NOTES ET MATÉRIAUX
ÛBER DIE RESTE EINER NORDWESTFRANZÔSISCHEN BIBEL AUS DER KAROLINGERZEIT IN DER STADTBIBLIOTHEK TRIER
Angeregt durch Karl den GroBen sind wâhrend seiner Regierungszeit verschiedene Versuche unternommen worden, die unterschiedlichen umlaufenden Texte der Bibel zu vereinheitlichen und in eine gûltige Form zu bringen. Am bekanntesten sind die Unternehmungen Alkuins, der als Abt von Tours in seinem Kloster eine Tradition der Bibelerstellung begrùndete, die ûber 100 Jahre lang zur Produktion streng normierter touronischer Bibeln fiihrte (l).
Neben Alkuin dûrfen jedoch andere Bemuhungen zur Bibelkorrektur nicht vergessen wer- den (2). Wie Alkuin entwickelte der Spanier Theodulf einen Pandekten, also eine Bibelhand- schrift mit dem gesamten Alten und Neuen Testament. Theodulf war ab 798 Bischof, ab 800 Erzbischof von Orléans (f821) sowie u.a. auch Abt von Fleury(3). Der von ihm geschaffene Bibeltypus war eine dreispaltige Bibel, die in kleinen, aber gut lesbaren Minuskeln geschrieben ist (4). Ihr fehlen der Reichtum der Schriftarten der touronischen Bibeln und deren spektaku- làre Initialen.
Dem Theodulf-Typ entsprechend wurde um 840-850 in einem noch nicht identifizierten nord- westfranzôsischen Skriptorium (5) ein dreispaltiger Pandekt hergestellt. Dieser gelangte — àhnlich einer Bibel aus Tours — im Mittelalter in den Besitz der Abtei St. Maximin vor Trier und er teilte auch das Schicksal des touronischen Pandekten : Nach der Erfindung der Buch- druckerkunst mit Hilfe beweglicher Lettern wurde er zerschnitten und fur Falze und als Innen- deckel fur die Buchrûcken der neu einzubindenden Bûcher verwandt.
Bereits im Jahre 1960 hat Richard Laufner im Rahmen seiner Untersuchungen ùber den Bereich der Bibliothek von St. Maximin (6) auf 22 lose Fragmente dieser nordwestfranzôsischen
(1) B. Fischer, «Die Alkuin-Bibeln », in : Lateinische Bibelhandschriften im frùhen Mittelalter (= Aus der Ge- schichte der lateinischen Bibel II), hrsg. von H. J. Frede. Freiburg 1985, 203-204 (zuerst erschienen in : Die Bibel von Moutier-Grandval, British Museum Add. Mss 10546, Bern 1971, 49-98).
(2) B. Fischer, « Bibeltext und Bibelreform unter Karl dem Grofien », in : Lateinische Bibelhandschriften (wie Anm. 1) 101-202 (zuerst erschienen in : Karl der Grofie, Lebenswerk und Nachleben, Band II : Das geistige Leben, hrsg. von B. Bischoff. Dùsseldorf 1965, 156-216).
(3) D. Schaller, Artikel : Theodulf von Orléans, in : Lexikon fur Théologie und Kirche X Sp. 52f. ; Fischer (wie Anm. 2) 135-147.
(4) J. Plotzek in : Die Handschriften der Sammlung Ludwig I, bearbeitet von A. van Euw und J. P., Kôln 1979, 49-52, nàhere Beschreibung der Schrift und der Schrifttypen (mit Abbildung) 50-52.
(5) Freundliche Auskunft von Professor Bernhard Bischoff bei seinem Arbeitsbesuch in der Stadtbibliothek Trier vom 16.-19.11.1987.
(6) B. Laufner, « Vom Bereich der Trierer Klosterbibliothek St. Maximin in Hochmittelalter », in : Armaria Trevirensia. Beitràge zur Trierer Bibliotheksgeschichte. Zum 50. Deutschen Bibliothekarstag hrsg. von H. Schiel. Trier 1960, 9-35, wiederabgedruckt mit Ergànzungen in : Armaria Trevirensia 2. Aufl. hrsg. von G. Franz (= Bibliotheca Trevirensis I), Wiesbaden 1985, 15-43, hier 29.
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