Reliant
| Reliant Motor Company | |
|---|---|
| Rechtsform | |
| Gründung | 1935 |
| Auflösung | 2002 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz |
| Sitz | Tamworth (Staffordshire) |
| Leitung | T. L. Williams, Gründer Ray Wiggin |
| Branche | Automobilindustrie |
Reliant ist ein ehemaliger britischer Automobilhersteller, der von 1935 bis 2001 in Tamworth (Staffordshire) tätig war. Das Unternehmen ist vor allem durch seine Dreiradfahrzeuge der Baureihen Regal und Robin bekannt, baute daneben aber auch Sportwagen der Scimitar-Reihe. Reliant war ein Vorreiter im Bau von Kunststoffkarosserien und unterstützte mehrere Unternehmen in Entwicklungsländern beim Aufbau einer eigenen Automobilproduktion.
Unternehmensgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vorgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen Reliant verdankt seine Entstehung einer Besonderheit des britischen Steuerrechts. Mit dem „Motor Taxation Act“ von 1921 wurde im Steuerrecht des Vereinigten Königreichs eine Sonderstellung für motorisierte Dreiradfahrzeuge geschaffen. Bei einem Leergewicht unter 8 cwt (≈ 406 kg) betrug die jährliche Abgabe pauschal vier Pfund Sterling, unabhängig von Hubraum und Leistung. Während Fahrzeuge zur Personenbeförderung zunächst keinen großen Zuspruch fanden, gab es einen Markt für Kurier- und Lieferfahrzeuge.
Vor allem Fahrrad- und Motorradhersteller griffen diese Regelungen mit eigenen Modellen auf. Die Raleigh Cycle Company brachte 1933 den Raleigh Safety Seven heraus, ein dreirädriges Cabriolet, dessen Hinterachse über eine Welle angetrieben wurde. 1934 wurde zwar noch eine geschlossene Version auf den Markt gebracht, aber im gleichen Jahr entschloss sich Raleigh zum Rückzug aus der Produktion motorisierter Fahrzeuge aller Art. Daraufhin verließ Raleighs Chef-Konstrukteur T. L. Williams das Unternehmen und errichtete im Garten seines Hauses in Tamworth, Staffordshire, ein eigenes Konstruktionsbüro. Sein Kollege E. S. Thompson folgte ihm nach und im Herbst 1934 überarbeiteten sie den Safety Seven zum Reliant (englisch für „der Zuverlässige“). Der unterschied sich von seinen Vorgängern durch die geschlossene Fahrerkabine und die Aluminiumverkleidung auf einem Eschenholzrahmen.[1]
Reliant in der Nachkriegszeit: Breite Modellpalette und Entwicklungshelfer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Frühjahr 1935 richteten Williams, Thompson und einige Mitarbeiter ihre Werkstatt in einem ehemaligen Busdepot ein und konnten im Juni des Jahres das erste Fahrzeug an einen Kunden ausliefern. 1936 fertigte die Reliant Engineering Company wöchentlich drei bis fünf Dreiradfahrzeuge, im Folgejahr stieg die Zahl auf acht bis zehn Einheiten. Ab 1938 bezog man von Austin den komplett montierten Vierzylindermotor des Austin Seven. 1940 wurde die Fahrzeugproduktion eingestellt, stattdessen produzierte Reliant verschiedene Rüstungsgüter als Zulieferer für andere Unternehmen. Zu den Rationierungsmaßnahmen der britischen Regierung gehörten auch Fahrverbote für Kraftfahrzeuge. Dreiräder waren allerdings ausgenommen, was das Interesse an Gebrauchtfahrzeugen dieser Bauart aufrechterhielt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Reliant das bisherige Produktkonzept mit dem Regent fort, der 1952 durch den ebenfalls dreirädrigen Regal ersetzt wurde. 1956 begann Reliant mit der serienmäßigen Fertigung von Karosserien aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Zehn Jahre später war Reliant Europas größter Hersteller von Kunststoffkarosserien.[2]
In den frühen 1960er-Jahren weitere Reliant seine Modellpalette aus. Neben den Dreirädern begann die Produktion von einfach konstruierten vierrädrigen Kompaktfahrzeugen. Auslöser war die Absicht, Kunden von Reliants Dreirädern für den Fall an die Marke zu binden, dass sie auf vierrädriges Auto umsteigen wollten. Daraus wurde der Reliant Rebel, der 1964 vorgestellt wurde. Zur gleichen Zeit kam eine Reihe größerer und teuerer Sportwagen hinzu, die als Scimitar verkauft wurden. Bis in die 1970er-Jahre hinein blieb das Unternehmen sowohl mit den drei- als auch den vierrädrigen Autos erfolgreich; die sehr wirtschaftlich zu betreibenden Dreiräder waren insbesondere in den Jahren der Ölpreiskrise ab 1973 begehrte Autos. Reliant verdängte im Laufe der Jahre alle anderen Hersteller von Dreirädern vom Markt: Bond Cars, der bis dahin größte Konkurrent, stellte 1970 den Betrieb ein und wurde von Reliant übernommen.
