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Regen ohne Ende: Diese Orte zählen zu den nassesten der Welt

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Manche Orte erleben Regen fast als Dauerzustand. Oft steckt ein Zusammenspiel aus Küste, Höhenlage und Wetterlagen dahinter. Wo regnet es besonders viel?

Tidepool covered in Bladderwrack seaweed Fucus vesiculosis at sunrise at Camper Creek along the West Coast Trail. Pacific Rim National Park Reserve, Vancouver Island, BC, Canada
1 / 16Pacific Rim Nationalpark (Vancouver Island, Kanada): An der windzugewandten Westküste von Vancouver Island fangen bewaldete Gebirgszüge feuchte Tiefdruckgebiete des Pazifiks ab. Durch das Aufsteigen der Seeluft fallen in diesem Teil der Insel jährlich zwischen 3.000 und über 6.000 Millimeter Niederschlag. Die beständige Feuchtigkeitszufuhr lässt dichte gemäßigte Regenwälder entstehen und speist unzählige Wasserläufe wie den Camper Creek. © IMAGO
A yellow diesel train is driving in the mountains and forests. Along the Pingxi line, there are river valleys, potholes and waterfalls. Taiwan
2 / 16Huoshaoliao und Pingxi (Taiwan): Im bergigen Bezirk Pingxi im Norden von Taiwan treffen feuchte Wintermonsune und sommerliche Tropenstürme auf steil aufragende Höhenzüge. An Messpunkten wie Huoshaoliao führen diese orografischen Staueffekte zu durchschnittlichen Jahresniederschlägen von über 6.500 Millimetern. Das beständig feuchte Klima begünstigt ein schnelles Pflanzenwachstum und speist die dichten subtropischen Bergwälder entlang der tief eingeschnittenen Flusstäler. © IMAGO
View Landscape Puncak Jaya Regency PAPUA
3 / 16Jayawijaya-Gebirge im Lorentz-Nationalpark (Papua, Indonesien): Im Lorentz Nationalpark auf der Insel Neuguinea steigen feuchtwarme tropische Luftmassen an den Hängen des Jayawijaya Gebirges auf. In den mittleren Höhenlagen fallen dadurch jährlich zwischen 6.000 und 10.000 Millimeter Regen. Die Feuchtigkeit ermöglicht dichte Bergregenwälder, die nahtlos in alpine Moorlandschaften unterhalb der Felsgipfel übergehen. © IMAGO
Chilean Fjords, Magallanes Province, Magallanes Region, Chile: Puerto Profundo
4 / 16Puerto Profundo, Region Magallanes (Chile): In den abgelegenen Fjorden der chilenischen Region Magallanes treffen feuchte Westwinde vom Südpazifik auf steile Berghänge. An den vorgelagerten Inseln führt dieser Staueffekt zu einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von rund 7.350 Millimetern. Die beständige Feuchtigkeitszufuhr ermöglicht das Wachstum dichter subpolarer Regenwälder aus Südbuchen und Canelos. Häufige Wolkendecken und Seenebel verringern die Verdunstung und halten die Böden der Fjordlandschaft dauerhaft feucht. © IMAGO/Kike Calvo
Indien Valley in Malshej Ghats, western Ghtas, Monsoon, Maharashtra, India The image of Valley in Malshej Ghats Westghats
5 / 16Westghats-Kamm (Agumbe und Amboli, Indien): Im indischen Küstengebirge der Westghats treffen feuchte Sommermonsune vom Arabischen Meer auf die Steilhänge des Dekkan-Plateaus. An Einschnitten wie dem Malshej Ghat stauen sich dichte Wolkenmassen und entladen über mehrere Monate hinweg erhebliche Regenmengen. Innerhalb weniger Monate fallen an den dicht bewaldeten Hängen rund 7.500 Millimeter Regen. Das viele Wasser lässt temporäre Wasserfälle entstehen und speist bedeutende Flüsse, die weite Teile Südindiens mit Trinkwasser versorgen. © IMAGO/HIRA PUNJABI/Avalon
Reich Falls also known as Reach Falls on the Drivers River in the John Crow Mountains near Port Anthony
6 / 16Blue Mountains (Jamaika): Nordöstliche Passatwinde transportieren feuchte Meeresluft an die Hänge der Blue and John Crow Mountains im Osten Jamaikas. An den windzugewandten Bergflanken kühlt die aufsteigende Luft ab und sorgt für ganzjährigen Niederschlag von über 5.000 Millimetern. Dichte Nebeldecken hüllen die Bergkämme regelmäßig ein und versorgen die Wälder sowie zahlreiche Aufsitzerpflanzen mit zusätzlicher Feuchtigkeit. © IMAGO
Babinda creek - this river flows picturescquely over hugh boulders down a narrow gorge within lush tropical rainforest. Neuseeland Queensland
7 / 16Bellenden-Ker-Massiv und Mount Bartle Frere (Queensland, Australien): In den feuchten Tropen von Queensland ragen die Granitberge des Bellenden Ker Massivs über die bewaldete Küstenebene. Feuchte Winde vom Korallenmeer kühlen beim Aufstieg an den Hängen ab und führen zu durchschnittlich 8.120 Millimetern Regen pro Jahr. Das Wasser sammelt sich im malerischen Babinda Creek. In den kühlen Bergwäldern finden spezialisierte Tierarten wie der Bellenden Ker Frosch einen geschützten Lebensraum. © IMAGO
Aerial photo taken on June 6, 2022 shows the scenery of Mount Emei in southwest China Sichuan
