1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Berglern

Es ist noch lange nicht Knurlaub

Kommentare

Uns auf Google folgen
Schönes Wochenende wünscht Dieter Priglmeir.
Schönes Wochenende wünscht Dieter Priglmeir. © hep

Drei Mitglieder der Fluglärmkommission stimmten gegen Herbert Knur – und scheiterten. Warum der 80-Jährige weiter eine gute Wahl ist, steht in diesem Kommentar.

Was würden Sie über ein Vorstandsmitglied denken, das seit 36 Jahren das Geschäft bestens kennt und nun signalisiert hat, doch noch die nächsten Jahre dranzuhängen? Nun, drei Mitglieder der Fluglärmkommission (FLK) kamen auf die Idee, Herbert Knur auszuwechseln – zugunsten des stellvertretenden Erdinger Landrats Hans Wiesmaier.

Warum denn das? Der erste Reflex: Das war ein Denkzettel gegen den einstigen CSU-Revoluzzer aus Berglern, der sein Parteibuch zurückgegeben hat. So viel Kleinkariertheit würden wir Bernhard Mücke aber nie und nimmer unterstellen. Dafür ist der Oberdinger Bürgermeister auch zu sehr Pragmatiker und am Allgemeinwohl interessiert. Nein, Mücke geht es darum, die größte Gefahr, die den Kommunen in der Flughafenregion droht, noch abzuwenden: die neuen Lärmschutzzonen, die etlichen Gemeinden jede Möglichkeit nehmen, sich in Baugebieten zu entwickeln. Und da hält er den ehemaligen Fraunberger Bürgermeister, dessen Verdienste unbestritten sind, für den besseren Mann.

Die Kommission hat andere Aufgaben

Der Verlust der kommunalen Planungshoheit wäre in der Tat eine Katastrophe. Und trotzdem ist Mückes Ansatz hier falsch. Denn es geht nicht um die Frage, ob ein Herbert Knur oder ein Hans Wiesmaier der bessere oder gewieftere Kämpfer dagegen ist. Die FLK ist dafür schlicht das falsche Gremium. Die Kriterien für die neuen Lärmschutzzonen sind in einem Bundesgesetz geregelt. Da hilft – und das läuft ja auch schon – also nur der politische Weg, das Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten.

Die FLK, die ohnehin nur beratende Funktion hat, ist deutlich wichtiger, wenn es um die alltäglichen Probleme geht, Anpassungen bei den Flugrouten zum Beispiel. Das ist übrigens ein sehr mühsames Geschäft mit zähen Sitzungen, die aber am Ende schon oft für Erleichterungen für die vom Fluglärm geplagten Menschen gesorgt haben. Hier sind Fachleute gefragt, aber auch erfahrene alte Hasen wie Knur. Einer, der die Ohren spitzt, wenn eine Beschwerde kommt. Der aber auch nicht alles einfach unkommentiert durchgehen lässt, was Experten aus der Luftfahrtbranche oder den Ministerien sagen.

Ganz nebenbei war Knur auch viele Jahre Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Fluglärmkommissionen und hatte auch vor diesem Bundesgesetz gewarnt. Er bezeichnete es als das, was es nun wirklich ist: kein Gesetz für die Anwohner, sondern eines für die Flughäfen, die sich künftig die Finanzierung von Lärmschutzmaßnahmen sparen können, wenn in den Gemeinden ohnehin nicht gebaut wird oder werden kann. Und vielleicht denkt man auch mal über seinen Vorschlag nach: Man lässt den Gemeinden in den Lärmschutzzonen das Baurecht, für die Lärmschutzmaßnahmen müssen aber die Bauwerber finanziell selbst aufkommen.

Zwei Berglerner am Ruder

Aber zurück zur Münchner FLK: Die wird nun geführt von Anton Scherer. Noch ein Berglerner. Auch das ist begrüßenswert. Die Gemeinde Berglern ist im Landkreis Erding mit Abstand die aktivste Gemeinde in Airport-Sachen. Zum Glück fanden nur drei Menschen die Idee gut, gegen Knur zu stimmen. Was bleibt? Üblicherweise würde man sagen: Der Mann ist durch diese drei Gegenstimmen geschwächt. Aber nicht bei jemandem, der seit 36 Jahren in diesem Gremium ist und das Geschäft kennt. Auch wenn er nun seinen 80. Geburtstag gefeiert hat – der Mann ist noch immer hellwach. Nein, es ist noch lange nicht Knurlaub.

Auch interessant

Kommentare

Teilen
Image