Geopark Emsland
Der Nationale Geopark Emsland umfasst nahezu den gesamten Landkreis Emsland im Nordwesten Deutschlands. Er wurde am 14. November 2023 als 19. erdgeschichtliches Erlebnisgebiet in die Liste der Geoparks aufgenommen und zeigt vielerorts beispielhaft die geologischen Entwicklungen der vergangenen 200.000 Jahre. Dazu gehören Spuren eiszeitlicher Gletscher und unterschiedliche Moor- und Flusslandschaften, die seit dem Ende der Kaltzeit im Laufe der letzten 10.000 Jahre entstanden. Ein weiterer Themenschwerpunkt sind die fossilen Rohstoffe Erdöl und Erdgas, deren Entstehung vor rund 140 Millionen Jahren während der Kreidezeit begann und die seit den 1940er Jahren rund um Twist gefördert werden.
Im Gebiet des Geoparks Emsland liegen der Naturpark Hümmling und ein großer Teil des Internationalen Naturparks Bourtanger Moor-Veenland.[1]
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Nationale Geopark Emsland erstreckt sich auf einer Fläche von 2.882 km2 beiderseits des mittleren Laufs der Ems entlang der deutsch-niederländischen Grenze zwischen der westfälischen Bucht im Süden und den ostfriesischen Marschen im Norden.
Landschaftsbild
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Prägend für den Geopark Emsland sind vor allem Moorlandschaften in unterschiedlichen Stadien der Wiedervernässung bzw. der menschlichen Nutzung. Neben ursprünglichen und renaturierten Hochmooren gibt es vor allem Wälder, Heide, Äcker und Weiden. Da die Natur- und Kulturflächen vielerorts durch schnurgerade Entwässerungskanäle getrennt sind, entsteht der Eindruck eines kleinteiligen Landschaftsmosaiks.[2]
Vor allem östlich der Ems prägen eiszeitliche Sandablagerungen die Naturlandschaften mit ihren typischen Wasserläufen und dem Geestrücken mit seinen bis zu 73 Meter hohen Hügeln. Die eiszeitlichen Gletscher brachten neben Tonen, Sanden und Kiesen auch größere Klasten mit, darunter zahlreiche Findlinge. Sie dienten den ersten Menschen, die hier vor mehr als 5000 Jahren sesshaft wurden, als Baumaterial für Megalithgräber, die vor allem im Naturpark Hümmling zahlreich vertreten sind.[3]
Erdgeschichtliche Entwicklung
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Während der Elster-Kaltzeit reichten die Gletscher bis ins Emsland, in der späteren Saale-Kaltzeit noch weiter nach Süden. In diesen Kapiteln der Erdgeschichte brachten die Eismassen zahlreiche Findlinge sowie riesige Mengen Sand und Kies aus Skandinavien und dem Baltikum mit ins heutige Geoparkgebiet. Dabei entstanden auch die Lingener und die Lohner Höhen. Sie markieren Eisrandlagen während des Saale-Komplexes: Gletscher drückten ältere Schichten nach oben, lagerten weitere Sedimente ab und so bildeten sich Stauchendmoränen.
In der folgenden Weichselkaltzeit erreichten die Gletscher das Emsland nicht mehr. In den kältesten Phasen war die Region eine nahezu vegetationsfreie Tundra. So konnte der Wind im Laufe der Jahrtausende das Gelände weiter abflachen und lagerte zudem große Sand-Massen um, aus den mächtige Binnen-Dünen entstanden.
Zudem formte das abfließende Schmelzwasser die Urstromtäler von Ems und Hase. In Bodensenken sammelte sich Regenwasser und schuf so die Voraussetzung für die großflächige Bildung von Hochmooren.