Zum Ende des Jahrzehnts war die Produktion aber kontinuierlich rückläufig: Wurden 1977 noch 2377 Automobile hergestellt, waren es 1978 nur noch 820 Stück.
Bereits in den 1950er-Jahren hatte Reliant mit Konstruktionsdienstleistungen für Hersteller in Entwicklungsländern begonnen. Der erste Kunde war der israelische Hersteller Autocars Company, später kamen Otosan in der Türkei und Sipani in Indien hinzu. Daraus wurde ein wesentliches Geschäftsfeld für Reliant.[3]
Wechselnde Eigentümer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1962 verkaufte Williams einen Mehrheitsanteil an den Investor Hodge Group, der die täglichen Geschäfte von dem Produktionsmanager Ray Wiggin leiten ließ. In Wiggins Ära fiel die Ausweitung der Produktpalette auf vierrädrige Autos und die Aufnahme von Dienstleistungsgeschäften für türkische und andere Automobilhersteller. 1977 übernahm J.F. Nash Securities Ltd. die Anteile der Hodge-Gruppe. 1988 wurde ein Teil des Unternehmens an Bean Industries verkauft, der verbleibende Teil ging 1990 an einen Immobilienentwickler. Nach dessen Insolvenz übernahm Bean Industries auch die übrigen Teile an Reliant Motors. 1994 war auch Bean insolvent. Zum Jahresende verkaufte der Insolvenzverwalter Reliant Motors an Avonex Engineering Ltd. Das neue Management versuchte, Kapital durch neue Lizenzverträge mit anderen Herstellern zu gewinnen, darunter einem Unternehmen in Pakistan, scheiterte aber mit dieser Strategie, sodass Reliant im Dezember 1995 ein weiteres Mal zahlungsunfähig war.[4]
Im Jahr 2001 wurden der Firmensitz nach Cannock verlegt und die Automobilproduktion aufgegeben. Danach konzentrierte sich Reliant auf den Import spezieller Fahrzeuge.
Modelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Übersicht: Reliant-Modelle der Nachkriegszeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Reliants Modellpalette der Nachkriegszeit gliedert sich in dreirädrige Kleinwagen, deren interne Werkcodes mit TW (für Three Wheeler) beginnen, vierrädrige Kleinwagen (FW; Four Wheeler) und größere Sportwagen (SE; Sport Executive).[5]
| Interne Bezeichnung | Verkaufsbezeichnung | Zeitraum | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Dreirädrige Kleinwagen | |||
| TW 1 | Regal Mark I | 1953–1954 | Erstes Reliant-Modell, das unmittelbar zur Förderung von Personen ausgelegt war und nicht als Lieferwagen oder sonstiges Nutzfahrzeug. Antrieb durch einen seitengesteuerten Reliant-Motor, der auf eine Austin-Konstruktion zurückging. In den folgenden 20 Jahren in mehreren kleinen Schritten weiterentwickelt. |
| TW 2 | Regal Mark II | 1954–1956 | |
| TW 3 | Regal Mark III | 1956–1958 | Erster Reliant mit einer komplett aus Kunststoff gefertigten Karosserie. |
| TW 4 | Regal Mark IV | 1958–1959 | |
| TW 5 | Regal Mark V | 1959–1960 | |
| TW 6 | Regal Mark VI | 1960–1962 | |
| TW 7 | Regal 3/25 5 ctw Van Supervan |
