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Protest legt Fernpass in Österreich lahm – Urlaubern drohen lange Staus

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Am 27. Juni blockierten Bürgerinitiativen die Fernpassstraße in Tirol für zwei Stunden. Reisende auf der beliebten Alpenroute sollten großräumig ausweichen.

Update vom 27. Juni, 12:47 Uhr: Die zweistündige Demonstration der Fernpassstraße in Tirol ist vorbei. Die Sperrung wurde aufgehoben. Das teilte eine Sprecherin des Bundeslandes der dpa mit. Dennoch riefen die Behörden dazu auf, die Alpenroute am Samstag wegen Staugefahr zu meiden.

Demonstranten ziehen in einem Demonstrationszug auf der gesperrten B179 Fernpassstraße zu einer Kundgebung.
Demonstranten ziehen in einem Demonstrationszug auf der gesperrten B179 Fernpassstraße zu einer Kundgebung. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Erstmeldung: Wer am kommenden Samstag (27. Juni) über den Fernpass von Deutschland nach Italien oder in umgekehrter Richtung reisen möchte, steht vor einem Problem. Eine Bürgerinitiative hat auf der Bundesstraße 179 zwischen Reutte und Nassereith für den 27. Juni Versammlungen angemeldet, die eine vollständige Straßensperre nach sich ziehen. Behörden und Automobilclubs empfehlen, die gesamte Route an diesem Tag zu umgehen – nicht nur während der eigentlichen Sperrzeit.

Der Hintergrund ist ein seit zwei Jahren schwelender Konflikt zwischen Teilen der Bevölkerung im Außerfern und der schwarz-roten Tiroler Landesregierung. Kern des Streits ist das sogenannte Fernpasspaket, ein Investitionsvorhaben mit einem Haftungsrahmen von 600 Millionen Euro, das laut tirol.orf.at unter anderem zwei Tunnelprojekte und eine neue Mautregelung vorsieht. Kritiker befürchten, dass die Maßnahmen den Transitverkehr in der Region langfristig steigern statt reduzieren.

Fernpass-Sperre: Zwei Stunden, zwei Orte, weitreichende Folgen für Urlauber

Die Sperre der B179 gilt laut dem Land Tirol von 10 bis 12 Uhr. Gesperrt wird die Strecke an zwei Punkten gleichzeitig: im Bereich Reutte/Katzenberg im Norden sowie bei Nassereith/Rastland im Süden. Der dazwischenliegende Abschnitt von rund 34 Kilometern Länge bleibt zwar befahrbar, ist aber von der Außenwelt abgeschnitten. Ausnahmen für Anrainer gibt es auf der B179 nicht; einzig Einsatzfahrzeuge dürfen die Sperrstellen passieren.

Parallel dazu wird die Hahntennjochstraße (L246) zwischen 9:45 und 12 Uhr ebenfalls für den gesamten Verkehr gesperrt. Damit entfällt auch diese naheliegende Umgehungsmöglichkeit. Menschen, die unmittelbar an der Hahntennjochstraße wohnen, sind von dieser Regelung ausgenommen. Insgesamt werden 40 Polizeibeamte vor Ort im Einsatz sein.

„Verkehrspolitische Schizophrenie“: Bürgerinitiative fordert Stopp aller geplanten Bauprojekte

Hinter den Versammlungen steht die Initiative „Lebensraum Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“. Ihr Sprecher Ludwig Gruber verweist laut tirol.orf.at auf eine drastische Zunahme des Schwerlastverkehrs: Seit den 1990er Jahren habe sich die tägliche Zahl der Lkw-Fahrten über den Fernpass auf rund 1400 verdoppelt. Die Initiative fordert Südtirol News zufolge einen sofortigen Stopp der geplanten Bauprojekte, eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und wirksamen Schutz von Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung in der Region.

Das Fernpasspaket der Landesregierung sieht konkret den Bau einer zweiten Röhre für den Lermoosertunnel (Kosten: rund 250 Millionen Euro, Baubeginn 2027) sowie den Bau eines 1,4 Kilometer langen Fernpasstunnels vor, der 4,8 Kilometer Passstrecke ersetzen soll (Kosten: rund 160 Millionen Euro, geplante Inbetriebnahme 2029). Hinzu kommen Lärmschutzmaßnahmen und eine Pkw-Maut von rund 14 Euro. Gruber bezeichnete das Vorhaben als „verkehrspolitische Schizophrenie“ – er kritisiert, dass Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) zwar persönlich an der Brenner-Demonstration teilgenommen habe, am Fernpass aber Millioneninvestitionen in neue Straßenkapazitäten vorantreibe.

Kein Vergleich mit dem Brenner – aber erhebliche Staugefahr erwartet

Verkehrsexperten und Behörden betonen, dass die Situation am Fernpass nicht mit der ganztägigen Brenner-Blockade Ende Mai vergleichbar sei. Damals waren die befürchteten Staus weitgehend ausgeblieben, weil viele Reisende ihre Fahrten vorsorglich verlegt hatten. Am Fernpass handelt es sich lediglich um ein zweistündiges Zeitfenster – was aber nicht bedeutet, dass der Verkehr reibungslos fließen wird.

Der Termin fällt auf den Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, sodass an diesem Samstag ohnehin erhöhtes Reiseaufkommen zu erwarten ist. Sowohl der ADAC als auch der ÖAMTC warnen vor langen Staus vor und nach der Sperrzeit. Wer dennoch nach Tirol oder weiter nach Italien reisen muss, hat zwei großräumige Alternativen: über die A96 Richtung Lindau und dann über die Vorarlberger Rheintalautobahn (A14) in Richtung Westtirol, oder über die A8 München bis zum Inntaldreieck und dann über die A93 bei Kiefersfelden auf die Tiroler Inntalautobahn (A12).

Wichtig: Auf allen Ausweichstrecken gelten strenge Fahrverbote für Transitverkehr. In Tirol sind Schleichwege durch Ortschaften am 27. Juni von 7 bis 19 Uhr untersagt – betroffen sind unter anderem die Ortsdurchfahrt Nassereith sowie mehrere Landesstraßen im Bezirk Reutte. Auch in Bayern entlang der A7 gelten entsprechende Regelungen. Die Polizei hat laut dem Land Tirol angekündigt, diese Verbote konsequent zu kontrollieren, bereits ab der deutschen Grenze bei Vils/Füssen. (Quellen: dpa, tirol.orf.at, Land Tirol, Südtirol News, ADAC, ÖAMTC) (jaka)

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