Wikipedia:Wiki Loves Folklore 2026/Deutschland/Preisträger
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Plätze 1 bis 10

Bewertung der Jury: „In Blankenheim in der Eifel hüpfen und tanzen die Narren am Karnevalssamstag durch den verdunkelten Ort, um als Frühlingsgeister die finsteren Winterdämonen zu vertreiben. Zur Musik des traditionellen Karnevalsmarsches „Juh-Jah Kribbel en d’r Botz“ zieht hier die Blankenheimer Obergeistin, die zugleich die gewählte Karnevalsprinzessin ist, hoch zu Ross mit ihrem Gefolge durch die Stadt. Am historischen Georgstor, das mit roten bengalischen Lichtern in Szene gesetzt ist, passieren die Gruppen dabei die Kaisergarde. Prinzessin Eva I. ist der dritte weibliche Obergeist in Blankenheim. Der Fotograf Superbass lässt in seinem technisch hervorragenden Bild den Betrachter in die geisterhafte Stimmung dieser alten Tradition eintauchen, die bis ins Jahr 1613 zurückreicht.“

Bewertung der Jury: „Das Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik zur Herstellung von Spitzen, die in der frühen Neuzeit aus Italien in deutsche Gefilde kam. Während früher in einigen Landstrichen mit Klöppeln der Lebensunterhalt verdient wurde, wird dieses anspruchsvolle Handwerk heute in Deutschland vielfach noch als Hobby ausgeübt; in der Textilwirtschaft verarbeitete Spitzen werden hingegen mit Maschinen geklöppelt. Das hervorragende Bild von Benutzerin Geolina163 zeigt ein Klöppelkissen und lässt eindrucksvoll erkennen, wie kompliziert diese Technik in Handarbeit ist. Es sind die Hände einer Klöpplerin zu sehen, die die zahlreichen mit Nadeln fixierten Fäden im Wechsel verdrehen, verkreuzen, verknüpfen und verschlingen und so eine kunstvolle Spitze erzeugen. Spitze!“

Bewertung der Jury: „Die „Kinderzeche“ in der früheren Reichsstadt Dinkelsbühl in Mittelfranken kombiniert ein im Jahre 1629 erstmals erwähntes Schulfest mit einem 1897 geschriebenen historischen Schauspiel. Dieses handelt von einer Sage um die Türmerstochter Lore, die im Dreißigjährigen Krieg geschickt die Aufhebung der Belagerung von Dinkelsbühl durch die schwedischen Soldaten bewirkt hat. Die Kinderzeche findet jährlich im Juli statt. Neben dem mehrfach aufgeführten Festspiel finden auch Kindertänze und ein Festzug in historisierenden Kostümen statt. Neben Schulkindern beteiligen sich zahlreiche weitere Akteure am Aufzug. Der Brauch wurde im Jahr 2014 in das bayerische und im Jahr 2016 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen. Das Bild von Ursula Jaeger setzt das zentrale Thema des Festes der Kinderzeche, den Umzug der Kinder, gekonnt in Szene. Der Standort am Ledermarkt wurde von der Fotografin geschickt gewählt, so dass die Kindergruppe im Streiflicht der Sonne steht. Dadurch wirken ihre Gesichter der Kinder natürlicher. Diese dominieren die Szene so stark, so dass die Zuschauer nicht auffallen und den historischen Charakter der Aufführung nicht beeinträchtigen.“

Bewertung der Jury: „Das Verzieren von Eiern ist eine sorbische Tradition in Sachsen und Brandenburg. Es hat sich über die Jahre zu einer kleinen Kunstform entwickelt, deren Anwendung von Generation zu Generation weitergegeben wird. Akribisch und geduldig setzt die Frau auf dem Foto filigrane Muster auf ein gefärbtes Hühnerei. Es ist der Anfang einer langwährenden Prozedur. Der Fotografin Jasnaah gelingt es, diesen fast meditativ wirkenden Moment einzufangen. Das Bild ist auf dem sorbischen Ostereiermarkt in Bautzen entstanden. Es vermittelt jedoch nicht den Eindruck einer hektischen Verkaufsveranstaltung, sondern zeigt Ruhe und familiäre Intimität. Diese Nähe wird durch die Close-up-Aufnahme auf die Hände erzeugt, die mit einem Federkiel Wachs in kleinen geometrischen Formen auf das Ei aufbringen. Der Markt wird damit zum Ort des Innehaltens, des Weitergebens von lebendigen Traditionen.“