1962–1968 | Neue Karosserie im Stil des Ford Anglia 105E, neu konstruierter Motor von Reliant. Die Nutzfahrzeugvariante war vom Regal abgeleitet, aber formal kein Bestandteil der Regal-Reihe. |
| TW 7a | Regal 3/25 Super Supervan |
1965–1969 | Besser ausgestattete Version des Regal 3/25. |
| TW 7b | Regal 3/30 Supervan |
1969–1973 | Weiterentwicklung des Regal 3/25 mit größerem und leistungsstärkerem Motor. |
| TW 8 | Robin | 1973–1981 | Nachfolger des Regal mit neu gestalteter Karosserie von Ogle Design; größerer Motor. |
| TW 8a | Rialto | 1982–1996 | Nachfolger des Robin. |
| TW 8b | Robin Mark II | 1989–2001 | |
| TW 9 | Ant | 1967–1987 | Nutzfahrzeug auf der Basis des Regal bzw. Robin. |
| TW 10 | |||
| TW 11 | Bond Bug | 1970–1974 | |
| Vierrädrige Kleinwagen | |||
| FW 1 | Regal Four Sabra Sussita |
Zweitüriger Lieferwagen auf Regal-Basis, konstruiert für Autocars in Haifa (Israel). | |
| FW 2 | Sabra Sussita Mk. II | ||
| FW 3 | Sabra Carmel | Zweitürige Stufenhecklimousine auf Regal-Basis, konstruiert für Autocars. | |
| FW 4 | Rebel | 1964–1974 | Vierrädrige Version des Regal; eigenständige Karosserie als Kombilimousine, Kombi und Van.[6] |
| FW 5 | Anadol A1 Anadol A2 |
1965–1981 | Konstruiert für Otosan in Istanbul (Türkei). Zweitürige Stufenhecklimousine A1 von 1966 bis 1975 (ca. 20.000 Autos insgesamt), Viertürer A2 von 1971 bis 1981 (35.000 Autos). |
| FW 6 | Rebel 1600 GT | ca. 1969 | Prototyp eines stärker motorisierten Rebel mit einem 1,6-Liter-Motor von Ford of Britain; keine Serienproduktion.[6] |
| FW 7 | – | 1969 | zweisitziger geschlossener Mittelmotorsportwagen; keine Serienproduktion. |
| FW 8 | – | 1970 | Prototyp eines Nachfolgers für den Bond Equipe; keine Serienproduktion. |
| FW 9 | – | ca. 1970 | Prototyp einer vierrädigen Version des Bond Bug; keine Serienproduktion. |
| FW 10 | Kitten | 1975–1982 | Vierrädrige Version des Robin, Nachfolger des Rebel. Erhältlich als Kombilimousine, Kombi und Van. Produktionsumfang in Großbritannien insgesamt etwa 4500 Autos. Ab 1983 in Indien als Sipani Dolphin weiterproduziert. |
| FW 10a | Fox | 1983–1990 | Reliant-Version des in Griechenland von MEBEA entwickelten Freizeitfahrzeugs Fox, das auf dem Fahrwerk des Kitten basiert und in Griechenland von 1979 bis 1983 etwa 3000 mal gebaut wurde. In Großbritannien entstanden ab 1983 etwa 600 weitere Fahrzeuge. |
| FW 11 | – | 1979 | Prototyp eines Anadol-Nachfolgers mit Bertone-Karosserie. Drei Exemplare hergestellt; keine Serienproduktion |
| Sportwagen | |||
| SE 1 | Sabre Four | 1961–1965 | Zweisitziger Sportwagen auf der Basis des israelischen Sabra Sport mit Vierzylindermotor und Roadster- sowie Coupékarosserie. |
| SE 2 | Sabre Six | 1962–1965 | Weiterentwicklung des Sabre Four mit Sechszylindermotor; mit veränderter Karosserie und nur als Coupé. |
| SE 3 | Prototyp eines Gran Turismo mit Achtzylinder-V-Motor; keine Serienproduktion. | ||
