Gestrandeter Wal lockt gefährliche Haie an – Strand in Westaustralien bleibt gesperrt
Uns auf Google folgenEin toter Wal am Strand könnte noch wochenlang Weiße Haie anlocken. Forscher warnen: Der Geruch könnte sich im Sand festsetzen und die Raubtiere in Strandnähe halten.
Perth – Die Behörden in Westaustralien haben ein Problem: Ein gestrandeter Walkadaver in Perth am City Beach zieht mehrere Weiße Haie an, die sich bis auf zehn bis 15 Meter an die Küste wagen. Die gesichteten Raubtiere sind zwischen drei und fünf Meter lang. Am Montag und Dienstagmorgen kreisten sie in unmittelbarer Nähe des toten Meeressäugers, wie The Sydney Morning Herald berichtet.

Culum Brown, Forscher am Macquarie University Fish Lab, erklärt gegenüber der Zeitung: „Wenn es eine kostenlose Mahlzeit gibt, werden sie sicherlich davon angezogen, und es ist sehr bekannt, dass sie zu Walkadavern kommen.“ Selbst flaches Wasser schreckt Haie nicht ab. „Ich habe Haie gesehen, die sich praktisch stranden ließen, um an leichte Nahrung zu kommen“, sagt der Wissenschaftler. Der Geruch des verwesenden Wals kann wochenlang anhalten, da Öl und Verwesungsgeruch in den Sand und ins Grundwasser eindringen. Mit den Gezeiten verbreitet sich der Duft über einen größeren Radius.
Hai-Alarm in Perth: Walkadaver lockt Weiße Haie an Strand – Behörden nutzen Gelegenheit zur Markierung
Die offizielle Wasserrettungsorganisation Westaustraliens, Surf Life Saving WA, hat die Sichtungen gemeldet und den betroffenen Strand vorerst sperren lassen, wie ABC News berichtet. Die Fischereibehörde DPIRD setzte am Dienstag drei Köderstationen ein, um die Haie zu markieren. Doch Brown ist skeptisch: Die Anziehungskraft des Walkadavers sei weitaus stärker als jeder Köder an einem Haken. Fischereiministerin Jackie Jarvis will dennoch die Gelegenheit nutzen, um möglichst viele Tiere zu markieren.
Bei der Markierung wird der Hai neben dem Boot auf den Rücken gedreht – eine Technik, die den sogenannten Tonic-Immobility-Reflex auslöst: Haie verfallen in dieser Position in eine Art natürliche Starre und bewegen sich kaum noch. Forscher nutzen diesen Zustand, um das Tier sicher zu vermessen und ihm einen chirurgisch eingesetzten inneren Sender zu implantieren, ohne dass es sich stark wehrt oder Mensch und Ausrüstung gefährdet. Laut smh.com.au handelt es sich dabei um eine aufwendige Prozedur, die die australische Fischereibehörde DPIRD im Zuge der aktuellen Markierungsaktion anwendet.
Walkadaver soll auf Mülldeponie entsorgt werden – Rücktransport ins Meer birgt Hai-Risiko
Der Kadaver soll auf einer Mülldeponie entsorgt werden, statt ihn ins Meer zurückzuschleppen. Bei den aktuellen Wetterbedingungen besteht die Gefahr, dass der Körper auseinanderbricht und Teile an die Küste zurückgeschwemmt werden, so Jarvis. Dies würde die Haiaktivität erst recht verstärken. Solange Haie in der Nähe gesichtet werden, bleibt der Strand aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Die Vorsichtsmaßnahmen erfolgen nur elf Tage nach einem tödlichen Haiangriff am Sorrento Beach, zwölf Kilometer nördlich. Der 63-jährige Greg O'Neill starb nach der Attacke eines mutmaßlichen Weißen Hais in Strandnähe. Die Behörden erteilten daraufhin einen „Catch-and-Kill"-Befehl. Erstmals seit zehn Jahren darf der verdächtige Hai gejagt und getötet werden.
Haie gelten allgemein jedoch als weit weniger gefährlich für den Menschen, als ihr Ruf vermuten lässt: Weltweit kommt es jährlich nur zu wenigen Dutzend unprovozierten Angriffen, von denen die wenigsten tödlich enden – Menschen sterben deutlich häufiger durch Blitzschlag, Bienenstiche oder Autounfälle am Strand als durch Haie. Quellen: ABC News, The Sydney Morning Herald (bk)