8 / 16Emei Shan (Sichuan, China): Der Berg Emei Shan erhebt sich am westlichen Rand des Roten Beckens in der chinesischen Provinz Sichuan. Beim Aufeinandertreffen warmer Beckenluft mit den kühleren Steilhängen bilden sich dichte Wolkenschichten, die jährlich über 8.100 Millimeter Niederschlag abladen. Zwischen den alten Tempelbauten gedeihen dichte Nadelwälder, die oft von feuchtem Nebel eingehüllt sind. © IMAGO/Jiang Hongjing
Carbet waterfalls Basse Terre Guadeloupe Caribbean Karibik Wasserfall
9 / 16Basse-Terre und Carbet-Wasserfälle (Guadeloupe): Am Vulkan La Soufrière auf der Insel Basse-Terre stauen sich feuchte Passatwinde des Atlantiks an den oberen Berghängen. Durch diesen Hebungseffekt fallen in den Gipfellagen jährliche Niederschlagsmengen von 8.000 bis 10.000 Millimetern. Das abfließende Regenwasser sammelt sich im Bergregenwald und speist die Carbet-Wasserfälle auf ihrem Weg durch mehrere Geländestufen zum Meer. © IMAGO
Sign at Kalalau Valley Lookout showing the direction of Mount Waialeale, Kauai, Hawaii, USA
10 / 16Mount Waialeale (Kauai, USA): Der erloschene Vulkan Mount Waialeale ragt im Zentrum der Insel Kauai in die Bahn der pazifischen Passatwinde. Die feuchte Seeluft kühlt an den steilen Flanken ab und bringt jährliche Niederschlagsmengen von rund 9.760 Millimetern hervor. Das herabströmende Regenwasser speist zahlreiche Kaskaden und erhält das weitläufige Alakai Hochmoor dauerhaft feucht. © IMAGO/Andre Seale
Aerial view over West Maui Mountains and Pacific Ocean with Puu Kukui along the Hawaii Route 30 Maui
11 / 16Big Bog und Puu Kukui (Maui, USA): Auf der hawaiianischen Insel Maui gehören das Hochmoor Big Bog und der Gipfel Puu Kukui zu den niederschlagsreichen Bergregionen. Stetige Passatwinde transportieren reichlich Feuchtigkeit vom offenen Meer an die Berghänge, wo jährlich über 9.000 Millimeter Regen niedergehen. Diese Wassermengen nähren eine dichte Schicht aus Moosen und Farnen, die den Inseln als natürlicher Wasserspeicher dient. © IMAGO
Mist rising in the rainforest around Limbe southwest Cameroon Africa Kamerun
12 / 16Debundscha am Mount Cameroon (Kamerun): Das Fischerdorf Debundscha liegt direkt an der Küste des Südatlantiks am Fuß des viertausend Meter hohen Kamerunbergs. Feuchte Meeresluft prallt gegen das vulkanische Bergmassiv und sorgt für Jahresniederschläge von rund 10.300 Millimetern. Ein historischer Leuchtturm aus dem späten neunzehnten Jahrhundert weist Schiffen bei den häufigen Regenfällen den Weg entlang der Küste. © IMAGO
Waterfall on the Rio Santo Antonio in the upper region of the Gran Caldera Volcanica de Luba Caldera
13 / 16San Antonio de Ureca (Insel Bioko, Äquatorialguinea): Die Ortschaft San Antonio de Ureca befindet sich an der Südküste der vulkanischen Insel Bioko im Golf von Guinea. Kräftige Seewinde treffen auf die dicht bewaldeten Hänge der Caldera de Luba und entladen jährlich rund 10.450 Millimeter Regen. An den dunklen Vulkanstränden der Region nutzen Meeresschildkröten die geschützten Küstenabschnitte zur Eiablage. © IMAGO
Turquoise water in the Hokitika Gorge South Island New Zealand Neuseeland
14 / 16Cropp-River-Einzugsgebiet (Südalpen, Neuseeland): An der Westküste der neuseeländischen Südinsel fangen die Südalpen feuchte Luftströmungen von der Tasmanischen See ab. Im Einzugsgebiet des Cropp River fallen dadurch jährlich rund 11.500 Millimeter Niederschlag. Tiefe Felsschluchten leiten das abfließende Wasser über den Hokitika Fluss in Richtung Meer. © IMAGO/Michael Runkel
Daily life in Quibdo, Colombia  Komlumbien
15 / 16Chocó-Tiefland (Tutunendo und Quibdó, Kolumbien): Das Tiefland des Departements Chocó liegt an der Westküste Kolumbiens vor den bewaldeten Hängen der Anden. Feuchte Luftmassen vom Pazifischen Ozean stauen sich an den Gebirgswänden und führen zu jährlichen Regenmengen von über 10.000 Millimetern. Das Leben der lokalen Gemeinden orientiert sich an den vielen Wasserläufen, die als wichtige Verkehrswege durch das dichte Waldgebiet dienen. © IMAGO/Juancho Torres
Lebende Brücke in Nongriat, Khasi-Berge, Meghalaya
16 / 16Khasi-Plateau (Mawsynram und Cherrapunji, Indien): Im Gebirgszug der Khasi Hills im indischen Bundesstaat Meghalaya treffen feuchte Winde aus dem Golf von Bengalen auf ein steiles Felsplateau. Die aufsteigende Luft kühlt rasch ab und erzeugt jährliche Niederschlagsmengen von fast 12.000 Millimetern. Die Bewohner der Region nutzen das Wurzelwerk von Gummibäumen zum Bau stabiler Brücken über die zahlreichen Flussläufe. Im Winter folgt eine trockene Phase, weshalb die Siedlungen trotz des vielen Sommerregens auf Zisternen angewiesen sind. © IMAGO/David Talukdar

