Image

Kauţil�ya-arthaś�stra

Eine Einf�hrung

6. "Wer von den Sachen nichts versteht, kann den Worten keinen Sinn entlocken" : zur Hermeneutik des Arthaś�stra


von Alois Payer

mailto: payer@payer.de


Zitierweise / cite as:

Payer, Alois <1944 - >: Kauţil�ya-arthaś�stra : eine Einf�hrung. -- 6. "Wer von den Sachen nichts versteht, kann den Worten keinen Sinn entlocken" : zur Hermeneutik des Arthaś�stra. -- Fassung vom 2002-12-17. -- URL: http://www.payer.de/kautilya/kautilya06.htm. -- [Stichwort].

Erstmals publiziert:

�berarbeitungen:

Anlass: Lehrveranstaltung WS 2002/03

Unterrichtsmaterialien (gem�� � 46 (1) UrhG)

�opyright: Dieser Text steht der Allgemeinheit zur Verf�gung. Eine Verwertung in Publikationen, die �ber �bliche Zitate hinausgeht, bedarf der ausdr�cklichen Genehmigung der Herausgeberin.

Dieser Teil ist ein Kapitel von: 

Payer, Alois <1944 - >: Kauţil�ya-arthaś�stra : eine Einf�hrung. -- 1. Einleitung. -- URL: http://www.payer.de/kautilya/kautilya01.htm.

Dieser Text ist Teil der Abteilung Sanskrit  von T�pfli's Global Village Library.


0. �bersicht



1. Einleitung


F�r eine traditionelle Auslegung (in Sanskrit) eines Sanskrittexts gilt folgender Vers:

padaccheda.h pad�rthoktir vigraho v�kyayojan� │
�k.sepo 'tha sam�dh�na.m vy�khy�na.m .sa.dvidham matam ║

"Eine Interpretation ist sechsfach:

  1. padaccheda = Aufl�sung des Sandhi zwischen den W�rtern
  2. pad�rthokti = Nennen der Bedeutung der einzelnen W�rter
  3. vigraha = Aufl�sung der Komposita und Zerlegung der W�rter in ihre morphologischen Elemente
  4. v�kyayojan� = Erkl�rung der syntaktischen Konstruktion
  5. �k.sepa = Einw�nde
  6. sam�dh�na = Beseitigung der Einw�nde"

In diesem Auslegungsschema kommt mit Punkt 5 und 6 die Diskussion des Inhalts (neben der Diskussion der richtigen Ausdrucksweise) ins Spiel. Dies ist eigentlich selbstverst�ndlich, da traditionellerweise Texte mit Sachaussagen auch als Aussagen �ber Sachverhalte behandelt werden.

Aus den europ�ischen Traditionen der Auslegung stelle ich diesem Kapitel die Maxime voran

Qui non intelligit res, non potest ex verbis sensum elicere (Martin Luther) -- Wer von den Sachen nichts versteht, kann den Worten keinen Sinn entlocken

Der Philosoph Hans Georg Gadamer (1900 - 2002) stellt diesen Satz Martin Luthers (1483 - 1546) ohne Stellenangabe als Motto �ber de zweiten Teil seines Werkes:

Gadamer, Hans-Georg <1900 - 2002>: Wahrheit und Methode : Grundz�ge einer philosophischen Hermeneutik  -- T�bingen : Mohr (Siebeck); 1960. -- XVII, 486 S. -- S. 162.

Dieser zweite Teil hat bezeichnenderweise den Titel: "Ausweitung der Wahrheitsfrage auf das Verstehen in den Geisteswissenschaften.

Die Aussage Luthers gilt f�r vielerlei altindische Quellen -- auch f�r solche religi�sen, weltanschaulichen oder philosophischen Inhalts. Ganz besonders gilt diese Aussage f�r ein Werk, das wie das Arthaś�stra voller Bez�ge zum allt�glichen Leben und zu Realien ist.

Grunds�tzlich kann man in Bezug auf die Zeitachse einen Text dreifach verstehen:

Leider werden allzuoft historische, quellenkritische oder �berlieferungsgeschichtliche Fragestellungen aufgenommen bevor man den Text in seiner vorliegenden Form inhaltlich und in seiner inneren Systematik (systemimmanent) verstanden hat. Auch vergisst man oft, dass eine angenommene Urform eines Werkes meist keine (zumindest wichtige) Wirkungsgeschichte hat, w�hrend das Werk in der vorliegenden Form und im vorliegenden Kontext (z.B. als Bestandteil eines Epos) wirkungsm�chtig wurde.

Allgemein zu meinen Vorstellungen zur Auslegung eines Textes siehe:

Payer, Alois <1944 - >: Einf�hrung in die Exegese von Sanskrittexten : Skript.  -- Inhalts�bersicht. -- URL: http://www.payer.de/exegese/exeg00.htm


2. Die "Sache" als Mittel zum Textverst�ndnis


Die "Sache" ist f�r das Arthaś�stra insofern ein Mittel zum Textverst�ndnis, als das Arthaś�stra den Eindruck macht, dass der Kompilator nicht nicht sachunkundig unverstandenes und halbverstandenes Zeug zusammengeschustert hat, sondern eine gute generalistische Allgemeinbildung besessen hat. Dieser Eindruck best�tigt sich immer wieder, wenn man sich die M�he macht, um das Textverst�ndnis zu ringen.

Da wir Sanskritisten im Allgemeinen keine so gute Allgemeinbildung haben wie der Verfasser des Arthaś�stra, und da wegen der zeitlichen Ferne oft auch eine heutige Allgemeinbildung nicht ausreichend ist, erfordert ein sachgem��es Verst�ndnis des Arthaś�stra die Zufluchtnahme zu folgenden Hilfen (die Aufz�hlung ist keineswegs vollst�ndig, sondern nur beispielhaft):


2.1. Zum Beispiel: Kautilya 4.4.20: Methoden der Falschm�nzer


Kautilya 4.4.20:

Image
Abb.: Kautilya 4.4.20 - 22

"Wenn er jemanden im Verdacht hat, ein Falschm�nzer zu sein, weil er weil er wiedrholt kauft

und weil seine H�nde und Kleider verr�terisch (linga) mit Ru� (ma.s�: schwarzes Pulver), Asche (bhasman), Rauch beschmiert sind und weil er Umgang  (samsarga) hat mit der Dienstfertigkeit (upakarana) eines Schmieds, dann soll ein solcher Geheimagent als Lehrling und durch Gesch�ftsverkehr bei ihm einschleichen und ihn zur Entdeckung bringen."

Der eine Schritt zum Verst�ndnis dieser Stelle w�re, in den Untersuchungen zur altindischen Numismatik nachzusehen, ob es metallurgisch-technologische Analysen von altindischen gef�lschten M�nzen gibt. Analysen von M�nzf�lschungen sind selten, da die preiswerten Verfahren zu einer (teilweisen) Zerst�rung der M�nze f�hren.

Der andere Schritt zum Verst�ndnis dieser Stelle geht �ber die Metallurgie, insbesondere die M�nzmetallurgie. F�r antike M�nzen gibt es hierzu das hervorragende, auch f�r metallurgische Laien verst�ndliche Werk:

Moesta, Hasso ; Franke, Peter Robert: Antike Metallurgie und M�nzpr�gung : ein Beitrag zur Technikgeschichte. -- Basel [u.a.], �1995. -- 184 S. : Ill. -- ISBN 3-7643-5166-7

Dort wird auf S. 128ff. ein Verfahren der F�lschung von Silberm�nzen beschrieben, das hypothetisch zum Verst�ndnis unserer Stelle dienen kann:

  1. Man macht eine Kupferlegierung mit z.B. nur 44% Silber. In einer solchen Legierung scheiden sich beim Abk�hlen die kupferreichen Mischkristalle zuerst ab und werden dann durch  silberreiches (72%) Material zusammengehalten. Die kupferreichen Mischkristalle sind rot, nicht mit Silber zu verwechseln. Die Kittsubstanz  hat Silberfarbe.

