaft seit 1936/37 nicht mehr in der Schlosserstrasse gefeiert
werden. Die Religionsgesellschaft benutzte f�r etwa anderthalb Jahre hierf�r
den Betsaal im j�dischen Gemeindehaus in der Hospitalstrasse 34. 1938 wurde ein
neuer Betsaal im Haus Gartenstrasse 30 eingerichtet. Planung und
Bauleitung lag in den H�nden von Regierungsbaumeister Guggenheimer. Am 2. Juni
1938 war die feierliche Einweihung dieses Betsaales. Nach dem von Lehrer Roberg
geleiteten Mah tauwu der Knaben wurden die Torarollen in die Heilige Lade
eingebracht. Adolf Kulb hielt die Begr��ungsrede; Rabbiner Dr. Bamberger entz�ndete
das ewige Licht. Von Oberrat war Pr�sident Dr. Siegfried Gumbel erschienen. Es
schloss sich das Abendgebet an, das der Vorbeter der Religionsgesellschaft Moses
Zanger leitete.
In der Pogromnacht im November 1938 blieb dieser Betsaal unzerst�rt. Das Geb�ude
an der Ecke Gartenstrasse (heute Fritz-Elsas-Stra�e)/Hospitalstrasse wurde
jedoch im Krieg v�llig zerst�rt. Nach 1945 ist das Grundst�ck neu bebaut
worden.
Fotos
zu den Bets�len der Religionsgesellschaft
Betsaal Rosenstra�e 35/37
1906 bis 1934 |
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In der Zeit nach
dem Ersten Weltkrieg bis Anfang 1934 befand sich der Betsaal in
einem
Hintergeb�ude (ehemals auf der freien Fl�che Foto rechts) zum
Geb�ude
Rosenstra�e 35/37 (Foto links) |
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Betsaal Schlosserstra�e 2
1934 bis 1936/37
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Seit
1934 befand sich der
Betsaal der Religionsgesellschaft im Geb�ude Schlosserstra�e 2 |
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Blick auf die Fenster des
Erdgeschosses,
hinter denen der Betsaal lag |
Blick auf die �stliche Wand
des Betsaales,
wo sich der Toraschrein befand |
Blick in den Betsaal vom
Bereich des Frauenabteils |
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Blick auf den abgegrenzten
Bereich
des Frauenabteils (nach 1945
vermutlich erneuert) |
Blick in den
Bereich des Betsaales des M�nner. Die auf dem Foto rechts zu
sehende
Abgrenzung f�r ein weiteres Zimmer wurde nach 1945 vorgenommen. |
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Der
Betsaal des ostj�dischen Vereins "Linath Hazedek"
(Hinweis auf das Haus Kasernenstra�e 13 von Wolfgang Kress, Stuttgart)
Um 1895 zogen in Stuttgart die ersten ostj�dischen Familien zu, darunter Mendel
Fu�mann, der mit anderen ostj�dischen Glaubensgenossen den Verein "Linath
Hazedek" ("St�tte der Wohlt�tigkeit") begr�ndete. Fu�mann
war jahrelang der Vorsitzende dieses Vereins. Ein Betsaal befand sich
zeitweise (wann?) in der Gei�stra�e 1, dann nach den Verzeichnissen der
israelitischen Gemeinde 1914 in der Eberhardstra�e 54, 1917/23 in der
Marienstra�e 3.
Seit 1927 bem�hte sich der Verein um die Einrichtung eines gr��eren Betsaales
mit geeigneten Nebenr�umen f�r die Bibliothek und einen Lesesaal. Die
bisherigen R�umlichkeiten entsprachen "weder der Zeit noch der W�rde
ihres Zweckes". Unter gro�en Opfern der Familien des Vereins wurde das
Geld f�r einen neuen Betsaal zusammengebracht. Am 30. M�rz 1928 konnte hinter
dem Haus von Seeligmann Hirsch Kasernenstrasse 13 (Hinterhaus 1. Stock,
heute Leuschnerstra�e)
dieser neue Betsaal feierlich eingeweiht werden. Unter den Kl�ngen des Liedes
"Mah towu" wurden die Torarollen von den Gemeindeleitern und von
Ehreng�sten in den Betsaal getragen. Der damalige Vorsitzende M. Pariser begr��te
die zahlreichen G�ste, unter ihnen die Vertreter des Israelitischen Oberrates,
des Vorsteheramtes der Gemeinde und der Religionsgesellschaft. Stadtrabbiner Dr.
