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Borkenkäfer legt Wanderweg in Österreich lahm – droht Bayern auch ein Schädlingsproblem?

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Wegen Borkenkäferbefalls bleibt der Wanderweg über den Rauhen Kamm den ganzen September zu – und auch Bayern ist vor solchen Sperrungen nicht gefeit.

München – Ein beliebter Wanderweg in den österreichischen Alpen ist für den gesamten September gesperrt – nicht wegen eines Unwetterschadens oder einer Sanierung, sondern wegen eines Käfers. Am Ötscher in Niederösterreich haben die Österreichischen Bundesforste den Weg über den Rauhen Kamm auf den Gipfel vollständig dichtgemacht. Grund sind umfangreiche Schadholzarbeiten, die durch Borkenkäferbefall notwendig wurden.

Borkenkäferbefall
Ein Borkenkäferbefall zwingt die österreichischen Forstbetriebe zur Sperrung des Wanderweges. © Collage Screenshot/Frank Helmrich/Österreichische Bundesforste - Armin Weigel/picture alliance/dpa

Der Fall macht deutlich, wie folgenreich der scheinbar kleine Schädling werden kann – für den Wald, für die Forstwirtschaft und mittlerweile auch für den Tourismus. Denn der Borkenkäfer ist längst kein regionales Randphänomen mehr. Er breitet sich in ganz Mitteleuropa aus, befällt geschwächte Fichten in immer höheren Lagen und zwingt Forstbetriebe zu Maßnahmen, die auch Wanderer spüren. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beobachtet die Lage, wie sie auf Anfrage des Münchner Merkur von Ippen.Media mitteilt.

Erstmals gesperrt: Borkenkäferbefall am Ötscher zwingt Bundesforste zu radikalem Schritt

„Uns ist bewusst, dass der September eine beliebte Wanderzeit am Ötscher ist. Aufgrund des Borkenkäferbefalls können die Arbeiten jedoch nicht weiter aufgeschoben werden“, erklären die Österreichischen Bundesforste in einer Pressemitteilung. Die Sperre gilt vom 1. bis 30. September und umfasst neben dem Wanderweg über den Rauhen Kamm auch die Forststraße „Reitsteig“ zwischen Raneck und Bärenlacke. Auch an Wochenenden und außerhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Betreten verboten.

Ein Betreten des gesperrten Bereichs könne selbst in arbeitsfreien Zeiten lebensgefährlich sein: Bei den Schadholzarbeiten kommt eine Seilkrananlage zum Einsatz, deren Seile den Wanderweg mehrfach queren und unter hoher mechanischer Spannung stehen. Hinzu kommt Holz- und Arbeitsmaterial, das im Gelände liegt.

Gegenüber noe.ORF.at erklärten die Bundesforste, die Region um den Ötscher sei bislang vergleichsweise wenig vom Borkenkäfer betroffen gewesen. Der trockene Sommer 2026 habe jedoch viele Fichten geschwächt und den Befall begünstigt. Schadholzaufarbeitungen habe es zwar auch früher gegeben, eine vollständige Wegsperrung aber noch nie. Den Ötschergipfel können Wanderer im September weiterhin über den Normalweg von Lackenhof und das Ötscherschutzhaus erreichen.

Winziger Käfer, verheerende Kettenreaktion – Katastrophenjahre 2019 und 2020

Der Borkenkäfer – allen voran der sogenannte Buchdrucker – bohrt sich unter die Rinde von Fichten und legt dort seine Eier ab, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW). Die Larven fressen sich durch das Gewebe des Baumes und unterbrechen so die Saftstromleitung. Der Baum verdurstet von innen. Ein gesunder Baum kann sich mit verstärktem Harzfluss wehren. Doch bereits rund 200 Käfer pro Baum reichen laut wald.de aus, um diese Abwehr zum Erliegen zu bringen.

Besonders tückisch: Der Harzduft eines befallenen Baumes zieht weitere Käfer an. Aus einem lokalen Befall kann so binnen kurzer Zeit eine Massenvermehrung werden, die ganze Waldstriche vernichtet. Seit 2018 leiden Fichtenwälder in Mitteleuropa durch Hitze und Trockenheit verstärkt unter diesem Mechanismus. In besonders schlimmen Jahren – wie 2019 und 2020 – starben allein in Deutschland auf rund 285.000 Hektar Waldfläche Bäume durch Borkenkäferbefall ab.

Situation in Bayern aktuell ruhig, doch Expertin warnt: „Die Saison ist noch nicht vorbei“

Wie steht es um Bayern, das mit seinen Alpen- und Voralpenregionen ähnliche Voraussetzungen mitbringt wie Österreich? „In Bayern ist es aktuell erstaunlich ruhig, da haben wir mehr erwartet bezüglich der Fangzahlen. Es hat bisher keine Massenvermehrung stattgefunden. Allerdings ist die Saison noch nicht beendet“, erklärt Cornelia Triebenbacher von der LWF auf Anfrage des Münchner Merkur.

Dass ein Szenario wie am Ötscher grundsätzlich auch in Bayern möglich ist, schließt die Expertin nicht aus: „Regional kommt es schon vor, dass ein Befall aufgearbeitet werden muss und Wege – darunter auch Wanderwege – vorübergehend gesperrt werden. Schließlich ist ein Befall gefährlich.“ Entscheidend sei dabei vor allem die Witterung. Bei warmem, trockenem Wetter seien die Bäume anfälliger. „Man schaut ab dem Frühjahr, um einen Befall frühzeitig zu erkennen, bevor er sich weiter aufbaut und ausbreitet. Wichtig ist natürlich eine saubere Waldwirtschaft, sodass es lokal bleibt.“

Die LWF betreibt seit 2004 ein bayernweit einheitliches Überwachungssystem für die beiden forstlich bedeutsamsten Borkenkäferarten – den Buchdrucker und den Kupferstecher. Spezialisten werten dabei Daten aus Fallenfängen und Bruthölzern aus und verknüpfen sie mit lokalen Lageeinschätzungen der Forstämter. (Quellen: Eigene Recherche, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Österreichische Bundesforste, noe.ORF.at, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V., wald.de) (jaka)

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