Das heutige Landschaftsbild ist stark von der Landwirtschaft mitgeprägt, auch auf Flächen, die dies auf den ersten Blick nicht vermuten lassen. So entstanden durch die Rodung von Wäldern und die anschließende Beweidung durch Schafe Heideflächen. Vielerorts wurden hier bis ins 19. Jahrhundert Plaggen gestochen. Dies sind Heidematten mitsamt Wurzeln, die zuerst als Einstreu im Viehstall und dann als Dünger auf Äckern dienten. Entfernte man auf allzu großen Flächen den Bewuchs samt Wurzelwerk, verwehte der Wind den nun losen Sand, so dass Binnendünen entstanden. Auch wenn systematische Aufforstungen mit Kiefern ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Gefahr durch großflächige Sandverwehungen bannten, gibt es zum Beispiel in der Helter Sandheide bei Meppen und nördlich von Emsbüren noch Dünen mit offen zu Tage tretendem hellen Sand.[4]
Rohstoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Entstehung von Geotopen – und die damit verbundenen Einblicke in die Erdgeschichte – steht in allen Geoparken mehr oder weniger stark mit dem Abbau von Rohstoffen in Verbindung. Im Geopark Emsland wurden und werden Torf, Sand und Kies sowie Erdöl und Erdgas gewonnen. Museen und renaturierte Abbaugebiete veranschaulichen, wie die Bodenschätze gewonnen, verarbeitet und genutzt wurden. Sie zeigen, wie die Rohstoffe im Laufe der Erdgeschichte entstanden, wie sie sich im Emsland ablagerten und anreicherten und wie ihre Gewinnung die Landschaften verändert hat.[5][6]
Torfabbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine großflächige Veränderung der Landschaften bewirkte vor allem der Torfabbau, der in großem Maßstab mit der systematischen Kolonisierung des Bourtanger Moores zu Beginn des 17. Jahrhunderts einsetzte. Am Nordrand des ehemals größten zusammenhängenden Hochmoorgebiets in Mitteleuropa wurden 1599 Oude Pekela in den heutigen Niederlanden und 1630 weiter östlich Papenburg gegründet. Typisch für diese und weitere Fehnkolonien sind die schnurgeraden Kanäle, die der Entwässerung der Moore und für den Transport des abgebauten Torfs dienten, der in dieser Zeit noch vorrangig als Brennstoff begehrt war. Die abgetorften Flächen nutzte man nach entsprechender Kultivierung landwirtschaftlich.[7]
Kultivierung der Moore
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kultivierung der Moore erreichte in den 1950er Jahren mit Umsetzung des Emslandplans ihren Höhepunkt. Mit staatlicher Förderung sollte die ehemals strukturschwache Region entwickelt werden. Zu den zentralen Projekten gehörte die Neugewinnung landwirtschaftlicher Flächen. Dazu wurden große Moorflächen zunächst entwässert. Anschließend rissen mit Dampfkraft betriebene Tiefpflüge das Moor bis zu zwei Meter tief auf, so dass sich der Torf mit dem Sand aus der Tiefe vermischte. So stiegen die landwirtschaftlichen Erträge dauerhaft, weite Moorflächen jedoch gingen verloren.[8]
Renaturierung und Wiedervernässung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Gebiet des heutigen Geoparks liefen in den 1980er Jahren Trockenlegungs- und Kultivierungsmaßnahmen aus, die Wiedervernässung von Flächen begann In diesen Gebieten lässt sich die Neuentstehung von Mooren erleben.[9]
Erdöl und Erdgas
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Aufschwung im Emsland spielte die Erdöl- und Erdgasförderung, die während der 1940er Jahre einsetzte und andauert. Vor allem rund um Twist sind noch einige typische Fördermaschinen, die „Kopfnicker“, aktiv.[10]
Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fünf Geopark-Stationen sind die zentralen Anlaufstellen für Rad- oder Wandertouren. Zudem macht jede Station mit ihrer jeweiligen Ausstellung unterschiedliche Aspekte der Erd- und Kulturgeschichte anschaulich.[11]
Emsland Moormuseum
