In den USA stehen die Midterms an. Die Wahlen könnten die Machtverhältnisse enorm beeinflussen. Ein Überblick zu den wichtigsten Fakten und Entwicklungen.
Die Midterms 2026 gelten als eine der wichtigsten Zwischenwahlen der jüngeren US-Geschichte. Am 3. November 2026 werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Senatssitze neu vergeben. Für Präsident Donald Trump steht die Zukunft seiner politischen Agenda auf dem Spiel, denn die Republikaner verteidigen hauchdünne Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Die Demokraten benötigen nur wenige Sitzgewinne, um die Kontrolle zurückzuerobern.
| Alle Infos zu den Midterms 2026 | |
|---|---|
| Art | Zwischenwahlen (Midterm Elections) |
| Termin | 3. November 2026 |
| Repräsentantenhaus | Alle 435 Sitze werden neu vergeben |
| Senat | 35 Sitze zur Wahl (22 Rep., 13 Dem.) |
| Gouverneurswahlen | 36 Bundesstaaten und drei Territorien |
| Bedeutung | Zusammensetzung des 120. US-Kongresses |
Die Zwischenwahlen, auch „Midterm Elections" genannt, finden zur Halbzeit der Präsidentschaft statt und gelten als Stimmungsbarometer für die Politik des amtierenden Präsidenten. Senat und Repräsentantenhaus bilden zusammen den gesetzgebenden Kongress der USA. Neben den Kongresswahlen finden zeitgleich 36 Gouverneurswahlen in den Bundesstaaten sowie drei in US-Territorien statt. Auch zahlreiche Bürgermeister und Länderparlamente werden gewählt. Die Midterms 2026 bestimmen die Zusammensetzung des 120. US-Kongresses und könnten die zweite Amtszeit von Donald Trump entscheidend prägen.
Vor Midterms 2026: Republikaner im Repräsentantenhaus unter Druck
Die Ausgangslage für die Republikaner im Repräsentantenhaus ist prekär. Nach den Wahlen 2024 verfügen sie nur über eine Mehrheit von fünf Sitzen. Trotz Donald Trumps Sieg bei der Präsidentschaftswahl fiel die republikanische Stimmenanzahl im Repräsentantenhaus um 0,2 Prozentpunkte, was zum Verlust von zwei Sitzen führte. Die Demokraten benötigen lediglich einen Nettogewinn von drei Abgeordneten, um die Kontrolle über die Kammer zurückzuerobern. Für eine Mehrheit sind 218 der insgesamt 435 Sitze erforderlich.
Historisch betrachtet verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen fast immer an Boden. In 20 der letzten 22 Midterms seit 1938 musste die Präsidentenpartei Verluste hinnehmen. Nur zwei Ausnahmen gab es: 2002, als George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September eine Zustimmungsrate von 63 Prozent hatte, und 1998, als 66 Prozent der Amerikaner Bill Clintons Arbeit trotz der Impeachment-Krise für gut befanden. Trumps Netto-Zustimmungswert lag knapp ein Jahr vor den Midterms bei minus 18 Prozentpunkten – deutlich unter den Werten seiner Vorgänger.
Rekordverdächtige Rücktrittswelle im Repräsentantenhaus vor den Midterms 2026
Bis zum 29. Mai 2026 haben 60 Abgeordnete ihren Rückzug angekündigt. Bereits im Dezember 2025 waren es mehr als zehn Prozent aller Mitglieder des 119. Kongresses, die nicht erneut antreten wollten – ein Rekordwert im Repräsentantenhaus. Viele Abgeordnete bewerben sich stattdessen für andere Ämter: Zahlreiche Republikaner kandidieren für den Senat oder für Gouverneursposten in ihren Bundesstaaten. Unter den prominenten Rücktritten befinden sich etwa Nancy Pelosi, die seit 1987 im Kongress saß, sowie langjährige Abgeordnete wie Steny Hoyer und Jerry Nadler auf demokratischer Seite.
Auf republikanischer Seite übertrifft die Zahl der Rücktritte den bisherigen Rekord von 2018. Mit den Ankündigungen von Kevin Hern und Sam Graves im März 2026 waren es 36 republikanische Abgeordnete, die nicht zur Wiederwahl antraten. Hinzu kommen die bereits im Januar 2026 zurückgetretene Marjorie Taylor Greene sowie acht Abgeordnete, die bis Dezember 2025 verstorben waren. Auch Mikie Sherrill schied aus dem Repräsentantenhaus aus, nachdem sie zur Gouverneurin von Virginia gewählt worden war. Die hohe Fluktuation eröffnet in zahlreichen Wahlkreisen offene Rennen, die den Ausgang der Midterms zusätzlich unberechenbar machen.