Bewertung der Jury: „Manchmal ist es ein einziger, intensiver Augenblick, der Tradition begreifbar macht: In diesem Foto von Fyrtaarn sehen wir den Moment des Heißbeschlags eines Pferdes – genau den Augenblick, in dem das glühende Eisen auf den Huf gepresst wird und Rauch aufsteigt. Dieser Rauch, entstanden durch das verbrannte Hufhorn, stört nicht, sondern wird zum gestalterischen Element: Er legt sich wie ein Vorhang über den Hintergrund und zwingt den Blick des Betrachters dorthin, wo er hingehört: auf die Arbeit am Huf. Die Szene ist dabei nicht nur dokumentarisch, sondern auch präzise komponiert. Eine Person hält das Pferdebein, während der Hufschmied mit der Zange das Hufeisen führt und ansetzt. Das eigentliche Geschehen – der Huf im Zentrum – ist scharf fokussiert. Die Körper der Beteiligten sind deutlich angeschnitten, aber gerade dadurch wirken sie wie ein Rahmen um das Hauptmotiv: Hände, Arme, Werkzeug und Haltung bilden eine Art visuelle Klammer, die die Konzentration und die körperliche Zusammenarbeit dieses Handwerks spürbar macht. So entsteht ein Bild, das Tradition nicht romantisiert, sondern in ihrer Praxis zeigt: Arbeit, Hitze, Routine, Verantwortung – und eine jahrhundertealte Technik, die bis heute in lebendigen Zusammenhängen vorgeführt und weitergegeben wird. Genau darin trifft das Foto den Kern von Wiki Loves Folklore: Es macht immaterielles Kulturerbe sichtbar, als Handlung, als Können, als überliefertes Wissen im Hier und Jetzt. Mit seiner Mischung aus Nähe, Klarheit und unerwarteter Ästhetik gehört dieses Bild für die Jury zu den herausragenden Beiträgen des Wettbewerbs.“

Bewertung der Jury: „Ab dem 14. Jahrhundert bekamen einzelne Zünfte das Privileg verliehen, mit Messern und spitzen Waffen Tänze darzustellen. In das historische Fest der „Kinderzeche“ in der in der früheren Reichsstadt Dinkelsbühl wurden neben dem Umzug der Kinder Tänze der Zünfte aufgenommen. Die Zunfttanzgruppe schließt mit ihren Aufführungen den Festzug ab. Der Schwertertanz wird seit 1925 wieder aufgeführt. Das Bild zeigt eine Szene aus dem Schwertertanz, der wohl beeindruckendsten Darbietung im Festumzug der Kinderzeche. Der Standort am westlichen Straßenrand des Weinmarktes wurde von der Fotografin Ursula Jaeger so gewählt, dass alle zentralen Elemente des Tanzes ungestört und gut ausgeleuchtet wiedergegeben werden. Das Hochformat und die passende Wahl der Entfernung zu den Tänzern ermöglichen es, die Gruppe in ihrer Gänze darzustellen und den Blick auf die Hauptprotagonisten zu lenken. Mit der Wahl dieses Motivs bereichert die Fotografin die Dokumentation des historischen Festspiels in besonderer Weise.“

Bewertung der Jury: „Die Fronleichnamsprozession in Bamberg hat eine jahrhundertealte Tradition. Ihre Anfänge gehen zurück auf das Jahr 1390. Im Vordergrund ist im „Massdä-Bild“ (fränkisch: Meister-Bild) Christus als Gärtner dargestellt, der Maria Magdalena als Auferstandener erscheint. Im Hintergrund zu sehen ist die Figur Papst Urbans IV., der das Fronleichnamsfest im 13. Jahrhundert in die kirchliche Liturgie einführte. Das Foto setzt sowohl die prachtvollen Figuren als auch den farbenfrohen Blumenschmuck in besonders gelungener Weise in Szene. Dies wird unterstützt durch ein gekonntes Spiel mit Schärfe und Unschärfe und die durchdachte Nutzung des Sonnenlichts, das die goldenen Elemente der beiden Figuren ausgezeichnet hervorhebt. Dabei bildet die St.-Martins-Kirche eine passende Kulisse. Der Papst mit seinen Insignien Tiara und Hirtenstab – im Hintergrund in angemessener Unschärfe gehalten – folgt auf das Christusbild und erscheint so als der Nachfolger Christi auf Erden. Das Foto von Pepcemor überzeugt daher auch durch eine überaus gekonnte Komposition.“