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Die multimediale Ausstellung in zwei Hallen und auf einem großen Außengelände zeigt vor allem die Geschichte der Moorkolonisierung und -Kultivierung. Ein Schaustück ist der „Mammut“, der größte Pflug der Welt, mit dessen Hilfe große Hochmoor-Flächen in Ackerland verwandelt wurden. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt ist die Entstehung des Naturraums Moor.[12]
Erdöl- und Erdgas-Museum Twist
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Museum liegt mitten in der Region, in der seit den 1940er Jahren Öl und Gas gefördert werden. Es macht anschaulich, wie die fossilen Rohstoffe entstanden und wie sie aus der Tiefe geholt werden.[13]
Emsland Archäologie Museum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit zahlreichen Exponaten aus der Zeit zwischen Steinzeit und Mittelalter verdeutlicht das Museum, wie Bodenfunde dabei helfen, die Geschichte der Region zu enträtseln.[14]
Geopark-Station Theikenmeer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ausstellung an einem der ältesten Hochmoor-Schutzgebiete des Geoparks macht die Entstehung dieses besonderen Naturraums seit den Kaltzeiten anschaulich. An der Natur- und Geopark-Station beginnen unterschiedlich lange Rundwege durch die angrenzenden Moorwiesen.[15]
Von-Velen-Anlage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Freilichtmuseum Von-Velen-Anlage führt die Anfänge und die frühe Geschichte der ältesten Fehnkolonie des Geoparks vor Augen. Sie zeigt, wie die ersten Kolonisten Papenburgs 1631 begannen, das Moor trocken zu legen, Torf zu stechen und Kanäle zu graben.[16]
Info-Punkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entlang der markierten Rad- und Wanderwege finden sich zahlreiche Info-Punkte, die mit Hilfe von QR-Codes Einblicke in die Erdgeschichte ermöglichen – von den Spuren der Eiszeiten, die sich in den Flusstälern mit ihren Dünengebieten, aber auch in den Findlingen der Großsteingräber entdecken lassen, bis zu den sich regenerierenden Hochmooren, deren Wieder-Vernässung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet.[17]
Geo-Tipps
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bruchwälder, Altwasser, Dünen, alte Torfstiche, Findlinge und Moore – an diesen und weiteren landschaftlichen Besonderheiten des Geoparks erzählen große Info-Tafeln die jeweilige Geschichte der geologischen Besonderheit.[18]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Überblick. Abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Nationaler Geopark Emsland – Faszination Erdgeschichte. Emsland.com, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Kulturhistorie. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Geologie. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Rohstoffe. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Nationale GeoParks in Deutschland. In: GeoUnion. Alfred-Wegener-Stiftung, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Kulturhistorie. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Stefanie Grossmann: "Armenhaus der Republik" wird dank Emslandplan zur Boom-Region: Riesige Umstrukturierung ab 1950. NDR, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Über sechs Millionen für die Renaturierung von Mooren. Pressemitteilung. In: emsland.de. 6. Februar 2025, abgerufen am 12. Oktober 2026.
- ↑ Kulturhistorie. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ GEO-Stationen. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Emsland Moormuseum. Abgerufen am 14. September 2026.
- ↑ Erdöl und Erdgas Museum Twist – Alles zu der Geschichte des Öls in Twist %. Abgerufen am 14. September 2026 (deutsch).
- ↑ https://www.archaeologie-emsland.de/. Abgerufen am 15. September 2026 (deutsch).
- ↑ GEO-Station Theikenmeer. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 15. September 2026.
- ↑ von-Velen-Anlage Papenburg mit Skulpturengarten und Papenbörger Hus, Freilichtmuseum. Abgerufen am 15. September 2026.
- ↑ GEO-Infopunkte. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 15. September 2026.
- ↑ GEO-Tipps. Nationaler Geopark Emsland, abgerufen am 15. September 2026.