    Image
    Abb.: Schematische Darstellung des Rohlings f�r die F�lschung

  2. Dieser Rohling wird nun an der Luft gegl�ht. Die kupferreichen Mischkristalle oxidieren leicht. Die Oxide haben ein gr��eres Volumen als die urspr�nglichen Mischkristalle, bilden an der Oberfl�che des Schr�tlings einen oft borkenartig wuchernden schwarzen �berzug. Die Kittsubstanz dagegen ist wegen des hohen Silberanteils sehr widerst�ndig gegen Oxidation.

    Image
    Abb.: Schematische Darstellung des Rohlings nach dem Gl�hen in Luft

  3. Die schwarze Borke muss vor der Pr�gung der Falschm�nze entfernt werden. Dies geschieht durch �tzen oder Beizen (z.B. in hei�em Essig). Diesen Vorgang nennt man "Wei�waschen". Am Ende des �tzens hat man einen Kupferrohling, aus dem silberreiche Bezirke oder Kristallite herausstehen:

    Image
    Abb.: Schematische Darstellung des Rohlings nach dem �tzen

  4. Nun h�mmert man die hervorstehenden silberreichen Bereiche flach auf den Rohling auf, dann entsteht eine geschlossene Oberfl�che mit hohem Silbergehalt. Diese Oberfl�che hat zwar einen leichten Farbstich, ist aber f�r das Auge von weniger stark legierten St�cken kaum zu unterscheiden. Auch eine Stichprobe (Strich) wird den Schwindel nicht leicht entdecken:

    Image
    Abb.: Schematische Darstellung des Rohlings nach dem H�mmern

  5. Nun wird die Falschm�nze -- wie eine echte M�nze -- hei� geschlagen. Dazu verwendet man einen

    Image
    Abb.: Darstellung der Prinzipien und Werkzeuge des M�nzpr�gens (Quelle der Abb.: a.a.O., S. 79)

Auf diese Weise lassen sich "Silberm�nzen" mit einem Silbergehalt von nur noch 15% bis 20% herstellen.

Diese Darstellung der F�lschung von "Silbernm�nzen" mittels Kupferlegierungen liefert eine Hypothese, mit der die genannte Kautilyastelle in allen Einzelheiten verstanden werden kann. Selbstverst�ndlich muss man versuchen, diese Hypothese an anderen entsprechenden Stellen sowie mittels von M�nzfunden zu falsifizieren bzw. ihren heuristischen Wert f�r das Verst�ndnis zu erproben.

Das Beispiel zeigt, dass ein Zugang zum Text von der Sache her, den Text sehr lebendig sprechen lassen kann. Vor allem bringt ein solcher Zugang diejenigen zum Sprechen, die normalerweise in der �berlieferten indischen Literatur kaum selbst zu Wort kommen, die aber �berhaupt erst die Grundlage f�r die indischen Kulturen und Zivilisationen geschaffen haben, n�mlich die Landwirte, Handwerker und H�ndler.

Von all den Hilfsmitteln zu einem Verst�ndnis des Kautilya "von der Sache her", will ich im Folgenden nur auf das Experiment und die Rekonstruktion n�her eingehen.


3. Experimentelle und rekonstruierende Sanskritistik


Ein Weg, um das eigene Textverst�ndnis zu �berpr�fen, ist, zu sehen, ob das eigene Textverst�ndnis der Aussagen �ber einen Vorgang, einen Zustand usw. in der Realit�t verwirklichbar ist, d.h. ob die gemeinte Realit�t rekonstruierbar ist. Dies ist Aufgabe der experimentellen und rekonstruierenden Sanskritistik. Dies bezieht sich

Die Vorstellung von der experimentellen und rekonstruierenden Sanskritistik ist eine �bertragung auf Textinterpretation der erprobten Methoden von

Leider ist die Einsicht in die Notwendigkeit experimenteller/rekonstruierender Sanskritistik noch nicht selbstverst�ndliches Gemeingut der klassischen Indologen. Als ich vor einigen Jahren einem Indologiestudierendem, der ein Thema f�r seine Magisterarbeit aus dem Bereich des Rituals suchte, vorgeschlagen habe, aufgrund eines Ritualtextes ein Ritual in allen Einzelheiten zu rekonstruieren, praktisch nachzustellen, um zu sehen, ob das Textverst�ndnis in der Realit�t m�glich und vollst�ndig ist, und die ganze Rekonstruktion auf einem Video zu dokumentieren, nahm der Student dankend Rei�aus und verk�ndete seinen Mitstudierenden, dass der Payer jetzt wohl vollst�ndig �bergeschnappt ist.

Ein m. E. vorbildliches Unternehmen experimenteller und rekonstruierender Arch�ologie in Deutschland ist das Museumsdorf D�ppel in Berlin-Zehlendorf [Webpr�senz: http://www.dueppel.de/. -- Zugriff am 2002-11-25] :

"Das Museumsdorf D�ppel ist der Versuch, ein ganzes Dorf mitsamt seiner Umwelt so zu rekonstruieren, wie es vor rund 800 Jahren tats�chlich existiert hat. Auf 16 ha Fl�che wurden Bebauung und Landschaft nach bestem Wissen rekonstruiert. In einzigartiger Weise l�sst sich die Vergangenheit mit lebendem und totem Inventar vergegenw�rtigen. R�ckgez�chtete Haustierrassen und l�ngst vergessene Nutzpflanzen geh�ren ebenso dazu wie die Aus�bung von altem Handwerk. Die Ergebnisse der praktischen T�tigkeiten werden regelm��ig publiziert und machen D�ppel so zu einem international anerkannten Zentrum f�r experimentelle Arch�ologie mitten in Berlin. "

[Quelle: http://www.dueppel.de/. -- Zugriff am 2002-11-25]

Folgende Aussagen und Regeln, die John Coles f�r die experimentelle Arch�oloie aufstellt, gelten analog auch f�r die experimentelle/rekonstruierende Sanskritistik:

Coles, John: Erlebte Steinzeit : [experimentelle Arch�ologie]. -- Lizenzausgabe -- Bergisch Gladbach : L�bbe, 1980. -- 268 S. : 41 Ill. u. graph. Darst. -- (Bastei L�bbe ; Bd. 64046 : Geschichte). -- ISBN: 3-404-64046-2. -- Originaltitel: Archaeology by experiment (1973)

"Der Ausdruck �experimentelle Arch�ologie� ist die angemessene Bezeichnung f�r die Sammlung von Fakten, Theorien und Fiktionen, die im Lauf von hundert Jahren aufgrund des Interesses an der Rekonstruktion und der Funktion alter Funde zusammengetragen wurden. Der Ausdruck weist auf eine Erprobung hin, auf einen Test, ein Mittel zur Beurteilung einer Theorie oder einer Idee, und das trifft genau zu. Die experimentelle Arch�ologie bietet eine von mehreren M�glichkeiten, die Vorstellungen der Arch�ologen �ber das menschliche Verhalten in der Vergangenheit zu pr�fen. Sie befasst sich beinahe ausnahmslos mit Elementen des Unterhalts und der Technik, sie umfasst nicht den gesamten Bereich der menschlichen Kultur. Nichtsdestoweniger besch�ftigt sie sich gerade mit jenen uralten Kennzeichen, die das R�ckgrat der Arch�ologie als Wissenschaft bilden, n�mlich mit den erhaltenen Aspekten der materiellen Kultur. Mit der Untersuchung dieser Aspekte, die �ber das blo�e Auffinden und Aufzeichnen hinausgeht, f�hrt die experimentelle Arch�ologie zwanglos und vielleicht unausweichlich zu weiteren Stadien arch�ologischer Arbeit, die auch kompliziertere und mehr theoretische Modelle f�r menschliche Verhaltensmuster umfasst. Auch diese sind experimentell, in der gleichen Weise konstruiert und erprobt und auf die gleichen Ziele gerichtet wie die prosaischeren, hier in diesem Buch behandelten greifbaren Modelle.
Die Anwendung von Experimenten in der Arch�ologie ist nur die logische Folge der wissenschaftlichen Arbeit selbst, n�mlich des Interesses der Menschen an sich und ihrer Vergangenheit. Sie stellt nicht mehr und nicht weniger dar als eine Kanalisierung intelligenter Wi�begier hinsichtlich der Erkl�rung menschlichen Verhaltens in entscheidenden praktischen Fragen. Diese Wissbegier war zweifellos von Anfang an vorhanden, von der Zeit an, als alte Relikte als alt erkannt wurden und Experimente mit arch�ologischem Material begannen. Das war vor �ber 150 Jahren bei der Entdeckung der Luren, der auffallenden Bronzeh�rner in Skandinavien und auf den Britischen Inseln. Zeitgen�ssische Berichte melden, welch ungeheures Aufsehen ihre Finder bei Stadt- und Landbev�lkerung gleicherma�en erregten, als sie den Torf abwischten, die H�rner an den Mund setzten und T�ne hervorbrachten, die an Lautst�rke denen des Wunderhorns von Alexander dem Gro�en gleichkamen (Reichweite 600 Stadien = 111 Kilometer). Bereits bei den ersten Experimenten wurden �bertriebene Anspr�che erhoben. Heute werden diese nicht mehr so lautstark ge�u�ert.