Rieger entz�ndete vor der Heiligen Lade das "ewige Licht" und hielte
die Weihepredigt. Nach drei Umz�gen um den Almemor wurden die Torarollen in die
Heilige Lade gestellt. Das anschlie�ende Nachmittags- und Freitagabendgebet
wurde von Oberkantor Schreiber aus Berlin geleitet.
�ber die Geschichte dieses Betsaales nach 1933 ist nichts bekannt. Auf dem
Grundst�ck der fr�heren Kasernenstrasse (heute Leuschnerstrasse) 13 haben sich
keine Spuren erhalten. Das Grundst�ck wurde nach 1945 neu bebaut.
Fotos
zum Betsaal von "Linath Hazedek"
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Zeitweise war der
Betsaal von
Linath Hazedek im Geb�ude Gei�stra�e 1
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Um 1917/23 befand sich
der Betsaal von
Linath Hazedek in der Marienstra�e 3
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Stuttgarter Adress-Buch 1932
mit Nennung des Betsaales
von Linath Hazedek im Hinterhaus zur Kasernenstra�e 13
(Haus des Seeligmann Hirsch) |
Der
Betsaal des ostj�dischen Vereins "Esras Achim"
1908 wurde der Verein "Esras Achim" von einer Reihe russisch-j�discher
Zigarettenarbeiter und sonstiger Handwerker auf Veranlassung von Moses Rappoport
(1874-1924) gegr�ndet. Ziel des Vereins war, f�r die russischen Juden in
Stuttgart "einen eigenen Gottesdienst nach heimatlicher Sitte einzurichten
und kameradschaftliche Gemeinsamkeit zu pflegen" (Gemeindezeitung IV,24 vom
16.3.1928 S. 736). "Heimatliche Sitte" bedeutete das Festhalten an
streng orthodoxen Traditionen, vor allem auch die Pflege des t�glichen
Gottesdienstes. Es wurden nur Mitglieder zugelassen, die die Sabbatvorschriften
und rituellen Gebote streng beachteten. Rappoport stand bis zu seinem Tod an der
Spitze des Vereines. Sein Nachfolger war Heinrich Scher, der freilich bereits
1925 starb. In den folgenden Jahren waren die Leiter des Vereins H. Wikler und
S. Kleiners. Am 4. M�rz 1928 konnte der Verein sein 20j�hriges Bestehen mit
einer Feier im B�rgermuseum gehen. Stadtrabbiner Dr. Rieger hielt dabei die
Festrede. Der Betsaal von "Esras Achim" war zun�chst in einem
Haus am Wilhelmsplatz (1912 eingest�rzt, siehe Bericht unten), seit 1928 im Erdgeschoss der Marienstrasse
3 (fr�herer Betsaal von Linath HaZedek, siehe oben; Eigent�mer des Betsaales war die Israelitische
Religionsgesellschaft).
Das Haus mit dem Betsaal der russischen Juden ist
eingest�rzt (1912)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. September
1912: "Aus Stuttgart wird gemeldet: Am vorigen Sabbat st�rzte unter
gro�em Krach pl�tzlich das Haus am Wilhelmsplatz ein, in welchem sich
der Betsaal der russischen Juden befang. Gl�cklicherweise waren
der Gottesdienst und auch der Jugendunterricht bereits beendet und die
R�umlichkeiten deshalb leer, sodass Menschen nicht verletzt wurden. Die
Synagoge wurde vollst�ndig zerst�rt, nur die heilige Lade blieb
intakt." |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
|
November 2018:
Erinnerung an den Novemberpogrom
1938
|
Artikel von Heidemarie A. Hechtel
in der "Stuttgarter Zeitung" vom 5. November 2018:
"Stuttgart. 80 Jahre Reichspogromnacht in Stuttgart. Um 3 Uhr fr�h
brannten die Synagogen nieder. - Eine Stuttgarter J�din erinnert sich an den
9. November 1938 in Stuttgart: Am n�chsten Morgen nach der Reichspogromnacht
wird ihr Vater verhaftet. Danach steht der Entschluss der Familie fest.
