Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: So weit sind wir schon: Dass sich die zerstrittene Koalition in dieser Woche auf einen »Arbeitsprozess« einigen konnte, ist ein Grund, erleichtert zu sein. Union und SPD sind noch gewillt, miteinander zu arbeiten. Vielleicht gibt’s irgendwann sogar Ergebnisse.
Schlecht: In Großbritannien wackelt Keir Starmer. Seit dem Brexit-Referendum, also seit zehn Jahren, hat das Land fünf Premierminister verschlissen. Früher nannte man diese Instabilität »italienische Verhältnisse«. Inzwischen ist das »very British«.
Gemessen am kulturellen Gewicht der Veranstaltung erscheint das neu überarbeitete Logo des Eurovision Song Contest in Wien ganz besonders leicht, fast schwerelos. Harmlos wie ein mit Helium gefüllter Ballon in bunten, aber nicht regenbogenbunten Farben. Herzförmig wie das V im Schriftzug »Eurovision«, das bisher immer mal mit den Landesfarben des Gastgebers ausgemalt war. Als hätte eine etwas nervöse KI das Adjektiv »unpolitisch« in eine Grafik verwandelt. fra
Hier stehen sie und wollen nicht anders: Wir befinden wir uns im Paul-Löbe-Haus zu Berlin bei der Verkündung des frisch reformierten Gebäudeenergiegesetzes. Die beiden federführenden Ministerinnen Verena Hubertz (SPD, Wohnen und Bauen) und Katherina Reiche (CDU, Wirtschaft) verkörpern hier sinnbildlich den Zustand der schwarz-roten Koalition: Sehr glücklich sehen sie nicht aus. Was sie beschlossen haben, dient wohl vor allem der Beruhigung einer Wählerschaft, die sich von der Vorgängerregierung und vor allem von deren grünem Wirtschaftsminister Robert Habeck auf unverschämte Weise gegängelt sah. Die neue Regelung lässt nun im Heizungskeller auf den ersten Blick alles beim Alten, in Wirklichkeit jedoch werden herausfordernde Veränderungen nur verschoben. kuz
Gegenstand der Politik
Foto: Maks Peoplenko / Shutterstock
Die Mango
Diese tropische Frucht gibt es seit dieser Woche auch als Koalition: in München, natürlich Süddeutschland. Dort haben sich fünf Partner für den städtischen Koalitionsvertrag farblich zu diesem Obst zusammenaquarelliert. Dabei sind die Fraktionen der Grünen/Rosa Liste, der FDP/Freie Wähler – der Rotstich kommt von der SPD. Das gab es noch nie. Mit der Mangokoalition ist der in Deutschland praktizierte politische Obstsalat noch bunter geworden. Oder besser: exotischer? Im Dezember 2024 schlossen sich die CDU, SPD und das BSW zusammen, um gemeinsam in Thüringen zu regieren. Sie wurden Brombeerkoalition genannt. Die Brombeere ist ein stacheliges, heimisches Gewächs, das sich über starke Wurzeln ausbreitet und undurchdringliche Hecken bildet. Der frisch vereidigte, 35 Jahre alte neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause geht ins Risiko: Die Mango ist ein Flugobst mit indischen Wurzeln, zwar köstlich – aber leicht verderblich. Man pflückt es als Versuchung vom Baum, wie Evas Apfel. Bei den gegenwärtigen, zersplitterten Verhältnissen wird es immer schwieriger, mit nur zwei Parteien eine Koalition zu bilden. Die deutsche Politik wird zunehmend Tuttifrutti. ded
Landauf, landab
Sonnenuhr Die Tage werden länger, die Monate mit dem meisten Sonnenschein stehen vor der Tür. Zeit für einen Rückblick: Laut dem Klimastatusbericht des Deutschen Wetterdienstes wurden in Deutschland 2025 im Mittel 1914 Sonnenstunden gemessen. Demnach belegte das vergangene Jahr Platz fünf der sonnenscheinreichsten Jahre seit 1951.