Bewertung der Jury: „Präzise wie eine Chirurgin handhabt die Bildhauerin der Dombauhütte Köln ihr „Operationsbesteck“: Mit der linken Hand überträgt sie mit dem Punktiergerät, einer Art Zirkel, die genauen Maße vom Gipsmodell auf das vor ihr liegende Werkstück aus Sandstein. In der rechten Hand arbeitet sie mit einem druckluftbetriebenen Werkzeug den Stein ab. Ihr Ziel ist eine möglichst genaue Rekonstruktion eines bestehenden Steines, der nicht mehr an seinem alten Platz bleiben konnte. Die Fotografin Elya hat sich für ihre Fotoserie in der Dombauhütte sehr viel Zeit genommen und die Arbeitsschritte genau beobachtet. In der engen Werkstatt ist ihr mit dem Blick von oben auf die Handwerkerin und ihre Arbeit ein ungewöhnliches Bild gelungen, in dem die schwarze Jacke, die schwarze Mütze und die schwarze Lampe mit Absauggerät die linke Bildhälfte bestimmen und dem hellbeleuchteten Stein viel Raum geben. Die alte Bruchsteinmauer gibt dem Bild nach hinten Halt, der blaue Druckluftschlauch fängt das Bild nicht nur nach unten auf, sondern zeigt auch die heutige Zeit sehr präsent im alten Handwerk, das sich ansonsten seit der Bauzeit der mittelalterlichen Kathedralen kaum verändert hat. Das ist der Grund, warum das Bauhüttenwesen 2020 in das UNESCO-Register Guter Praxisbeispiele des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.“

Bewertung der Jury: „Im oberbayerischen Rupertiwinkel rund um Traunstein und im angrenzenden Salzburger Flachgau markiert das Aperschnalzen das Ende des Winters. Dabei wird in Kleingruppen, sogenannten Passen, mit Peitschen (Goaßln) ein rhythmisches Schnalzen und Knallen erzeugt. Der laute Knall, den die Goaßl erzeugt, soll symbolisch den Winter vertreiben und auf den wiederkehrenden Frühling überleiten. Der Brauch wird meist in Form eines Wettkampfes zwischen verschiedenen Ortsgruppen ausgeübt. Bewertet wird der Auftritt nur nach dem akustischen Eindruck. Das Aperschnalzen ist in Österreich als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Während das Schnalzen ursprünglich erwachsenen Männern vorbehalten war, ist das Teilnehmerfeld heute vielfältig: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Mädchen und Buben, Frauen und Männer kämpfen um die Preise. Der Fotograf Jan Czeczotka vermittelt in seinem Bild der Pass Roßdorf eindrücklich die Dynamik und Energie, mit der diese Tradition heute gelebt wird.“

