Top-Ernte trotz Hitzesommers: „Bäume haben sich gebogen“
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Trotz schneearmen Winters, trockenem Frühjahr und ungewöhnlicher Sommerhitze fällt die Erntebilanz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen überwiegend positiv aus.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf einen schneearmen Winter folgten ein trockenes Frühjahr und ein ungewöhnlich heißer Sommer. Ob unter solchen Vorzeichen das Erntedankfest am Sonntag, 4. Oktober, wirklich ein Grund zum Feiern wird? Bei Bauern und Gärtnergemeinschaften im Landkreis fällt die Bilanz trotz der Wetterextreme positiv aus.
„Es ist ein Apfeljahr“, freut sich Rose Beyer, Sprecherin des „Tölza Garten“. „Wir haben so viele und so schöne Äpfel wie noch nie. Die Bäume haben sich gebogen.“ Die Apfelernte in dem Gemeinschaftsgarten am Tölzer Franziskuszentrum sei eigentlich immer reichlich, „aber oft waren die Früchte klein oder verhagelt“, erklärt Beyer. „Heuer sind sie perfekt.“ Üppig sei die Ausbeute auch bei Birnen, Pfirsichen und Quitten – bei letzterer Sorte sei nun sogar ein Baum unter Last der Früchte umgefallen, erzählt sie.
Paprika, Tomaten und Gurken gedeihen
Das Obst möge es gern heiß. Die Trockenheit hätten die Gärtner durch viel Gießen ausgeglichen, sagt Beyer. Einige Früchte hängen ihr zufolge noch an den Bäumen, der Rest werde zu Strudeln, Mus oder gedörrten Apfelringen verarbeitet. Nur bei den Beeren und den Trauben sei für die Gartler dieses Jahr nicht so viel zu holen gewesen. „Da waren die Vögel schneller und haben alles gefressen.“

Von einem „überdurchschnittlich guten Jahr“ spricht auch Sebastian Girmann, Vorstand bei der genossenschaftlich betriebenen Lenggrieser Gärtnerei BioTop Oberland. Man habe kontinuierlich bewässert, und das schöne, trockene Wetter habe den Gärtnern ermöglicht, jederzeit auf dem Feld zu arbeiten und die Pflanzen gezielt zu pflegen. „Es war für uns leichter als in einem verregneten Sommer“, sagt Girmann. Besonders gut gediehen ihm zufolge wärmeliebende Kulturen. In den Gewächshäusern verzeichne man „das beste Jahr überhaupt“. Bei Paprika, Tomaten und Gurken sei die Ernte überdurchschnittlich. Im Freiland seien Kürbisse und Zucchini „wunderbar gewachsen“. Etwas unter der Hitze gelitten hätten lediglich einige Kulturen, die erst im späten Herbst geerntet werden, und die man in einer sehr heißen Zeit habe anpflanzen müssen, etwa Zuckerhut, Radicchio und Endivien.
So einen Sommer „haben wir noch nie erlebt“
Etwas Sorgen um die Ernte hatte sich der Tölzer Bauer Martin Sappl vom Zwickerhof gemacht. „So einen Sommer wie heuer haben wir noch nie erlebt“, sagt er. „Aber letztlich sind wir bei uns in der Region mit einem blauen Auge davongekommen.“ Bei seinen Kartoffeln verzeichne er zwar „keine Rekordernte“, dafür sei die Qualität sehr gut. Gerade mit der Ernte der frühesten Sorte Anuschka zeigt sich Sappl zufrieden. „Das ist auch unsere Hauptsorte.“ Dieser Tage erntet er noch die Sorten Laura – rotschalig und vorwiegend festkochend – sowie die mehligkochende Rumba.
Kein einziges schweres Gewitter
Im Grünland hätten Hitze und Trockenheit auf alle Fälle ihre Spuren hinterlassen, sagt Sappl. „Wenn es viele Jahre hintereinander so ist, wird das zum Problem für alle Landwirte.“ Im Moment setzt er noch darauf, dass der letzte Schnitt des Jahres besser wird. „Wir sind froh, dass der Herbst jetzt den Sommer ein bisschen ausgleicht.“
Auch Bauern-Kreisobmann Peter Fichtner berichtet von einem glimpflichen Ausgang der Grünlandsaison. Ab Mitte August habe es doch wieder den ein oder anderen Schauer gegeben. „Teilweise steht das Gras jetzt wieder erstaunlich gut“, sagt der Heilbrunner. Natürlich gebe es Unterschiede. „Es kann an einem Ort geregnet haben, und einen Kilometer weiter ist nichts heruntergekommen“, sagt Fichtner. Auch sehe es im Südlandkreis mit seinen schweren Böden tendenziell besser aus als im Nordlandkreis, wo kiesige Böden dominieren. Grundsätzlich ist Fichtners Eindruck aber: „In unserer Region braucht keiner zu jammern. Die Tennen sind voll.“ Positiv hebt er vor allem hervor: „Wir haben kein einziges schweres Gewitter gehabt.“
Weniger Borkenkäferbefall als befürchtet
Aufatmen könnten auch die Waldbauern. „Bei der Trockenheit hätte man einen starken Borkenkäferbefall erwartet, aber es ist weniger Käferholz angefallen als befürchtet.“ Auch beim Silomais habe „alles gepasst“, so Fichtner.
Kreisbäuerin Ursula Fiechtner aus Rothenrain schätzt die Lage genauso ein. Sie fügt in der Erntebilanz aber noch ihre Perspektive als „Frau mit Blumentöpfen rund um den Hof“ hinzu, wie sie sagt. Wegen des ununterbrochenen Sonnenscheins habe sich die Erde in den Töpfen zu stark aufgeheizt, schildert sie. „Da haben einige Pflanzen trotz Gießens kapituliert“, sagt Fiechtner. „Andersrum: Bei Regen und Feuchtigkeit sind‘s die Schnecken.“ Es sei halt ein „ewiger Kampf, den man im Frühjahr optimistisch beginnt – und man hofft.“