Nachdem die wissenschaftliche Welt das hohe Alter des Menschen anerkannt hatte, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf Steinwerkzeuge, die in alten geologischen Ablagerungen gefunden wurden, und seit etwa 1860 f�hrte man Experimente durch, Feuersteinger�te nachzuschaffen und zu erproben. Nilsson, L�bbock, Evans, einige der Begr�nder der Arch�ologie, bekundeten Interesse am Experimentieren mit Stein, manche Versuche Evans' wurden nie wieder �bertroffen. Pitt-Rivers erprobte als erster alte Grabwerkzeuge und berichtete �ber Versandung und Verwitterung von Gr�ben, die er bei seinen Ausgrabungen gezogen hatte. Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurden auch einige experimentelle Arbeiten mit Metallen vorgenommen, und auf beiden Seiten des Atlantiks wurden regelm��ig ernsthafte Untersuchungen durchgef�hrt, die sich mit Wiederaufbauarbeiten und Erprobung von Modellen besch�ftigten (Ascher 1961, 794; Lynch und Lynch 1968, 57). Lange vorher hatte die experimentelle Arch�ologie jedoch schon ihren ersten und einzigen M�rtyrer zu verzeichnen, �ber den Berichte vorliegen, einen Herrn, der mehr als jeder andere unter schwierigen Verh�ltnissen arbeitende Experimentator pers�nliches Ungemach erlitt.

...

Alle, oder doch fast alle Experimente haben gemeinsame Merkmale. Alle repr�sentieren Probleme im arch�ologischen Material, die entweder auf unvollst�ndige Erhaltung, auf mangelndes Verst�ndnis f�r die Zweckbestimmung oder auf Zweifel an der angenommenen Funktion zur�ckgehen. Alle beginnen mit einer Rekonstruktion, und alle f�hren zu Tests im Hinblick auf die Funktion oder die Brauchbarkeit. Alle bestehen aus einer Reihe von Schritten: Problem - Idee - Verfahren -Ergebnis - Beurteilung. Das Problem kann alles nur Denkbare sein, vom Roden eines Waldes bis zur Herstellung von Ornamenten. Die Idee f�r eine L�sung kann klar oder - zumindest teilweise - verschwommen sein. Eine etwaige L�sung kann getestet oder ein Experiment durchgef�hrt werden, das zu einer Entscheidung im Hinblick auf die Vorz�ge einer Vielfalt von m�glichen L�sungen beitr�gt. Hier tritt ein Multiplikatoreffekt auf: Falls die Einwirkung von B und nur von B auf Material A ein Ergebnis Z hervorruft, dann lautet der Schluss, dass B die einzige Methode in der Vergangenheit gewesen sein k�nnte, um Z zu erhalten. Wenn jedoch Z auch von C hervorgerufen wird, und vielleicht auch noch D, dann besteht die M�glichkeit, dass entweder B, C oder D in der Vergangenheit angewendet worden sein k�nnte, um Z zu erzielen. Dies ist vielleicht der Hauptgrund f�r die Kritik an der experimentellen Arch�ologie, dass sie im allgemeinen ohne Beweiskraft sei. Sie kann nicht nachweisen, dass Menschen der Fr�hzeit irgend etwas auf bestimmte Weise und nur auf diese Weise taten; sie beweist nichts, ohne dass Schatten eines Zweifels bleiben, und das erkl�rt vielleicht, dass die experimentelle Arch�ologie ein �berwiegend sehr individualistisches und im allgemeinen vernachl�ssigtes Arbeitsgebiet ist. Beobachtungen alter Kulturph�nomene sind nicht m�glich, weil diese Ph�nomene ohne Aufzeichnung verschwunden sind, doch die gleiche Schwierigkeit gibt es bei jeder arch�ologischen Arbeit, die sich mit Aspekten des menschlichen Verhaltens besch�ftigt, soweit dieses nicht v�llig durch materielle Kultur repr�sentiert ist.

Das in die Ergebnisse der Experimente gesetzte Vertrauen l�sst sich nicht mit Genauigkeit ausdr�cken, und die Reihe der Urteile �ber die Durchf�hrbarkeit einer bestimmten in der Vergangenheit angewendeten Methode pflegt nur ein einziges Wort zu enthalten, n�mlich �unm�glich�, w�hrend die anderen weniger dogmatisch sind und etwa �unwahrscheinlich�, �m�glich�, �wahrscheinlich�, �vermutlich�, lauten und das h�chst subjektive Urteil des Experimentators oder Kommentators �ber ihr Vertrauen zu dem Projekt wiedergeben.

Es ist jedoch wichtig, unbedingt einige Grundregeln f�r das Verfahren festzulegen, die auf alle Experimente anwendbar sind, damit ein allgemeines Ma� der Zuverl�ssigkeit, wenn auch nicht universal akzeptiert, so doch wenigstens ber�cksichtigt werden kann. Die Mehrzahl dieser Regeln wird bei den meisten Experimenten beachtet, wenn sie vielleicht auch nicht als Regeln anerkannt sind, weil sie im Grunde dem gesunden Menschenverstand entsprechen.