| SE 4 | Scimitar GT | 1965–1970 | Zweitüriges Stufenheckcoupé. Nachfolger des Sabre Six mit Reihensechszylinder- oder V6-Motor; stilistisch abgeleitet vom Ogle SX 250. Gebaut in vier Versionen (SE 4, SE 4a, SE 4b und SE 4c). |
| SE 5 | Scimitar GTE (SE 5) | 1968–1975 | Kombicoupé auf der technischen Basis des Scimitar GT. Gebaut in zwei Versionen (SE 5, SE 5a). |
| SE 6 | Scimitar GTE (SE 6) | 1975–1986 | Weiterentwicklung des Scimitar GTE SE5. |
| SE 7 | ca. 1979 | Für den britischen Markt bestimmte Version des für Anadol entwickelten FW 11; keine Serienfertigung. | |
| SE 8b | Scimitar GTC | 1980–1986 | Targacoupé auf der Basis des Scimitar GTE S6. |
| SS 1 | Scimitar SS 1 | 1984–1990 | zweisitziger Roadster mit Karosserie von Giovanni Michelotti. |
| SS 2 | 1988 | Prototyp für einen Nachfolger des Scimitar SS 1; keine Serienproduktion. | |
| SST | Scimitar SST | 1992–1995 | Nachfolger des Scimitar SS 1. |
Dreiradfahrzeuge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dreiradfahrzeuge waren in der Nachkriegszeit jahrzehntelang der Kernmarkt für Reliant. Das erste Nachkriegsprodukt, der Regent, hatte vorn noch eine unverkleidete Motorradgabel. Als Nachfolger des Regent brachte Reliant 1952 den Regal auf den Markt, dessen Aufbau das Auto erstmals in der Reliant-Geschichte komplett verkleidete. Während der Regent ausschließlich als Lieferwagen ausgelegt war, gab es den Regal zusätzlich in einer Version für den privaten Personenverkehr. Der Regal stand als zweitürige Hardtop-Limousine und bis 1960 auch als Cabriolet erhältlich; bis 1965 gab es außerdem eine Van-Version der Regal-Reihe. Der Regal wurde bis 1973 in neun aufeinanderfolgenden Generationen produziert, die sich jeweils durch Detailverbesserungen voneinander unterschieden. Er war ein Erfolgsmodell: In 22 Jahren baute Reliant mehr als 110.000 Fahrzeuge dieser Baureihe.[7] Die ebenfalls erfolgreichen Lieferwagenversionen des Regal waren ab 1963 in formal eigenen Modellreihen erhältlich, die als 5 cwt Van (1963–1966) bzw. als Supervan (1966–1973) bezeichnet wurden.
1973 kam es zu einem Umbruch: Der Regal wurde durch den neu konstruierten Reliant Robin ersetzt, der eine komplett neu gestaltete Karosserie von Ogle Design und einen größeren Motor erhielt. Wegen seiner rundlichen Form wurde der Robin vielfach als Plastic Pic (Plastikschwein) verballhornt. Auf den Robin folgte 1982 der Rialto mit glattflächiger Karosserie, der sich aber auf dem Markt nicht durchsetzen konnte. Deshalb legte Reliant ab 1988 eine zweite Serie des Robin auf.
Eine Sonderrolle nimmt der 1970 vorgestellte Bond Bug ein, ein ausschließlich in Orange ausgeliefertes Spaßauto mit einer von Tom Karen entworfenen Karosserie, das von Reliant entwickelt wurde und auf der Technik des Regal basiert, das aber unter der Marke Bond, die Reliant kurz zuvor übernommen hatte, verkauft wurde.
