Australien, Rettungsdienst, Zimmerei: So fand Justus seinen Traumjob
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Justus Lukas Hilf hat als Sanitäter und Hilfsarbeiter in Sydney gearbeitet, bevor er nun Zimmerer lernt. Nach der Ausbildung plant er die Walz.
Kleinstürzham/Wartenberg – Justus Lukas Hilf ist Zimmererlehrling im dritten Ausbildungsjahr. Für den 26-Jährigen ist es sein Traumberuf. Er hat schon einiges vorher ausprobiert, „rumgeschaut und mich verdient“, sagt er. Nach der Mittleren Reife an der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding arbeitete er zwei Jahre als Assistenz für Menschen mit Behinderung. Dann kam Corona, und er absolvierte eine Ausbildung zum Rettungssanitäter beim MKT, der auch Impfzentren betrieb, wo er ein Jahr lang tätig war.
Im Krankenhaus machte er Praktika und wurde auf der Wache eingesetzt. „Ich hatte keinen Führerschein und konnte deswegen nicht Rettungsdienst fahren. Krankentransport wollte ich nicht, dann bin ich ein Jahr nach Australien gegangen und habe dort anfangs im Gerüstbau und in einem Café gearbeitet.“
Hilfsarbeiter auf dem Bau in Sydney
Die körperlich schwere Arbeit hat ihm Spaß gemacht. In Sydney verdingte er sich als Hilfsarbeiter, flexibel auf Baustellen für unterschiedliche Gewerke. „Mit den Zimmerern hat es mir am meisten Spaß gemacht. Die machen dort mehr Holzrahmen- und Rippenbau. Den Massivholzbau, wie hier in Deutschland teilweise, gibt es dort gar nicht.“
Wieder daheim, jobbte er deshalb in der Zimmerei eines Spezls und ging ab 1. September ins Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). Hier lernte er die Grundlagen, den Aufbau vom Holz, wie man mit einem Stemmeisen umgeht, wie man Schichtaufbauten macht, damit sich kein Kondenswasser bildet, und vieles mehr. „Was arbeiten und am Ende des Tages sehen, was man gemacht hat und vor allem, was man Gutes hinterlässt“, das sei sein Ding.
Während des BGJ absolvierte er Praktika, unter anderem zwei bei der Zimmerei Ernstl in Großstürzlham, „weil mir das erste schon so getaugt hat, weil das Team so jung, kompetent und so humorvoll ist“. Zwölf Leute arbeiten hier, Büro eingeschlossen. „Man hat immer jemanden, den man fragen kann, sei es einen Kollegen oder einen der Chefs. Es passt einfach, auch zwischenmenschlich. Ich mag es auch sehr, dass man mir was zutraut. Wenn ich mal großen Mist gebaut hätte, hätte man es mich wissen lassen“, meint er grinsend.
Probleme mit dem Frühaufstehen hat Hilf nicht. Um 6.45 Uhr geht‘s in der Zimmerei los, außer der Kunde ist in München, dann ist Abfahrt um 6 Uhr. „Das ist schön, da ist noch keiner unterwegs.“ Gearbeitet wird bei Wind und Wetter. „Klar gibt’s Tage, wo man den Regen mal verflucht. Aber das gehört dazu. Einfach auf die warme Dusche zum Feierabend freuen und weitermachen.“ Wenn es wegen Gewitters wirklich gefährlich oder zu rutschig werde, dann gehe man runter vom Dach. Im Winterhalbjahr wird mehr drinnen gearbeitet: Trockenbau, Wände einziehen, Decken einschalen, Fußboden verlegen.
Die Bezahlung ist tariflich festgelegt. Im dritten Lehrjahr verdient Hilf 1600 Euro brutto. Auch einen Essenszuschuss gebe es vom Betrieb. „Das ist eine gute Sache. Ich fahre in der Früh immer zum Metzger und hole alles ab, was auf der Liste im Brotzeitkammerl von den Kollegen bestellt wurde.“ Zwei kalte Leberkäs-, zwei Salami- und eine Käsesemmel bestellt sich Hilf meistens. „Das geht auf die Firma und ist fast mit einer Gehaltserhöhung von 200 Euro gleichzusetzen.“
Höhenangst sei nicht zuträglich bei diesem Job, sportliche Fitness zahle sich aus und entwickle sich im Arbeitsalltag, etwa wenn man Balken heben müsse. „Das Tolle am Zimmererberuf ist, dass man sieht, was man gemacht hat, dass man sich auspowern kann und dass man auch wirklich seine Hirnwindungen anstrengen muss.“
Man könne sehr schöne Sachen bauen mit Holz, von Möbeln bis zum Dachstuhl. „Holz macht ein angenehmes Raumklima, riecht wunderbar, vergibt einem manchmal kleine Fehler, kann aber auch sehr eigen sein, mit verdrehtem Wuchs oder Astlöchern. Und es ist eine Kunst, sich das Holz gefügig zu machen. Langweilig wird es einem nie.“ Auch für Frauen sei der Zimmererberuf geeignet: „Klar können die das auch.“ Bei der Zimmerei Ernstl gibt es zwei Gesellinnen.
„Holz kann auch sehr eigen sein“
Auch mit Naturwerkstoffen wie Lehm und Stroh zu arbeiten, findet Hilf interessant. „Ich habe es noch keinen Tag bereut, Zimmerer zu werden.“ Klar gebe es schwere Tage: Dauerregen, gefrorene Dächer, Schutt vom Gerüst runtertragen, weil der Kran schon weg ist, im heißen, engen, luftdichten Kniestock unterm Dach zudämmen oder etwas verkleben. Aber er habe einen Zimmererstolz, und man wolle alles gut ausführen.
Nach seiner Ausbildung will der 26-Jährige noch ein Vierteljahr hier arbeiten und dann auf die Walz gehen. Mindestens drei Jahre und einen Tag: das erste Jahr in Deutschland, ein Jahr Europa und ein Jahr in der Welt. „Ich habe drei Jahre Zeit, zu reisen, wohin ich möchte. Das ist wahre Freiheit, die man heutzutage nicht mehr hat.“ Seine Chefs sagen: „Jeder soll das machen können, was ihn glücklich macht.“ Hilf meint: „Und ich bin hier rundum glücklich. Es passt alles hier. Die Welt will ich trotzdem noch sehen.“