  1. Die bei den Experimenten benutzten Materialien sollten die gleichen sein wie die, von denen man annehmen darf, dass sie der alten Gesellschaft am Ort zur Verf�gung standen. Bei einem Experiment, das sich mit der Reproduktion pr�historischer Gem�lde in S�dafrika besch�ftigte, benutzte man lediglich diejenigen Farbstoffe und Medien, die in der unmittelbaren Nachbarschaft der Fundst�tten zu erreichen waren, und st�rkte so das Vertrauen in die Ergebnisse.
  2. Die bei dem Experiment benutzten Methoden, um alte Materialien zu reproduzieren, sollten nicht �ber jene hinausgehen, die, wie man annehmen darf, innerhalb der Kompetenz der zeitgen�ssischen Gesellschaft lagen. Das setzt eine genaue Kenntnis der alten Technik - und ebenso der Umwelt - voraus, so dass Ma�st�be f�r Sachkenntnis und fachm�nnisches Geschick abgeleitet und anerkannt werden k�nnen. Hier hat die Medaille allerdings eine Kehrseite: Die experimentelle Arbeit mag zwar mit �primitiven� Werkzeugen durchgef�hrt werden, doch wenn diese Werkzeuge, weil man die alte Technik nicht kennt, auf unerfahrene und dadurch unwirksame Weise gehandhabt werden, schm�lert das den Wert der Arbeit ebenso, wie es die Verwendung moderner Ger�te t�te. Mit Picken aus Hirschgeweih zu graben und B�ume mit der Steinaxt zu f�llen ist der moderne Mensch nicht mehr gew�hnt, und es ist selbstverst�ndlich, dass er erst �ben muss, mit solchen Werkzeugen umzugehen, bevor er �ber ihr Nutzleistung berichten kann.
  3. Man sollte nicht zulassen, dass die moderne Technik die experimentellen Ergebnisse beeintr�chtigt, anderseits brauchen wir sie, um Verst�ndnis f�r die Materialien und die Methoden, diese zu bearbeiten, zu gewinnen. Von den Ergebnissen her betrachtet, mag die Verwendung von Maschinen zur Bodenbewegung, f�r das Aufsch�tten von D�mmen und das Ausheben von Gr�ben die fertigen Arbeiten im Hinblick auf die Verdichtung des Materials und auf die Besch�digung der Grabenwandungen beeintr�chtigen, und das Ziehen von Nachbildungen alter Pfl�ge durch einen Traktor kann kein Ersatz f�r ein eingearbeitetes Paar Ochsen sein; doch die moderne Technik liefert Analysen von Materialien - etwa von Kupfer - vor, w�hrend und nach der experimentellen Arbeit und kann dadurch �beraus viel zu unserem Verst�ndnis beitragen.
  4. Der Umfang des Experiments sollte vor Beginn der Arbeit abgesch�tzt werden. F�r gr��ere Bauwerke wie Stonehenge mag man Modellen in verkleinertem Ma�stab zustimmen, aber wenn man das tut, m�ssen die Verfahren �u�erst sorgsam kontrolliert und alle Elemente des Werkes gleichm��ig verkleinert werden. Wichtiger noch ist die Frage der Geschwindigkeit beim Experiment. Einige Tests, etwa der der Quoten der Erosion und der Verwitterung, lassen sich durch keinerlei Mittel beschleunigen, und Geduld ist dann wie immer eine Tugend. Andere Tests, etwa Bau-Unternehmungen, lassen sich durch moderne Ausr�stungen rasch vollenden, doch in solchen F�llen leidet das Experiment unter dem Fehlen der Zeiteinsch�tzungen, der wahrnehmbaren Abnutzung an den Werkzeugen und vielleicht unter dem fehlenden Vertrauen in das Fertigprodukt selbst. Die Entscheidung h�ngt vom Zweck des Plans ab: Wenn beispielsweise die einfache Kopie eines keltischen Streitwagen gebraucht wird, dann werden moderne Methoden die Nachbildung zweifellos verh�ltnism��ig einfach zustande bringen. Wenn jedoch nach der Zeit gefragt wird, die der Bau eines h�lzernen Hauses dauert, dann kann man nur die der fraglichen Epoche angemessenen Methoden anwenden. Soll der Zerfall eines Walles zeitlich gemessen werden, dann muss dieser erbaut werden, ohne dass man Mittel benutzt, durch die Verdichtung und Bauart verf�lscht werden. Wenn ein St�ck der Ausr�stung, etwa ein h�lzerner Flug, getestet werden soll, muss er, dem Holz, seiner Maserung und seinem Zustand entsprechend, korrekt gemacht und fair erprobt werden, den Bedingungen entsprechend, die dem Original einigerma�en nahekommen.
  5. Das Experiment sollte, wenn m�glich, wiederholbar sein, wobei jeder Test auf den Ergebnissen des vorhergehenden aufbaut. Die verbesserten und vereinfachten Verfahren, Tonwaren in r�misch-britischen �fen zu brennen, konnten erst infolge fr�herer Versuche verstanden und erprobt werden. Die Lagerung von Getreide in unterirdischen Gruben ist ein weiteres Beispiel f�r die Wiederholbarkeit und Wiederholung von Experimenten, die immer brauchbarere Ergebnisse brachten. Au�erdem �ist es unm�glich, aus einem Gl�ckszufall Nutzen zu ziehen, wenn der Geist nicht durch langes Nachdenken und Experimentieren darauf vorbereitet worden ist� (A. M. Hocart, The Progress of Man, London 1933, 49.).
    6. Die experimentelle Arbeit wird mit dem Wunsch unternommen, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, doch es sollte wirklich ungewiss sein, ob die benutzte
    Methode zum Erfolg f�hrt, und man sollte st�ndig Verbesserungsm�glichkeiten im Auge behalten. Wenn es �berhaupt m�glich ist, sollte eine Vielfalt von Verfahren angewendet werden, um eine ganze Reihe von m�glichen L�sungen zu erhalten, damit nicht schon das erste erfolgreiche Ergebnis blind akzeptiert wird. F�r die H�rtung von Schilden aus Leder wurde eine Anzahl von Prozessen ausprobiert, und die Ergebnisse konnten dann verglichen und bewertet werden. In einem anderen Zusammenhang ist der �disziplinierte Gebrauch der Phantasie die bedeutendste Funktion des Arch�ologen� (O. G. S. Crawford, Archaeology in the Field, London 1954, 224.).
  6. Die Ergebnisse des Experiments werden aus einer Reihe von Beobachtungen bestehen, die den Arch�ologen zu gewissen, bereits vermuteten Schl�ssen f�hren. Man sollte nicht annehmen oder behaupten, es handele sich um absolute Beweise. Wenn man auch mit einem Schiff von fr�hgeschichtlichem Typ �ber den Atlantik segeln kann, so ist damit die Behauptung, dass es in alten Zeiten ebenfalls geschehen ist, noch nicht bewiesen. Es ist stets st�tzendes Beweismaterial erforderlich, damit die experimentellen Ergebnisse vertrauensw�rdig werden. Im Fall der gekerbten Hirschrippen konnte ihre Verwendung bei der Zubereitung von Pflanzenfasern f�r die Seilerei demonstriert, wenn auch nicht bewiesen werden. Doch eine sp�ter gefundene alte Rippe, zwischen deren Z�hnen Pflanzenbrei sa�, verst�rkte die Wahrscheinlichkeit, dass die eingekerbten Hirschrippen in fr�heren Zeiten als Werkzeug diesem Zweck gedient hatten.

    Ein Gebiet, das best�tigendes und bei vorsichtiger Verwendung brauchbares Beweismaterial liefern kann, ist die Ethnologie. Sowohl die experimentelle Arch�ologie als auch die Ethnologie bieten Reihen m�glicher L�sungen f�r spezifische Probleme; keine von beiden liefert einen schl�ssigen Beweis, doch beide zusammen liefern einen Grad von Wahrscheinlichkeit, den der Arch�ologe nicht unber�cksichtigt lassen sollte. Der Vergleich zwischen Eisenschmelz�fen in Nordostafrika und in Skandinavien, die dem Aussehen nach morphologisch �hnlich sind, deutet darauf hin, dass die bei ersteren beobachteten Prozesse auch f�r letztere galten.

  7. Schlie�lich sollte das Experiment im Hinblick auf seine Zuverl�ssigkeit beurteilt werden, d. h. dass es die richtigen Fragen an das Material stellt, dass das benutzte Verfahren entsprechend geplant und ehrlich angewendet wird. Irrt�mer in der Versuchsreihe, in der Materialauswahl, in den Prozessen, in den Beobachtungen sollten offen zugegeben werden. Bei der Arbeit mit Blechen k�nnte beispielsweise die Verwendung von Kupfer statt Bronze das Ergebnis beeinflussen. Und letztlich darf die Zuverl�ssigkeit von Schl�ssen, die aus Experimenten abgeleitet werden, nicht als selbstverst�ndlich vorausgesetzt werden. Vielleicht lassen sich f�nfzehn T�ne oder Ger�usche aus einem pr�historischen Blasinstrument herausholen, doch deshalb kann man weder durch Experiment noch durch ein anderes arch�ologisches Verfahren feststellen, dass die Landschaft D�nemarks um etwa 800 v. Chr. von den mannigfaltigen T�nen dieser pr�chtigen Instrumente widergehallt h�tte.

