1. Startseite
  2. Politik

Fehlplanung: Steinmeier braucht für bestimmte Anlässe schon Ausweichquartier vom Ausweichquartier

Kommentare

Uns auf Google folgen
Die Standarte des Bundespräsidenten auf dem Interimsquartier am Spreebogen
Die Standarte des Bundespräsidenten auf dem Interimsquartier am Spreebogen © Bernd von Jutrczenka/dpa

Ob das gut ankommt? Wegen Sicherheitsmängeln rund um den Ersatzbau empfängt Bundespräsident Steinmeier Staatsgäste andernorts.

Berlin – Umzug wegen Umzug: Aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel im Umfeld seines neuen Interimsbaus muss Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier internationale Staatsgäste vorerst an anderen Orten empfangen – diese logistische Fehlplanung gesellt sich jetzt zu enormen Sanierungskosten von über einer Milliarde Euro.

Die Sicherheit im Umfeld des Neubaus reichte für den Empfang des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate laut Bundespräsidialamt nicht aus, berichtet der Spiegel. Zudem versperrt eine Dauerbaustelle das Terrain. Die traditionellen militärischen Ehren vor der Ausweichresidenz entfallen daher vorerst.

Für Steinmeier bedeutet dies wiederholte Ortswechsel im eigenen Stadtgebiet: Den Gast aus den Emiraten empfing er in der Villa Borsig, den kasachischen Präsidenten im Bendlerblock des Verteidigungsministeriums.

Milliarden-Kosten für Bellevue: Kritik an Steuerverschwendung

Während der Bundespräsident logistisch ausweicht, wächst in der Öffentlichkeit die Kritik an den immensen Ausgaben. Die Berliner Zeitung B.Z. warf der Politik Steuerverschwendung vor. Vor allem die Gesamtsumme sorgte für Empörung: Für die Generalinstandsetzung des Schlosses Bellevue und des Präsidialamtes sowie für den Interimsbau fallen weit über eine Milliarde Euro an.

Der Meinungsbeitrag kritisiert die Dimensionen scharf und verweist auf den Kontrast zwischen den 240 Beschäftigten des Präsidialamtes und den enormen Sanierungskosten. Auch der Umstand, dass frühere Staatsoberhäupter wie Horst Köhler ohne teuren Ersatzneubau auskamen und schlicht auf das Schloss Charlottenburg auswichen, stieß auf Unverständnis.

Pfusch am Bau: Bellevue-Sanierung wegen undichtem Dach und Kabel-Chaos

Steinmeier selbst hatte die Ausgaben verteidigt. Ohne die Sanierung könne das Bauwerk „in dieser Form nicht länger als repräsentativer Sitz genutzt werden“, sagte der Bundespräsident im ZDF‑„Sommerinterview“. Er erinnerte daran, dass das Schloss 250 Jahre alt ist. Das Präsidialamt listete gravierende bauliche Mängel auf: Das Dach ist undicht, die Lüftung defekt, Scheiben sind nicht schusssicher und die Decken weisen Korrosionsschäden auf.

Haupttreiber der Kosten sei jedoch nicht das Schloss selbst, sondern das Ende der 1990er-Jahre errichtete Verwaltungsgebäude. Nach Steinmeiers Angaben wurden dort beim Bau Kabel nicht ordnungsgemäß verlegt. „Und das ist das kostentreibende Stück bei dem Gesamtvorhaben“, betonte der Bundespräsident.

Nach offiziellen Daten beläuft sich die Kernsanierung des Schlosses Bellevue auf rund 146 Millionen Euro, während Bau und Planung des Präsidialamtes etwa 600 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen eine Risikoreserve von 188 Millionen Euro und 71 Millionen Euro für erwartete Baupreissteigerungen.

5000 Flaschen Wein: Die gewaltige Logistik hinter dem Umzug

Der eigentliche Umzug hatte die Behörde vor eine enorme logistische Herausforderung gestellt. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Logistik-Ausschreibung berichtet, mussten 220 Mitarbeiter rund 900 Umzugskartons füllen.

Neben Hunderten Metern Akten und 234 Kunstwerken verfrachtete die Spedition auch wertvolle Fracht: Chefkoch Jan-Göran Barth wachte über den Transport des Weinkellers mit rund 5000 Flaschen aus allen deutschen Anbaugebieten. Selbst das historische Porzellan mit 643 Kuchentellern zog im Spätwinter an den Spreebogen um.

Interimsbau bis 2034: Das Dauer-Provisorium am Spreebogen

Die Rückkehr ins Schloss Bellevue ist derzeit nicht absehbar. Nach Angaben der B.Z. sind die Arbeiten bis Mitte 2034 angesetzt. Steinmeiers zweite Amtszeit endet im Frühjahr 2027 – er wird das Schloss also nicht mehr als Amtssitz beziehen. Das Nachfolge-Staatsoberhaupt wird fast die gesamte Amtszeit im Ausweichquartier verbringen müssen.

Immerhin: Die Anmietung des Standorts für die Übergangsnutzung läuft zunächst über fünf Jahre und enthält eine Verlängerungsoption. (Quellen: Spiegel, B.Z., AFP, dpa) (frs)

Auch interessant

Kommentare

Teilen
Image