Stuttgart - Laut Nazi-Jargon hat sich in dieser Nacht vom 9. auf den
10. November 1938 spontan die Emp�rung der B�rger gegen die Juden Bahn
gebrochen. In gewaltt�tigen Ausschreitungen der SA und des braunen Mobs
unter den Augen der Polizei, die angewiesen war nicht einzuschreiten. Mit
unvorstellbarem Vandalismus wurden auch in Stuttgart j�dische Gesch�fte wie
das Kaufhaus Tanne in der T�binger Stra�e, das Radiogesch�ft Jacobs in der
Hauptst�tter Stra�e und das Schuhhaus Speier zerst�rt und gepl�ndert, Juden
nachts aus den Betten geholt, geschlagen, misshandelt und verhaftet, und die
Synagogen in Brand gesetzt. Um 3 Uhr fr�h standen die Synagoge in der
Hospitalstra�e und das zweite j�dische Gotteshaus in der K�nig-Karl-Stra�e
in Bad Cannstatt in Flammen. Der Chef der Stuttgarter Feuerwehr,
Branddirektor August Bender, und sein Kollege aus Bad Cannstatt, Werner
Reutlinger, hatten das Benzin daf�r bereitgestellt. Ihre Leute durften nicht
l�schen, sondern lediglich ein �bergreifen des Feuers auf die Nachbarschaft
verhindern.
Ahnungslos in die Schule gegangen. In der Hohenstaufenstra�e 17A
wohnte damals die 14-j�hrige Charlotte mit ihren Eltern Claire und Manfred
Nussbaum, ihrem Bruder Ernst und der Gro�mutter Siegmunde Friedmann.
Friedmanns besa�en ein W�schegesch�ft in der Adlerstra�e, in dem auch der
Vater, urspr�nglich als Dirigent ausgebildet, arbeitete. Die Mutter betrieb
eine Praxis als Heilgymnastin. 'Es ist kaum zu glauben, aber wir wussten in
dieser Nacht nicht, was sich in Luftlinie h�chstens zwei Kilometer entfernt
abspielte und welche Gefahr drohte', erz�hlte die heute 94-J�hrige vor zehn
Jahren anl�sslich des 70. Jahrestages. Weder der L�rm klirrender Scheiben,
was den Volksmund zu der reichlich flapsigen Bezeichnung
'Reichskristallnacht' animierte, noch die Rauchwolken erreichten die stille
Stra�e im Stuttgarter S�den. Ahnungslos sei sie morgens in ihre
Charlotten-Realschule gegangen und dort sofort zum Direktor bestellt worden:
'Ein begeisterter Nazi mit Parteiabzeichen und Braunhemd', der Charlotte
erkl�rte, dass sie sofort die Schule verlassen und nie mehr wiederkommen
solle. Fassungslos habe sie gefragt, warum. Weil es f�r sie zu gef�hrlich
sei, habe er geantwortet. 'Niemand von meinen Mitsch�lern ist heute morgen
mit einem Gewehr in die Schule gekommen', reagierte Charlotte selbstbewusst
und wundert sich bis heute, 'woher ich die Nerven daf�r hatte'. Sie habe die
Schule hoch erhobenen Hauptes verlassen. Aber es kam noch schlimmer: Ihr
Vater wurde am n�chsten Morgen um 6 Uhr abgeholt und weggebracht. Manfred
Nussbaum hatte mehr Gl�ck als 400 andere j�dische M�nner aus Stuttgart, die
nach Dachau oder Welzheim ins Lager gebracht wurden, wo zwei Stuttgarter,
Nathan Fr�hlich und Arthur Hirsch, die Torturen nicht �berlebten. Nussbaum
kam nach ein paar Tagen wieder nach Hause. 'Vielleicht, weil er gerade eine
Operation hinter sich hatte und noch sehr schwach war. Vielleicht aber auch,
weil der Polizeichef kein �berzeugter Nazi war und Mitleid hatte', r�tselt
Charlotte, verheiratete Isler, noch heute. Aber eines sei nun klar geworden:
'Es war h�chste Zeit f�r die Emigration.' Bis dahin habe ihr Vater immer
noch optimistisch auf eine Besserung der Lage gehofft, nun brachte nur noch
die Flucht aus Deutschland Rettung.