Die experimentelle Arch�ologie kann also nicht vorgeben, irgend etwas zu beweisen, und tut es auch nicht. Sie liefert ein Instrument, mit dessen Hilfe sich etwas von den grundlegenden wirtschaftlichen Aktivit�ten des vorgeschichtlichen Menschen, vor allem von der Entwicklung jener T�tigkeiten beurteilen l�sst, die sich auf Lebensunterhalt und Technik bezogen. Dadurch kann und sollte sie zu weiteren �berlegungen �ber Muster des menschlichen Verhaltens f�hren, das schlie�lich das Arbeitsgebiet der Arch�ologie als Natur- und Geisteswissenschaft ist." [a.a.O., S. 9 - 18]

Ein neuerer Text zur Geschichte und Problematik der experimentellen Arch�ologie:

"Experimentelle Arch�ologie : Ausgew�hlte Beispiele experimenteller Arch�ologie aus dem Bereich der Unterwasserarch�ologie / von Dr Timm Weski. -- Aus DEGUWA Rundbrief 12, Februar 1997

Einleitung

Experimentelle Arch�ologie kann, obwohl als eigenst�ndiger Forschungszweig noch nicht richtig anerkannt, auf eine lange Geschichte zur�ckblicken. Dies gilt auch f�r Boote und Schiffe, allerdings sind viele Versuche nie dokumentiert und ver�ffentlicht worden (Ellmers 1990). Ebenso geh�ren das Wiederaufrichten antiker Tempel in den Bereich der experimentellen Arch�ologie wie der Nachbau des r�mischen Kastells Saalburg mit seinen funktionierenden Heizanlagen und Katapultgesch�tzen. Die Arbeit Pfeifers �ber die Technik der Steinzeit muss zu diesem Themenkreis hinzugez�hlt werden, obwohl er au�er praktischen Versuchen stark von ethnologischen Parallelen ausging (Pfeifer 1914; Feustel 1973). Ebenso m�ssen die zahlreichen Br�ckenmodelle, die von Gymnasiasten nach Caesars Beschreibung gefertigt wurden (Bell. Gall. IV, 17), erw�hnt werden. Auch Bauwerke des Historismus, wie die Burg Dankwarderode in Braunschweig oder auch die Schl�sser von Ludwig II (Neuschwanstein) k�nnen mit zum Spektrum historischer Rekonstruktion gerechnet werden. Neuen Aufschwung erhielt die experimentelle Arch�ologie in den sechziger Jahren durch verschiedene Projekte vor allem aus D�nemark (Lejre) und aus England (Fansa 1990). Inzwischen leiteten sich daraus eine Vielzahl von Versuchen ab, von denen einige k�rzlich in einer Wanderausstellung zusammengefasst wurden (Fansa 1996). 

Experimentelle Arch�ologie bedeutet anhand von Funden, schriftlicher �berlieferung und ethnologisch/volkskundlicher Beobachtungen Ger�te und Gegenst�nde nachzubilden, die dem angenommenen Original (Hypothese) so �hnlich wie m�glich sein sollen. Im Idealfall sollte zum Vorbild kein erkennbarer Unterschied mehr bestehen. Anschlie�end wird dann das fertige Produkt auf seine Brauchbarkeit und Anwendbarkeit untersucht. Aber auch die Herstellung von reinen Exponaten f�llt mit in den Bereich der Experimentellen Arch�ologie. Das Spektrum beginnt mit einfachen Arbeitvorg�ngen, wie dem Backen von Brot und endet beim Nachbau ganzer D�rfer, in denen der Alltag fr�herer Zeiten nachgelebt wird, wie z.B. in Berlin-D�ppel.  Das Versuchsniveau reicht dabei vom streng wissenschaftlichen Projekt, �ber die museumsp�dagogische Spielerei bis hin zum folkloristischen Medienspektakel, wobei die �berg�nge mehr als flie�end sind; manches Vorhaben, das urspr�nglich als Wissenschaft begann, endete nach mehreren Jahren auf der Stufe einer Volkstanzgruppe.

Im Grunde genommen sollte jeder Versuch so authentisch wie m�glich durchgef�hrt werden, allerdings treten immer wieder Gr�nde auf, die ein Abweichen von dieser Regel erfordern. Dabei muss man sich jedesmal die Frage stellen, ob dadurch und wenn ja in welchem Umfang das Endergebnis verf�lscht wird. Geht es beispielsweise nur um das fertige Endprodukt, so ist gegen den Einsatz von modernen Maschinen oder Ger�ten, etwa wie Elektrobohrer, nichts einzuwenden. Anders sieht es dagegen aus, wenn an Stelle von Spaltbohlen ges�gte Bretter verwendet werden. In einigen F�llen ist nicht nur das Endprodukt, sondern auch seine Herstellung Teil des Experiments, um beispielsweise den gesamten Arbeitsaufwand ermitteln zu k�nnen, oder um eine besonders authentische Nachahmung zu erhalten. In solchen F�llen m�ssen auch die B�ume mit Steinbeilen gef�llt (Adamek u.a. 1990) oder die N�gel von Hand geschmiedet (woher kommen Holzkohle und Roheisen?) werden. Welcher Weg gew�hlt wird h�ngt nicht nur von der jeweiligen Fragestellung, sondern � leider auch � von den zur Verf�gung stehenden Finanzmitteln ab. Hinzu kommen noch moderne Sicherheitsvorschriften, die es z.B. aus Brandschutzgr�nden erfordern, das Reet auf der Dachkonstruktion mit Draht zu befestigen, sofern das Geb�ude sp�ter dem Publikumsverkehr ge�ffnet sein soll. Aus dem Fehlen von geeigneten Rohmaterialien, z.B. vierhundert Jahre alte Eichen, ergeben sich ebenfalls ungewollte Beschr�nkungen. So m�ssen bei fast jedem Experiment Kompromisse eingegangen werden, die sich aus solchen Zw�ngen ergeben. 

Ein weiteres Problem der Experimentellen Arch�ologie ist eine Selbstzensur, die sich jeder auferlegen muss: Probleme d�rfen nicht mit dem heutigen Ingenieurswissen gel�st werden, sondern mit dem fr�herer Zeiten; doch dieses l�sst sich bestenfalls nur erahnen. Ein gutes Beispiel f�r diese mangelhafte Kenntnis bietet der Nachbau eines bandkeramischen Hauses, bei dem alle Bauteile durch Zurrungen nach Vorschriften des Technischen Hilfswerks miteinander verbunden wurden (B�hm u.a. 1990, 27). Zwar ist nichts �ber das Aufgehende bandkeramischer H�user bekannt, aber mit den zur Verf�gung stehenden Werkzeugen lie�en sich ohne weiteres einfache Steck- oder Zapfverbindungen herstellen. Diese Selbstzensur verhindert auch den kreativen Umgang mit technischen Fragen: Eine einmal gefundene L�sung gilt als die einzig richtige und alle anderen werden als �historisch� falsch abgelehnt. Dabei existieren sehr oft verschiedene M�glichkeiten nebeneinander. Es sei nur an den Bau von Fachwerkh�usern erinnert, bei denen entweder gegen�berliegende Pfosten- bzw. St�nderpaare oder aber die H�lzer einer Seitenwand jeweils zusammen errichtet werden. Auf der anderen Seite darf man nicht immer die optimalste L�sung erwarten. So existieren eine Reihe historisch belegter L�sungen, die unseren heutigen Anforderung nicht entsprechen. Ein gutes Beispiel hierf�r ist die Amphore: eine Verpackungseinheit, deren Leergewicht sich auf ca. 40% des Gesamtgewicht bel�uft und eine Form besitzt, die ausschlie�lich gut f�r den Transport auf einem Lasttier geeignet ist, entspricht kaum modernen Anspr�chen. Trotzdem waren Amphoren f�r mehr als ein Jahrtausend eine vielseitige Transporteinheit. Ein anderes Beispiel sind Pferdegespanne: Bei sechs oder acht Pferden liefert jedes Tier im Verh�ltnis weniger Leistung als ein Pferd alleine erbringen kann. Ferner sinkt die Zugleistung des Tiers, wenn es zus�tzlich noch einen Reiter tragen muss. Trotzdem fanden Jahrhunderte lang vielgespannige Pferdefuhrwerke mit Vorreitern Verwendung. 