Bewertung der Jury: „Zum Besuch eines Volksfestes (oder einer Dult, wie man in Bayern vielerorts sagt) gehören auch Gerüche von Zuckerwatte, Bier oder Fisch. Der Duft von gebratenen Fischen ist intensiv, mancher mag ihn, mancher rümpft die Nase und geht schnell am Fischstand vorbei. Der Steckerlfisch auf einer Dult ist aber tatsächlich für viele Menschen der wirkliche Anlass, ein Volksfest zu besuchen. Die ausgenommenen Fische werden auf dünne Holzstecken gespießt und über offenem Feuer gebraten. In diesem Fall sind es heimische Süßwasserfische, Forellen oder Saiblinge, die mit einer Würzmischung eingerieben vorsichtig gebraten werden. Der Fisch wird, wenn er gar ist, vom Steckerl gezogen und in Papier eingewickelt. Die Kundschaft begibt sich mit dem noch heißen eingewickelten Fisch zum nächsten Bierzelt, wo er direkt aus dem Papier gegessen wird. Den hier fotografierten Fischen sieht man an, dass sie schön saftig und zart sind, auch die glänzende, gepunktete Fischhaut hat die Fotografin Kritzolina in perfektes Licht gesetzt. Der untere Bildabschluss mit dem Metallrahmen des Grills nimmt den Silberglanz der Fische auf. Es gelingt auf ungewöhnliche Weise mit der Nahaufnahme des gewählten Fischmotivs, den ganzen Zauber eines Volksfestbesuchs als Kopfkino beim Betrachter zu starten. Inklusive dem verlockenden Geruch!“
Plätze 11 bis 30
- 13. Platz: Mölchlein mit Fronleichnamsprozession in Wackersberg im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
- 19. Platz: Nadar13a mit Vorsorgeuntersuchung mit dem Pinard-Rohr im Geburtshaus Göttingen im Landkreis Göttingen
- 21. Platz: Pepcemor mit Skulptur der Schutzpatronin Maria Magdalena bei der Fronleichnamsprozession in Bamberg
- 24. Platz: Würmchen mit Gruppe von vier Alphornbläsern bei der Bergmesse auf der Alpe Buhl im Allgäu
- 25. Platz: Würmchen mit Bürger auf dem Kutschwagen beim Festzug der Kinderzeche in Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach
- 29. Platz: Geolina163 mit Drechseln von Spanbäumen im Nussknackermuseum in Neuhausen/Erzgeb. im Landkreis Mittelsachsen
Plätze 31 bis 50
- 35. Platz: Vux mit Glasbläserei von Christbaumkugeln auf dem Esslinger Mittelalter- und Weihnachstmarkt im Landkreis Esslingen
- 39. Platz: Geolina163 mit Holzgeschnitzte Petrusfigur im Museum Olbernhau im Rittergut Olbernhau im Erzgebirgskreis
- 41. Platz: Justyna Michniuk Neu! mit Mutter und Tochter beim 180. Zapust (Fastnacht) in Zaspy (Cottbus-Saspow)
- 45. Platz: Rainer Halama mit Steampunk beim Internationalen Familienfest am LWL-Museum Textilwerk in Bocholt im Kreis Borken
- 50. Platz: Rainer Halama mit Kandierte Äpfel auf einem Weihnachtsmarkt in Osnabrück
Lobende Erwähnung der Jury
Die Jury lobt ausdrücklich die spannende Serie der Fotografin Elya, die die Arbeit in der Kölner Dombauhütte dokumentiert hat. Mit zahlreichen unterschiedlichen Aufnahmen hat sie dieses Handwerk in seinem Facettenreichtum dargestellt. Das Bauhüttenwesen ist seit 2018 als immaterielles Kulturerbe in das Bundesweite Verzeichnis aufgenommen.
Folgende Bilder stehen exemplarisch neben den bereits ausgezeichneten Bildern für die hohe Qualität und Bandbreite der Serie:
Sonderpreis
Folgende drei Videos erhalten Sonderpreise:
- Jan Czeczotka mit Gruppe von vier Alphornbläsern bei der Bergmesse auf der Alpe Buhl im Allgäu (0′57″) – Neben dem Klang der Alphörner wurde als besonders spannendes Element der kleine neugierige Junge angesehen, der großes Interesse an der Weitergabe der Tradition zeigt.
- Ermell mit Schmied bei der Arbeit in der Alten Schmiede beim Schmiedefest in Vorra im Landkreis Nürnberger Land (0′58″) – Der Betrachter hört die Geräusche beim Schmieden des Eisens; er sieht, wie schweißtreibend die Arbeit ist, und fragt sich interessiert, was für ein Objekt hier erstellt wird.
- Jan Czeczotka mit Preisschnalzen in Waging am See im Landkreis Traunstein (1′38″) – In dem Video werden die verschiedenen Passen, die an der Veranstaltung teilnehmen, gezeigt. Das Video vermittelt einen Eindruck von der Lautstärke des Knallens und von der Kraft, die benötigt wird, um die Peitschen zu schwingen.