Attentat als Begr�ndung f�r Volkszorn. Angeblich war diese Orgie von
Gewalt und Vandalismus die Reaktion der Bev�lkkerung auf ein Attentat zwei
Tage zuvor in Paris. Der 17-j�hrige Hermann Gr�nspan alias Herschel
Grynszpan aus Hannover hatte in der deutschen Botschaft den
Legationssekret�r Ernst vom Rath niedergeschossen und t�dlich verwundet,
nachdem er erfahren hatte, dass seine Eltern, Juden mit polnischer
Staatsangeh�rigkeit, an die polnische Grenze zwangsverschleppt worden waren.
'Weil Polen sie', erkl�rt Roland M�ller, der Leiter des Stuttgarter
Stadtarchivs, 'sie wie tausende andere, die einmal ins deutsche Reich
gezogen waren, ausb�rgern wollte.' Auch in Stuttgart lebten 1933 373
j�dische B�rger mit polnischer Staatsangeh�rigkeit. Ihre Verhaftungen
begannen bereits am Morgen des 28. Oktober 1938, wei� M�ller. Die
Deportationen und Aussetzungen an der polnischen Grenze folgten. 'Dieses
Attentat als Begr�ndung f�r den angeblichen Volkszorn kam den Nazis wohl
gerade recht', sagt M�ller, der vor 40 Jahren seine Zulassungsarbeit zum
Staatsexamen �ber dieses Pogrom schrieb. 'In Wirklichkeit', so M�ller, 'war
dieser Auftakt zu systematischen Deportationen und Holocaust eine wohl
inszenierte Aktion.' Der 9. November habe sich daf�r geradezu angeboten.
Denn an diesem Tag pflegte die NS-Bewegung die Toten des missgl�ckten
Putsches am 9. November 1923 an der M�nchner Feldherrnhalle zu ehren. Es sei
vor allem ein Feiertag der SA gewesen, die nach Kranzniederlegung und
abendlicher Kundgebung den Tag gem�tlich in Bierhallen und SA-Heimen habe
ausklingen lassen. Dem sei die mittern�chtliche Vereidigung der SS-Bewerber
im Hof des neuen Schlosses samt �bertragung der Reden Adolf Hitlers und
Heinrich Himmlers aus M�nchen gefolgt. Es war also, folgert M�ller, ein
Leichtes, die professionellen Schl�gertrupps f�r den angeblichen und von
Gaupropagandaleiter Adolf Mauer organsierten Volkszorn zu mobilisieren.
Anklage gegen Branddirektor. Es wird �berliefert, dass der
christliche Hausmeister aus der brennenden Synagoge in der Hospitalstra�e
eine Torarolle gerettet hat. Die Kuppel dieses im orientalischen Stil
erbauten Tempels st�rzte ein, �brig blieb eine angekohlte Ruine. 15
Mitglieder der Gemeinde mussten unter der Leitung des Architekten Ernst
Guggenheimer die Mauern des Gotteshauses abtragen. Guggenheimer �berlebte
und wurde mit dem Wiederaufbau der Synagoge, dem ersten Synagogen-Neubau in
der jungen Bundesrepublik, beauftragt. Die Synagoge in Cannstatt, eine
Holzkonstruktion, brannte total ab. An sie erinnert eine Gedenkst�tte. Im
Mai 1946 erhob die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen
Branddirektor August Bender, den Leiter der Feuerwache Bad Cannstatt, Werner
Reutlinger, und zwei weitere Angeklagte. Bender wurde 1947 in zweiter
Instanz zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Familie Nussbaum verlie�
Stuttgart am 10. April 1939 f�r immer in Richtung New York, Verwandte in den
USA hatten geb�rgt. Die Gro�mutter war in Stuttgart geblieben, 'weil sie
nicht zur Last fallen wollte'. Heute erinnert ein Stolperstein vor dem Haus
Hohenstaufenstra�e 17A an Siegmunde Friedmann, die 1942 nach Theresienstadt
deportiert wurde und dort am 5. April 1944 mit 72 Jahren zu Tode kam. Ihre
Enkelin, Charlotte Isler, lebt in der N�he von New York und hat viele
Beziehungen zu Stuttgart. Nachdem sie sich vehement f�r die Erhaltung des
Hotels Silber eingesetzt hat, will sie der Einladung zur Einweihung im
Dezember unbedingt Folge leisten."