Als eine weitere Restriktion im Bereich der Experimentellen Arch�ologie sind mangelhafte handwerkliche Erfahrungen zu nennen. Jeder von uns kann eine Seite in k�rzester Zeit ohne besondere M�he schreiben. Sollten wir aber eine Seite in einer anderen Schrift, etwa Arabisch oder Sanskrit, abschreiben, so werden wir uns sehr schwer tun. F�r die Experimentelle Arch�ologie bedeutet dies, dass nur mit viel �bung und Routine Aussagen �ber Dauer oder Kompliziertheit eines Arbeitsprozesses m�glich sind. Ein ge�bter Experimenteller Arch�ologe kann z.B. einen Faustkeil in drei Minuten zurechtschlagen, was bedeutet, dass solche Artefakte in Gegenden mit reichlich Rohmaterial eine Art Einwegwerkzeuge waren. 

Im Bereich der Unterwasserarch�ologie sind f�r die Experimentelle Arch�ologie vor allem die Rekonstruktion von sogenannten Pfahlbauten und von Wasserfahrzeugen zu nennen. Erstere k�nnen im Rahmen dieses Beitrages nicht behandelt werden, besonders da in Deutschland wiederaufgebaute Pfahlbauten mit einer Ausnahme nur in Unteruhldingen am Bodensee vorhanden sind. Eine Besch�ftigung mit diesen veralteten Hypothesen ist unweigerlich mit einer Auseinandersetzung mit der Person H. Reinerth und seiner Rolle in der deutschen Vor- und Fr�hgeschichte im Dritten Reich verbunden (Bollmus 1970, 154; Kossack 1977, 346).  "

[Quelle: http://www.abc.se/~m10354/bld/expbeisp.htm. -- Zugriff am 2002-11-26]


3.1. Weiterf�hrende Ressourcen zur experimentellen Arch�ologie


3.1.1. Internetressourcen


Webportale:

Experimentelle Arch�ologie in der Schweiz:


3.1.2. Ressourcen in Printform


Coles, John: Erlebte Steinzeit : [experimentelle Arch�ologie]. -- Lizenzausgabe -- Bergisch Gladbach : L�bbe, 1980. -- 268 S. : 41 Ill. u. graph. Darst. -- (Bastei L�bbe ; Bd. 64046 : Geschichte). -- ISBN: 3-404-64046-2. -- Originaltitel: Archaeology by experiment (1973)

Experimentelle Arch�ologie : Bilanz 1991 / [hrsg. vom Staatlichen Museum f�r Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg. Bearb. und Red.: Mamoun Fansa]. -- Oldenburg : Isensee, 1991. -- 405 S. : Ill. --  (Arch�ologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland : Beiheft ; 6). -- ISBN 3-89442-114-2. -- Erscheint seither in mehr oder weniger regelm��igen Abst�nden

Experimentelle Arch�ologie in Deutschland : Texte zur Wanderausstellung ; [Texte zur Sonderausstellung Experimentelle Arch�ologie ; Begleitschrift zu einer Ausstellung des Staatlichen Museums f�r Naturkunde und Vorgeschichte, Oldenburg. Bearb. und Red.: Elke Heege]. -- Oldenburg : Isensee, 1996. -- 117 S. : Ill. --  (Arch�ologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland : Beiheft ; 13). -- ISBN 3-89598-343-8

Experimentelle Arch�ologie in Deutschland : Einleitung / Mamoun Fansa

Schon im 19. Jahrhundert wird mit Hilfe von Experimenten versucht, vor- und fr�hgeschichtliche Verh�ltnisse verschiedener Kulturen zu erhellen. Experimentelle Arch�ologie ist der Oberbegriff f�r alle Theorien und Versuche, technische Ger�te, Einrichtungen und Vorg�nge zu rekonstruieren, zu �berpr�fen und zu erkl�ren.
Es ist richtig, dass die Experimentelle Arch�ologie sich mit der Rekonstruktion von vorgeschichtlichen Lebensverh�ltnissen besch�ftigt, aber nicht jede Rekonstruktion ist ein Experiment, sondern jedes Experiment f�hrt eventuell zu einer Rekonstruktion.

W�hrend die ersten Experimente noch unsystematisch verliefen, hat sich die Experimentelle Arch�ologie im Laufe der Zeit zu einem methodischen Zweig der Urgeschichtsforschung entwickelt.

Die Experimentelle Arch�ologie arbeitet naturwissenschaftlich, sie verwendet Messinstrumente und Dokumentationsmedien. Systematisch und unter kontrollierbaren Bedingungen werden arch�ologische Thesen praktisch �berpr�ft, die zun�chst nur auf theoretischen �berlegungen basierten. Das Ziel jedes Experimentes muss vorher genau definiert sein. Die daraus gewonnenen Informationen �ber die Lebensumst�nde in fr�heren Epochen helfen den Pr�historikern, die Verh�ltnisse vorgeschichtlicher Zeit - etwa den Einsatz von Ger�ten oder den Zeit- und Energieaufwand bei bestimmten T�tigkeiten -ann�hernd zu rekonstruieren. Den Ausgangspunkt f�r die Experimentelle Arch�ologie bilden die Befunde, wie etwa Hauspfosten, oder Funde wie z. B. Keramik und historische Quellen wie Texte oder bildliche Darstellungen. Daraus lassen sich Fragestellungen entwickeln, die sich auf Materialbeschaffenheit, Herstellungsverfahren oder auf Funktionen und Zeitaufwand f�r die Arbeitsleistung beziehen. Ferner m�ssen die Lagerung von Materialien im Boden und die Ver�nderungen durch verschiedene Umwelteinfl�sse analysiert werden. Voraussetzung f�r dies alles ist, dass die Wissenschaftler sich mit der Forschungsgeschichte vertraut gemacht und das Experiment sorgf�ltig vorbereitet haben.

Um Zuf�lle auszuschlie�en und mehrfache Messungen zu erm�glichen, muss jedes Experiment wiederholbar sein. Ferner soll sein Ablauf fachlich dokumentiert werden. Schlie�lich versucht man, die Ergebnisse zu analysieren, die entweder vorhandene Theorien best�tigen oder neue Erkenntnisse darstellen. Zuletzt werden die sachlich zusammengefassten Resultate kulturhistorisch interpretiert und eingeordnet. Damit sind die Voraussetzungen f�r neue Fragestellungen und Forschungsans�tze gegeben.

Eindeutige Beweise f�r bestimmte Vorg�nge in der Herstellungstechnik von Ger�ten und den Lebensgewohnheiten aus vor- und fr�hgeschichtlicher Zeit kann die Experimentelle Arch�ologie nicht liefern, sie ist nur eine von mehreren M�glichkeiten der Erkl�rung und Interpretation eines Sachverhaltes, jedoch stellt sie die Vorstellung von der Leistung fr�herer Menschen auf eine relativ reale Basis. Das Feld f�r freie Spekulation wird damit eingeengt.

Alle bis jetzt durchgef�hrten Experimente bem�hen sich um Erkl�rungen der verschiedenen Techniken aus vergangenen Epochen. Nur �ber das Verhalten des Menschen und seine individuellen Entscheidungen k�nnen sie leider nicht informieren. Die Experimentelle Arch�ologie hat es aber dennoch geschafft, die menschlichen Leistungen in den Mittelpunkt der Forschung und der �ffentlichkeitsarbeit zu stellen.

Die Experimentelle Arch�ologie besch�ftigt sich mit verschiedenen Feldern.

  • Experimente zur �berpr�fung von Herstellungsverfahren
  • Experimente zur Pr�fung von Zeitaufwand der Herstellung von Objekten oder Abwicklung von bestimmten T�tigkeiten
  • Experimente, die sich mit der Entstehung von arch�ologischen Befunden besch�ftigen, wie zum Beispiel mit dem Verfallprozess eines T�pferofens
  • Experimente, die sich mit chemischen und physikalischen Abl�ufen zu bestimmten Werkstoffen besch�ftigen, wie bei der Untersuchung der Herkunft von Rohmaterialien, wie Flint, Ton usw.

