Ein Prosit auf Platz drei – Sechzig glänzt bei perfektem Wiesn-Auftakt
Uns auf Google folgenLöwen besiegen Nürnberg II 2:0, klettern in der Tabelle und belohnen sich auf der Wiesn.
München – Aus den Lautsprechern dröhnte „Bella Napoli“ – so hatte es Florian Niederlechner für den Fall eines Löwen-Sieges angekündigt. Und es dauerte nicht lange, bis der erste Spieler die Abendplanung ausplauderte. Während sich Felix Weber, Schütze des 2:0 (0:0)-Endstandes gegen Nürnberg II, beim Thema Wiesn noch ahnungslos gab, verriet Eric Uhlmann: „Die Jungs haben mich schon eingeladen. Ich glaube, das wird heute noch was.“ Die Lederhose lag beim Neuzugang aus Aue bereit, allerdings noch daheim. „Ich war selber noch nie da und bin gespannt, was mich da erwartet.“
Praktischerweise hatte Alper Kayabunar bis Mittwoch freigegeben. Belohnung für sieben Punkte aus der englischen Woche, den Sprung auf Platz drei und das neunte Ligaspiel ohne Niederlage: vier Siege, fünf Remis. „Die Jungs haben sich jetzt zwei Tage frei verdient“, sagte der Trainer. Eine Obergrenze für den Bierkonsum? Gab es nicht. Er selbst werde „heute nicht mitgehen, aber vielleicht die nächsten Tage mal“.

Das Präsidium hatte schon vor dem Anpfiff Festlaune mitgebracht: Gernot Mang und seine Mitstreiter kamen in Lederhosen ins Stadion, nachdem sie gemeinsam beim Trachtenzug mitgelaufen waren, zusammen mit den 60er-Musikanten. Ebenfalls in Zivil, allerdings unfreiwillig: der angeschlagene Michael Eberwein. Für ihn begann Uhlmann, außerdem rückte Emre Erdogan für Fabio Wagner ins Team.
Auf dem Rasen gaben zunächst die technisch versierten Club-Bubis den Takt vor. Nürnberg ließ den Ball laufen, die Löwen hatten die Chancen: Tunay Deniz scheiterte knapp per Fallrückzieher (17.) und vergab freistehend (22.), was wohl zu einfach für ihn war, Dennis Dressel verzog aus der Distanz (42.). Vor der Pause tanzte Raphael Ott einen Clubberer aus und flankte mustergültig zu Niederlechner, dessen Abschluss die Präzision fehlte.

Trotzdem gingen die Löwen unzufrieden in die Kabine – und machten sich dort bewusst, wie wenig sie zugelassen hatten. „Wenn wir so weiterspielen, ist es eine Frage der Zeit, bis wir das Tor machen“, schilderte Uhlmann die gemeinsame Überzeugung.
Es dauerte keine zwei Minuten. Dressels Traumpass erreichte Erdogan, der zu Fall kam. Eine „50-50“-Entscheidung nannte selbst Kayabunar den Elfmeterpfiff. Deniz verwandelte humorlos links unten (47.). Vierter Strafstoß im neunten Ligaspiel, zum vierten Mal bedeutete er das 1:0.
Jetzt musste die Führung bloß noch halten. Oder, besser noch: ausgebaut werden. Diesmal gelang es: Weber staubte nach einem Deniz-Eckball zum 2:0 ab (66.) – und jubelte ausgelassen vor der Westkurve. „War schon geil. Habe ich schon ein bisschen vermisst.“ Gerade die Standards hatten ihn beim 1:1 in Fürth am Dienstag gewurmt: „Ich glaube, da hatten wir zwölf Ecken“, erinnerte er sich. Nun zahlte sich die Trainingsarbeit aus: „Es war gut, dass es jetzt gleich geklappt hat.“
Vorne die Entscheidung, hinten die Null: Niederlechners Wunsch nahm Gestalt an. „Wir woin a bessere Wiesn spielen wia letztes Jahr.“ Das erste „Masserl“ hatten sich die Löwen verdient. Weiter geht’s am Samstag bei Wacker Burghausen (14.45 Uhr). Das Ziel bleibt: auch dann noch ungeschlagen sein, wenn auf der Theresienwiese die Zelte wieder abgebaut werden.