„Hinter jeder ein Schicksal“: Partei will Trauerbänke am Waldfriedhof erhalten – sie müssen weg
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Die Stadt Geretsried verlangt, dass private Trauerbänke bis 16. Oktober entfernt werden. Die Freien Wähler wollen sie erhalten – vorerst.
Geretsried – Es war eine unscheinbare Bekanntmachung mit großer Sprengkraft: Die Stadt Geretsried forderte alle Friedhofsnutzer auf, private Bänke vom Waldfriedhof zu entfernen. Stichwort: Unfallgefahr. Trauernde reagieren mit Unverständnis auf diese Entscheidung. Ein Artikel in unserer Zeitung sorgt in sozialen Netzwerken für kontroverse Diskussionen. Jetzt äußert sich eine politische Gruppierung: Die Freien Wähler Geretsried fordern in einer Pressemitteilung „mehr Fingerspitzengefühl“. Die Ortsvorsitzenden sprechen sich für eine Übergangslösung aus.
„Hinter jeder steht ein Schicksal“: Freie Wähler wollen private Bänke am Waldfriedhof erhalten
„Hinter jeder dieser Sitzgelegenheiten steht ein persönliches Schicksal“, sagt der Ortsvorsitzende der Freien Wähler, Felix Leipold. „Viele Menschen verbringen dort Zeit bei ihren verstorbenen Angehörigen, sprechen mit ihnen oder finden einfach einen Moment der Ruhe.“ Eine Familie, die genau das tut, traf unsere Zeitung beim Besuch am Waldfriedhof. Alle zwei Tage kommt das ältere Paar dorthin, setzt sich auf eine Bank und spricht am Grab mit seinem Sohn. „Dafür muss die Stadt Verständnis zeigen“, fordert der Stadtrat.
Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerte der Rathaus-Pressesprecher Thomas Loibl dieses Verständnis. „Jeder, der schon einmal jemanden verloren hat, weiß, wie wichtig diese Begegnungspunkte und Orte des Gedenkens sind.“ Im neuen Friedhofskonzept sollen deshalb Sitzgelegenheiten eingeplant werden. Der Freie Wähler-Chef Leipold findet, dass die privaten Bänke solange stehen bleiben sollten, bis das neue Konzept umgesetzt wird. Sabrina Riedl, die Vize-Chefin, schließt sich der Forderung an: Bis zu einer „vernünftigen Lösung“ möchte sie die Sitzgelegenheiten erhalten wissen. „Als Zeichen des persönlichen Gedenkens“ sei das zu verstehen. Sie wünscht sich für den Friedhof, einem „Ort des Trauerns“, Entscheidungen mit Augenmaß.
Stadt lässt private Bänke entfernen: Unfallgefahr am Friedhof
Die Stadt erklärt die Aufforderung mit der Unfallgefahr: Auf dem städtischen Friedhof sei es eben Aufgabe der Kommune, für die Sicherheit zu sorgen. Bei einem Rundgang seien mehrere wackelige und kippgefährdete Bänke aufgefallen. „Am Schluss muss die Stadt Sorge tragen, wenn jemand fällt“, sagte Loibl. In der Kommentarspalte unseres Artikels auf Facebook und Instagram äußern einige Nutzer Vorschläge. Zum Beispiel Schilder, die darauf hinweisen, dass die Stadt für die Bänke keine Haftung übernimmt.
Einige Sitzbänke sollen nach den Worten des Stadt-Pressesprechers stehen bleiben – die offiziellen am Wegesrand nämlich. Bis zum 16. Oktober müssen nur die privaten Trauerbänke entfernt werden. Die Freien Wähler fordern Bestandsschutz – und Tempo: „Der Ortsvorstand spricht sich ausdrücklich dafür aus, das angekündigte Gesamtkonzept für den Waldfriedhof zügig zu entwickeln und einheitliche, würdige Sitzmöglichkeiten zu schaffen.“ Am Dienstagabend diskutiert der Stadtrat über den Waldfriedhof. Ein Fachbüro stellt in der öffentlichen Sitzung den bisherigen Planungsstand beim neuen Friedhofskonzept vor.