W�hrend die Experimentelle Arch�ologie in den angels�chsischen und skandinavischen L�ndern ihre eigene Tradition hat, scheint in der Bundesrepublik das Verst�ndnis noch wenig entwickelt zu sein. Mehr Versuchszentren wie das Museumsdorf D�ppel w�ren erforderlich, aber auch vorhandene Einrichtungen sollten verst�rkt zur Unterst�tzung herangezogen werden, um das Niveau des europ�ischen Auslands zu erreichen. Im �Dritten Reich" hatte die Experimentelle Arch�ologie einen besonderen Stellenwert. Dabei ging es weniger um exaktes wissenschaftliches Arbeiten als um den Versuch, mit �Rekonstruktionen" ideologische Vorgaben zu best�tigen. Freie Erfindung wurde als Ergebnis von Experimenten dargestellt. Dies war wohl der Grund, weshalb nach dem Zweiten Weltkrieg die dadurch belastete deutsche Arch�ologie nicht wie in anderen L�ndern den Anschluss an das experimentelle Arbeiten fand.

Nach 1945 zogen die Vorgeschichtsforscher in Deutschland einfach einen Strich unter dieses Kapitel und zogen sich in eine abstrakte Wissenschaft zur�ck. Das Experimentieren und Rekonstruieren �berlie�en sie den Kollegen im Ausland, und die bauten den Vorsprung souver�n aus. Auch was die Vermittlung der Forschungsergebnisse betrifft. So gibt es in den angels�chsischen und skandinavischen L�ndern schon lange gro�e Zentren, in denen die Besucher selbst als Einsatz in den Experimenten gedient haben, wie es in Leyre seit einigen Jahren durchgef�hrt wird.

Erst in den 70er Jahren wurden von der Uni K�ln einige Experimente in der Landwirtschaft unter der Leitung von Prof. Jens L�ning durchgef�hrt. Ein Waldst�ck wurde mit linear-bandkeramischen Ger�ten gerodet, um den neolithischen Ackerbau zu erproben.

In den letzten 30 Jahren besch�ftigten sich einige Arch�ologen und Heimatforscher mit der Experimentellen Arch�ologie. Aus diesen Aktivit�ten sind inzwischen Forschungsprojekte geworden. Wie etwa das Museumsdorf D�ppel in Berlin und die Arch�ologischen Freilichtmuseen Oerlinghausen und Gro� Raden bei Schwerin sowie die �Langobardenwerkstatt" in Zethlingen.

Charakteristisch f�r unsere Disziplin ist die weitgef�cherte Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, insbesondere mit der Ethnologie und der Technikgeschichte. In den letzten Jahrzehnten hatte sich parallel zur Experimentellen Arch�ologie und Ethnologie ein neuer Wissenschaftszweig entwickelt, die Ethno-Arch�ologie. Sie ist �als Bindeglied zwischen diesen Kulturwissenschaften" in der deutschen �ffentlichkeit noch wenig bekannt, aber ihre Umrisse beginnen sich immer sch�rfer abzuzeichnen. Ihre Aufgabe besteht darin, Ethnologie und Arch�ologie wieder einander n�her zu bringen und so den Zusammenhang zwischen Kulturentwicklung, Kulturver�nderung und dem Absterben von Kulturbereichen sowie dem Aussterben ganzer Kulturen besser begreifbar zu machen. Methodisch gesehen umfasst die Ethno-Arch�ologie die beiden unterschiedlichen Forschungsans�tze �lebendiger Arch�ologie" und �experimenteller Arch�ologie".

Die Experimentelle Arch�ologie und die Foto- bzw. Filmdokumentation sind nicht voneinander zu trennen. Ein arch�ologisches Experiment ohne den Einsatz von Filmdokumentationen ist eine unvollendete wissenschaftliche Arbeit. Um eine solide Dokumentation und sp�ter eine �ffentlichkeitswirksame arch�ologische Vermittlung zu erm�glichen, kann auf den modernen Medienfilm nicht verzichtet werden.

Das Staatliche Museum f�r Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg hat 1990 die Ausstellung �Experimentelle Arch�ologie in Deutschland" zusammengestellt mit dem Ziel, den Wissenschaftszweig anhand relevanter Experimente vorzustellen und zugleich die Arch�ologie der Bev�lkerung nahezubringen. Dazu wurden - didaktisch wohl�berlegt - verschiedene Schaubereiche wie �Bauen und Siedeln" oder �Landwirtschaft von der Steinzeit bis zum Mittelalter" eingerichtet. Auch �ber Transportwesen und Bestattungssitten werden die Besucher informiert, ferner �ber Steinger�te in der Herstellung und im Einsatz, den Umgang mit organischem Material als Waffe und Ger�t, die Keramikherstellung, die Bronze- und Eisenverarbeitung, die Textilherstellung und schlie�lich �ber Verfahren wie die Salz- und Teerproduktion.

Als die Ausstellung �Experimentelle Arch�ologie in Deutschland" 1990 zusammengestellt und dann auf die Wanderschaft geschickt wurde, war die Zunft der Arch�ologen skeptisch. Zum einen gegen�ber der Methode der Experimentellen Arch�ologie selbst, zum anderen weil sie bezweifelten, dass es sinnvoll sein k�nnte, solche Experimente in einer popul�ren Dokumentation festzuhalten. Der Erfolg der Ausstellung hat diese Einwendungen ganz schnell zum Verstummen gebracht, und das hat etwas mit der Faszination der Experimentellen Arch�ologie zu tun. Die Ausstellung wurde in 19 Museen gezeigt. Ca. 350000 Besucher haben sie gesehen.
Ausstellung und Begleitschrift sowie ein eigens einberufenes Symposium haben in Fachkreisen gro�e Aufmerksamkeit erregt. Inzwischen wurden vier Tagungen abgehalten, und es sind vier zus�tzliche Publikationen erschienen. Die Diskussion �ber unterschiedliche Auffassungen der Experimentatoren in Bezug auf ihre Disziplin und die verschiedenen Techniken haben gezeigt, dass eine ausreichende Auseinandersetzung auf diesem Gebiet bisher nicht stattgefunden hatte. Die Fachkollegen haben dieses Forum jedoch angenommen und ihre Bereitschaft erkl�rt, bei der Auswertung der schriftlosen Kulturen die Experimentelle Arch�ologie zu verwenden, um Hypothesen zu sichern.

Um einige Experimente in ihren Abl�ufen nachvollziehbar zu machen, wurden in der Ausstellung museumsp�dagogische Vorf�hrungen von bereits gekl�rten Experimenten eingesetzt. Es handelt sich also um die Wiederholung von Vorg�ngen, die schon zu einem Resultat gef�hrt haben. (F�lschlicherweise wird die T�tigkeit der Museumsp�dagogen mit Experimenteller Arch�ologie verwechselt). Museumsp�dagogik und Experimentelle Arch�ologie sind ein komplizierter Bereich. Das Nachmachen oder besser Nachvollziehen von wissenschaftlichen Experimenten ist ein legitimes Mittel der Museumsp�dagogik, denn schlie�lich geht es um historische Realit�t und darum, wie man ihr n�her kommen kann. Im Nachvollziehen von Experimenten macht jeder seine individuellen Erfahrungen, und das wird immer wichtiger, wenn man dem �blich gewordenen oberfl�chlichen Vermarkten von Geschichte gegenhalten will.

Zusammenfassend lassen sich die positiven Begleiterscheinungen der aktuellen Besch�ftigung mit der Experimentellen Arch�ologie folgenderma�en darstellen:

  • Eine rege Diskussion �ber die Experimentelle Arch�ologie, ihre M�glichkeiten, Grenzen und verschiedenen Einsatzbereiche ist in Gang gekommen.
  • Wichtig ist die f�cher�bergreifende Zusammenarbeit, insbesondere zwischen V�lkerkunde und Vorgeschichte (Ethno-Arch�ologie). Hier muss versucht werden, den Dialog mit den verschiedenen Disziplinen am Leben zu erhalten, um langfristig davon zu profitieren.
  • Positiv ist die Rolle der Museumsp�dagogik bei der Vermittlung der Experimentellen Arch�ologie in der �ffentlichkeit.

