CHRONIQUE
NEUES AUS DEM STADTARCHIV KÔLN
Zu den Hss W 259 (Albert d. Gr.) und W 268 (Thomas v. Aquin)
Herr Dr. Joachim Vennebusch ist der Ver- fasser einer nunmehr ûberall bekannten und anerkannten Beschreibung der theologischen und philosophischen Handschriften des Kôlner Stadtarchivs (1). Ich habe anderswo ôfters Gelegenheit gehabt die bis jetzt erschienenen Bande seines Opus Magnum zu besprechen (2). Bei meiner Besprechung des letzten der vier erschienenen Bande, der auch die Beschreibung der Hss W 259 und W 268 enthâlt, ergab sich jedoch ein Problem praktischer Art. Einerseits bieten die beiden Hss und ihre Beschreibung zu wichtigen Stoff, als dass ich es mir erlauben dûrfte, sie in aller Stille zu ubergehen. Ander- erseits hâtte ein vollstândiger Bericht mit Sicherheit den Rahmen einer ùblichen Rezen- sion gesprengt. In meiner Rezension habe ich also auf eine eingehende Notiz zur dieser beiden Handschriften verzichtet, habe allerdings zur gleichen Zeit ausfûhrlichere Bemerkungen in Aussicht gestellt. An dieser Stelle môchte ich dann auch mein Versprechen einlôsen und die beiden Einzelhandschriften W 259 und W 268 hier eigens hervorheben.
Die Hs. W259, die allgemein als Albertus- Magnus-Autograph gilt, lenkt durch die Bear- beitung von J. Vennebusch erneuj^ die Auf- merksamkeit auf sich. Wie nâmlich deî* Kata- logbearbeiter beim Durchlesen der Hs. W. 218 feststellen konnte, weiss Thomas von Courcel- les bei seiner Ansprache vor Kônig und Prâla- ten in Bourges im Jahr 1438 davon zu berich- ten, dass die Bibliothek der Predigerbrûder in Kôln ein Exemplar der Postille des Albertus Magnus zum Matthaeus-Evangelium besitzt, das Albert eigenhàndig geschrieben hat (W 218, f. 193r). Dieses zweifelsohne wichtige und bis- lang âlteste Zeugnis gibt hier zu drei Anlass. Zunàchst ist klar, das die Aus-
sage des Thomas von Courcelles von einem gewichtigen Zeugen herrùhrt. Thomas ist wie- derholt Rektor der Universitât Paris, ôfters Universitàtsgesandter beim Kônig und bei den Pâpsten, vor allem auch beim Baseler Kon- zil (3). Er mag seine Information aus den Pari- ser Kreisen (Albertisten oder St. Jakob) oder auch ûber seine Kontakte mit den Kôlner Kon- zilsgesandten in Basel, wie etwa mit dem Albertisten Heymericus de Campo, geschôpft haben. So viel steht wenigstens fest: in den dreissiger Jahren des 15. Jahrhunderts haben die Kreise der Pariser Universitât von der Existenz des Albertus-Magnus-Autographes im Kôlner Dominikanerkonvent gewusst. Zwei- tens ist es sicher, dass die Hs. W259 im 15. Jahrhundert tatsâchlich der Dominikanerbi- bliothek in Kôln gehôrte : der Besitzvermerk (15. Jahrhundert) auf f. F weist es auf. Drit-
(1) J. Vennebusch, Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Kôln. Teil 1 : Die Folio-Handschrif- ten der Gymnasialbibliothek. Teil 2 : Die Quart- Handschriften der Gymnasialbibliothek. Teil 3 : Die Oktav-Handschriften der Gymnasialbibliothek. Teil 4 : Handschriften der Sammlung Wallraf. (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Kôln, herausgegeben von Hugo Stehkàmper. Sonderreihe : Die Handschriften des Archivs. Heft I-IV : Die theologischen Teil 1-4), Kôln-Wien, 1976, 1980, 1983, 1986.
(2) R. Wielockx, in : Philosophie und Théologie, 59, 1984, S. 282-283, 61, 1986, S. 598-599, und 63, 1988, S. 613-614.
(3) H. Denifle - E. Châtelain, Liber procuratorum nationis anglicanae (Alemanniae) in universitate Pari- siensi, 2, Paris, 1897, Sp. 343, Z. 2, Anm. 1 ; Sp. 348, Z. 15 ; Sp. 441, Z. 48 ; Sp. 453, (Z. 2.) Anm. 1 ; Sp. 481, (Z.24,) Anm. 3 ; Sp. 518, (Z. 18,) Anm. 8 ; Sp. 538, (Z. 16,) Anm. 6 ; Sp. 584, (Z. 26,) Anm. 6 ; Sp. 743, (Z. 18,) Anm. 1 ; Sp. 828, Z. 4, Z. 33 ; Sp. 834, Z. 28 ; Sp. 844, Z. 27.
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