Muren-Alarm in Österreich – ganze Häuser unweit der Grenze evakuiert
Uns auf Google folgenTagelanger Regen löst im Salzburger Pongau eine massive Mure aus. Rund 70 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Naturgewalt, Anwohner wurden evakuiert.
Kleinarl – Nach tagelangen starken Regenfällen ist am Freitagabend (15. Mai) in Kleinarl im Salzburger Pongau eine massive Mure abgegangen. Kurz nach 20 Uhr setzten sich die Erdmassen in Bewegung und schoben sich direkt in Richtung eines Wohngebiets. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert. Einsatzleiter Patrick Heiss von der Freiwilligen Feuerwehr Kleinarl schilderte gegenüber dem ORF Salzburg die Lage: „In diesem Ausmaß haben wir das hier noch nie gehabt.“

Kleinere Abgänge habe es in dem Bereich zwar immer wieder gegeben, eine derart große Mure sei in Kleinarl, das eine gute halbe Stunde von der deutschen Grenze entfernt liegt, jedoch bislang nicht registriert worden. Sieben Wohnhäuser mussten noch in der Nacht evakuiert werden, „weil sie im Gefahrenbereich waren“, so Heiss. Rund 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Bergrettung und Rotem Kreuz arbeiteten bis in den Samstagmorgen hinein, um Schlimmeres zu verhindern.
Muren-Abgang mit Nachrutschungen: Österreichische Einsatzkräfte nutzen Drohnen
Noch während die ersten Einsatzkräfte eintrafen, kam es immer wieder zu gefährlichen Nachrutschungen. Heiss erklärte, dass sich oberhalb der Abbruchstelle noch große Mengen an losem Material befunden hätten – ein weiterer Abgang sei jederzeit möglich gewesen. Eine Erdbewegungsfirma rückte mit schwerem Gerät an, um die Gräben freizuhalten und weiteres Abrutschen zu verhindern. Die Feuerwehr überwachte das betroffene Gebiet zusätzlich mit Drohnen und führte regelmäßige nächtliche Kontrollfahrten durch, wie meinbezirk.at berichtet.
Am Samstagmorgen begutachtete Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst Salzburg die Lage vor Ort. Das Ergebnis: Vier der sieben evakuierten Häuser durften ihre Bewohner wieder aufnehmen. Drei Gebäude blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt. Laut Valentin könnte eine Freigabe frühestens am Sonntag erfolgen – wenn der nachlassende Niederschlag eine Entspannung der Situation erlaubt.
Muren stellen Alpenländer regelmäßig vor Herausforderungen – Klimawandel als Ursache
Kleinarl ist kein Einzelfall. Muren verursachen in Österreich immer wieder schwere Schäden. Die Alpen gelten als geologisch junges Hochgebirge, in dem Massenbewegungen grundsätzlich besonders häufig vorkommen – der Klimawandel wirkt dabei als zusätzlicher Verstärker. „Durch intensivere Starkregen steigt die Gefahr für Siedlungen und Infrastruktur durch Muren, Hochwasser und Rutschungen, während die lokalen Anpassungskapazitäten vielerorts begrenzt sind“, erklärt Klimaforscherin Margreth Keiler von der Universität Innsbruck im Standard.
Erst im Sommer 2025 gingen im Tiroler Gschnitztal nach heftigen Unwettern mehrere Muren ab. Das dortige historische Mühlendorf, ein beliebtes Freilichtmuseum, wurde dabei nahezu vollständig zerstört. Dutzende Menschen mussten per Hubschrauber gerettet werden, wie tips.at berichtet. Im August 2025 traf ein Murenabgang den Bereich Rennweg am Katschberg in Kärnten. Und im Juli 2024 zerstörte eine Mure bei Serfaus in Tirol einen Teil der Reschenstraße und sperrte die wichtigste Route über den Reschenpass zeitweise komplett.
Im gleichen Sommer traf es auch die Arlbergpassstraße: Ein Murenabgang riss auf der Vorarlberger Seite rund 40 Meter Straße weg und machte die ohnehin schon gesperrte Umleitungsstrecke für den Arlbergtunnel unbefahrbar, so verkehrsrundschau.de. Nach dem jüngsten Alarm in Kleinarl gab es immerhin eine gute Nachricht: „Verletzt wurde niemand, es kam auch zu keinen Objektschäden“, sagte Heiss gegenüber der österreichischen Presseagentur APA. (Quellen: ORF Salzburg, meinbezirk.at, Der Standard, tips.at, verkehrsrundschau.de, APA) (jaka)