- Reliant Regent (1950)
- Reliant Regal 3/30 (1969)
- Reliant Robin (1974)
- Reliant Rialto
- Bond Bug
Vierradfahrzeuge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den späten 1950er-Jahren begann Reliant, Vierradfahrzeuge zu entwickeln. Unmittelbarer Anlass war ein Auftrag des israelischen Herstellers Autocars, der Reliant ein kleines, einfaches Nutzfahrzeug mit vier Rädern auf Regal-Basis konstruieren ließ. Das Auto wurde in Israel und auf einzelnen Exportmärkten als Sabra Sussita verkauft. Von Autocars kam auch der Impuls zu größeren vierrädrigen Autos: Aus dem Auftrag, einen zweisitzigen Sportwagen für Autocars zu entwickeln, wurde der israelische Sabra Sport, den Reliant 1962 mit geringfügigen Änderungen unter der Bezeichnung Reliant Sabre ins britische Modellprogramm übernahm. Der Sabre wurde zum Ausgangsmodell für eine Reihe weiterer Sportwagen, die ab 1965 als Reliant Scimitar verkauft wurden. Nach der ersten Scimitar-Generation, die als zweitüriges Stufenheckcoupé unter der Bezeichnung Scimitar GT verkauft wurde, brachte Reliant 1968 eine weiterentwickelte Version mit Kombicoupé-Karosserie heraus, die von Tom Karen für Ogle Design gestaltet worden war. Mit diesem Scimitar GTE legte Reliant den Grundstein für das Karosseriekonzept des Kombicoupés, das in Großbritannien als Shooting Brake bezeichnet wurde und in den folgenden Jahren einige Nachahmer fand, darunter z. B. der Lancia Beta HPE. Im Scimitar verwendete Reliant regelmäßig größere Ford-Motoren. Der Scimitar blieb bis 1986 im Programm. Von ihm wurden bis 1986 fünf verschiedene Versionen und insgesamt rund 14.000 Exemplare gebaut; zuletzt gab es als Reliant Scimitar GTC auch eine offene Version mit Überrollbügel. 1988 gingen die Produktionsrechte an das Unternehmen Middlebridge Scimitar über, das etwa 100 weitere Autos produzierte.
Parallel zu den großen vierrädrigen Sportwagen hatte Reliant ab 1964 auch vierrädrige Versionen seiner Dreiräder im Programm. Das Schwestermodell des Regal mit vier Rädern war der Reliant Rebel, der in neun Jahren etwa 2600 mal gebaut wurde. Parallel zum Regal-Nachfolger Robin gab es ab 1975 den vierrädrigen Reliant Kitten, von dem bis 1982 etwa 4500 Autos entstanden. Auf Basis des Kitten ging 1979 ein Pick-up mit ungewöhnlich tiefer Gürtellinie und Plandach namens Fox in Kooperation mit Mebea in Serie. Mit Mebea kooperierte Reliant bereits in den Jahren zuvor. Ab 1983 wurde der Fox direkt bei Reliant hergestellt.
Die letzten vierrädrigen Autos von Reliant waren zweisitzige Roadster mit Michelotti-Karosserie, die ab 1984 als Scimitar SS1 und SST verkauft wurden. Erhebliche Fertigungsprobleme und unattraktives Design standen einer weiten Verbreitung des kleinen Autos entgegen.
- Reliant Rebel
- Reliant Kitten
- Reliant Scimitar GT (SE4)
- Reliant Scimitar GTE (SE6b)
Entwicklungen für andere Hersteller
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wegen der im Vergleich zur Karosseriefertigung aus tiefgezogenem Stahlblech erheblich geringeren Investitionskosten für die Produktion von Kunststoffkarosserien war Reliant als Pionier dieser Bauweise zeitweise ein gefragter Partner für Entwicklungs- oder Schwellenlländer, in denen eine Automobilindustrie aufgebaut werden sollte. Maßgeblichen Einfluss hatte Reliant auf den Automobilbau in Israel, in der Türkei und in Indien.
Israel
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Seit 1952 unterhielt Reliant Beziehungen zum israelischen Unternehmen Musachim U'Mechoniyot Ltd. (Englisch: Garages & Cars) in Haifa. Garages & Cars, das 1957 in Autocars Company umfirmierte, komplettierte zunächst dreirädrige Regent, die als CKD-Bausätze aus Großbritannien angeliefert wurden. Auf Regal-Basis entwickelte Reliant für Autocars einen viertürigen Kombiwagen, der ab 1960 in Israel, im Mittelmeerraum und in wenigen Exemplaren auch in den USA als Sabra Sussita verkauft wurde. Weitere Reliant-Konstruktionen waren die Limousinen Sabra Carmel und Gilboa. Darüber hinaus konstruierte Reliant im Autocars-Auftrag aus Komponenten verschiedener Hersteller den Sportwagen Sabra Sport, der bis 1968 in etwa 350 Exemplaren gebaut wurde. Reliant leitete von ihm den Sabre ab, der bis 1965 verkauft wurde und Grundstein der Scimitar-Reihe wurde, die ab 1964 bei Reliant im Programm stand.
