Neue Chefin für Longleif: Campus-Pflegezentrum braucht bis 2030 Bezugsfertigkeit
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Zwei Frauen folgen Geschäftsführer Viktor Wohlmannstetter bei Longleif nach – erst gibt es eine Interimslösung, dann eine Festanstellung. Für das Service-Wohnen liegen bereits über 80 Anfragen für 46 Appartements vor. Generell drängt die Zeit.
Garmisch-Partenkirchen – Abschied und Auftakt fallen symbolhaft zusammen. Viktor Wohlmannstetter (67) gibt die Geschäftsführung der gemeinnützigen Longleif GaPa gGmbH Ende September nach fast achteinhalb Jahren ab, zugleich laufen beim Garmisch-Partenkirchner Campusprojekt am künftigen Standort, dem Gelände Bahnhof West, Erschließungsarbeiten an. Ab dem heutigen Montag wird die Baustraße erstellt.
Mahnende Worte vom scheidenden Geschäftsführer
Wohlmannstetter verabschiedete sich am Donnerstag bereits vom Gemeinderat, am Freitag präsentierte Bürgermeister Daniel Schimmer (Freie Wähler) eine Interimsnachfolgerin sowie die künftige Geschäftsführerin. Beide leben im Ort. Für drei Monate füllt die selbstständige Unternehmensberaterin Veronika Leupold (29) die Position aus, bevor Katrin Schwab-Zettl (52), ausgestattet mit einem unbefristeten Vertrag, übernimmt; aktuell ist sie Geschäftsführerin eines Unternehmens in der Bauzulieferbranche, Ende des Jahres läuft dieses Arbeitsverhältnis aus. Sie hat Erfahrung mit Transformationen und wird bereits in der Übergangsphase mitwirken.
„Zeitfenster für den Campus schließt sich allmählich“
Wohlmannstetter, der sein Engagement einmal um ein Jahr verlängert hatte, brachte vor den Gemeinderäten neben warmen auch mahnende Worte an. „Das Zeitfenster, das wir für den Campus haben, schließt sich allmählich“, warnte er. Und: „Wir müssen das Pflegezentrum zum Bauen bringen.“ 2030, ergänzte er am Freitag bei einem Pressetermin, „wollen wir bezugsfertig sein“. Für die Caritas, die momentan noch das alte Heim St. Vinzenz betreibt, sei das auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. St. Vinzenz erzeuge jedes Jahr „ein massives Defizit“, erklärte Wohlmannstetter. Die Attraktivität als Arbeitgeber leide darunter. Die Einrichtung hat nur noch eine begrenzte Betriebszeit vor sich. Den Umzug bis 2030, sagte Dritter Bürgermeister Peter Schimpf (SPD), werde man schaffen, „aber wir dürfen keine Zeit vergeuden“. Beim Pflegezentrum befindet man sich im Vorentwurfsstadium, beim ersten Campus-Baustein, dem Service-Wohnen im südlichen Bereich des Areals, soll im November der Bauantrag erfolgen für 46 Appartements. Für diese liegen nach Angaben von Wohlmannstetter über 80 Anfragen vor. In der Planung ist man hier dem Pflegezentrum ein halbes Jahr voraus. Beide Vorhaben könnten ab 2027 errichtet werden.
Für das Großprojekt braucht man den Freistaat mit im Boot
Der Caritasverband für München und Oberbayern sowie Longleif machen gemeinsame Sache beim Campusprojekt, zudem sitzt die Technische Universität München (TUM) im Boot. Die Partner wollen Forschung, Bildung, Pflege und Wohnen für eine älter werdende Gesellschaft eng miteinander verknüpfen. Kosten für das gesamte Mammutvorhaben lassen sich im aktuellen Stadium nur schwer festmachen. Eine Summe in Sphären von 100 Millionen Euro dürfte nicht utopisch sein. Dabei benötigt man den Freistaat an Bord. Bürgermeister Schimmer wird sich Ende Oktober mit Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) treffen, „um weitere Schritte abzusprechen und zu planen“. Eine Absichtserklärung sei vorhanden, allerdings müsse „das auch im Nachtragshaushalt auftauchen, um es zu fixieren“, sagte Schimmer. Am Projekt selbst hielten alle in der Landesregierung parteiübergreifend fest. Im Frühjahr hatte die damalige Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) nach Angaben Wohlmannstetters Minister Blume getroffen, um den Flächenbedarf zu definieren, der für das Ministerium dann mit einer fixen Pachtsumme über 25 Jahre verbunden wäre. Bevor der Pachtvertrag nicht unterschrieben sei, Investitionskosten und Finanzierung nicht stünden, werde nicht gebaut, betonte der scheidende Geschäftsführer. Die Eckdaten des Vertrags müssten festgesetzt und überprüft werden – eine von drei Voraussetzungen, um den Sprung in den Nachtragshaushalt des Freistaats zu schaffen. Die beiden weiteren, die Bestätigung des Flächenbedarfs und des Standorts Campusgelände, seien erfüllt, sagte Wohlmannstetter. Beim TUM-Forschungszentrum müsse man mit Abstrichen rechnen, was den Flächenbedarf angeht.
Longleif-Geschäftsführung: „Wer vorne steht, gibt Vollgas“
Themen, wie sie nun Leupold beschäftigen werden. Sie sieht sich „als Bindeglied, um Kontinuität zu gewährleisten, weil wir in einer wirtschaftlich herausfordernden Projektphase sind“, in der es die Dinge voranzutreiben gelte. „Da gibt es einige Deadlines, die einzuhalten sind.“ Schimmer sieht es als „sehr schöne Option für uns“, dass Leupold über das Jahresende hinaus eingebunden werden könnte, wenn Schwab-Zettl übernommen hat. Diese will dann Transparenz schaffen, priorisieren und „das Riesenpaket so aufteilen, dass es in der vorgegebenen Zeit umsetzbar ist. Wer immer vorne dran steht, gibt Vollgas“.