Trumps Einfluss auf die Vorwahlen spaltet die Republikanische Partei
Donald Trump mischt sich massiv in die parteiinternen Vorwahlen ein und bestimmt zunehmend, welche Kandidaten für die Republikaner antreten. In Kentucky griff er den Abgeordneten Thomas Massie öffentlich an und bezeichnete ihn als „komplettes Desaster". Massie verlor daraufhin seine Vorwahl deutlich. Auch in Texas setzte Trump den konservativen Kandidaten Ken Paxton gegen den moderateren Amtsinhaber John Cornyn durch. Paxton gewann die Vorwahl, verfügt jedoch über eine deutlich geringere Wahlkampfkasse als sein Vorgänger. Die von Trump verfolgte Strategie birgt Risiken für die gesamte Partei. Die demokratische Politikanalystin Marsha Espinosa kritisiert, dass Trumps Loyalitätsforderung ihm wichtiger ist als der Wahlerfolg. Das berichtet die Tagesschau.
Senat und Wahlkreiszuschnitte als strategische Schlachtfelder der Midterms
Die Republikaner führen aktuell im Senat mit 53 zu 47 Sitzen. Von 35 zu wählenden Mandaten müssen sie 22 verteidigen. Nur eine republikanische Amtsinhaberin, Susan Collins aus Maine, kandidiert in einem Bundesstaat, den Kamala Harris 2024 für sich gewann. Zwei Demokraten treten in Staaten an, die Trump 2024 gewann. Die Demokraten brauchen vier Sitze, um den Senat zu übernehmen.
Republikanisch kontrollierte Bundesstaaten erhöhen den Druck durch neue Wahlkreiszuschnitte. Texas ordnete eine Sondersitzung an, um Wahlkreise neu zu zeichnen und fünf zusätzliche Sitze für Republikaner zu schaffen. Normalerweise erfolgt eine Neuzeichnung alle zehn Jahre. 16 Demokraten kandidieren in Trump-Sitzen, drei Republikaner in Harris-Bezirken.
Prognosen und Umfragen deuten auf ein enges Rennen bei den Midterms 2026 hin
Die aktuellen Sitzprognosen für das Repräsentantenhaus zeichnen kein einheitliches Bild. „Race to the WH“ prognostiziert 214 Sitze für die Demokraten und 203 für die Republikaner bei 18 unentschiedenen Wahlkreisen. Der „Cook Political Report“ sieht hingegen die Republikaner mit 212 zu 205 Sitzen knapp vorn, während „270towin“ ein ähnlich knappes Ergebnis von 211 zu 205 zugunsten der Republikaner erwartet. Alle drei Prognosen wurden zuletzt am 3. Juni 2026 aktualisiert und zeigen, dass zahlreiche Wahlkreise noch als offen gelten.
Briefwahl und Wahlrecht werden vor den Midterms 2026 zum Streitthema
Neben den Machtverhältnissen im Kongress rückt auch das Wahlrecht selbst in den Fokus der Auseinandersetzung. Trump widerrief kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2025 eine Verfügung von Joe Biden, die den Zugang zu Wahlen erweitern sollte. Er unterzeichnete dafür einen Erlass, der vorsieht, dass das Heimatschutzministerium in Zusammenarbeit mit der Sozialversicherungsbehörde eine Liste der wahlberechtigten Bürger in jedem Bundesstaat erstellt, berichtet die Tagesschau.
Trump will demnach zudem den US-Postdienst USPS daran hindern, Briefwahlunterlagen an Personen zu verschicken, welche nicht auf der genehmigten Liste des jeweiligen Bundesstaates stehen. So sollen Wahlzettel bei zukünftigen Wahlen in den USA in sicheren Umschlägen inklusive eindeutiger Barcodes verschickt werden. Ziel der Maßnahme sei die eindeutige Nachverfolgbarkeit, hieß es. Besonders umstritten ist Trumps Ankündigung, da circa 30 Prozent der Stimmen 2024 per Briefwahl, meist von Demokraten, kamen. Wahlrechtsaktivisten warnen vor möglichen Einschränkungen bei den Midterms 2026.
Im April 2026 ordnete der US-Präsident zudem eine Untersuchung der demokratischen Spendenplattform „ActBlue“ durch das Justizministerium an, nachdem Vorwürfe über illegale Wahlkampfspenden laut geworden waren. Die Demokraten verurteilten diesen Schritt als Teil eines Feldzugs gegen jegliche politische Opposition. (Verwendete Quellen: Frankfurter Rundschau, Wikipedia, The White House, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Tagesschau) (sischr)