Türkei
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Für die Produktion in der Türkei entwarf Reliant den Anadol A1 (interne Bezeichnung: Reliant FW 5). Die Initiative zur Entwicklung des Anadol A1 geht auf den türkischen Geschäftsmann Vehbi Koç zurück. Koç hatte 1959 das Unternehmen Otosan gegründet, das in Kadıköy verschiedene Nutzfahrzeuge und PKW von Ford of Britain und Ford Deutschland für den türkischen Markt in Lizenz produzierte. Zu Beginn der 1960er-Jahre entstand die Idee, das Ford-Programm um ein eigenes, speziell für die Türkei konstruiertes Fahrzeug zu ergänzen. Inspiriert durch den israelischen Sabra Sussita, beauftragte Koç Ende 1963 Reliant damit, ein leicht zu bauendes, auf die lokalen Verhältnisse angepasstes Mittelklassefahrzeug zu entwickeln. Die Konstruktionsphase dauerte von Mai 1964 bis Dezember 1965; das Projekt wurde in dieser Zeit unter der Bezeichnung Reliant FW5 geführt. Im Laufe des Jahres 1966 bereitete Otosan die Serienproduktion vor. Im Dezember 1966 verließ der erste Anadol A1 die Werkshallen in Kadıköy.[8] Der A1 entstand in zwei Serien (inoffiziell Mark I und Mark II), die sich stilistisch leicht voneinander unterschieden. 1971 stellte Anadol dem zweitürigen A1 den viertürigen Anadol A2 zur Seite, der als A2 SL bis 1981 in Produktion blieb.[9] Ein fünftüriger Kombi erschien schließlich als Anadol SV-1600.[10]
Indien
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In Indien kooperierte Reliant seit den 1970er-Jahren mit dem Unternehmen Sunrise Automotive aus Bangalore, der später in Sipani umbenannt wurde.
Ab 1972 unterstützte Reliant das kleine Werk bei der Entwicklung der Kunststoffkarosserie für das dort produzierte Dreirad Sunrise Badal,[11] lieferte aber – entgegen der Einträge in einzelnen Quellen – keine technischen Komponenten. Ab 1983 produzierte Sipani den Reliant Kitten in geringen Stückzahlen in Lizenz, nachdem dort der sehr einfache Badal eingestellt worden war und Reliant den Bau des Kitten in Großbritannien aufgegeben hatte. Das Auto wurde in Indien als Sipani Dolphin verkauft. Außerdem entwickelte Reliant eine viertürige Version des Dolpin, der die Bezeichnung Sipani Montana erhielt und bis 1994 im indischen Programm stand. Danach baute Sipani ältere Konstruktionen von Austin Rover in Lizenz.
Reliants Kunststoffkarosserien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1956 begann Reliant mit dem Bau von Kunststoffkarosserien. Die Umstellung auf glasfaserverstärkten Kunststoff hatte einerseits wirtschaftliche Gründe, weil das bis dahin zur Herstellung von Karosserieblechen verwendete Aluminium in der Nachkriegszeit vergleichsweise teuer und zeitweise rationiert war;[12] andererseits erreichten Kunststoffaufbauten ein noch geringeres Gewicht als Aluminiumkarosserien.[13]
Die Karosserie wurde bei den meisten Reliant-Pkw aus Kunststoff gefertigt und auf die Rahmen-Bodengruppe aufgesetzt. Für den Fertigungsprozess wurden relativ viele Arbeitskräfte benötigt sowie viele Negativ-Formen aufgrund der Trocknungszeiten der Kunststoffteile. Ende der 1970er Jahre war man neben dem Handauflegeverfahren für einige einfachere Karosserieteile wie Kofferklappen, Deckel und Türen zum Pressverfahren übergegangen. Polyesterharz und Glasfaser-Vlies wurden bei 150 °C gepresst, oft innerhalb weniger Minuten pro Teil. Der relativ aufwändige Herstellungsprozess ließ Ende der 1970er Jahre eine Stückzahl von 5000–6000 Fahrzeugen pro Jahr zu, bei einer Belegschaft von 2200 Arbeitern und Angestellten.[14]
Als Auftragsarbeiten baute Reliant auch Kunststoffkabinen für die britische Lastwagenreihe Ford D-Serie, Hochdächer für den Ford Transit und den Ford Escort[15] sowie die Kunststoffkarosserien des Gruppe-B-Rallyefahrzeugs Ford RS200.
