Wenn KI-Agenten die Fleißarbeit übernehmen
Die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie und production.AI zeigten beim Veranstaltungsformat F&E ONSITE!, wie Agentifizierung und digitale Maschinenvernetzung im Werkzeugbau konkret aussehen – und was beides in der Praxis voraussetzt.
Ende Februar lud die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie (WBA) gemeinsam mit der AGIT Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer und der RWTH Aachen Campus GmbH zur nächsten Ausgabe von F&E ONSITE! ein. Das Format bringt Forschungseinheiten der RWTH Aachen und regionale Unternehmen direkt zusammen. Nicht in einem Hörsaal, sondern in den Hallen und Laboren auf dem Campus Melaten. Florian Deutz, Projektmanager von der AGIT, formulierte den Anspruch des Formats so: „Unser Ziel mit F&E ONSITE! ist es, nicht nur Impulse zu geben, sondern praktische Dinge anzuschauen.“
Dr. David Welling, Geschäftsführer der WBA, eröffnete den thematischen Teil mit einer Einordnung: Der industrielle Werkzeugbau steht unter Transformationsdruck – wirtschaftlich, geopolitisch, durch Fachkräftemangel und den wachsenden Einfluss von KI. „Die WBA macht sich Gedanken zum Werkzeugbau der Zukunft. KI ist daher ein sehr wichtiges Thema.“ Ziel sei es, eine wirtschaftlich tragfähige und resiliente Zukunftsvision für die Branche zu entwickeln. Den Kontext dazu lieferten Zahlen aus der Forschung: Beschäftigte verbringen im Schnitt 8,7 Stunden pro Woche mit wenig produktiven Tätigkeiten: Meetings, redundante Aufgaben, manuelle Datensuche. 19 % der Arbeitszeit entfallen allein auf das Zusammensuchen von Informationen aus verschiedenen Systemen.
Sebastian Spelz, Leiter Technik & Digitale Produktion bei der WBA, zeigte anschließend anhand einer anschaulichen Demonstration, wie KI-Agenten in der Praxis aussehen können: „Unser Ziel ist es, mehr Kapazität für komplexe Probleme zu schaffen.“ Als Beispiel diente ein Vertriebsagent, den die WBA gemeinsam mit dem Softwareunternehmen HIQS entwickelt hat. Der Agent bearbeitet eingehende Anfragen per E-Mail, trägt relevante Informationen zusammen, legt Daten automatisiert ab und bereitet Angebote vor. KI-Agenten sollen bestehende Systeme dabei nicht ersetzen, sondern als Schnittstelle zwischen ihnen wirken – ERP, CRM, CAD, MES, IIoT und weitere Datenquellen zusammenbringen, ohne dass ein Mensch diese Abstimmung manuell leisten muss.
In der Lohnfertigung der WBA sank die Angebotserstellungszeit durch den Einsatz des Agenten von ein bis fünf Tagen auf unter einen halben Tag, der manuelle Aufwand von bis zu sechs Stunden auf unter eine halbe Stunde je Vorgang. Spelz wies dabei auf eine Voraussetzung hin, die er für wesentlich hält: Ein schlechter Bestandsprozess lässt sich durch einen Agenten verbessern – aber ein guter Prozess ist die bessere Ausgangslage. Hinzu kommt die Frage der Datensouveränität: Die eingesetzte Lösung läuft auf Servern in Deutschland, Daten bleiben im eigenen Einflussbereich.
Sebastian Spelz stellt den KI-Agenten vor
Transparenz in der Fertigung
Jan Wiese von der production.AI GmbH betrachtete eine verwandte Herausforderung: In vielen Betrieben fallen Maschinen-, Prozess- und Qualitätsdaten zwar an, sind aber nicht durchgängig nutzbar, weil Systeme nebeneinander laufen, statt miteinander. Wiese zeigte, wie eine digital vernetzte Produktionsmaschine zum Ausgangspunkt einer zusammenhängenden Datenlandschaft werden kann, ohne dass dafür ein neues übergreifendes System eingeführt werden muss. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Daten aus ERP, MES, IIoT, PDM und weiteren Quellen so zusammengeführt werden können, dass Kennzahlen automatisch entstehen und Abweichungen frühzeitig sichtbar werden. Wiese gab auch einen Ausblick auf das, was technisch heute bereits umsetzbar ist.
Ergänzt wurden die Vorträge durch eine Führung durch den Demonstrationswerkzeugbau der WBA. Oliver Sondhauß zeigte, wie variabel die WBA in der Fertigung aufgestellt ist – von der Bearbeitung unterschiedlicher Materialien bis hin zu verschiedensten Anforderungen an Formen und Werkzeuge.
Führung durch den Demonstrationswerkzeugbau der WBA
Im Anschluss hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die Themen des Nachmittags einzuordnen und eigene Erfahrungen einzubringen: Wo stehen andere Unternehmen? Welche Hürden treten auf: Technisch, organisatorisch, kulturell? Welche nächsten Schritte sind im eigenen Umfeld realistisch? F&E ONSITE! ist als niedrigschwelliges Format konzipiert, das genau diesen Austausch ermöglichen soll, direkt vor Ort, ohne Konferenzatmosphäre.