Felssturz an der Zugspitze: Anwohner vergleichen Geräusch mit Feuerwerk – „So fest war‘s noch nie“
Uns auf Google folgenRund 30 Kubikmeter Gestein sind an der Zugspitze nahe der Tiroler Zugspitzbahn abgegangen. Weder Seilbahn noch Menschen kamen in Gefahr – doch Experten warnen vor einer Zunahme solcher Ereignisse.
Garmisch-Partenkirchen – Ein gewaltiges Rumpeln – und das den ganzen Tag über. Am späteren Dienstagnachmittag hing dann eine gigantische Staubwolke an der Zugspitze. Die Aufregung war entsprechend groß. Vor allem in Grainau, wo das Geräusch, das ein Anwohner mit einem Feuerwerk verglich, sehr gut zu hören war. Auslöser war ein Felssturz, der im Bereich der Stütze drei – also der, die der Bergstation am nächsten liegt – der Tiroler Zugspitzbahn abgegangen war. „Von meinem Bürofenster aus kann ich den hellen Fleck gut sehen“, sagt Franz Dengg, Geschäftsführer des Bergbahn-Unternehmens in Ehrwald. Für ihn allerdings kein Grund zur Beunruhigung. „Die Berge bröckeln, deshalb gibt es doch auch überall Sandreißen. Das passiert immer wieder.“

Untersuchung mit Infrarot-Drohnen
Professor Michael Krautblatter, Geologe an der Technischen Universität München, verweist auf seismische Daten, die zeigten, dass sich der Hauptfelssturz schon gegen 5 Uhr morgens an der Nordwand ereignete. „Auf etwa 2800 Metern Höhe.“ In dieser Lage befindet sich der Kammstollen der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus, wo Forscher Permafrostveränderungen überwachen. In Kürze werde sein Team mit Infrarot-Drohnen den Bereich untersuchen. „Um herauszufinden, wie viel Gestein weiter abbrechen wird.“ Dass es nachbröckelt, sei nicht unwahrscheinlich. Auch die genauen Mengen, die abgingen, werden eruiert. Die Größenordnung sei wohl nicht übermäßig. Frühwarnsysteme hätten nicht versagt. Gebiete mit wenig Infrastruktur würden nicht so engmaschig überwacht. Anders sehe es in stark besuchten Gebieten aus, etwa im Höllental oder der Partnachklamm. Aber: „Wir können nicht ständig überall sein.“
Felsturz auf der Zugspitze: „Wir hören immer wieder etwas, aber so fest war‘s noch nie“
Diese Einschätzung teilen Wissenschaftler. Das Gestein auf Deutschlands höchstem Berg wird schließlich vom Permafrost zusammengehalten. Da dieser mit dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen schwindet, nehmen Gesteinsabbrüche zu. Über die Ausmaße des Ereignisses am Dienstag kann Dengg nur sagen, dass es bei weitem nicht so gewaltig war, „wie jetzt alle tun“. 20, 30 Kubikmeter seien abgegangen, schätzt er. Auch am Mittwoch bröckelte immer noch etwas nach. Und das etwa 120 Meter von seiner Bahn entfernt in Richtung Hochthörlenhütte und deutsche Grenze.
Dort sorgte der Felssturz, der dem Wirt zufolge „gut zu hören war“, aber nicht für Unruhe. „Das war richtig weit weg.“ Ungewöhnlich fand er dagegen das anhaltende Rumpeln. „Wir hören immer wieder etwas, aber so fest war‘s noch nie.“ Das herabstürzende Geröll sei oberhalb des Bayernsteigs zum Liegen gekommen. So hat‘s auch Franz Dörfler, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Bergwacht Grainau, gehört. Mit Nachdruck weist er darauf hin, „dass kein Weg und Gebäude betroffen“ sind.

Der Bayernsteig, der am Eibsee beginnt und im unteren Abschnitt von der Staatsgrenze bis zur Einmündung des Georg-Jäger-Steigs verläuft, ist nach einem tödlichen Unfall seit 2024 gesperrt. Gründe dafür sind dessen „offensichtlich schlechter Zustand“, wie es in der entsprechenden Verordnung der Gemeinde Ehrwald heißt, und die mangelnde Wartung des Steigs, der im 19. Jahrhundert vom Münchner Alpenverein angelegt worden war. Zudem kommt es in diesem Bereich dem Vernehmen nach auch immer wieder zu Steinschlägen. Deshalb halten mittlerweile Sperrschilder Bergsteiger davon ab, über diese Route auf den Gipfel zu gelangen.
Diesen mit einer der beiden Seilbahnen zu erreichen, ist derweil kein Problem. „Für unsere Bahn und die Bergstation bestand keinerlei Gefahr“, betont Laura Schaper, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Klar beobachteten auch ihre Kollegen die enorme Staubwolke genau, „die war ja nicht zu übersehen“. Das bestätigt Dengg, der dieses Phänomen mit dem Gestein des Zugspitzmassivs erklärt. „Die Staubwolke war so lange in der Luft, weil der Wettersteinkalk völlig zerbröselt.“ Ein Geologe des Landes Tirol, mit dem er heute einen Termin wegen eines Speichersees hat, will sich die Abbruchstelle anschauen. Klar ist dem Wissenschaftler, wie allen anderen Experten, „dass das Ganze nicht außergewöhnlich war“. Im Lauf der Jahrhunderte sei es immer wieder zu solchen Ereignissen gekommen. „Natürlich wird‘s mehr“, sagt der Chef der Tiroler Zugspitzbahn mit Blick auf den Klimawandel.