Reliant im monarchischen Umfeld
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die britische Prinzessin Anne war jahrzehntelang Liebhaberin der Marke Reliant. In ihrer Studienzeit fuhr sie unter anderem einen Reliant Robin. Daneben besaß sie nacheinander acht Reliant und Middlebridge Scimitar. Den ersten erhielt sie zu ihrem 20. Geburtstag, der letzte wurde 2023 stillgelegt.[16]
Reliant in Film und Fernsehen
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Einige Modelle der Firma haben in Filmen, Fernsehserien und Büchern Bekanntheit erlangt, etwa der hellblaue Supervan III, der als Running Gag in mehreren Folgen von Rowan Atkinsons Mr. Bean erscheint und dabei regelmäßig von Mr. Beans Mini „aus der Bahn“ geworfen wird. Außerdem treten ein Supervan III in the Trotters und in Alan Bennetts Buch The Lady in the Van auf. Des Weiteren wurde ein Reliant Robin im Rahmen einer Top-Gear-Folge auf eine selbstgebaute Rakete montiert und in den Himmel geschossen, das so entstandene „Shuttle“ trennte sich aber nicht von der Trägerrakete und wurde mitsamt dieser in den Boden gerammt und bei der Explosion völlig zerstört.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1.
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975, Veloce Publishing plc., Dorchester (1997), ISBN 1-874105-93-6.
- Roger Gloor: Alle Autos der 50er Jahre, Stuttgart, Motorbuch Verlag 2007, ISBN 978-3-613-02808-1
- Don Pither: Reliant Regal and Robin, The History Press (2002), ISBN 978-0750925211.
- John Wilson-Hall: Reliant Three-Wheelers. The Complete Story, Crowood Press (2014), ISBN 9781847978073.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Unternehmensgeschichte auf der Internetseite des Reliant Motor Club (abgerufen am 30. August 2026).
- ↑ Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1, S. 8.
- ↑ Leichtbau-Pick-up. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1980, S. 282.
- ↑ David Tearle: The last days of Reliant Motors at Tamworth. www.davidtearle.com, 2026, abgerufen am 30. August 2016.
- ↑ Übersicht über die Reliant-Modelle der Nachkriegszeit auf der Internetseite des Reliant Motor Club (abgerufen am 3. September 2026).
- 1 2 Der Reliant Rebel auf der Internetseite des Reliant Motor Club (abgerufen am 3. September 2026).
- ↑ Modellgeschichte des Reliant Regal 3/25 und 3/30 auf der Internetseite des Reliant Motor Club (abgerufen am 30. August 2026).
- ↑ Entstehungsgeschichte der Marke Anadol auf anadolturkey.com (abgerufen am 15. Februar 2025).
- ↑ Beschreibung der A2-Reihe auf anadolturkey.com (abgerufen am 15. Februar 2025).
- ↑ Beschreibung des Anadol SV-1600 auf anadolturkey.com (abgerufen am 15. Februar 2025).
- ↑ Geschichte des Sunrise Badal auf der Internetseite www.jalopnik.com (abgerufen am 17. April 2025).
- ↑ Hilton Holloway: Robin’s rest. Car Magazine, Heft 12/2000, S. 106–108
- ↑ John Wilson-Hall: Reliant Three-Wheelers. The Complete Story, Crowood Press (2014), ISBN 9781847978073.
- ↑ Plastkarosserien von Reliant. In: Kraftfahrzeugtechnik. 7/1979, S. 215–216.
- ↑ Michael Burgess: Reliant: The Forgotten Four-Wheelers, Amberley Publishing, 2025, ISBN 978-1-3981-1424-1, S. 11.
- ↑ Scimitar car owned by Princess Anne on display in museum: Nachricht auf bbc.com vom 3. September 2023 (abgerufen am 5. September 2026).
