Schaftlacher Waldmann: Der Spuk dauert an – Bürgermeister sucht Lager vergeblich
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Um den „Waldmann“ aufzuspüren, der den Schaftlachern seit Juni Angst macht, hat sich Bürgermeister Norbert Kerkel nachts auf die Suche gemacht. Vergeblich. Doch im Ort wurde der obdachlose Tunesier wieder gesichtet.
Waakirchen – Der Spuk hält seit Juni an. Wie berichtet, lagert im Wald bei Schaftlach ein obdachloser Tunesier (35), der bisweilen durch den Ort läuft und dort schon sehr aggressiv aufgetreten ist, was vielen Bürgern Angst macht. Andrea Niedermeier hat zur Sitzung des Waakirchner Gemeinderats einen Antrag mit der Forderung eingereicht, die Gemeinde möge Schritte unternehmen, um eine Gefährdung der Dorfbewohner durch den Waldmann abzuwenden.
„Aber es gibt da nichts abzustimmen“, sagt Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG). Somit kam der Antrag auch nicht auf die Tagesordnung. Zur Sprache brachte Kerkel das Thema bei der öffentlichen Sitzung aber schon, unter Bekanntgaben. Die Gemeinde habe ein wachsames Auge auf die Situation und arbeite mit der Polizei zusammen, meinte der Rathauschef. Rechtlich fehle aber eine Handhabe, um den Mann festzusetzen. Der sei zwar in jüngerer Zeit immer mal wieder in Schaftlach gesehen worden, doch habe es seines Wissens keine strafrechtlich relevanten Vorfälle mehr gegeben. Der Tunesier verfügt über ein Visum und darf sich in Deutschland aufhalten.
Im August war der Tunesier in einer Bäckerei ausfallend geworden. Die Polizei brachte ihn daraufhin in eine psychiatrische Klinik, die ihn jedoch am nächsten Tag entließ. Darüber wunderte man sich in Schaftlach: Immer wieder hatte der Mann Passanten angeschrien, bedroht und beschimpft. Noch immer, berichtet Kerkel, wagten sich Senioren nicht mehr auf den bis dahin sehr beliebten „Rentnerweg“ am Schaftlacher Waldrand: „Das ist sehr schade.“
Das Landratsamt hatte als Lösung angeboten, den Obdachlosen in einer Asylbewerberunterkunft im nördlichen Landkreis unterzubringen. Die Kosten hierfür, erklärte Kerkel, wollen die Gemeinde Warngau, auf deren Flur sich das Lager vermutlich befindet, und die Gemeinde Waakirchen sich teilen. Doch bislang ist es nicht einmal gelungen, dem Waldmann die Unterbringung anzubieten: Derzeit weiß niemand, wo sein Lager genau ist.
„Beim Kindergarten jedenfalls nicht mehr“, sagt Kerkel. Er hat auf eigene Faust versucht, den Tunesier zu finden. In der Nacht ist der Bürgermeister durch den Wald gestreift, um den Mann im Schein einer Lampe aufzustöbern. „Gemeinsam mit meinem Sohn, der ist zwei Meter groß“, berichtet Kerkel. Die Suche blieb vergeblich.
Bei der Polizei Bad Wiessee sind keine weiteren Anzeigen gegen den Waldmann eingegangen, wie der stellvertretende Dienststellenleiter Andreas Angerer erklärt. Aktiv suchen die Beamten den Tunesier nicht, dazu fehlt die Rechtsgrundlage. „Er ist ein freier Mensch“, meint Kerkel. Die Gemeinde werde die Situation aber weiter im Auge behalten. Die Bürger seien aufgerufen, bei Zwischenfällen sofort die Polizei zu alarmieren und sie nicht erst Tage danach zu melden.
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