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Münchner Malerin kauft Goldschmiede-Werkstatt in historischer Altstadt

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Hochwertige Pigmente mischt die Künstlerin selbst an, verwendet gerne Kaseinfarbe oder auch Tusche.
Hochwertige Pigmente mischt die Künstlerin selbst an, verwendet gerne Kaseinfarben oder auch farbige Tusche. © Elke Robert

Künstlerin Stephanie Eisert hat die ehemaligen Räume eines Juweliers an der Schongauer Ballenhausstraße erworben. Dort möchte sich die Münchnerin einen Raum schaffen, um zu malen.

Schongau – Stephanie Eisert hat sich einen Traum erfüllt. Sie wollte raus aus der Stadt, aus München. Zu teuer, zu eng, zu stressig. „Nach ein paar Stunden ist man einfach nur erschöpft.“ Gelandet ist sie nun in einer kleinen Stadt, in Schongau. In der Ballenhausstraße hat sie die Räume der ehemaligen Goldschmiede-Meisterwerkstatt erworben. „Herr Schmid darf jetzt raus“, spielt sie auf den Vorbesitzer an. Etwas mehr Licht hat sie sich schon geschaffen, und die Vitrinen sind abgebaut, aber es liegt noch viel Arbeit vor ihr. Erste Materialien und Leinwände hat sie bereits mitgebracht, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Und in der Mitte des Raums warten schon Tische, um dort bald zu Arbeitsplätzen umfunktioniert zu werden für ihren ersten Kurs in Schongau.

In den Schaufenstern kann sich Eiserts Partner verwirklichen

Wer künftig am Atelier vorbeikommt, darf sich überraschen lassen über die Gestaltung der tiefen Schaufenster. „Die bieten sich geradezu an“, sagt Stephanie Eisert. Ihrem Lebensgefährten, Jörg Loose, möchte sie in jedem Fall einige Fenster überlassen. „Ein Tausendsassa“, beschreibt sie ihn: Erfinder, Objektemacher, Gestalter. Auch weitere Künstlerfreunde könnten die Fenster bald als Ausstellungsraum nutzen.

Verlaufsprozess der Farben: Stephanie Eisert demonstriert, wie ihre Bilder entstehen.
Verlaufsprozess der Farben: Stephanie Eisert demonstriert, wie ihre Bilder entstehen. © Elke Robert

Von Zeit zu Zeit könnte sich das Atelier auch als „kleine Begegnungsstätte“ anbieten, ein Austauschort für Künstler, kann sich die Malerin vorstellen. Gespräche über Kunst und Philosophie könne man dort ebenso führen wie eine Lesung anbieten. Das Atelier soll aber auch Menschen eine Inspirationsquelle sein, die sich bisher nicht an das Malen herangetraut haben. Ob mit Anleitung von Stephanie Eisert oder vollkommen frei, könnten etwa in einer speziellen Nass-in-Nass-Technik mit nur drei Grundfarben beeindruckende Farbstudien entstehen. Noch während sie spricht, holt die Künstlerin mit ein paar Handgriffen ein Papier aus der Schublade, schraubt Tuschefarben auf und füllt selbst angerührte Kaseinfarben in kleine Schälchen ab. Im Schaufenster sitzend demonstriert sie mit raschen, aber überlegt gesetzten Pinselstrichen, wie Farbverläufe entstehen.

Ihren Wohnsitz in München behält die Malerin

Gerade Kinder seien davon fasziniert, wie rasch man etwas schaffen könne, wie sie aus Erfahrung weiß. Nach der Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin, arbeitete sie einige Jahre in der „Waldwerkstatt“ München mit Kindern, bei „Little Art“ am Lenbachplatz und bis heute im Kinderatelier Harlaching. „Das macht mir große Freude.“ Diese regelmäßigen Nachmittage mit Kindern in München sollen auch bleiben. Ihren Wohnsitz in München behält die Malerin ebenfalls.

Die Stadt Schongau soll auch Zeit und Ruhe für ihre eigenen Arbeiten bringen, wünscht sich Stephanie Eisert. „Nach einer großen Ausstellung im vergangenen Jahr im Ickinger Rathaus habe ich gemerkt: Meine Malerei will raus zu den Menschen.“ Sie müsse einfach malen, um die Menschen ein bisschen aufzuheitern. Ihre Bilder seien wohltuend, keine schweren oder politischen Bilder. „Mir geht es ums Tun, um Inhalt, um Kraft“, sprudelt es geradezu aus ihr heraus. „Die Malerei soll Menschen berühren, das ist keine Deko, das wäre mir viel zu wenig.“

An der Akademie der Bildenden Künste studiert

Stephanie Eisert überlässt dabei nichts dem Zufall. Zwischen 1993 und 1999 hat sie bei Professor Jerry Zeniuk an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert und schloss im Jahr 2000 die Akademie mit dem Diplom für Malerei ab. Ein Stipendium führte sie 2002/2003 für ein Jahr an die „Ecole des Beaux-Arts“ nach Paris. Ausgehend von der gegenständlichen Malerei in Pastell und Öl hatte sie sich schon während ihres Studiums der reduzierten Malerei zugewandt. In Paris arbeitete sie an ihren Farbräumen. Als Vorlagen dienten eigene Fotoaufnahmen wertvoller Stoffe aus Samt und Seide, die Kollektions-Entwürfe einer Modemacherin. „Ich liebe die Faltungen von Kleidern und lasse mich in die Abstraktion führen“, erklärt Eisert. Dabei gehe es nicht um das Kleidungsstück an sich, vielmehr würden Tiefe und Material ausgelotet und in Farbe übersetzt. Die Bilder entstehen dabei in einem teils länger währenden Prozess. „Man muss intensiv dabei sein, damit gute Bilder entstehen.“

Im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals Kuku kann man Stephanie Eisert erstmals erleben bei einem Aquarell-Workshop (Samstag, 17. Oktober, ab 15 Uhr). Anmeldung und weitere Information bis zum 3. Oktober direkt bei der Künstlerin telefonisch (0171/7961750) oder via E-Mail unter mail@stephanieeister.de. Die Eröffnung des Ateliers hat die Künstlerin für Ende Oktober ins Auge gefasst.

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