Europäische Vorurteile und weltweiter Dauerregen

Wer bei trübem Wetter an London denkt, tut der britischen Hauptstadt ein wenig unrecht. Mit rund 600 Millimetern Jahresniederschlag wirkt die Metropole im weltweiten Vergleich beinahe trocken. Selbst das regnerische Pilgerziel Santiago de Compostela in Galicien erreicht mit knapp 2.000 Millimetern nur einen Bruchteil des Niederschlages anderer Regionen. Die nasseste Region Europas, das montenegrinische Bergdorf Crkvice mit rund 4.600 Millimetern, verblasst im Vergleich zu globalen Werten. An manchen exponierten Hängen rund um den Globus fallen nämlich ganz andere Wassermengen vom Himmel.

Wie Gebirgszüge feuchte Meeresluft zum Abregnen zwingen

Hinter diesen gewaltigen Regenmengen stecken keine kurzen Unwetter, sondern stetige physikalische Prozesse. Treffen feuchte Meereswinde auf steile Berghänge, werden sie unausweichlich nach oben geleitet. Die aufsteigende Luftmasse kühlt in der Höhe ab und entlädt ihren Wasserdampf als lang anhaltenden Steigungsregen. Durch diesen orografischen Stau entstehen an den windzugewandten Bergflanken dauerhaft feuchte Vegetationszonen. Übrigens sollte man gerade bei Regen das Fenster öffnen.

Die globalen Regen-Spitzenreiter liegen in Indien und Südamerika

Zu den verregneten Spitzenreitern zählt das indische Khasi-Plateau mit Orten wie Mawsynram und Cherrapunji. Dort treibt der Sommermonsun riesige Wolkenfelder gegen das Felsplateau und liefert fast 12.000 Millimeter Regen im Jahr. Ähnlich hohe Werte verzeichnet das kolumbianische Chocó-Tiefland vor den Anden durch feuchte Pazifikwinde. Beide Gebiete zeigen, wie Seeluft und Gebirgshöhen enorme Regenmengen erzeugen. Regen fällt dort nicht nur während einzelner Unwetter, sondern oft als regelmäßiges Muster über lange Zeiträume.

Menschliche Anpassung und unberührte Naturräume

Das tägliche Leben mit dem ständigen Wasser verlangt pragmatische Lösungen. Dauerfeuchte, schwierige Verkehrswege und aufwendige Infrastruktur prägen den Alltag der regenreichsten Gebiete. Gleichzeitig entstehen durch den vielen Regen extrem grüne Landschaften, dichte Wälder und Nebelzonen. Im indischen Bundesstaat Meghalaya formen Dorfgemeinschaften lebende Baumwurzeln zu stabilen Brücken über reißende Flüsse.

Im kolumbianischen Urwald wiederum dienen breite Wasserwege als verlässliche Verkehrsachsen durch den Dschungel. Andere Zonen wie die neuseeländischen Südalpen sind hingegen unbewohnt und werden nur von Wetterstationen überwacht. Die stetige Feuchtigkeit sorgt in all diesen Regionen für eine tiefgrüne Vegetation. Zusammen mit zahllosen stürzenden Wasserfällen verwandelt das viele Wasser diese feuchten Landschaften in eindrucksvolle Naturspektakel.

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