Link zum Artikel |
Links und Literatur
Links:
Quellen:
| Hinweis
auf online einsehbare Familienregister der j�dischen Gemeinde Stuttgart |
In der Website des Landesarchivs
Baden-W�rttemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister
j�discher Gemeinden in W�rttemberg, Baden und Hohenzollern
einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632
Zu Stuttgart sind vorhanden:
J 386 B�. 533 Stuttgart Geburten 1866 - 1870 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446753
J 386 B�. 534 Stuttgart Geburten 1878 - 1887 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446754
J 386 B�. 535 Stuttgart Geburten 1871 - 1875 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446755
J 386 B�. 536 Stuttgart Geburten 1875 - 1878 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446756
J 386 B�. 537 Stuttgart Proklamationsschein, Geburtsregister,
Eheregister, Familienbuch, Schutzpockenimpfschein, verschiedene Urkunden,
Entlassungsschein 1869 - 1871 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446757
J 386 B�. 538 Stuttgart Eheschlie�ungen Trauungsurkunden 1875 -
1878 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446758
J 386 B�. 539 Stuttgart Eheregister, Geburtsregister, Schulzeugnis,
verschiedene Urkunden, Impfschein 1872 - 1874 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446759
J 386 B�. 540 Stuttgart Eheschlie�ungen 1873 - 1874 verschiedene
Urkunden http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446760
J 386 B�. 541 Stuttgart Eheschlie�ungen 1880 - 1887 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446761
J 386 B�. 542 Stuttgart Eheschlie�ungen 1888 - 1893 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446762
J 386 B�. 543 Stuttgart Eheschlie�ungen 1891 - 1937 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446763
J 386 B�. 544 Stuttgart Sterbef�lle 1891 - 1895 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446764
J 386 B�. 545 Stuttgart Geburten 1875 - 1901 - Einbruchsversicherung
- Verzeichnis schulpflichtiger Kinder 1854 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446765
J 386 B�. 546 Stuttgart Leichenscheine 1913 - 1950 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446766
J 386 B�. 547 Stuttgart Eheschlie�ungen 1894 - 1897
Bescheinigungen aus verschiedenen Orten http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446767
J 386 B�. 548 Stuttgart Eheschlie�ungen 1908 - 1907
Bescheinigungen aus verschiedenen Orten http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446768
J 386 B�. 549 Stuttgart Eheschlie�ungen 1898 - 1905
Bescheinigungen aus verschiedenen Orte http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446769
J 386 B�. 550 Stuttgart Geburten 1852 - 1867, Eheschlie�ungen 1832
- 1867, Sterbef�lle 1834 - 1867 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446770
J 386 B�. 551 Stuttgart Familienbuch 1794 - 1814 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446771
J 386 B�. 552 Stuttgart Geburten 1864 - 1869 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446772
J 386 B�. 553 Stuttgart Trauscheine, Proklamationsscheine,
verschiedene Urkunden, Sonntagsschul-Entlassschein, Ausz�ge aus den
Registern http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446773
J 386 B�. 554 Stuttgart Eheschlie�ungen 1832 - 1859 verschiedene
Trauungsurkunden http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446774
J 386 B�. 555 Stuttgart Familienbuch 1856 - 1863 Impfscheine,
Entlassscheine, Geburtsscheine, Eheregister http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446775
J 386 B�. 556 Stuttgart Eheschlie�ungen 1851 - 1860 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446776
J 386 B�. 557 Stuttgart 1864 - 1865 Eintritt ins B�rgerrecht,
Verschiedene Urkunden, B�rgerbrief, Schulentlassschein, Trauscheine,
Eheregister http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446777
J 386 B�. 558 Stuttgart 1868 - 1869 Geburtsregister, Eheregister,
Impfscheine, verschiedene Urkunden, Schulentlassungsscheine,
B�rgerbrief http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-446778
|
| |
| Hinweis auf
die Dokumentation der j�dischen Grabsteine in Baden-W�rttemberg des
Landesdenkmalamtes Baden-W�rttemberg |
Im Bestand https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=24368
auf der linken Seite bei "Stuttgart" �ber das
"+" zu den einzelnen Grabsteinen.