Doch es gibt deutliche regionale Unterschiede. Besonders sonnig war es in der Bundeshauptstadt: Berlin liegt mit 2068,4 Stunden vorn. Wenig überraschend landen die meisten nördlichen Bundesländer in der zweiten Tabellenhälfte. Schlusslicht ist allerdings Nordrhein-Westfalen mit nur 1820,6 Stunden Sonne. bbr
»Blut ist Russlands Kunst«, riefen die Feministinnen von Pussy Riot vor dem russischen Pavillon – damit demolierten die russischen Aktivistinnen die Kulisse, die Wladimir Putin sich für die Biennale in Venedig zurechtgezimmert hatte, mit einem Satz. Drinnen: Folkloregruppen, sibirische Kehlkopfgesänge, die Atmosphäre eines Blumenladens. »Der Baum ist im Himmel verwurzelt«, lautet das fröhliche Motto der am Samstag eröffneten Show. Ob Russland trotz des Ukrainekriegs an der Biennale teilnehmen sollte, war zuvor heftig debattiert worden. hor
Milliarden US-Dollar Gewinn erwirtschaftete Shell im ersten Quartal 2026 – mehr als doppelt so viel wie im Vorquartal. Der Mineralölkonzern profitierte vom Anstieg des Ölpreises im Zuge des Irankriegs.
Foto: Michael Bihlmayer / CHROMORANGE / picture alliance
Akkurater Chaot
In vielen Gärten wird wieder nach dem Chaosprinzip gearbeitet. Akzeptiert ist es aber nur bei Mährobotern, weil bei den scheinbar zufälligen Richtungswechseln am Ende ein akkurat gestutzter, teppichähnlicher Rasen herauskommt. Die perfekte Spielerei für technikaffine Gartenbesitzer. Naturschützer prangern die surrenden Helfer als Todesfallen für Igel und Feinde von Insekten an: Wo ständig gemäht wird, fehlen Blumen und Kräuter als Nahrung. Kommunen wie zuletzt der Landkreis Gießen verbieten Nachtfahrten. Hersteller kontern mit angeblich tiersicheren Klingen und Apps, mit denen sich Mähverbotszonen als verwilderte Schutzräume festlegen lassen. Das ermöglicht der Natur wenigstens ein bisschen echtes Chaos. mmq
Ei pro Tag, mindestens fünfmal in der Woche, soll helfen, das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung um 27 Prozent zu senken. Wie Forschende aus den USA berichten, ist die Zubereitungsweise zweitrangig, auch versteckte Eier, etwa in Kuchen, wirkten sich offenbar positiv aus.
Ein Himmel wie für Götter: Wer solche Bilder von unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, aufnehmen will, muss wie der spanische Fotograf Daniel Viñé Garcia in die Puna reisen. Die spektakuläre Hochebene im Nordwesten Argentiniens ist voller Salzseen und Vulkane, aber menschenleer und ohne Straßen oder Häuser. Darum gibt es dort so gut wie kein störendes Streulicht, das die Aussicht auf die Milchstraße mit ihren Milliarden Sternen trüben könnte. Für dieses Bild wurde Garcia beim diesjährigen Wettbewerb »Milky Way Photographer of the Year« ausgezeichnet. me
Bei einem Wettlauf muss es nicht immer um Bestzeiten gehen; manchmal reicht es aus, stolperfrei von A nach B zu kommen. Beim High Heel Race steht der Spaß im Vordergrund, auch wenn das Sprinten auf hohen Absätzen enormes koordinatives Geschick erfordert. Veranstaltungen sind oft an Pride- oder Drag-Events gekoppelt, mitunter werden die Heels gar mit Kostümen kombiniert. Die Teilnahme steht allen Geschlechtern offen. In Städten wie Washington oder Madrid finden High Heel Races regelmäßig statt und sind jedes Mal Publikumsmagneten. cev
Foto: Michael Bihlmayer / CHROMORANGE / picture alliance
Foto: Daniel Viñé
Foto:
Scott Barbour / Getty Images
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