Manche Orte erleben Regen fast als Dauerzustand. Oft steckt ein Zusammenspiel aus Küste, Höhenlage und Wetterlagen dahinter. Wo regnet es besonders viel?
Wer bei trübem Wetter an London denkt, tut der britischen Hauptstadt ein wenig unrecht. Mit rund 600 Millimetern Jahresniederschlag wirkt die Metropole im weltweiten Vergleich beinahe trocken. Selbst das regnerische Pilgerziel Santiago de Compostela in Galicien erreicht mit knapp 2.000 Millimetern nur einen Bruchteil des Niederschlages anderer Regionen. Die nasseste Region Europas, das montenegrinische Bergdorf Crkvice mit rund 4.600 Millimetern, verblasst im Vergleich zu globalen Werten. An manchen exponierten Hängen rund um den Globus fallen nämlich ganz andere Wassermengen vom Himmel.
Wie Gebirgszüge feuchte Meeresluft zum Abregnen zwingen
Hinter diesen gewaltigen Regenmengen stecken keine kurzen Unwetter, sondern stetige physikalische Prozesse. Treffen feuchte Meereswinde auf steile Berghänge, werden sie unausweichlich nach oben geleitet. Die aufsteigende Luftmasse kühlt in der Höhe ab und entlädt ihren Wasserdampf als lang anhaltenden Steigungsregen. Durch diesen orografischen Stau entstehen an den windzugewandten Bergflanken dauerhaft feuchte Vegetationszonen. Übrigens sollte man gerade bei Regen das Fenster öffnen.
Die globalen Regen-Spitzenreiter liegen in Indien und Südamerika
Zu den verregneten Spitzenreitern zählt das indische Khasi-Plateau mit Orten wie Mawsynram und Cherrapunji. Dort treibt der Sommermonsun riesige Wolkenfelder gegen das Felsplateau und liefert fast 12.000 Millimeter Regen im Jahr. Ähnlich hohe Werte verzeichnet das kolumbianische Chocó-Tiefland vor den Anden durch feuchte Pazifikwinde. Beide Gebiete zeigen, wie Seeluft und Gebirgshöhen enorme Regenmengen erzeugen. Regen fällt dort nicht nur während einzelner Unwetter, sondern oft als regelmäßiges Muster über lange Zeiträume.
Menschliche Anpassung und unberührte Naturräume
Das tägliche Leben mit dem ständigen Wasser verlangt pragmatische Lösungen. Dauerfeuchte, schwierige Verkehrswege und aufwendige Infrastruktur prägen den Alltag der regenreichsten Gebiete. Gleichzeitig entstehen durch den vielen Regen extrem grüne Landschaften, dichte Wälder und Nebelzonen. Im indischen Bundesstaat Meghalaya formen Dorfgemeinschaften lebende Baumwurzeln zu stabilen Brücken über reißende Flüsse.
Im kolumbianischen Urwald wiederum dienen breite Wasserwege als verlässliche Verkehrsachsen durch den Dschungel. Andere Zonen wie die neuseeländischen Südalpen sind hingegen unbewohnt und werden nur von Wetterstationen überwacht. Die stetige Feuchtigkeit sorgt in all diesen Regionen für eine tiefgrüne Vegetation. Zusammen mit zahllosen stürzenden Wasserfällen verwandelt das viele Wasser diese feuchten Landschaften in eindrucksvolle Naturspektakel.