Zum Hoppenlaufriedhof Israelitischer Teil sind 207 Grabsteine dokumentiert
(mit Fotos)
Zum Pragfriedhof Israelitischer Teil sind 2373 Grabsteine dokumentiert
(mit Fotos) |
| Im Bestand EL 228 b I B�. 11 finden sich zu
den j�dischen Friedh�fen in Stuttgart - Hoppenlaufriedhof, Pragfriedhof,
Hauptfriedhof Steinhaldenfeld, Friedhof Bad Cannstatt
Belegungspl�ne Belegungspl�ne http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-1878336
|
Literatur (kleine Auswahl):
 | Paul Sauer: Die j�dischen Gemeinden in W�rttemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 164-172. |
 | Germania Judaica II,2 S.809ff
III,2 S. 1441-1443. |
 | Festschrift zum 50-j�hrigen Jubil�um der Synagoge zu Stuttgart.
Hg. vom Israelitischen Kirchenvorsteheramt Stuttgart. 1911. |
 | Maria Zelzer: Weg und Schicksal der Stuttgarter
Juden. Stuttgart 1964. |
 | dies.: Stuttgart unterm Hakenkreuz. Chronik aus Stuttgart
1933-45. Stuttgart 1984� |
 | Joachim Hahn: Hoppenlaufriedhof,
Israelitischer Teil (Friedh�fe in Stuttgart 2. Ver�ffentlichungen des
Stadtarchivs Stuttgart 40) Stuttgart 1988. |
 | ders.: Pragfriedhof, israelitischer Teil
(Friedh�fe in Stuttgart 3. Ver�ffentlichungen des Stadtarchivs Stuttgart
57) Stuttgart 1992. |
 | Roland M�ller: Stuttgart zur
Zeit des Nationalsozialismus. 1988. |
 | Verschiedene Beitr�ge in der Reihe "Stuttgart im
Dritten Reich". Ausstellung des Projekts Zeitgeschichte. 5 Bde. 1984. |
 | Siegfried D�schler-Seiler: Auf
dem Weg in die b�rgerliche Gesellschaft. Joseph Maier und die j�dische
Volksschule im K�nigreich W�rttemberg. (Ver�ffentlichungen des Stadtarchivs
Stuttgart 73) 1997. |
 | Paul Sauer/Sonja Hosseinzadeh:
J�disches Leben im Wandel der Zeit. 170 Jahre Israelitische
Religionsgemeinschaft. 50 Jahre neue Synagoge in Stuttgart. 2002 (hier
weitere Literatur) |
 | Sigrid Br�ggemann / Roland Maier: Auf den
Spuren j�dischen Lebens. Sieben Streifz�ge durch Stuttgart. ISBN
3-89657-144-3. Erschien 2018. Weitere Informationen zum Buch:
http://www.schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-144-3.htm . |
 | Melanie Elze / Rosemarie Godel-Ga�ner /
Alfred Hagemann / Sabine Krehl (Hrsg.): Jenny Heymann
(1890-1996). Lebensstationen einer j�dischen Lehrerin mit
bildungsgeschichtlichen Streifz�gen durch W�rttemberg. Transfer (Reihe der
Ludwigsburger Hochschulschriften) Band 18. PH Ludwigsburg - University of
Education 2020.
Inhaltsverzeichnis
(eingestellte pdf-Datei; darin auch ein Beitrag von Jonas Kre� und
Finn T�mmers: J�disches Leben in Stuttgart und die Familie Heymann S.
43-71; von Rosemarie Godel-Ga�ner: Das K�nigin-Katharina-Stift und
die Entwicklung des h�heren M�dchenschulwesens in W�rttemberg S. 71-87; Paul
Beck: Jenny Heymanns Wohnung in der Ameisenbergstra�e in Stuttgart S.
301-311).
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