Edmund Stoiber wird 85: Warum er nur ganz leise feiert
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Es ist still geworden um einen der Großen in Bayerns Politik. Edmund Stoiber hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am Montag wird er 85.
Wolfratshausen – Wahrscheinlich wird dieser Montag einer der wilderen Tage im Leben des Ruheständlers Edmund Stoiber. Er hat Geburtstag und rechnet mit einem pausenlos klingelnden Telefon. Friedrich Merz, Markus Söder, Ilse Aigner, sie alle dürften sich melden, und etliche mehr. Nachmittags kommen die Kinder und die schulpflichtigen Enkel, per Telefon melden sich die älteren Enkel. „Es wird sicher ein schöner, aber anstrengender Tag“, sagt Stoiber.

Gut so. Denn es ist ruhig geworden um den fast 85-Jährigen, so still, dass sich viele Weggefährten große Sorgen gemacht haben. Es ging ihm tatsächlich nicht gut. Mehrere Operationen haben Stoiber zugesetzt, dazu Ärger mit den Augen. Für ihn, der früher Aktenberge verschlungen hat und jeden Morgen die Tageszeitungen, ist die Einschränkung beim Lesen schmerzhaft. Einmal schleppte er sich zuletzt zur Vorstandssitzung, die CSU war dankbar, der Körper nahm es ihm übel. Ja, er fühle sich noch etwas angeschlagen, sagt Stoiber auf Nachfrage. „Ich würde sagen: altersgemäß ein Auf und Ab.“
Man möchte jetzt gerne wissen, was Stoiber zur Lage zu sagen hat
Weil man ihn halt auch nie anders erlebte als energiegeladen, rastlos, überschäumend. Im Rentenalter Mitte 70 rockte er noch die Passauer Aschermittwochshalle, bis die CSU-Ultras „Oh, wie ist das schön“ sangen. Seine Reden, auch die Verhaspler wie beim Transrapid, haben Kultstatus; der nächste und übernächste Gedanke, die Folgekette präziser Argumente, wollen gleichzeitig raus.
Man möchte jetzt gerne wissen, was der CSU-Ehrenvorsitzende zur Lage zu sagen hat. Zu seiner Partei, die gerade zwischen Söder-Dämmerung und Söder-Kanzlerträumen schwankte. Zum Erstarken der AfD. Zur Performance der Bundesregierung. Sehr enge Weggefährten berichten: Der Edmund analysiere nach wie vor genau, wolle viel wissen, lasse sich dann eben vorlesen daheim in Wolfratshausen. Öffentlich hält er sich zurück: „Ich werde immer ein politischer Mensch bleiben, auch wenn ich der öffentlichen Debatte weitgehend fernbleibe“, sagt Stoiber. „Aber mich beunruhigt sehr, wie die politische Mitte unter Druck geraten ist und Extremisten von links und rechts an Kraft gewinnen.“
Stoiber über seinen Geburtstag
„Es wird sicher ein schöner, aber anstrengender Tag. Die Vielzahl an Anrufen und Nachrichten, die mich erfahrungsgemäß erreichen, ist oft schon überwältigend. Nachmittags kommen meine Kinder und die schulpflichtigen Enkel. Die älteren Enkel, die studieren oder schon in einem Unternehmen arbeiten, gratulieren mir telefonisch. Den Abend lassen wir dann in einer kleinen Familienfeier ausklingen.“
Stoiber hat den Freistaat Bayern geprägt
Man muss ja auch sagen, dass er diesen Freistaat geprägt hat auf seinem langen Weg vom einfachen Rechtsreferendar über den Strauß-Adlatus zum Innenminister und schließlich Ministerpräsidenten, der er 1993 bis 2007 war. Sein größtes politisches Erbe ist die Hightech-Offensive, als er bald nach Amtsantritt Milliarden an Privatisierungserlösen in Unis und Forschungszentren packte. Das einst arme Agrarland Bayern war da schon zum Industrieland fortentwickelt, Stoiber machte den Tech-Standort daraus. Gleichzeitig setzte er den ausgeglichenen Haushalt durch, riskierte mit einem harten Sparkurs mindestens phasenweise seine Beliebtheit. Und holte dann doch wieder Zwei-Drittel-Mehrheiten.

Auch sein Stil war prägend. Was wurde gewitzelt über den Asketen und Aktenfresser! Über seine Termindichte, auf einer seiner regelmäßigen Auslandsreisen setzte er mal 15 Minuten an zur Besichtigung der Chinesischen Mauer (22.000 Kilometer lang). So einer mag nicht sehr instagramable sein heute. Doch die Detailversessenheit, die eiserne Disziplin mit 18-Stunden-Tagen (sonntags nur 14) und der Verzicht auf Eskapaden gelten in der Berufspolitik als Maßstab.
Stoiber über Friedrich Merz
„In den Anfangszeiten seiner Kanzlerschaft haben wir öfters telefoniert, wir sind persönlich befreundet. Auch jetzt haben wir hin und wieder Kontakt und sprechen über die politische Lage, aber nicht mehr so intensiv. Das verstehe ich vollkommen, er steht unter großem Druck, auch zeitlich.“
Stoiber hat kaum noch öffentliche Ämter
Das Tempo hat er reduzieren müssen. Öffentliche Ämter hat er jetzt kaum noch. Eben den Ehrenvorsitz der CSU, der bleibt, immer. Im Februar gab Stoiber sein letztes größeres Amt auf: Der FC Bayern München verabschiedete ihn, den glühenden Fan, als Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats.
Festakte zum Halbrunden, Reden wie zum 80., als er mit einer sehr herzlichen, liebevollen Ansprache vor CSU-Freunden seiner Frau Karin dankte? Heuer nicht, geht derzeit nicht, nur ein kleines Geburtstagsessen mit Karin in Söders Staatskanzlei. Über diese Einladung fernab der Kameras und Schlagzeilen hat sich Stoiber ehrlich gefreut: „Das zeigt seine Wertschätzung für mich ganz persönlich – aber auch für mein politisches Erbe.“