„Sturm am Tegernsee“ begeistert viele Gäste zum Auftakt der Tegernseer Woche
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Mit einem epochalen Meisterwerk startete am Freitag die Tegernseer Woche in ihre 53. Auflage. Der „Sturm am Tegernsee – Ein modernes Singspiel“ in seiner konzertanten Fassung begeisterte Musik- und Kulturfreunde über das Tegernseer Tal hinaus.
Gmund – Ein Novum war schon die „exterritoriale“ Eröffnung der 53. Tegernseer Woche durch Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) in der Tenne von Gut Kaltenbrunn in Gmund. Auch startete die Kulturveranstaltung bis dato noch nie vor einem so großen Publikum: Jeweils 460 Gäste waren an zwei Abenden gekommen, um das Gemeinschaftswerk zu erleben. Initiiert wurde es vom Kunst- und Kulturverein Rottach-Egern, finanziert von der Stadt Tegernsee, dem E-Werk Tegernsee, der Hubertus-Altgelt-Stiftung und dem Bezirk Oberbayern mit Unterstützung der Gemeinden Rottach-Egern, Gmund, Kreuth und Waakirchen. Realisiert wurde es von Kunst- und Kulturschaffenden aus dem Tegernseer Tal und ihren Partnern wie Showtec München.
„Ein Gemeinschaftswerk schafft Gemeinschaft“, betonte Hagn und dankte allen Beteiligten, besonders aber auch dem Publikum der Tegernseer Woche. Georg Höß, Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins, führte anschließend das Publikum in das Werk ein: „Versetzen wir uns in das mittelalterliche Kloster im Tegernseer Tal…!“
Im Mittelpunkt steht der junge Ritter Gerwich aus Reichersbeuern, der wider seinen Willen ins Kloster geschickt wird. Auf dem Weg dorthin verliebt er sich in das Fischermädchen Hailka von Hebertshausen (Kaltenbrunn), die der Hexerei und Wilderei bezichtigt wird. So entspinnt sich ein Ränkespiel aus Liebe, Macht und Glauben in der konzertanten Fassung vom „Sturm am Tegernsee“, die Thomas Rebensburg komponiert und für die Wolfgang Mueller das Libretto geschrieben hat.
In den narrativen ersten Akt wurden die Zuschauer direkt hineingeworfen – und damit in das Spannungsfeld zwischen der von Gott gegebenen freiheitlichen Welt der emanzipierten Hailka und den Interessen des Klosters. Für Hailka hat persönliches Glück seine Berechtigung: „Sie nennen mich Hexe, weil sie mein Lachen und Wissen fürchten.“
Dynamisch reihen sich hier Szene um Szene in einer Art eklektischem Sprechgesang vor modernen Klängen aneinander. Diese weisen zwar auf die gregorianischen Choräle im Mittelalter hin, erinnern aber auch an Orff und Gershwin der Moderne. Der Zuschauer wurde somit gezwungen, den Konflikt aus der heutigen, aufgeklärten Perspektive zu betrachten. Auch wenn Hailka, die von Natalia Couleur und ihrem kantigen Sopran perfekt besetzt war, und Gerwich, dessen Zerrissenheit und Schwäche Bariton Tobias Neumann differenziert widerspiegelte, gemeinsam in den Duetten zu großer Kraft fanden, war Abt Berthold – phänomenal gesungen von Bass Bernhard Spingler – einfach zu stark, als dass man sein Streben nach Frieden, Wohlstand und gesellschaftlicher Ordnung nicht nachvollziehen konnte. Die vom musikalischen Leiter Sebastian Schober eigens für den „Sturm am Tegernsee“ zusammengestellte Chor- und Orchestergemeinschaft Tegernseer Tal übernahm bei diesem Konflikt die Erklärungen und Kommentare mit eindrucksvoller gesanglicher und spielerischer Stärke.

Im zweiten Akt wird die Handlung durch eine Intrige vorangetrieben, die Hailka und Gerwich voneinander trennen soll: Hailka soll dem Fischer Chuenz (Bernhard Spingler, Bass), Gerwich gänzlich dem Kloster zugeführt werden. Getragen von Jazz-Elementen, kommt die Musik ins Fließen und steuert auf die nächsten Höhepunkte zu. Dazu zählen die Rettung der Gräfin – grandios und einnehmend in ihrer Reinheit dargeboten von der Sopranistin Heidi Baumgartner – und die Rettung Hailkas aus dem stürmisch aufgepeitschten Tegernsee. Beide Szenen waren durch die Mauerschau des Chores und blitzende Lichteffekte spannend dargestellt.
Die Dramatik der Szenen stand in einem faszinierenden Widerspruch zu den stillen Holzschnitten des bekannten Tegernseer Künstlers Sepp Mohr (1899–1981), aus denen – digital bearbeitet durch Anjula Schaub – Anna Henckel-Donnersmarck das wechselnde Bühnenbild zusammenfügte. Auch im dritten Akt, nachdem Abt Berthold gescheitert ist und Krieg im Land herrscht, entfalteten sie ihre Wirkung. Hailka wurde zwar von ihren Tieren – herzerwärmend wie stimmlich bemerkenswert dargestellt von Angela Schütz’ Kinderchor – gerettet, ist aber auf der Flucht. Gerwich wiederum wird verletzt von der jungen Gräfin gesund gepflegt und richtet sich an ihrer Seite ein.
Als er allerdings erfährt, dass Hailka noch lebt und schwanger nach Tirol geflohen ist, wird das Duett zwischen Gerwich und der Gräfin, mit dem sie ihn freigibt und ziehen lässt, zum berührendsten Moment des gesamten Singspiels. Später riss auch die Wiedervereinigung der Liebenden das Publikum zu minutenlangem Applaus und Begeisterungsstürmen hin – zunächst als stilles, kleines Glück im Duett, dann als Zugabe mit großer Geste und Chorbeteiligung. Die Zuschauer beklatschten nicht nur das epochale Werk, sondern auch den Komponisten Thomas Rebensburg, den Librettisten Wolfgang Mueller, die Regisseurin Barbara Winkler sowie Birgit Halmbacher und Georg Höß, die das Singspiel produziert hatten.