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Schwimmbad mit Waldblick

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Das Wasser ist längst eingelassen, die komplexe Technik in Funktion. Nach Abnahme, Endreinigung und einem Probebetrieb wird das neue Gräfelfinger Schwimmbad in wenigen Wochen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Es ist energetisch, technisch und nicht zuletzt optisch eine Modellanlage, von der alle Bürger profitieren sollen.

Gräfelfing – „Die einzige Attraktion sind unsere sechs olympischen Startblöcke“, sagt Dario Zadaja, Betriebsleiter und offenbar auch Meister im Tiefstapeln. Was er meint: Die Gemeinde Gräfelfing hat auf dem Schulcampus – unter einem Dach mit einer neuen Dreifeld-Sporthalle – bewusst ein reines Sport- und Lehrbad errichtet, kein Spaßbad. Wer Sauna, Whirlpool und Rutschen erwartet, kann sich den Eintritt sparen. Andererseits würde es der Sache nicht gerecht, dieses neue Schwimmbad schlicht als Ersatz für das alte jenseits der Straße zu bezeichnen, das 1972 in Betrieb ging und nun geschlossen ist; es hatte kaum etwas gemeinsam mit der neuen Anlage, bei der an nichts gespart wurde.

Schwimmbad mit Waldblick: Nur wenige Meter trennen die Nutzer vom Grün und moderne Technik von der Natur. Betriebsleiter Dario Zadaja nennt die olympischen Startblöcke augenzwinkernd „die einzige Attraktion“.
Schwimmbad mit Waldblick: Nur wenige Meter trennen die Nutzer vom Grün und moderne Technik von der Natur. Betriebsleiter Dario Zadaja nennt die olympischen Startblöcke augenzwinkernd „die einzige Attraktion“. © Dagmar Rutt

Natur und Technik in enger Nachbarschaft

Wer den Beckenbereich betritt, glaubt, er stehe im Wald. Zwei der mächtigen Fensterfronten eröffnen den Blick ins Grüne, und selbst auf der dritten Seite sind quer durch die benachbarte Sporthalle Bäume zu sehen. Natur und Technik sind hier in Vollendung beisammen wahrnehmbar. Die Halle erwartet die Nutzer mit zwei Schwimmbecken, beide ausgelegt mit wartungsarmem, hygienischem Edelstahl und in Wunschfarben beleuchtbar. Das große Becken besitzt mit sechs Bahnen auf 25 Metern Länge und 16,66 Metern Breite internationale Wettkampfmaße – daher auch die Profi-Startblöcke.

 Ich bin stolz auf diese schöne Anlage und froh, mich mit meinem Team darum kümmern zu dürfen.

Dario Zadaja, Betriebsleiter des neuen Gräfelfinger Schwimmbads

Das kleinere Becken ist ein Übungs- und Lehrbecken. Es verfügt über einen hydraulisch betriebenen Hubboden, der die Wassertiefe zwischen 0 und 1,35 Metern variabel macht – je nach Alter der Schulkinder oder Nutzungsart. Beide Becken haben auch getrennte Wasserkreisläufe und somit verschiedene Temperaturen. „Das große Becken stellen wir zunächst auf 26 Grad ein, das kleine dürfte etwas wärmer sein“, sagt Dario Zadaja. „Die Luft in der Halle muss aus Gründen der Energieeffizienz zwei Grad wärmer als das Wasser sein, also 28 Grad“, erklärt der Betriebsleiter. Überhaupt verfüge die gesamte Anlage über moderne Energierückgewinnung und sei so sparsam wie möglich. So richtet sich die Intensität des Wasseraustauschs automatisch nach der Zahl der jeweiligen Personen im Becken, damit die Umwälzpumpen stets nur so viel Strom verbrauchen wie nötig.

KI-Technik erhöht die Sicherheit

Für die Sicherheit der Badegäste sorgt neben den mindestens zwei Aufsichtspersonen moderne KI‑Technik. An der Decke sind zehn Kameras angebracht. Eine spezielle Software erkennt, ob ein Schwimmer sich über oder unter Wasser unnatürlich bewegt oder gar reglos wird, und sendet einen Alarm auf die Smartwatches der Aufsicht, einschließlich der genauen Örtlichkeit im Becken. „Es ist eine Ergänzung der Sicherheit, die wir mit Personal gewährleisten, kein Ersatz dafür“, so Dario Zadaja. „Die Technik hilft uns und den Badegästen.“ Bedenken zum Thema Datenschutz seien überflüssig. Das System erkennt keine Gesichter, Hautfarbe, Kleidung oder Geschlecht, analysiert sie nicht und speichert sie nicht. Es fokussiert sich ausschließlich auf Bewegungsabläufe und Körperumrisse.

Die gesamte Anlage ist so geplant, dass gleichzeitig zwei Schulklassen sie nutzen können, mit vier Gemeinschaftsumkleiden für jeweilige Geschlechtertrennung. Der Öffentlichkeit stehen großzügige Einzelumkleiden zur Verfügung, 178 Spinde und zusätzliche Wertschließfächer. Die Kassen sind automatisiert, man kann auch bargeldlos bezahlen. Für die Gemeinde und ihre Bürger, die sich im Jahr 2020 mit 75 Prozent in einem Bürgerentscheid für diese Sportstätte aussprachen, war es ein Hauptanliegen, dass junge Menschen schwimmen lernen. Im Jahr 2025 ertranken in Deutschland mindestens 393 Menschen in Gewässern. Im laufenden Jahr lag die offizielle Zwischenbilanz der DLRG bis Ende Juli bei mindestens 261 Todesfällen.

Das Herzstück der Anlage bekommen die Besucher nicht zu sehen; es liegt im riesigen Keller, der voll ist mit Technik. Eine Entkeimungsanlage sorgt dafür, dass das zugeführte Wasser sauberer ist, als es aus der Leitung kommt. Hinzu kommen Pumpen, Filter, Leitungen, Analysestationen, Wärmetauscher und Bullaugen mit Blick in die drei Pufferspeicher mit verschiedener Wasserreinheit. Überflüssiges Mess- und Regelwasser wandert nicht in den Kanal, sondern wird als Spülung der Pissoirs verwendet. Für die Wasserhygiene sorgen Chlorgas und eine ständig laufende, automatisierte Beprobung. „Ich bin stolz auf diese schöne Anlage und froh, mich mit meinem Team darum kümmern zu dürfen“, sagt Dario Zadaja. Die Gemeinde stellte außer dem Betriebsleiter weitere Fachkräfte ein – zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe, einen Rettungsschwimmer und einen Betriebstechniker.

Knapp 40 Millionen Euro Gesamtkosten

Die gesamte Sportstätte mit Sporthalle, Schwimmbad, Boulderwand und einem Sprinttunnel kostete knapp 40 Millionen Euro. Die Gemeinde rechnet mit einem jährlichen Defizit von 670.000 Euro durch den Betrieb und rund 56.000 Besuchern pro Jahr. Es gibt drei Preiskategorien: Einzelkarten für Erwachsene kosten 6 Euro, ermäßigte 4,50 Euro und Familienkarten (zwei Erwachsene, zwei Kinder) 17 Euro. Das Bad wird etwa Mitte Oktober für alle eröffnen und dann von Mittwoch bis Freitag von 14 bis 21 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Vormittags findet wochentags nur Schulsport statt. Die Nachmittage am Montag und Dienstag sind Vereinen wie TSV und VHS vorbehalten.

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