[Experimentelle Arch�ologie in Deutschland : Texte zur Wanderausstellung ; [Texte zur Sonderausstellung Experimentelle Arch�ologie ; Begleitschrift zu einer Ausstellung des Staatlichen Museums f�r Naturkunde und Vorgeschichte, Oldenburg. Bearb. und Red.: Elke Heege]. -- Oldenburg : Isensee, 1996. -- 117 S. : Ill. --  (Arch�ologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland : Beiheft ; 13). -- ISBN 3895983438. -- S. 11 - 14 -- {Wenn Sie HIER klicken, k�nnen Sie dieses Buch  bei amazon.de bestellen}]

Experimentelle Arch�ologie auf dem Platzspitz : Begleitheft zur Veranstaltung Urgeschichte - Pr�histoire - Preistoria Live, 9. - 24. September 1995 ; Projekt des Schweizerischen Landesmuseums / Projektleiter: Walter Fasnacht. Red. des Begleith.: Christa Haenicke. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft f�r das Landesmuseum und dem Pestalozzianum Z�rich. -- Z�rich : Schweizerisches Landesmuseum [u.a.], [1995].  -- 38 S. : Ill.

Moesta, Hasso: Erze und Metalle - ihre Kulturgeschichte im Experiment. -- 2., korrigierte Aufl. -- Berlin [u. a.] : Springer, 1986. -- XI, 189 S. : Ill. -- Mit 47 Abb., 8 Farbtaf. u. 28 Experimenten mit Grundanleitung. -- ISBN 3-540-16561-4. [Der Verfasser war Professor f�r Physikalische Chemie an der Universit�t Saarbr�cken]

"Vorwort zur ersten Auflage

Wir alle bewundern in Museen und Ausstellungen die Kunstwerke der Goldschmiede und Bronzegie�er vergangener Jahrtausende. Wir erkennen ihr Kunstgef�hl in den Formen und die Symbolik mancher Funde erschlie�t uns etwas von der Geisteshaltung ihrer Benutzer.

Die Frage: �Wie wurde dieses Kunstwerk oder jene Waffe gemacht?" wird dabei h�ufig nicht oder nur unzureichend beantwortet. Dabei liegt in der Kenntnis des �Wie" neben dem �Wann" eine F�lle von Hintergrundmaterial, das ein Museumsst�ck zu einem St�ck Menschheitsgeschichte werden lassen kann. Solches Hintergrundmaterial ist �ber eine Vielzahl von Wissenschaften verteilt. Dieses Buch will kulturhistorisch Relevantes aus Mineralogie, Chemie, Verfahrenstechnik und Handwerk im Wortsinne �handgreiflich" machen. Es wendet sich an den Liebhaber alter und sch�ner Dinge, an phantasievolle Freunde der Kulturen und ihrer Geschichte, die vor ein wenig �heimwerken'4 nicht zur�ckschrecken. Nur das Experiment kann jene Verbindung von Geist und Geschicklichkeit vermitteln, die �ber Jahrtausende hinweg die F�higkeiten des Menschen gefordert, entwickelt und gepr�gt hat.

Die Versuchsbeschreibungen sind der Kern des Buches. Sie fordern keinerlei chemisch-experimentelle Vorbildung f�r ein Gelingen. Die Darlegungen aus der Geschichte sind als Hilfsmittel zur Einbettung der technisch-handwerklichen Entwicklung in den gr��eren Zusammenhang gedacht. Die herangezogene Literatur enth�lt sowohl Quellenmaterial als auch popul�re Arbeiten, sie erscheint dem Autor f�r einen Einstieg in das Gebiet geeignet ohne Anspruch auf Vollst�ndigkeit zu erheben."

[a.a.O., S. VIIf.]


Probieren geht �ber Studieren : Begleitheft zur Ausstellung "Experimentelle Arch�ologie" im Kantonsmuseum Baselland Liestal, 20. November 1993 - 10. April 1994 / Bearb. Michael Schmaedecke. [Hrsg. vom Amt f�r Museen und Arch�ologie, Liestal]. -- Liestal : Amt f�r Museen und Arch�ologie, �1992. --  38 S. : zahlr. Ill. -- (Arch�ologie und Museum ; H. 26). -- ISBN: 3-905069-21-0


3.1.3. Ressourcen in Realienform


Museumsdorf D�ppel, Berlin-Zehlendorf

Webpr�senz: http://www.dueppel.de/. -- Zugriff am 2002-12-02

"Rekonstruktion eines mittelalterlichen Dorfes zur Erprobung alter Handwerkstechniken

Ex.: Klaus Goldmann

Seit 1971 wird im S�den Berlins ein vollst�ndig durch Ausgrabungen in seinen Grundrissen dokumentiertes Dorf aus der Zeit um 1200 wieder aufgebaut. Wesentliches Ziel ist dabei die Ann�herung an alte Handwerkstechniken und Arbeitsweisen, die heute nicht mehr bekannt sind, sowie die Rekonstruktion mittelalterlicher Lebensbedingungen und des d�rflichen Alltags.

Nach der Entdeckung mittelalterlicher Siedlungsspuren 1941 und Ausgrabungen seit 1967 beginnt man zwischen 1971 und 1975 mit den Rekonstruktionen der Geh�fte auf dem Gel�nde der ehemaligen Grabung. Die ersten Geb�ude dienen als Demonstrationsobjekte f�r die �ffentlichkeit. Der 1975 gegr�ndete F�rderverein informiert Besucher und macht alte Handwerksbereiche zug�nglich. Begleitend werden Versuchsbauten errichtet, um architektonische und handwerkliche L�sungen f�r die zuk�nftige Dorfanlage zu finden.

In D�ppel versucht man sich mittelalterlichen Lebensbedingungen zu n�hern, indem z.B. historische Kleidung getragen wird, oder etwa durch traditionelle Bewirtschaftung von Nahrungsmitteln. Die H�user und Hofanlagen werden teilweise durch Zimmerleute mit Erfahrung in der Rekonstruktion mittelalterlicher Bauweisen erstellt, aber auch durch Besucher des Freilichtmuseums.

Das Erlernen oder Erweitern bekannter Arbeitsweisen wird durch die Kombination unterschiedlich erfahrener Handwerker durch laufende Wiederholungen vertieft und verbessert. Der �d�rfliche Alltag" wird im Ansatz dadurch geschaffen, dass von Zeit zu Zeit eine gr��ere Menge der Besucher als �Bewohner" zusammengef�hrt wird. Gemessen an der Zielsetzung ist dieses Experiment �offen"; d.h.: ein eindeutiges Ergebnis liegt nicht vor. Dieser Zustand ist erst erreicht, wenn im Dorf Menschen zumindest zeitweise wohnen und die Voraussetzungen f�r eine Siedlung, d.h. handwerkliche Einrichtungen und landwirtschaftliche Nutzfl�chen ausreichend zur Verf�gung stehen werden. Das nachbarschaftliche Handeln und Helfen als Gruppe ist nur in vereinzelten Handwerksbereichen vorzufinden, wie zum Beispiel in der Textilverarbeitung. Nach wie vor werden auf dem Gel�nde noch arch�ologische Grabungen ausgef�hrt."

[Experimentelle Arch�ologie in Deutschland : Texte zur Wanderausstellung ; [Texte zur Sonderausstellung Experimentelle Arch�ologie ; Begleitschrift zu einer Ausstellung des Staatlichen Museums f�r Naturkunde und Vorgeschichte, Oldenburg. Bearb. und Red.: Elke Heege]. -- Oldenburg : Isensee, 1996. -- 117 S. : Ill. --  (Arch�ologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland : Beiheft ; 13). -- ISBN 3-89598-343-8. -- S. 27f. -- {Wenn Sie HIER klicken, k�nnen Sie dieses Buch  bei amazon.de bestellen}]


Zu Kapitel 7: Der Aufbau des Arthaś�stra